{"id":11499,"date":"2012-09-01T00:00:01","date_gmt":"2012-08-31T22:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11499"},"modified":"2022-07-26T14:12:19","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:19","slug":"und-was-schreiben-die-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/09\/und-was-schreiben-die-anderen\/","title":{"rendered":"Und was schreiben die Anderen?"},"content":{"rendered":"<h3>Focus, Spiegel, taz und Jungle World<\/h3>\n<p>So berichtete <i>Focus Online<\/i> bereits am 30. Juli \u00fcber das                 anarchistische &#8222;Gipfeltreffen&#8220; ((1)).<\/p>\n<p>Wenn auch der Inhalt dieses Artikels \u00fcberwiegend aus Zitaten                 und der Aufz\u00e4hlung historischer Fakten besteht, so ist doch eine                 gewisse Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Thema zu erkennen.<\/p>\n<p>Anders gehen die KollegInnen von <i>Spiegel Online<\/i> die Sache                 an. Es wird sich zwar die M\u00fche gemacht tats\u00e4chlich zum Treffen                 zu erscheinen, doch Garantie f\u00fcr eine informative oder wenigstens                 sachliche Berichterstattung ist dies nicht.<\/p>\n<p>Der Erfahrungsbericht ((2))                 eines anscheinend \u00fcberforderten Redakteurs, der krampfhaft mit                 halbwitzigen Bemerkungen aufgelockert wird, ist das Ergebnis dieses                 tiefgr\u00fcndigen Journalismus. Wer sich k\u00f6stlich \u00fcber Anekdoten mit                 &#8222;rabiaten Antifaschisten&#8220;, &#8222;mal reservierten, mal herzlichen,                 am Ende aber immer vorsichtigen&#8220; Anarchisten oder knurrenden &#8222;schwarzgekleideten                 H\u00fcnen \u00e4lteren Baujahrs&#8220; am\u00fcsieren m\u00f6chte, kann dieses Bed\u00fcrfnis                 mit diesem Bericht decken &#8211; aber mehr auch nicht.<\/p>\n<p>Immerhin scheint ein wesentlicher Punkt sogar beim Spiegel angekommen                 zu sein: AnarchistInnen sind keine chaosliebenden Bombenwerfer.<\/p>\n<p>Unterirdisch ist die Berichterstattung der tageszeitung ((3)).                 Im superpolemischen Artikel &#8222;Dagegensein im Heidiland&#8220; wird das                 internationale anarchistische Treffen als Zusammenkunft von &#8222;linken                 Weltverbesserern&#8220; mit einem Programmumfang &#8222;der Vollversammlung                 der Vereinten Nationen&#8220; beschrieben. Geradezu herablassend wird                 den TeilnehmerInnen des Treffens vorgeworfen immer nur dagegen                 zu sein und zu &#8222;komplizierte&#8220; Themen, beispielsweise Anarchafeminismus,                 zu behandeln.<\/p>\n<p>Besonders schwer wiegt die Tatsache, dass dieser Bericht bereits                 vor Beginn des Treffens ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte sich die <i>taz<\/i> lieber an ihre eigenen                 anti-autorit\u00e4ren Wurzeln erinnern, um solche Totalausf\u00e4lle zuk\u00fcnftig                 zu vermeiden.<\/p>\n<p>Die <i>Jungle World<\/i> schlie\u00dft sich der Niveautalfahrt der                 <i>taz<\/i> nahtlos an. Im umfangreichen Verriss &#8222;Anarchie ist                 wie Bubble Tea&#8220; ((4)) werden                 als Res\u00fcmee des Treffens folgende Punkte festgehalten: Dort wo                 sich AnarchistInnen treffen gehe es chaotisch zu, Menschen mit                 Affinit\u00e4ten zum Anarchismus seien hoffnungslose Utopisten und                 \u00fcberhaupt rieche es auf dem Treffen &#8222;s\u00e4uerlich-dumpf&#8220; wie &#8222;unter                 der Achselh\u00f6hle eines Lastwagenfahrers&#8220;. Etwas mehr Respekt dem                 Aufwand der Organisation eines internationalen Treffens, den wegweisenden                 konstruktiven Ans\u00e4tzen die der Anarchismus aufzeigt, sowie den                 Menschen gegen\u00fcber, die der Autor f\u00fcr seinen Artikel interviewte,                 w\u00fcrde der <i>Jungle World<\/i> gut tun.<\/p>\n<h3>ND und ak<\/h3>\n<p>Das der Linkspartei nahestehende <i>Neue Deutschland<\/i> (ND)                 widmete dem Treffen am 13. August einen ausf\u00fchrlichen Artikel.                 Plastisch wird die Zusammenkunft mit ihren Licht- und Schattenseiten                 widergegeben. Auch wenn es sich das <i>ND<\/i> mit einer Dreiteilung                 des Anarchismus in eine gewaltfreie, eine &#8222;destruktive&#8220; und eine                 anarchosyndikalistische Schule sehr einfach macht und zwischen                 den Zeilen immer wieder Skepsis gegen\u00fcber herrschaftsfreier Selbstorganisation                 durchklingt, kann es als Kompliment verstanden werden, dass eine                 parlamentarisch orientierte Zeitung dem Anarchismus eine gr\u00f6\u00dfere                 Portion wohlwollender Aufmerksamkeit spendet.<\/p>\n<p>Erfreulicherweise nimmt die an<i>alyse &#038; kritik<\/i> (ak) &#8211; deren                 Wurzeln streng kommunistisch gepr\u00e4gt waren &#8211; das anarchistische                 Welttreffen zum Anlass einen umfangreichen Artikel mit Rezensionen                 \u00fcber Literatur zu ver\u00f6ffentlichen, die die Spannungen zwischen                 Anarchismus und Marxismus schildern. ((5))               <\/p>\n<p>Der sehr informative und durch Hintergrundwissen gl\u00e4nzende Artikel,                 gelangt nicht nur zu einer kritischen Einsch\u00e4tzung der Personen                 Marx und Engels, sondern schlie\u00dft mit dem Wunsch nach einer &#8222;gemeinsamen                 Auseinandersetzung \u00fcber die linke Geschichte&#8220;. Von der <i>ak<\/i>                 k\u00f6nnen sich die anderen Zeitungen mehr als eine Scheibe abschneiden.<\/p>\n<p>Das internationale anarchistische Treffen war ein Event, auf                 das mit Sicherheit noch h\u00e4ufig zur\u00fcckgeblickt wird. <\/p>\n<p>Dass die Berichterstattung &#8211; aus welchen Gr\u00fcnden auch immer &#8211;                 au\u00dferhalb anarchistischer Medien gr\u00f6\u00dftenteils K\u00e4se ist, war zu                 erwarten. <\/p>\n<p>Vielleicht bedeutet dies sogar, dass wir alles richtig gemacht                 haben: Wir haben uns gegenseitig eingeladen, intensiv miteinander                 diskutiert und eine sch\u00f6ne Zeit gehabt &#8211; ohne uns dabei zu verbiegen.                 Anarchismus ist und bleibt zumindest f\u00fcr b\u00fcrgerliche Medien einfach                 unbequem.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Focus, Spiegel, taz und Jungle World So berichtete Focus Online bereits am 30. 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