{"id":11534,"date":"2012-10-01T00:00:37","date_gmt":"2012-09-30T22:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11534"},"modified":"2022-07-26T14:12:18","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:18","slug":"vierzig-jahre-graswurzelrevolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/10\/vierzig-jahre-graswurzelrevolution\/","title":{"rendered":"Vierzig Jahre Graswurzelrevolution"},"content":{"rendered":"<p>Als die Graswurzelrevolution im Juni 1972 gegr\u00fcndet wurde, standen                 die zwei essentiellen Eckpfeiler der politischen Arbeit fest:                 Einerseits sollte mit der Zeitung Theorie und Praxis der gewaltfreien                 anarchistischen Revolution gef\u00f6rdert werden, andererseits wurde                 angestrebt, die Friedensbewegung f\u00fcr den Anarchismus und die anarchistische                 Bewegung f\u00fcr die Gewaltfreiheit zu begeistern. Ziel, Mittel und                 Name der Zeitung sind demnach deckungsgleich: Eine basisdemokratische,                 f\u00f6deralistische Gesellschaft mit bed\u00fcrfnisorientierter Wirtschaftsform                 wird durch unabh\u00e4ngige, aber solidarisch miteinander vernetzte,                 politische Akteure gewaltfrei erstritten.<\/p>\n<p>Unter &#8222;gewaltfrei&#8220; ist eine Absage an jede Form der Gewalt, sei                 sie physisch oder strukturell, zu verstehen. Weder der Gebrauch                 des Molotow-Cocktails, noch das Versumpfen in gesichtslosen, b\u00fcrokratischen                 und entm\u00fcndigenden Zentralorganisationen sind akzeptable Mittel                 der Konfliktf\u00fchrung. Das Credo der GraswurzelanarchistInnen ist                 ebenso einfach wie einleuchtend: Man kann sich nicht die Illusion                 machen, Probleme mit der Logik zu l\u00f6sen, die sie urspr\u00fcnglich                 verursacht hat. <\/p>\n<p>Dieser Ansatz fand und findet vor allem in der Friedens- und                 Umweltbewegung breiten Anklang. Waren fr\u00fcher Gewaltfreiheit und                 Umweltschutz zentrale Themenfelder der Berichterstattung, hat                 sich die Graswurzelrevolution heute einer bunten Palette gesellschaftlicher                 Konflikte ge\u00f6ffnet: Feminismus, globale Menschenrechte und Migrationsbewegungen,                 Antisexismus und Antirassismus sind nur einige Themenbeispiele,                 denen immer wieder geb\u00fchrend Platz einger\u00e4umt werden. <\/p>\n<p>Neben der explizit anarchosyndikalistisch orientierten <i>Direkten                 Aktion<\/i> kann die <i>Graswurzelrevolution<\/i> als das Organ                 der vielgesichtigen anarchistischen Bewegung im deutschsprachigen                 Raum verstanden werden.<\/p>\n<p>Im Vorfeld des Kongresses hallte der Aufruf zur Geburtstagsfeier                 durch die alternative Medienlandschaft. Wohlwollende Artikel,                 herzliche Gl\u00fcckw\u00fcnsche und solidarische Gru\u00dfbotschaften waren                 unter anderem von <i>analyse und kritik<\/i>, <i>Neues Deutschland<\/i>,                 Buko, BBU, <i>Akin<\/i>, Labournet und der FAU zu vernehmen. ((1))               <\/p>\n<p>Nach einer fr\u00f6hlichen Er\u00f6ffnungsrede ging am Freitag das Programm                 rasch in die Abendunterhaltung \u00fcber. Die Musikacts Duo Contraviento,                 Antje und Klaus der Geiger verbreiteten eine tolle Stimmung; leidenschaftlich                 vorgetragene libert\u00e4re Klassiker und spannende Neukompositionen                 schallten durch die Hallen der Evangelischen Studierendengemeinde,                 die sonst von Gebeten und Chorges\u00e4ngen durchflutet werden. <\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag startete ein vielf\u00e4ltiges Programm aus Vortr\u00e4gen,                 Diskussionsrunden und Praxisworkshops. Zwischen theoretisch-tiefg\u00e4ngigen                 Veranstaltungen zum Revoltekonzept Camus&#8216; oder dem Verh\u00e4ltnis                 von Christentum zum Anarchismus und genauso lebhaften wie ersch\u00fctternden                 Erfahrungsberichten zur Lage von Frauen und Homosexuellen im Iran                 konnten die KongressteilnehmerInnen niedrigschwellig an praktischen                 Kursen zum Aktionsklettern teilnehmen. Diverse B\u00fccherst\u00e4nde, eine                 Comic-Kunstausstellung sowie Kaffee aus zapatistischen Kooperativen                 rundeten das Angebot ab und tr\u00f6steten \u00fcber das maue Essen der                 ESG-Cafeteria hinweg.<\/p>\n<p>Am Samstagabend referierte Maikel Nabil Sanad, der erste Kriegsdienstverweigerer                 \u00c4gyptens, eindrucksvoll \u00fcber seinen Kampf im Hungerstreik im \u00e4gyptischen                 Gef\u00e4ngnis. Zum Abschluss des Tages zauberte der Liedermacher Pit                 Budde mit seiner Gitarre einen bunten Abend. <\/p>\n<p>Am Sonntag setzte sich das inhaltliche Programm nahtlos fort.                 Nach einem anarchistischen Poetry-Slam und einem gemeinsamen Abschlussplenum,                 in dem eine anregende Diskussion \u00fcber die Zukunft und aktuelle                 Praxis von Aktionstrainings entbrannte, nutzte ein Gro\u00dfteil der                 noch nicht abgereisten KongressteilnehmerInnen das Angebot, einen                 kommentierten Ausflug zur Paul-Wulf-Statue ((2))                 an der M\u00fcnsteraner Promenade zu unternehmen. Jan vom K\u00fcnstlerduo                 Jae Pas intervenierte mit lecker gef\u00fcllten Pizzakartons ((3))                 in die lokale Geschichtsstunde. So wurden lokale anarchistische                 Geschichte und Tagespolitik anschaulich verbunden.<\/p>\n<p>Ein etwas gr\u00f6\u00dferes und vor allem bunter gemischtes Publikum h\u00e4tte                 dem Kongress gut zu Gesicht gestanden. Des Eindrucks, dass die                 Mehrheit der etwa 250 BesucherInnen seit Zeitungsgr\u00fcndung \u00fcber                 ein Abo verf\u00fcgt, konnte man sich nicht erwehren. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich in einer geradezu gem\u00fctlichen Beschaulichkeit in                 den R\u00e4umlichkeiten der Evangelischen Studierendengemeinde &#8211; zu                 Recht &#8211; wohlwollend auf die Schultern geklopft und auf vierzig                 ereignisreiche Jahre zur\u00fcckgeblickt wurde, toben die Kriege und                 Konflikte der Welt unvermindert weiter. Das Fazit der dreit\u00e4gigen                 Geburtstagsfeier erinnert &#8211; im gut gemeinten Sinn &#8211; an die Inschrift                 des Grabsteins Herbert Marcuses: &#8222;Weitermachen!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die Graswurzelrevolution im Juni 1972 gegr\u00fcndet wurde, standen die zwei essentiellen Eckpfeiler der politischen Arbeit fest: Einerseits sollte mit der Zeitung Theorie und Praxis der gewaltfreien anarchistischen Revolution gef\u00f6rdert werden, andererseits wurde angestrebt, die Friedensbewegung f\u00fcr den Anarchismus und die anarchistische Bewegung f\u00fcr die Gewaltfreiheit zu begeistern. Ziel, Mittel und Name der Zeitung sind &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/10\/vierzig-jahre-graswurzelrevolution\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Vierzig Jahre Graswurzelrevolution - graswurzelrevolution","description":"Als die Graswurzelrevolution im Juni 1972 gegr\u00fcndet wurde, standen die zwei essentiellen Eckpfeiler der politischen Arbeit fest: Einerseits sollte mit der Zeitu"},"footnotes":""},"categories":[638,1030,59,1042],"tags":[],"class_list":["post-11534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-372-oktober-2012","category-es-wird-ein-laecheln-sein","category-graswurzelrevolution","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11534"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11534\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}