{"id":11442,"date":"2012-06-01T00:00:49","date_gmt":"2012-05-31T22:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11442"},"modified":"2012-11-19T20:57:54","modified_gmt":"2012-11-19T18:57:54","slug":"anders-geblieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/06\/anders-geblieben\/","title":{"rendered":"Anders geblieben"},"content":{"rendered":"<p>Punk steht hier f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen, subversiv-situationistischen Sinn in der Tradition von Malcolm McLaren und John Lydon. Peter Hein, ihr S\u00e4nger, hatte sich gleich zu Beginn, kurz nachdem ihr Erstlingswerk &#8222;Monarchie und Alltag&#8220; mit dem sp\u00e4teren Hausbesetzungs- und Demo-Song &#8222;Es geht voran&#8220; heraus kam und ein kommerzieller Erfolg drohte, abgesetzt &#8211; wider alle Erwartungen von Band, Publikum, Plattenfirma und Tournee-Veranstalter. Und dies, um bei Rank Xerox tats\u00e4chlich vom Kopieren zu leben.<\/p>\n<p>Heute h\u00e4ngt Peter Hein das Fr\u00fchwerk nicht mehr l\u00e4nger wie ein M\u00fchlstein am Hals. Das mag daran liegen, dass, wie er mir sagte, die &#8222;Schweine&#8220;, gemeint ist sein ehemaliger Arbeitgeber, ihn entsorgt h\u00e4tten. Im besten rheinl\u00e4ndischen Dialekt zieht er inzwischen das humorige Fazit: &#8222;Ja, gelernt ist gelernt, wir hatten gute Vorbilder, das waren die Stra\u00dfenk\u00e4mpfer von damals, denen wir gute Unterhaltungsmusik geliefert haben.&#8220;<\/p>\n<p>Im Mai haben Fehlfarben mit &#8222;Xenophonie&#8220; eine neue CD ver\u00f6ffentlicht. Auf ihr h\u00e4lt uns Peter Hein und sich selbst energisch, mal w\u00fctend, mal lakonisch und sarkastisch, aber immer irgendwie liebevoll einen Spiegel des Hier und Jetzt vor. Wenn McLaren die Parole des &#8222;Cash from Chaos&#8220; ausgab und vom &#8222;hochromantischen Charme des Scheiterns&#8220; sprach, dann erkl\u00e4rt Peter Hein den Klassenfeind zu seinem besten Freund. Ein klassisch-situationistisches D\u00e9tournement.<\/p>\n<p>Peter Hein entzieht sich oberfl\u00e4chlichen, scheinbar widerspruchslosen Revolteposen, wenn er sich &#8222;als Analysten und Anarchisten, den die Welt vergisst&#8220; bezeichnet. So in dem Song &#8222;Bundesagentur&#8220;, in dem es weiter hei\u00dft: &#8222;Ich bin Anti-Anti-Ist, ich bin ein Ich-Ist, dem nicht zu helfen ist.&#8220;<\/p>\n<p>Reflex seiner Erkenntnis, dass in der Revolte vieles falsch laufen kann.<\/p>\n<p>Peter Hein: &#8222;Zugleich ist nicht alles, was versucht wird gegen die Schei\u00dfe zu tun, deswegen nicht auch beschissen. Letztlich wird es wahrscheinlich so sein: irgendwas ist immer und gegen irgendetwas kann man dann auch wieder sein. Wenn man da nur dr\u00fcber nachdenkt, w\u00fcrde man wahrscheinlich rammd\u00f6sig und depressiv, w\u00fcrde das Fenster verh\u00fcllen und nicht mehr rausgehen.&#8220; Aber darauf habe er keine Lust und denke sich: &#8222;Dann lass uns doch irgendwie \u00fcber manche Sachen lustig machen. Aber nicht zotig oder comedym\u00e4\u00dfig.&#8220;<\/p>\n<p>Genau das macht die Intensit\u00e4t der Songs von &#8222;Xenophonie&#8220; aus, in denen Peter Hein die immer beschissener werdende gesellschaftliche und pers\u00f6nliche \u00f6konomische Realit\u00e4t und auch die Verantwortlichen sowie nicht zuletzt sich selber benennt. Auf der B\u00fchne gelingt Fehlfarben eine ungemein druckvoll-intensive Performance, die wieder Lust macht, den Punk neu zu h\u00f6ren und, das muss jede und jeder f\u00fcr sich bestimmen, noch widerspruchsst\u00e4rker zu leben!<strong><\/strong><\/p>\n<h3>RICHTIG IN FALSCH (NFS)<\/h3>\n<p>Ich sehe dem Feind zum Fenster rein<br \/>\nIch sehe ein Arbeitsplatz k\u00f6nnte \u00fcberfl\u00fcssig sein<br \/>\nIch sehe nur eine arme Sau<br \/>\nChef, Kollegen, Finanzamt<br \/>\nAnwalt seiner Frau<br \/>\nIch h\u00f6re nach ein paar Verk\u00e4ufen gerne Lob<br \/>\nIch h\u00f6re viel lieber, du machst einen guten Job<br \/>\nIch h\u00f6re noch viel \u00f6fter als ich brauchen kann<br \/>\nKennen Sie einen guten Mann Strich Frau?<\/p>\n<p>Der Widerspruch, der Widerspruch, der Widerspruch tut jedem Leben gut<br \/>\nIm Widerspruch, im Widerspruch, da lebt es sich noch mal so gut<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re bei der Arbeit, die es noch gibt, den ganzen Tag Musik<br \/>\nIch h\u00f6re im Meeting nichts als Lob, nie Kritik<br \/>\nIch h\u00f6re von allen Freunden, Mensch hast du es gut<br \/>\nKey Account, Sanierung, Budget Leveling brauchen Mut<br \/>\nIch sehe meinen Lieblingssklaventreiber nicht<br \/>\nIch sehe eh nur noch in wenigen Fenstern Licht<br \/>\nIch sehe es wieder, was der Angestellte will<br \/>\nFreitags um Zwei steht Europa still<\/p>\n<p>Der Widerspruch, der Widerspruch, der Widerspruch tut jedem Leben gut<br \/>\nIm Widerspruch, im Widerspruch, da lebt es sich noch mal so gut<\/p>\n<p>Ich lebe vom Geld, das niemand hat<br \/>\nIch lebe zum Gl\u00fcck in der Goldenen Stadt<br \/>\nIch lebe nur noch f\u00fcr die Einreichung<br \/>\nIdeen, Projekte und Jury<br \/>\nWettbewerb h\u00e4lt jung<br \/>\nIch lebe, weil ich lebe, gerne hier mit Dir<br \/>\nIch lebe noch trotz allem durch die Hintert\u00fcr<br \/>\nIch lebe in der besten Zeit, wie sie mir taugt<br \/>\nIch war selber Feind, hab Freunde ausgesaugt<\/p>\n<p>Der Widerspruch, der Widerspruch, der Widerspruch tut jedem Leben gutIm Widerspruch, im Widerspruch, da lebt es sich noch mal so gut<\/p>\n<p>Der Klassenfeind, das ist mein Freund<br \/>\nDer Klassenfeind, mein bester Freund<br \/>\nDer Widerspruch, der Widerspruch, der Widerspruch tut jedem Leben gut<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Punk steht hier f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen, subversiv-situationistischen Sinn in der Tradition von Malcolm McLaren und John Lydon. 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