{"id":11341,"date":"2012-05-01T00:00:22","date_gmt":"2012-04-30T22:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11341"},"modified":"2012-11-19T20:02:35","modified_gmt":"2012-11-19T18:02:35","slug":"lautstarke-proteste-im-flughafenterminal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/05\/lautstarke-proteste-im-flughafenterminal\/","title":{"rendered":"Lautstarke Proteste im Flughafenterminal"},"content":{"rendered":"<p>Mit Auflagen sollte das L&auml;rmen unterbunden werden, doch                 die Ordnungspolizei scheiterte hier praktisch an der Beharrlichkeit                 und Wut der DemonstrantInnen. In den meisten F&auml;llen ist der                 individuell erlebte Flugl&auml;rm Anlass f&uuml;r diese Wut. Sie                 f&uuml;hren auf: Sch&uuml;lerInnen m&uuml;ssten mit Ohrenst&ouml;pseln                 lernen; Kinder w&uuml;rden morgens um 5 Uhr von Flugzeugen geweckt;                 Schlafentzug und gesundheitliche Sch&auml;digungen seien an der                 Tagesordnung. Tats&auml;chlich ist durch mehrere Studien ((1))                  ((2)) belegt, dass die vom Flugl&auml;rm                 Betroffenen verst&auml;rkt unter erh&ouml;htem Blutdruck, Kreislaufbelastungen,                 Konzentrationsst&ouml;rungen, Migr&auml;ne und Schlafmangel leiden                 und dass sie deutlich h&ouml;here Erkrankungsrisiken f&uuml;r                 Herzinfarkte, Schlaganf&auml;lle, Depressionen, Psychosen und                 Brustkrebs haben. Eine geringere Lebenserwartung und h&ouml;here                 Medikamentenvergabe wurde festgestellt. Bei Kindern wurde ein                 Zusammenhang zwischen Flugl&auml;rm und diversen Entwicklungsst&ouml;rungen                 nachgewiesen ((3)). Denjenigen,                 die ihr Zuhause nicht verlassen wollen, bleibt nur noch gegen                 die L&auml;rmursache anzuk&auml;mpfen. Denn Schallschutz hie&szlig;e                 ein Leben hinter L&auml;rmschutzfenstern. Je nach Windrichtung                 sind Orte in Hessen, Bayern und der Nordpfalz betroffen. Statt                 die jeweiligen Belastungen gegeneinander auszuspielen, artikulieren                 die MontagsdemonstrantInnen Forderungen, die alle entlasten &#8211;                 dazu geh&ouml;ren Nachtflugverbot und Ausbaustopp. <\/p>\n<h3> Nachtflugverbot: Das Leipziger Urteil<\/h3>\n<p> Eigentlich war ein Nachtflugverbot schon im Mediationsverfahren                 zum Bau der Landebahn Nordwest zugesagt worden &#8211; weil die Fluggesellschaften                 Druck machten, wurden dann aber mit dem Planfeststellungsbeschluss                  ((4)) doch 17 Starts und Landungen                 in der sog. &quot;Kernnacht&quot; (23 bis 5 Uhr) erlaubt. Nach                 einem Eilantrag mehrerer Kl&auml;gerInnen beschloss der Hessische                 Verwaltungsgerichtshof im Oktober 2011 ein vorl&auml;ufiges Nachtflugverbot.                 Dieses galt bis zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts                 (BVG) in Leipzig. Mit Urteil vom 4. April best&auml;tigte der                 VGH das Nachtflugverbot f&uuml;r die &quot;Kernnacht&quot;, und                 reduzierte die Flugbewegungen in den sog. &quot;Randstunden&quot;                 (22-23 u. 5-6 Uhr) auf durchschnittlich 133 pro Nacht. Das stellt                 eine Art Trendwende bzgl. der zunehmenden Deregulierung von Flugh&auml;fen                 seit den 80er Jahren dar. F&uuml;r die FlughafenanwohnerInnen                 dennoch kein Grund zum Feiern. Denn die Mindestforderung eines                 absoluten Nachtflugverbots zwischen 22 und 6 Uhr, die theoretisch                 8 Stunden ungest&ouml;rten Schlaf erm&ouml;glichen w&uuml;rde,                 ist damit nicht erf&uuml;llt. Eine lebensnahe Regelung, mit der                 z.B. kleine Kinder ohne Flugl&auml;rm zu Bett gebracht werden                 k&ouml;nnten, erscheint unter dem vorherrschenden kapitalistischen                 Blickwinkel absolut unerreichbar. Und Nachtfl&uuml;ge gibt es                 trotz des Nachtflugverbots. Technische &Uuml;berpr&uuml;fungsfl&uuml;ge,                 z.B. zur Vermessung, sind nachts m&ouml;glich. Versp&auml;tete                 Landungen und Start sind bis Mitternacht erlaubt &#8211; und finden                 statt ((5)). <\/p>\n<h3> EU-Betriebsbeschr&auml;nkungsverordnung<\/h3>\n<p> Das beschlossene Nachtflugverbot kann von der geplanten EU-Verordnung                 &quot;zu l&auml;rmbedingten Betriebsbeschr&auml;nkungen auf Flugh&auml;fen&quot;                  ((6)) wieder ausgehebelt werden.                 Im Text des Entwurfs hei&szlig;t es u.a.: &quot;L&auml;rmminderungsma&szlig;nahmen                 sollten ausgesetzt werden k&ouml;nnen, um unerw&uuml;nschte Auswirkungen                 auf die Flugsicherheit, die Flughafenkapazit&auml;t und den Wettbewerb                 zu vermeiden.&quot; <\/p>\n<p> Nach Beschluss der Verordnung, w&uuml;rden Nationale Gesetzgebungen                 unwirksam. Betriebszeitbeschr&auml;nkungen wie z.B. Nachtflugverbote                 w&auml;ren nur zul&auml;ssig, wenn sie das kosteneffizienteste                 Mittel zur L&auml;rmminderung w&auml;ren. Derzeit ist die Verordnung                 noch zu kippen und Aktive aus dem Flughafenwiderstand besch&auml;ftigen                 sich damit ((7)).<\/p>\n<h3> Leipzig best&auml;tigt den Ausbau <\/h3>\n<p> Der vielleicht bitterste Aspekt: Das BVG hat den Planfeststellungsbeschluss                 im wesentlichen best&auml;tigt und nur bzgl. der Nachtfl&uuml;ge                 Nachbesserungen gefordert. Damit ist der Bau der Landebahn Nordwest                 im Kelsterbacher Wald r&uuml;ckwirkend genehmigt, durch den sich                 viele mehrfach betrogen f&uuml;hlen. 1981 versprach der damalige                 Ministerpr&auml;sident B&ouml;rner, dass kein Baum mehr f&uuml;r                 den Flughafenausbau fallen w&uuml;rde ((8)).                 Dieses Versprechen war genauso wirkungslos wie 1997 die Etikettierung                 des Kelsterbacher Waldes zum Bannwald, die diesen vor weiteren                 Eingriffen sch&uuml;tzen sollte. Wie sich herausstellte, stand                 auch von vornherein fest, wie die &quot;ergebnisoffene Mediation&quot;                 ausgehen w&uuml;rde. Zuletzt wurde versprochen, der Bau der Nordwestbahn                 sei untrennbar mit einem Nachtflugverbot verbunden &#8211; das jetzt                 aber erst eingeklagt wurde. Auch der weitere Ausbau ist mit dem                 Urteil bereits genehmigt. Gerade finden Bodenvorbereitungsarbeiten                 f&uuml;r eine zweite A380-Halle zur Wartung von Jumbojets statt.                 Auch der Bau des Terminal 3 (mit nochmal 15.000 m&sup2; Einzelhandelsfl&auml;che)                 wird evtl. noch dieses Jahr beginnen ((9)).               <\/p>\n<h3> Ausbau des Flughafens zur &quot;Airport City&quot;<\/h3>\n<p> Seit Bau des Flughafens 1936 unter den Nationalsozialisten wird                 dieser immer weiter ausgebaut ((10)).                 Flugh&auml;fen sind Knotenpunkte des globalen Kapitalismus. Hier                 werden Transportketten minuti&ouml;s auf schnelllebige Produktionszyklen                 abgestimmt. Gleichzeitig bieten die immer st&auml;rkerer zu sog.                 &quot;Airport Citys&quot; ausgebauten Flugh&auml;fen mit eigener                 Infrastruktur, Gesch&auml;ften, Hotels, Gastronomie, Kinos, Tagungsr&auml;umen                 f&uuml;r Kongresse, etc. eine weitere Plattform zur Vermarktung                 von Produkten und Dienstleistungen. Mittlerweile erzielt die Fraport                 &uuml;ber 80% ihrer Einnahmen aus Vermietungen und Immobiliengesch&auml;ft.                 Mit zunehmender Nutzung von &quot;The Squaire&quot; (2011 fertiggestelltes                 Geb&auml;ude; 140.000 m&sup2; Fl&auml;che; eigene Postleitzahl)                  ((11)) und Gateway Gardens                 (35-Hektar-Gebiet; bis 2005 US-Milit&auml;rsiedlung; zuk&uuml;nftig                 &quot;Stadtteil&quot; mit einem Mix aus B&uuml;ros u. L&auml;den,                 inkl. S-Bahn-Anschluss) werden diese Einnahmen noch steigen. Fraport-Chef                 Stefan Schulte beschrieb den Frankfurter Flughafen bereits 2009                 als &quot;Einkaufszentrum mit Landebahn&quot; ((12)).                 Dieser ist mit j&auml;hrlich 56 Mio. Passagieren (Prognose f&uuml;r                 2012) der 9.-gr&ouml;&szlig;te Flughafen weltweit. 2015 soll die                 mit der neuen Nordwestlandebahn erreichte Kapazit&auml;t von 66                 Mio. Passagieren erreicht sein. 2016 soll das Terminal 3 fertiggestellt                 sein &#8211; dann wird Frankfurt mit 88 Mio. Passagieren m&ouml;glicherweise                 zum 3.-gr&ouml;&szlig;ten Flughafen. <\/p>\n<h3> Fraport und das Totschlagargument Arbeitsplatzbeschaffung<\/h3>\n<p> Und das, obwohl neben dem gesunden Menschenverstand auch marktwirtschaftliche                 Indikatoren zeigen, dass grenzenloses Wachstum nicht funktioniert.                 Bereits 2009 meldete Lufthansa Cargo Kurzarbeit an. Im Februar                 stagnierten die Frankfurter Flugbewegungszahlen, im M&auml;rz                 waren sie r&uuml;ckl&auml;ufig. Gleichzeitig entschwindet das                 Totschlagargument Arbeitsplatzbeschaffung. Vor dem Bau der Nordwestbahn                 wurden 250.000 neuen Arbeitspl&auml;tze versprochen ((13))                 &#8211; inzwischen zeigt sich, dass trotz des massiven Ausbaus nur wenige                 Tausend neue Stellen hinzukamen. Bei diesen handelt es sich zum                 gr&ouml;&szlig;ten Teil um Umsiedlungen, wie Recherchen des ARD                 ergaben ((14)). Dar&uuml;ber                 hinaus plant Lufthansa derzeit einen &quot;Teilabriss&quot; des                 Konzerns &#8211; also im Klartext Stellenstreichungen ((15)).                 Hinzu kommt, dass Flughafenbesch&auml;ftigte durchschnittlich                 weniger verdienen als Besch&auml;ftigte anderer Unternehmen in                 der Region. So verwundern Arbeitsk&auml;mpfe &#8211; wie z.B. im Februar                 der Streik der Vorfeldlotsen (GdF) und im M&auml;rz ein Warnstreik                 des Bodenpersonals (Ver.di) &#8211; nicht. Auf Flugl&auml;rmdemos berichtete                 eine Gewerkschafterin &uuml;ber die Verlagerung industrieller                 Arbeitspl&auml;tze in Billiglohnl&auml;nder, die durch den Flughafen                 und die M&ouml;glichkeit von &quot;just in time&quot;-Lieferungen                 beg&uuml;nstigt w&uuml;rden. <\/p>\n<p> Das kapitalistische Interesse am reibungslosen Personen- und                 G&uuml;terverkehr nimmt Gesundheitssch&auml;den, Klimazerst&ouml;rungen                 und Unmenschlichkeit in Kauf. Ohne massiven Widerstand wird der                 Flughafen krebsgeschw&uuml;rartig weiterwuchern.<\/p>\n<h3> Mobil zulasten des Klimas <\/h3>\n<p> Mit der ansteigenden Flugbewegungszahl wird der Flugl&auml;rm                 weiter zunehmen. Ebenso der CO2-Aussto&szlig;. Seit 1990 haben                 sich die klimarelevanten Emissionen des europ&auml;ischen Flugverkehrs                 fast verdoppelt. Im letztem Herbst haben mehrere Inseln im Pazifik                 wegen klimatisch bedingtem Trinkwassermangel den Nationalen Notstand                 ausgerufen ((16)), andere denken                 bereits an Umsiedlung s&auml;mtlicher Bewohner_Innen ((17)).                 Zeitgleich machen verzichtbare Kurzstreckenfl&uuml;ge einen wesentlichen                 Teil der Flugbewegungen aus. Statt mit einem Ausbaustopp die weitere                 Zunahme der Luftverkehrsemissionen zu verhindern, setzt die europ&auml;ische                 Union auf Emissionshandel. Dabei erhalten die Airlines 85% der                 Zertifikate vom Umweltbundesamt kostenlos zugeteilt ((18)).                 Weitere staatliche F&ouml;rderung: die europ&auml;ischen Airlines                 sind von der Kerosinsteuer und auf internationalen Fl&uuml;gen                 auch von der Mehrwertsteuer befreit. Diese Politik wird beibehalten,                 w&auml;hrend die europ&auml;ischen Staaten vorgeben gegen Schulden                 und die Klimakrise zu k&auml;mpfen. Statt tats&auml;chlicher Verbesserungen                 wird Greenwashing betrieben. Durch die Nutzung sogenannten &quot;Biokerosins&quot;                 versucht Lufthansa sich einen gr&uuml;nen Anstrich zu geben. Dass                 Agrarkraftstoffe in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion                 stehen und damit den weltweiten Hunger verst&auml;rken, wird verdr&auml;ngt.                 W&uuml;rden die Pl&auml;ne der Lufthansa und anderer Fluggesellschaften                 umgesetzt, w&auml;ren bis 2020 etwa 3,5 Millionen Hektar (ca.                 die Fl&auml;che Belgiens) f&uuml;r den j&auml;hrlichen Anbau der                 Energiepflanzen notwendig. Dabei ist die Verbrennung von Agrarkraftstoffen                 &auml;hnlich klimasch&auml;dlich wie die herk&ouml;mmlicher Kraftstoffe,                 hinzu kommen weitere Emissionen durch Anbau, Verarbeitung und                 Transport im Produktionsprozess.<\/p>\n<h3> Regionale Belastung<\/h3>\n<p> Fl&uuml;ge belasten die Luft mit Stickoxiden und krebserregenden                 Stoffe wie Benzol. Ausbauten bedeuten Fl&auml;chenversiegelung.                 Einige AnwohnerInnen sehen sich auch durch m&ouml;gliche Abst&uuml;rze                 (z.B. durch Vogelschlag ((19)))                 bedroht. Diese Angst begr&uuml;ndet sich in Meldungen &uuml;ber                 Beinahe-Unf&auml;lle ((20))                 und ausfallende Warnsysteme ((21)).                 Besonders bedenklich ist, dass das Chemiewerk Ticona in der Flugschneise                 liegt. Auch das gerade 50 Km entfernte AKW Biblis k&ouml;nnte                 zum ungewollten Ziel werden. Gr&uuml;nde genug zu protestieren.               <\/p>\n<h3> Ein Schildermeer im Terminal<\/h3>\n<p> Die Gestaltung der Montagsdemos ist so vielf&auml;ltig wie die                 initiierenden B&uuml;rgerinitiativen, innerhalb deren B&uuml;ndnis                 &uuml;berzeugte AusbaugegnerInnen, die teilweise schon seit Startbahn-West-Zeiten                 aktiv sind, auf die neuen L&auml;rmgeplagten treffen. Von Seifenblasenaktionen                 &uuml;ber das gemeinsame Singen textlich angepasster Lieder bis                 hin zu hochgehaltenen B&auml;ndern, die Zusammenhalt symbolisieren,                 gab es bereits verschiedenste Ausformungen des Protestes. Aber                 vor allem sind laute Sprechch&ouml;re zu h&ouml;ren, mit denen                 die Demonstrierenden z.B. fordern &quot;Die Bahn muss weg!&quot;                 &#8211; oder auch &quot;Bouffier muss weg!&quot;. Zuletzt hatte der                 hessische Ministerpr&auml;sident im Vorfeld einer Gro&szlig;demo                 am 04.02., bei der am Frankfurter Flughafen 20.000 Menschen zeitgleich                 zu weiteren Betroffenen in Berlin und M&uuml;nchen demonstrierten,                 den L&auml;rmbetroffenen ohne jeden Anlass Gewaltt&auml;tigkeit                 unterstellt ((22)). Eine weitere                 Gro&szlig;demo fand am 24.03. an den Flughafenstandorten in Frankfurt,                 M&uuml;nchen, D&uuml;sseldorf, K&ouml;ln\/Bonn, Leipzig\/Halle und                 Berlin unter dem Motto &quot;Flugl&auml;rm macht krank!&quot;                 statt. In Frankfurt wurde mit einem Protestmarsch zu Lufthansa-Basis                 die r&uuml;cksichtslose Politik der Airline angegriffen. <\/p>\n<p> Die Fraport l&auml;sst Demonstrationen erst zu, seit sie 2010                 durch die Verfassungsklage einer Abschiebe-Gegnerin dazu gezwungen                 worden war ((23)) &#8211; eine Gerichtsentscheidung                 von der viele profitieren. Tierrechtsinitiativen protestieren                 im Flughafen gegen Air France KLM, das weltweit gr&ouml;&szlig;te                 Transportunternehmen f&uuml;r Versuchstiere ((24)).                 Die Stadt Fl&ouml;rsheim verlegte im Februar kurzerhand eine &ouml;ffentliche                 Stadtverordnetenversammlung zum Thema Flugl&auml;rm und Ausbau                 ins Terminal. Wenige Wochen sp&auml;ter tagte die Fraktion der                 Linken im Hessischen Landtag ebenfalls im Terminal. Ein L&auml;rmbetroffener                 kam in den Flughafen, um dort Mittagsschlaf zu halten &#8211; zuhause                 sei dies nicht mehr m&ouml;glich &#8211; und rief dazu auf, es ihm gleichzutun                  ((25)). <\/p>\n<h3> Fraports Gegenoffensive<\/h3>\n<p> Durch die kontinuierlichen Demonstrationen unter Druck geraten,                 initiierte die Fraport Anfang M&auml;rz unter dem Motto &quot;Ja                 zu Fra&quot; eine Jubelveranstaltung am Frankfurter R&ouml;merberg                  ((26)). Im Ank&uuml;ndigungstext                 hie&szlig; es, der Konzern wolle &quot;eine differenzierte und                 sachliche Diskussion f&ouml;rdern, um die Zukunft des Frankfurter                 Flughafens auch weiterhin zu sichern&quot;. Die Pro-Veranstaltung                 wurde durch eine &uuml;ber die Agentur Burson-Marsteller ((27))                 registrierte Domain ((28))                 beworben. Zu den bisherigen KundInnen ((29))                 der Agentur f&uuml;r &quot;Krisen-Management&quot; z&auml;hlen                 der Gentechnikmulti Monsanto genauso wie der Chemiekonzern Union                 Carbide nach der Bhopal-Katastrophe 1984 und der AKW-Hersteller                 Babcock &amp; Wilcox nach der partiellen Kernschmelze 1979 in                 Harrisburg. Auch f&uuml;r die argentinische Milit&auml;rjunta                 und den rum&auml;nischen Diktator Ceaucescu betrieb Burson-Marsteller                 Meinungsmache. In vielen F&auml;llen t&auml;uschte die f&uuml;r                 manipulative Methoden bekannte Agentur ((30))                 durch Einsatz bezahlter DemonstrantInnen, digitale Stimmungsmache                 und fingierte Pressemeldungen eine Basisbewegung vor ((31)).                 In Anbetracht dessen, dass sich die Fraport AG mehrheitlich in                 &ouml;ffentlicher Hand befindet, gab es besonderen Ansto&szlig;                 an der Zusammenarbeit mit Burson-Marsteller. Doch ganz neu scheint                 die Verbindung nicht zu sein &#8211; mindestens die Lufthansa AG ist                 seit Jahren Kundin bei Burson-Marsteller ((32)).                 Insider berichten, es h&auml;tte Aufforderungen an Flughafenbesch&auml;ftigte                 gegeben, die Anzahl der teilnehmenden Familienmitglieder schriftlich                 mitzuteilen. Auch die Bewerbung der Fraport-Veranstaltung im hessischen                 Rundfunk sorgte f&uuml;r Unmut, da der Sender einen Spot der B&uuml;rgerinitiativen                 als &quot;politische Werbung&quot; abgelehnt hatte. Nach Beschwerden                 wurde die &quot;Kundgebung&quot; der Fraport kurzerhand in &quot;Informationsveranstaltung&quot;                 umbenannt. Auch wenn die FlughafenbetreiberInnen auf diese Weise                 einige Tausend Leute zusammenbekamen, wirkte die Veranstaltung                 &#8211; gepr&auml;gt von vorgedruckten Schildern &#8211; unglaubw&uuml;rdig                  ((33)). W&auml;hrend die B&uuml;rgerinitiativen                 die Jubelveranstaltung ignorierten, hatten sich einzelne GegendemonstantInnen                 mit Nonsens-Umfragen und satirischen Schildern (z.B. &quot;F&uuml;r                 eine Landebahn auf der Zeil!&quot;) unter die Flughafen-Bef&uuml;rworterInnen                 gemischt ((34)). Auf bereitgestellte                 Shuttlebusse reagierte eine Rednerin auf einer Flugl&auml;rmdemo                 am Folgetag mit der Anmerkung, die L&auml;rmbetroffenen w&uuml;rden                 hingegen &quot;auf eigenen Kosten&quot; und &quot;aus eigener                 &Uuml;berzeugung&quot; demonstrieren.<\/p>\n<h3> &quot;Ausreisepflichtige Flugg&auml;ste&quot;<\/h3>\n<p> In das Bild der sch&ouml;nen neuen Fraport-Welt passen auch                 nicht die Abschiebungen, die Frontex regelm&auml;&szlig;ig &uuml;ber                 Frankfurt und andere Gro&szlig;flugh&auml;fen durchf&uuml;hren                 l&auml;sst. Betroffen sind MigrantInnen genauso wie hier geborene                 Menschen ohne europ&auml;ischen Pass. Dar&uuml;ber hinaus gibt                 es schon lange Kritik am sog. Flughafenasylverfahren ((35)).                 Fl&uuml;chtlinge werden dabei in einem gesonderten Abschiebegef&auml;ngnis                 auf dem Flughafengel&auml;nde festgehalten und nach einem stark                 verk&uuml;rzten Asylverfahren, bei dem es keine reelle Chance                 auf Duldung gibt, wieder abgeschoben. Dieses menschenrechtlich                 besonders bedenkliche Verfahren ((36))                 wird inzwischen an f&uuml;nf deutschen Flugh&auml;fen durchgef&uuml;hrt                 &#8211; 90 % davon in Frankfurt ((37)).                 Antirassistische Bewegungen protestieren seit Jahrzehnten <a name=\"#u38\"><\/a>((38))                 in Flugh&auml;fen gegen die dort durchgef&uuml;hrten Abschiebungen.                 FRONTEX l&auml;sst regelm&auml;&szlig;ig Menschen abschieben.                 Ende M&auml;rz wurde an den f&uuml;nf gr&ouml;&szlig;ten deutschen                 Abschiebeflugh&auml;fen gegen innereurop&auml;ische Abschiebungen                 nach der Dublin2-Verordnung ((39))                 demonstriert, infolge derer die Betroffenen meist soziales Elend                 und &auml;u&szlig;erst bedenkliche rechtlichen und materiellen                 Voraussetzungen in den europ&auml;ischen Randstaaten erwartet.                 &Uuml;ber die Demonstration in Frankfurt berichten die VeranstalterInnen:                 &quot;Beeindruckend war, dass mehr als ein Dutzend Leute dabei                 waren, die &uuml;ber die Flugl&auml;rmdemos mobilisiert wurden                 &#8211; und die gleich vorschlugen, doch jeden Freitag gegen Abschiebungen                 zu demonstrieren.&quot; ((40))<\/p>\n<p> In solcher Weise findet eine Vernetzung der am Flughafen demonstrierenden                 Bewegungen statt, die zwar noch nicht weit fortgeschritten ist,                 aber doch Mut macht. Dem Krebsgeschw&uuml;r Flughafen setzen Menschen                 konkrete Forderungen entgegen: Massive L&auml;rmreduzierung! Dauerhaftes                 und absolutes Nachtflugverbot! Weniger Flugbewegungen! Verlagerungen                 auf die Schiene! Kerosinbesteuerung! Stilllegung der Landebahn-Nordwest!                 Kein weiterer Ausbau! Kein Terminal 3! Keine Airportcity! Standortlogik                 aus den K&ouml;pfen &#8211; Oder aber: Abschaffung des Flughafenasylverfahrens!                 Weg mit Dublin2! F&uuml;r ein Europa, das Willkommen hei&szlig;t!               <\/p>\n<p> Vielleicht lie&szlig;e sich gemeinsam ein Abschiebestopp durch                 Flughafenr&uuml;ckbau erreichen? Ganz ohne Niedrigl&ouml;hne,                 Gro&szlig;konzerne und Tierversuche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Auflagen sollte das L&auml;rmen unterbunden werden, doch die Ordnungspolizei scheiterte hier praktisch an der Beharrlichkeit und Wut der DemonstrantInnen. In den meisten F&auml;llen ist der individuell erlebte Flugl&auml;rm Anlass f&uuml;r diese Wut. 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