{"id":11567,"date":"2012-10-01T00:00:28","date_gmt":"2012-09-30T22:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11567"},"modified":"2022-07-26T14:12:18","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:18","slug":"kartoffeln-und-computer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/10\/kartoffeln-und-computer\/","title":{"rendered":"Kartoffeln und Computer"},"content":{"rendered":"<p>Der Schweizer Autor P.M., dessen B\u00fccher jetzt in der Hamburger                 Edition Nautilus ercheinen, legt im Herbst gleich zwei Neuerscheinungen                 vor. Seinem Rhythmus, abwechselnd Sachbuch und Roman zu schreiben,                 bleibt er treu.<\/p>\n<p>Irgendwie macht sich in der libert\u00e4ren Szene ein Optimismus breit,                 der Glauben macht, dass das st\u00e4ndige Gerede von der kapitalistischen                 Krise plus dem Aufkommen aktionistischer Gruppen, wie etwa der                 Occupy-Bewegung, zur Euphorie Anlass geben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Auch P.M., der sich seit &#8222;bolo&#8216; bolo&#8220; immer wieder mit der \u00dcberwindung                 kapitalistischer Unzul\u00e4nglicheiten besch\u00e4ftigt, zitiert eine BBC-Studie,                 nach der die meisten Anh\u00e4ngerInnen des jetzigen Systems mit gerade                 mal 25% Bef\u00fcrworterInnen in den USA (wen wunderts?) und in Pakistan                 (huch!) existieren.<\/p>\n<p>Ein Problem ist sicherlich der Verbrauch der Ressourcen, der                 Energie in der sog. Ersten Welt.<\/p>\n<p>Hier wird geprasst, was das Zeug h\u00e4lt, und verhindert wird somit                 eine gerechtere Verteilung, sowie \u00fcberhaupt eine Teilnahme der                 \u00e4rmeren Regionen am allgemeinen Wohlstand.<\/p>\n<p>Dazu strebt P.M. die 1.000 Watt-Gesellschaft an. 1.000 Watt pro                 Person, das w\u00e4re mit einigen Einschr\u00e4nkungen verbunden &#8211; aber                 welche Einsparma\u00dfnahme w\u00e4re dies nicht? Wenn wir \u00fcber unsere Verh\u00e4ltnisse                 leben, dann gilt es im Sinne der Gerechtigkeit entsprechend abzugeben.               <\/p>\n<p>In der 1.000 Watt-Gesellschaft h\u00e4tte jeder Mensch von uns einen                 &#8222;Anspruch&#8220; auf 20 qm beheizter Wohnfl\u00e4che, ca. 2.000 km Bahnfahrt,                 12.000 Km Schiffreise und 18 Kg Fleisch im Jahr, sowie 70 Liter                 Wasser und eine Zeitung pro 10 Menschen am Tag. Aber vorallem:                 Verzicht auf ein Privatauto sowie auf Flugreisen. <\/p>\n<p>F\u00fcr den individualisierten Haushalt mag das eine recht radikale                 Einschr\u00e4nkung sein, aber f\u00fcr ein kollektives Leben beinhalten                 diese Zahlen durchaus eine erweiterte Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Menschen, die die P.M.-Schriften seit Jahrzehnten kennen, werden                 die dann folgenden Vorschl\u00e4ge \u00fcber den Umbau der Gro\u00dfst\u00e4dte, den                 Szenarien des \u00dcbergangs, \u00fcber Subkontinentale Zweckverb\u00e4nde, kulturellen                 Pluralismus usw. bekannt vorkommen, aber deshalb sind sie nicht                 weniger interessant und richtig. Eine wichtige Agitationsschrift                 f\u00fcr anderes Leben. Und wie immer bei P.M. geht es nicht darum,                 die Revolution vorzubereiten, sondern um eine Ver\u00e4nderung aufgrund                 von Notwendigkeit und Vernunft. <\/p>\n<p>Wenn aus dem Golfplatz erst einmal ein Gem\u00fcsegarten und die Autobahn                 \u00fcberwuchert von Pflanzen ist, spielt der Sportwagen keine Rolle                 mehr, abgesehen davon, dass der Sprit f\u00fcr ein derartiges Fahrzeug                 so gut wie nicht mehr vorhanden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Viele Dinge w\u00fcrden sich von allein erledigen, die uns jetzt noch                 hindern. Ziehen wir in unserem Leben eine gewisse Konsequenz,                 er\u00fcbrigen sich automatisch einige \u00fcberfl\u00fcssige Dinge, die jetzt                 u.a. noch eher dem Neidfaktor zum Opfer fallen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Und so pochte P.M. auch immer darauf, dass soziale Experimente                 nicht in irgendwelchen Exklaven zum Wohle von Sozialstudien stattfinden.                 Je mehr sich AnarchistInnen &#8211; oder wie auch immer sie sich heute                 nennen wollen &#8211; in der Mitte der Gesellschaft bewegen, und \u00fcber                 ihre sozialen Vorstellungen nicht mehr nur reden und\/oder theoretisieren,                 sondern sie auch vorleben, k\u00f6nnen wir nachhaltig Ver\u00e4nderungen                 erreichen. Eben: M\u00e4rkte durch Gemeinschaften ersetzen. Ein guter                 Schritt vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p>P. M. hat diesen unverbesserlichen Optimismus. Und diese Leichtigkeit                 tr\u00e4gt auch diese kleine, effiziente Schrift. Gut geeignet zum                 Verschenken und zum Selberlesen, wenn einen mal M\u00fcdigkeit \u00fcberkommen                 sollte, oder Du noch neugierig genug darauf bist aus Tr\u00e4umen Wirklichkeit                 werden zu lassen.<\/p>\n<p>P.S.: Das zweite Buch von P. M. in diesem Herbst ist der Roman                 &#8222;Manetti lesen oder: Vom guten Leben&#8220;, der mir leider bei GWR-Redaktionsschluss                 noch nicht vorlag, aber schon in den Buchhandlungen ausliegt.                 Vermutlich ein weiteres Leseabenteuer, welches ich hoffentlich                 in einer der n\u00e4chsten Ausgaben vorstellen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schweizer Autor P.M., dessen B\u00fccher jetzt in der Hamburger Edition Nautilus ercheinen, legt im Herbst gleich zwei Neuerscheinungen vor. Seinem Rhythmus, abwechselnd Sachbuch und Roman zu schreiben, bleibt er treu. 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