{"id":11344,"date":"2012-05-01T00:00:11","date_gmt":"2012-04-30T22:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11344"},"modified":"2022-07-26T13:11:36","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:36","slug":"chorprobe-statt-probebohrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/05\/chorprobe-statt-probebohrung\/","title":{"rendered":"Chorprobe statt Probebohrung"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man durch die D\u00f6rfer f\u00e4hrt, wo fast jedes Haus und jeder Bauernhof kreativ mit den Symbolen des Kampfs gegen die Atomanlagen dekoriert ist, geht einem das Herz auf. Hier kann man, trotz der beklemmenden Anwesenheit des Brennelemente-Zwischenlagers (BEZ) in Gorleben, freier atmen.<\/p>\n<p>G\u00fcnstige Voraussetzungen f\u00fcr eine &#8222;\u00f6ffentliche Chorprobe&#8220;. Mit diesem Beitrag zur Kampagne &#8222;Gorleben365&#8220; blockierte der Familienchor &#8222;Andere Saiten&#8220; am 12. April die Haupteing\u00e4nge des &#8222;Erkundungsbergwerks&#8220; in Gorleben, gleich neben dem erw\u00e4hnten Zwischenlager. Wir haben uns damit in die lange Reihe kreativer Aktionen eingereiht, mit denen seit August 2011 ein Jahr lang an m\u00f6glichst vielen Tagen die Endlagerbaustelle blockiert werden soll (die GWR berichtete).<\/p>\n<p>Schon am Ostermontag (9. April) quartierten wir uns mit 17 S\u00e4ngerInnen in einem Hof bei Dannenberg ein, begannen mit Proben, pinselten Transparente, erkundeten die Gegend und h\u00e4ngten Ank\u00fcndigungs-Plakate auf. Nach einem Aktionstraining, das wir bereits im M\u00e4rz in der rheinischen Heimat absolviert hatten, wurden wir hier noch einmal von einer Aktivistin von &#8222;Gorleben 365&#8220; \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse vor Ort aufgekl\u00e4rt. Die &#8222;Anderen Saiten&#8220; sind heterogen zusammengesetzt, und die basisdemokratischen Prozeduren der Konsensfindung stie\u00dfen nicht von Anfang an bei allen auf Begeisterung.<\/p>\n<p>Am Ende herrschte Einigkeit dar\u00fcber, dass auf diese Weise die richtigen Entscheidungen zustande gekommen seien; einige behaupten aber heute noch, man h\u00e4tte dies auf weniger demokratischem Wege auch schneller erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber die Diskussion dar\u00fcber war bereits fruchtbar. &#8211; Auch <em>libert\u00e4re<\/em> Politik ist meistens ein m\u00fchsames Unterfangen.<\/p>\n<p>Unsere Blockade, also die &#8222;Chorprobe&#8220;, hatten wir f\u00fcr 12:30 Uhr mittags angek\u00fcndigt. Um zu verhindern, dass der Schichtwechsel aufgrund dieser Ank\u00fcndigung auf einen fr\u00fcheren Zeitpunkt verlegt und damit ungest\u00f6rt ablaufen k\u00f6nnte, begannen wir die Aktion aber bereits um 11:00 Uhr. \u00dcberraschenderweise richteten wir dadurch tats\u00e4chlich einige Unordnung im Berufsverkehr um die Endlager-Baustelle an, obwohl von einer Blockade der insgesamt sechs Tore und aller Zufahrtsstra\u00dfen bei 17 Aktiven ja kaum die Rede sein konnte. Mancher Autofahrer wartete minutenlang vor unserer Blockade, bevor er die telefonische Erlaubnis von seinem Boss eingeholt hatte, einen anderen Weg zu benutzen.<\/p>\n<p>Ein &#8222;Blockadebrecher&#8220; tat sich unr\u00fchmlich hervor, der in seiner Blechkiste mit hoher Geschwindigkeit auf dem Gr\u00fcnstreifen neben der blockierten Stra\u00dfe an den Chormitgliedern vorbeibretterte, diese gef\u00e4hrdend und unsere Proviantvorr\u00e4te \u00fcberrollend. Abgesehen von diesem Choleriker gab es aber auch eine Reihe von Angestellten, die den Eindruck erweckten, eher auf <em>unserer<\/em> Seite zu stehen.<\/p>\n<p>Ein oder zwei H\u00e4nde voll Aktiver aus dem Wendland schauten ab 12:30 Uhr vorbei, und die meisten probten unsere umgetexteten St\u00fccke dann auch mit. Da gemeinsames Singen bekanntlich immer fr\u00f6hlich macht und die echte Sonne sich zu unseren Anti-Atom-Sonnen gesellte, beendeten wir unsere Blockade nach vier Stunden in bester Stimmung.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag gestalteten wir noch in Hitzacker eine &#8222;politische Andacht&#8220; in der dortigen evangelischen Kirche.<\/p>\n<p>\u00dcber die 3000 Jahre alte anarchistische &#8222;Jotham-Fabel&#8220; aus dem biblischen Buch der Richter wurde dort gepredigt, und einige unserer neubetexteten Chor\u00e4le (und Trinklieder!) erklangen. Beim Vortrag der frisch gedichteten &#8222;Wendland-Ode&#8220; mussten einige Zuh\u00f6rerInnen, wie sie anschlie\u00dfend gestanden, schon die eine oder andere Tr\u00e4ne der R\u00fchrung unterdr\u00fccken. Unser Zeichen der Solidarit\u00e4t scheint also angekommen zu sein. Der Text der &#8222;Wendland-Ode&#8220; wird auf den Choralsatz &#8222;Du meine Seele, singe&#8220; gesungen, und geht so:<\/p>\n<p><em>Der Widerstand im Wendland<br \/>\n<\/em><em>Spornt uns schon lange an,<br \/>\n<\/em><em>Wo mancher Plan sein End&#8216; fand,<br \/>\n<\/em><em>Den der Atomstaat spann.<br \/>\n<\/em><em>Seit f\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahren<br \/>\n<\/em><em>Verl\u00e4sst euch nicht die Wut<br \/>\n<\/em><em>Auf die Atomgefahren,<br \/>\n<\/em><em>Das macht uns allen Mut.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Technokraten-Planung<br \/>\n<\/em><em>Wollt&#8216; hier den gro\u00dfen Schlag.<br \/>\n<\/em><em>Sie nannten es zur Tarnung,<br \/>\n<\/em><em>O Hohn!, &#8222;Entsorgungspark&#8220;.<br \/>\n<\/em><em>Doch wendl\u00e4ndische Bauern<br \/>\n<\/em><em>Sind nicht so schnell verkohlt.<br \/>\n<\/em><em>Statt resigniert zu trauern,<br \/>\n<\/em><em>Wart ihr auf Kampf gepolt.<\/em><\/p>\n<p><em>Tausendundvier: Kein Bohrloch,<br \/>\n<\/em><em>Ne Freie Republik.<br \/>\n<\/em><em>Da war&#8217;n wir noch kein Chor, doch<br \/>\n<\/em><em>Noch heut klingt&#8217;s wie Musik!<br \/>\n<\/em><em>Das H\u00fcttendorf florierte:<br \/>\n<\/em><em>Gelebte Utopie!<br \/>\n<\/em><em>Auch wenn man es planierte,<br \/>\n<\/em><em>Verga\u00dfen wir es nie.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann kamen die Castoren<br \/>\n<\/em><em>Von Strahlung kochend hei\u00df,<br \/>\n<\/em><em>Was haben wir gefroren,<br \/>\n<\/em><em>X-tausendmal am Gleis.<br \/>\n<\/em><em>Ihr brachtet hei\u00dfes Essen,<br \/>\n<\/em><em>Traktoren standen quer,<br \/>\n<\/em><em>Mit Goliath uns messen,<br \/>\n<\/em><em>Fiel nur noch halb so schwer.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Salzstock von Gorleben<br \/>\n<\/em><em>Taugt nicht f\u00fcr Strahlenmist!<br \/>\n<\/em><em>Von Wasser, Gas und Beben<br \/>\n<\/em><em>Er stets gef\u00e4hrdet ist.<br \/>\n<\/em><em>Nicht tausend Jahr, nicht hundert,<br \/>\n<\/em><em>Der M\u00fcll darf hier nicht rein! &#8211;<br \/>\n<\/em><em>Weil wir euch stets bewundert,<br \/>\n<\/em><em>Woll&#8217;n wir heut&#8216; bei euch sein.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man durch die D\u00f6rfer f\u00e4hrt, wo fast jedes Haus und jeder Bauernhof kreativ mit den Symbolen des Kampfs gegen die Atomanlagen dekoriert ist, geht einem das Herz auf. 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