{"id":1134,"date":"1997-05-01T00:00:33","date_gmt":"1997-04-30T22:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1134"},"modified":"2022-07-26T13:11:58","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:58","slug":"ostdeutsches-atomzentrum-greifswald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/05\/ostdeutsches-atomzentrum-greifswald\/","title":{"rendered":"Ostdeutsches Atomzentrum Greifswald"},"content":{"rendered":"<p>In Greifswald ist die nukleare Vergangenheit der DDR noch gegenw\u00e4rtig. F\u00fcnf abgeschaltete AKW- Bl\u00f6cke sowjetischer Bauart mit jeweils 440 MW werden dort derzeit demontiert. Wie das genau aussehen soll, da\u00df ist &#8211; trotz begonnener Abri\u00dfarbeiten &#8211; noch l\u00e4ngst nicht klar, und aufgrund unerwarteter radioaktiver Verseuchungen mu\u00df das Abri\u00dfkonzept immer wieder ge\u00e4ndert werden. Bereits jetzt ist klar, da\u00df es die fr\u00fcher versprochene &#8218;gr\u00fcne Wiese&#8216; nicht geben wird, sondern da\u00df eine riesige Betonruine von 1 km L\u00e4nge zur\u00fcckbleiben wird.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug. Weitere Anlagen sind in Greifswald in Bau bzw. in Planung:<\/p>\n<h3>Zwischenlager Nord<\/h3>\n<p>Das Zwischenlager Nord (ZLN) besteht aus acht Hallen und f\u00fcnf Konditionierungsr\u00e4umen (Caissons). Halle 1 ist als Landessammelstelle f\u00fcr radioaktive Abf\u00e4lle vorgesehen, die Hallen 2 bis 7 sollen f\u00fcr schwach- und mittelradioaktive Abf\u00e4lle genutzt werden, und Halle 8 schlie\u00dflich soll 120 Castor-Beh\u00e4lter aufnehmen. Nach der Einlagerung der beim Abri\u00df entstehenden Abf\u00e4lle bleibt dann immerhin noch ein freibleibendes Abfallvolumen von 60 000 m<sup>3<\/sup> \u00fcber. Die Inbetriebnahme des ZLN soll am 15. August erfolgen, ab Oktober sollen die ersten Castor-Transporte &#8211; des sicherheitstechnisch abgespeckten Ost-Typs 440-84 &#8211; aus dem stillgelegten Ost-AKW Rheinsberg nach Greifswald erfolgen.<\/p>\n<h3>Konditionierungsanlagen<\/h3>\n<p>In Greifswald und Rheinsberg befinden sich au\u00dferdem Konditionierungsanlagen f\u00fcr schwach- und mittelradioaktiven M\u00fcll, wie z.B. die Rotationsd\u00fcnnschichtverdampferanlage. In diesen Anlagen wird auch westdeutscher Atomm\u00fcll eingedickt und in Morsleben-g\u00e4ngige F\u00e4sser verpackt, die dann nach Morsleben transportiert und dort endgelagert werden. Bis zum Jahr 2000 ist allein aus Greifswald die Lagerung von 10 000 m<sup>3<\/sup> M\u00fcll in Morsleben vorgesehen. Dadurch wird im ZLN Platz f\u00fcr andere Abf\u00e4lle frei.<\/p>\n<h3>Kernfusion in Greifswald<\/h3>\n<p>Am 19. Juni soll au\u00dferdem die Grundsteinlegung des 1,5 Mrd DM teuren Kernfusions-Versuchs-Reaktors &#8218;Wendelstein 7x&#8216; erfolgen. Dieser Reaktor soll nur 500 m entfernt von einer Plattenbau-Wohnsiedlung entstehen.<\/p>\n<h3>EPR (Europ\u00e4ischer Druckwasserreaktor)<\/h3>\n<p>Auch f\u00fcr den Europ\u00e4ischen Druckwasserreaktor (EPR), der gemeinsam von Siemens und Framatome entwickelt wird, ist Greifswald als Standort im Gespr\u00e4ch. An der franz\u00f6sischen Loire-M\u00fcndung soll ebenfalls ein Reaktor dieses Typs gebaut werden. Ein standortunabh\u00e4ngiges Genehmigungsverfahren f\u00fcr dieses Reaktortyp ist au\u00dferdem einer der Streitpunkte in den derzeit laufenden Energiekonsens-Gespr\u00e4chen zwischen SPD und CDU.<\/p>\n<h3>Atomzentrum Greifswald<\/h3>\n<p>Wenn alles nach den Pl\u00e4nen der AtomikerInnen l\u00e4uft &#8211; was es zu verhindern gilt &#8211; wird also in Greifswald ein Atomzentrum entstehen, wie es im Westen der Republik derzeit nicht mehr durchsetzbar ist. Die Vorteile liegen f\u00fcr die Atomindustrie auf der Hand: der Standort Greifswald ist als Atomstandort bereits genehmigt, die Bev\u00f6lkerung ist an Atomanlagen seit DDR-Zeiten gew\u00f6hnt und gilt als atomfreundlich und Greifswald ist innerhalb der Anti-AKW- Bewegung kein Begriff und liegt au\u00dferdem so weit \u00f6stlich, da\u00df eine Mobilisierung aus dem Westen \u00e4u\u00dferst schwierig sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Gerade deswegen ist es umso notwendiger, fr\u00fchzeitig Bewu\u00dftsein f\u00fcr die in Greifswald drohenden Gefahren zu schaffen und die ostdeutsche Anti-AKW-Bewegung nicht mit den anstehenden Aufgaben allein zu lassen. F\u00fcr dieses Jahr stehen an:<\/p>\n<ul>\n<li>Grundsteinlegung der Kernfusionsanlage am 19. Juni<\/li>\n<li>Inbetriebnahme des Zwischenlager Nord am 15. August<\/li>\n<li>Genehmigung der Castor-Halle im Oktober<\/li>\n<li>Castor-Transport von Rheinsberg nach Greifswald Ende 97\/Anfang 98<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt viel zu tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Greifswald ist die nukleare Vergangenheit der DDR noch gegenw\u00e4rtig. F\u00fcnf abgeschaltete AKW- Bl\u00f6cke sowjetischer Bauart mit jeweils 440 MW werden dort derzeit demontiert. Wie das genau aussehen soll, da\u00df ist &#8211; trotz begonnener Abri\u00dfarbeiten &#8211; noch l\u00e4ngst nicht klar, und aufgrund unerwarteter radioaktiver Verseuchungen mu\u00df das Abri\u00dfkonzept immer wieder ge\u00e4ndert werden. 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