{"id":11716,"date":"2012-12-09T15:26:41","date_gmt":"2012-12-09T13:26:41","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11716"},"modified":"2022-07-26T14:12:16","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:16","slug":"jeder-macht-fehler-auch-foucault","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/12\/jeder-macht-fehler-auch-foucault\/","title":{"rendered":"Jede\/r macht Fehler, auch Foucault!"},"content":{"rendered":"<p>In ihrem GWR 373-Artikel<i> <\/i>pl\u00e4dieren Jens Kastner und Torsten                 Bewernitz f\u00fcr eine Rehabilitierung poststrukturalistischer Theorie                 gegen\u00fcber vereinfachten Kritiken, wie der von David Graeber: &#8222;Es                 gilt&#8220;, so hei\u00dft es dort, &#8222;zwischen den durchaus kritischen Urspr\u00fcngen                 und Weiterentwicklungen des Poststrukturalismus &#8211; die h\u00e4ufig auch                 Weiterentwicklungen marxistischer sowie libert\u00e4rer Positionen                 sind &#8211; und seine[n] populistischen und oft tats\u00e4chlich entpolitisierenden                 Varianten, die Einzug in das Akademische gehalten haben, zu unterscheiden.&#8220;               <\/p>\n<p>Diesen Ansatz teile ich, m\u00f6chte allerdings im Folgenden einen                 anderen Zugang zum Thema stark machen. W\u00e4hrend Bewernitz und Kastner                 nahelegen, dass der Poststrukturalismus grunds\u00e4tzlich eine &#8222;Weiterentwicklung&#8220;                 gegen\u00fcber der marxistischen und libert\u00e4ren Tradition sei, m\u00f6chte                 ich zeigen, dass der Poststrukturalismus nicht nur, aber <i>auch<\/i>                 eine Regression gewesen ist, die bisweilen hinter klassische anarchistische                 Positionen, sowie das im Anarchismus historisch erarbeitete Problembewusstsein                 zur\u00fcckf\u00e4llt. <\/p>\n<p>Dabei sind meine Ausf\u00fchrungen weder als Kritik an Bewernitz\/Kastner                 zu verstehen, noch als trotziges Bekenntnis, dass man alle Antworten                 bei den &#8222;Klassikern&#8220; nachlesen k\u00f6nne, sich folglich mit poststrukturalistischer                 Theorie nicht auseinandersetzen sollte. Meine eigene Theoriebildung                 wurde [schlie\u00dflich selbst] von jenem Theoretiker beeinflusst,                 auf den Bewernitz\/Kastner hinweisen und den auch ich hier in den                 Mittelpunkt stellen will: Michel Foucault (1926-1984), von dem                 ich hier einige, teils auch nur zeitweise vertretene, Positionen,                 problematisieren m\u00f6chte. ((2))               <\/p>\n<h3>Der (Anti-)Humanismus <\/h3>\n<p>Beginnen wir mit dem ber\u00fcchtigten theoretischen Anti-Humanismus,                 der als philosophischer Ansatz in den 1960er Jahren in Frankreich                 aufkam. <\/p>\n<p>Man sollte hier nicht gleich emp\u00f6rt aufschreien, denn sofern                 damit die Kritik an einem normativen Verst\u00e4ndnis <i>des<\/i> Menschen                 und damit auch, was dieser Mensch zu sein hat, verbunden ist,                 ist dieser Ansatz emanzipatorisch und wichtig.<\/p>\n<p>So wenn Foucault das Problem anspricht, wie man Menschen &#8222;im                 Namen der Psychiatrie oder der normalen Menschen, also letztlich                 im Namen des Humanismus aufgeteilt, eingeordnet, ausgesondert                 und ausgeschlossen&#8220; hat (Foucault 1971a: 284). Im Grunde schlie\u00dft                 Foucault hier an Max Stirner an, der z.B. meinte: &#8222;Obgleich (\u2026)                 jeder Unmensch ein Mensch ist, so schlie\u00dft ihn doch der Staat                 aus, d.h. er sperrt ihn ein, oder verwandelt ihn aus einem Staatsgenossen                 in einen Gef\u00e4ngnisgenossen (Irrenhaus- oder Krankenhausgenossen                 nach dem Kommunismus).&#8220; (Stirner 1844: 87)<\/p>\n<p>Dieser emanzipatorischen Sto\u00dfrichtung steht nun bei Foucault                 aber auch eine problematische Humanismuskritik zur Seite. So kritisiert                 er in einem Gespr\u00e4ch mit Noam Chomsky dessen Vision einer Gesellschaft,                 die, &#8222;soweit m\u00f6glich, auf eine[m] soliden Begriff des Wesens der                 menschlichen Natur gegr\u00fcndet ist&#8220; (Chomsky zit. n. Foucault 1971b:                 618), als b\u00fcrgerlich und h\u00e4lt dem entgegen: &#8222;Mao Tse-tung sprach                 von der b\u00fcrgerlichen und von der proletarischen Natur des Menschen                 und er hielt beides nicht f\u00fcr dasselbe.&#8220; (ebd., 619f.) <\/p>\n<p>W\u00e4hrend die zuerst genannte Humanismus-Kritik die Probleme eines                 normativen Gattungsbegriffes kritisiert und dessen Exklusionsmomente                 zur Sprache bringt, verabschiedet die zweite Variante tendenziell                 den Gattungsbegriff \u00fcberhaupt und f\u00fchrt stattdessen partikulare                 Klassenidentit\u00e4ten ins Feld &#8211; womit wiederum die Exklusion ganzer                 Kollektive verbunden ist. <\/p>\n<p>Ohne Foucault zum Stalinisten zu erkl\u00e4ren, muss man feststellen,                 dass diese Logik jener folgt, welcher z.B. dem stalinistischen                 Vernichtungsfeldzug gegen die Kulaken als Klasse zugrunde lag,                 galten diese doch nicht mehr als Menschen, sondern als &#8217;sozialer                 M\u00fcll&#8216;. Und es wird nicht dadurch besser, dass Foucault den Klassenkampf                 Anfang der 1970er nietzscheanisch als Befreiung des &#8222;Willen[s]                 zur Macht aus seiner [humanistischen] Unterwerfung&#8220; begriff (Foucault                 1971a: 277), und kurzerhand erkl\u00e4rt: &#8222;Man f\u00fchrt einen Krieg, um                 zu gewinnen, und nicht, weil er gerecht ist.&#8220; (Foucault 1971b:                 625) ((3)) <\/p>\n<p>Fast wie von selbst f\u00fcgt sich eins ins andere: &#8222;Wenn das Proletariat                 die Macht \u00fcbernehmen wird, kann es sein, dass es gegen\u00fcber den                 Klassen, \u00fcber die es gesiegt hat, eine diktatorische und sogar                 blutige Gewalt aus\u00fcbt. Ich sehe nicht, welchen Einwand man dagegen                 erheben kann.&#8220; (Foucault 1971b: 626) <\/p>\n<p>Bedenkt man, dass sich Chomsky &#8211; dem all das hier an den Kopf                 geworfen wurde &#8211; seit seiner Jugend mit Fragen revolution\u00e4rer                 Politik besch\u00e4ftigt hat (vgl. Barsky 1997: 45f.), versteht man                 umso besser, dass er in diesem Gespr\u00e4ch das irritierende Gef\u00fchl                 hatte, &#8222;als ob ich mit jemandem sprechen w\u00fcrde, der nicht das                 gleiche moralische Universum bewohnt&#8220; (zit. n. Miller 1993: 297).                 Und man k\u00f6nnte hinzuf\u00fcgen: der keinerlei historisches Problembewusstsein                 besa\u00df. <\/p>\n<p>Vielmehr wirkt der kurz zuvor zur radikalen Linken gesto\u00dfene                 Foucault wie ein pubertierender Haudrauf-Revolution\u00e4r, an dem                 die Erfahrungen jahrzehntelanger sozialistischer Politik v\u00f6llig                 vorbeigegangen sind: Ganz so als w\u00fcrde z.B. das von Bakunin schon                 1868 formulierte Problem nicht existieren, dass n\u00e4mlich &#8222;das Massakre                 von Menschen&#8220; stets eine unfehlbare Reaktion &#8222;herbeif\u00fchrte und                 stets herbeif\u00fchren wird&#8220; (Bakunin 1868: 86).<\/p>\n<p>Noch ein anderes Beispiel f\u00fcr die erstaunliche Unbedarftheit                 des antihumanistischen Foucaults der fr\u00fchen 1970er Jahre sei hier                 erw\u00e4hnt. Recht bekannt ist Foucaults These aus <i>\u00dcberwachen und                 Strafen<\/i>: &#8222;Der Mensch, von dem man uns spricht und zu dessen                 Befreiung man einl\u00e4dt, ist bereits in sich das Resultat einer                 Unterwerfung, die viel tiefer ist als er. Eine &#8218;Seele&#8216; wohnt in                 ihm und schafft ihm eine Existenz, die selber ein St\u00fcck der Herrschaft                 ist, welche die Macht \u00fcber den K\u00f6rper aus\u00fcbt. Die Seele: Effekt                 und Instrument einer politischen Anatomie.&#8220; (Foucault 1975: 42)               <\/p>\n<p>Problematisiert wurden hiermit Emanzipationsans\u00e4tze, die die                 herrschaftsf\u00f6rmige Zurichtung der Individuen nicht in den Blick                 nehmen. Mit der Seele und dem Menschen hatte er sich nun einige                 Zeit zuvor allerdings auch folgenderma\u00dfen besch\u00e4ftigt: &#8222;Unsere                 Aktion [der Gruppe Gef\u00e4ngnis-Information] dagegen sucht nicht                 die Seele oder den Menschen <i>hinter<\/i> dem Verurteilten [wie                 der Humanismus], sondern will diese klare Grenzziehung zwischen                 Unschuld und Schuld verwischen.<\/p>\n<p>Diese Frage stellte Genet anl\u00e4sslich des Todes des Richters in                 Soledad oder des von Pal\u00e4stinensern in die jordanische W\u00fcste entf\u00fchrten                 Flugzeugs. Die Journalisten weinten \u00fcber den Richter und die armen,                 ohne erkennbaren Grund in der W\u00fcste gefangen gehaltenen Touristen.                 Genet sagte ihnen: &#8218;Ist ein Richter etwas unschuldig? Oder eine                 amerikanische Touristin, die genug Geld f\u00fcr solch einen Tourismus                 hat?'&#8220; (Foucault 1971a: 282) <\/p>\n<p>So richtig es einerseits ist, die &#8222;klare Grenzziehung zwischen                 Unschuld und Schuld&#8220; in Frage zu stellen, so politisch verheerend                 andererseits der damit erm\u00f6glichte Schluss. Man f\u00fchlt sich hier                 an die Verteidigungsrede von Emile Henry, dem &#8218;St. Just des Anarchismus&#8216;,                 erinnert: &#8222;Ich bereitete also den Sprengstoff. Einen Augenblick                 dachte ich an die Anklage gegen Ravachol. Und die unschuldigen                 Opfer? Aber dies Problem war schnell gel\u00f6st. Das Haus, in dem                 sich die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume der &#8218;Compagnie de Carmeaux&#8216; befanden,                 war nur von Bourgeois&#8216; bewohnt. Es w\u00fcrde also keine unschuldigen                 Opfer geben. Die Bourgeoisie in ihrer Gesamtheit lebt von der                 Ausbeutung, so soll sie auch in ihrer Gesamtheit ihre Verbrechen                 s\u00fchnen. So legte ich in absoluter Gewissheit \u00fcber die Legitimit\u00e4t                 meines Handelns meinen Sprengk\u00f6rper vor die T\u00fcre zu den Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen                 der Gesellschaft.&#8220; (Henry 1894: 100) Rudolf Rocker hat hierzu                 &#8211; vielleicht zus\u00e4tzlich angereichert durch die Erfahrungen der                 Gewalt in der Sowjetunion und anderswo &#8211; gemeint: &#8222;Der abstrakte                 Begriff einer sogenannten &#8218;kollektiven Verantwortlichkeit&#8216;, der,                 wie jede Verallgemeinerung, nie den Kern der Sache trifft, ist                 keine Rechtfertigung f\u00fcr Angriffe auf das Leben unbekannter Personen.                 Die zuf\u00e4llige Klassenzugeh\u00f6rigkeit ist kein Ma\u00dfstab f\u00fcr den Wert                 eines Menschenlebens.&#8220; (Rocker 1974: 128f.) <\/p>\n<p>Dass der von Foucault wechselhaft gebrauchte Humanismus-Begriff                 letztlich auch analytisch unbrauchbar wird, zeigt z.B. seine Bemerkung,                 dass Stalin und Camus beide gleicherma\u00dfen Humanisten gewesen seien                 (vgl. Foucault 1981: 821).<\/p>\n<p>Man fragt sich, ob zu dem von ihm denunzierten &#8222;moralisierenden                 Morast von humanistischen Predigten&#8220; (ebd.) auch der Versuch eines                 &#8222;Sozialismus mit menschlichem Antlitz&#8220; geh\u00f6rte (Prager Fr\u00fchling);                 oder ein Victor Serge, der, wohl aus Foucault&#8217;scher Perspektive                 hoffnungslos naiv, kurz vor seiner Festnahme aus der Sowjetunion                 schrieb: &#8222;Verteidigung des Menschen, Achtung vor dem Menschen.                 Seine Rechte, seine Sicherheit, sein Wert m\u00fcssen ihm wiedergegeben                 werden. Ohne das gibt es keinen Sozialismus. Ohne das ist alles                 falsch, verdorben. Ein Mensch, wer auch immer er sei, und w\u00e4re                 er der letzte der Menschen, &#8218;Klassenfeind&#8216;, Sohn oder Enkel von                 B\u00fcrgern, darauf pfeife ich; man darf nie vergessen, da\u00df ein Mensch                 ein Mensch ist. Hier unter meinen Augen, \u00fcberall, wird das jeden                 Tag vergessen, das ist das Emp\u00f6rendste, das Antisozialistischste,                 das es gibt&#8220; (Serge 1933: 455). <\/p>\n<p>Es entbehrt jedenfalls nicht einer gewissen Ironie, wenn Foucault                 in sp\u00e4teren Jahren &#8211; die Iranische Revolution vor Augen &#8211; selbst                 moralisiert: &#8222;Wenn der Stratege jemand ist, der sagt, Tod, Leid                 und Erhebung spielten keine Rolle angesichts der Erfordernisse                 des gro\u00dfen Ganzen, und allgemeine Prinzipien scherten ihn nicht                 in der aktuellen Situation, dann ist mir gleichg\u00fcltig, ob dieser                 Stratege ein Politiker, ein Historiker, ein Revolution\u00e4r, ein                 Anh\u00e4nger des Schahs oder der Ayatollah ist, meine theoretische                 Moral sagt jedenfalls das Gegenteil. Sie ist &#8218;antistrategisch&#8216;.                 Sie respektiert das Besondere, das die Erhebung darstellt, und                 bleibt unnachgiebig, wenn die Macht das Universelle behindert.&#8220;                 (Foucault 1979a: 991f.)<\/p>\n<p>Denn das erinnert irgendwie an die Haltung eines revoltierenden                 Menschen im Sinne Camus. F\u00fcr Foucault bleibt Camus aber einer                 jener &#8222;blassen Gestalten unserer Kultur&#8220; (Foucault 1966: 698)                 und dem schon erw\u00e4hnten &#8222;Morast&#8220; zugeh\u00f6rig.<\/p>\n<h3>&#8222;Analytik der Macht&#8220;: Staat und Mikrom\u00e4chte<\/h3>\n<p>Foucault gilt als jemand, der das Denken \u00fcber Machtverh\u00e4ltnisse                 verfeinert und weiterentwickelt hat, wobei dabei meist auf dessen                 Thematisierung sogenannter &#8222;Mikrom\u00e4chte&#8220; hingewiesen wird: Jene                 &#8222;vielen kleinen Machtaus\u00fcbungen, denen wir unterworfen sind, die                 unsere K\u00f6rper, unsere Sprache und unsere Gewohnheiten domestizieren,                 die Geschichte all der Kontrollmechanismen, die auf die Individuen                 einwirken&#8220; (Foucault 1974: 814). <\/p>\n<p>All diese seien dem traditionellen Blick mit Fokus auf den Staat                 und die \u00f6konomischen Produktionsverh\u00e4ltnisse entgangen. <\/p>\n<p>Dem w\u00fcrde ich einerseits zustimmen, wenngleich Foucault hier                 nicht als Avantgardist im luftleeren Raum agierte; andererseits                 aber ist dieser analytische Gewinn teilweise mit gewichtigen Problemen                 erkauft. <\/p>\n<p>Nehmen wir die Beziehung von Staat und Mikrom\u00e4chten: Staatlichkeit                 erscheint bei Foucault vor allem als &#8222;\u00dcberbauph\u00e4nomen&#8220; (Foucault                 1976a: 201). \u00dcberbauph\u00e4nomen nicht im marxistischen Sinne in Bezug                 auf die Produktionsverh\u00e4ltnisse, sondern in Hinblick auf eine                 ganze Reihe von &#8222;Machtnetzen&#8220; (ebd.). Der Staat selbst habe &#8222;kein                 Wesen&#8220; und wird bestimmt als &#8222;nichts anderes als die Wirkung,                 das Profil, der bewegliche Ausschnitt einer st\u00e4ndigen Staatsbildung&#8220;                 (Foucault 1979b: 115). Wie sich ein solcher Ansatz in der historischen                 Interpretation niederschl\u00e4gt, zeigt sein Verst\u00e4ndnis der Entwicklung                 der Sowjetunion: &#8222;Es stimmt sicherlich, dass die Sowjets zwar                 die Eigentumsordnung und die Rolle des Staates in der \u00dcberwachung                 der Produktion ver\u00e4ndert, aber, was den Rest betrifft, die im                 kapitalistischen Europa des 19.Jahrhunderts eingesetzten Verwaltungs-                 und Machttechniken f\u00fcr sich \u00fcbernommen haben. Die Grundbilder                 der Sittlichkeit, die Formen der \u00c4sthetik, die disziplinarischen                 Methoden, alles das, was in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft bereits                 um 1850 herum effektiv funktionierte, ist en bloc ins Sowjetregime                 eingegangen.&#8220; (Foucault 1976b: 86) <\/p>\n<p>Diese Aussage ist erstaunlich.<\/p>\n<p>Ist es nicht ein gro\u00dfes &#8211; von Lenin selbst dann auch erw\u00e4hntes                 &#8211; Problem gewesen, dass man die Staatsform gerade nicht grunds\u00e4tzlich                 ge\u00e4ndert, d.h. abgeschafft, neutralisiert hat? <\/p>\n<p>Kann man die Etablierung des bolschewistischen Etatismus, der                 dann durchaus den Staat ver\u00e4ndert hat &#8211; aber zum Schlechten, gemessen                 an gewissen b\u00fcrgerlichen Standards &#8211; allein als Ausdruck des Nichthinterfragens                 von b\u00fcrgerlicher &#8222;Sittlichkeit&#8220;, &#8222;\u00c4sthetik&#8220; und &#8222;disziplinarische[n]                 Methoden&#8220; verstehen? <\/p>\n<p>Lie\u00dfen die Bolschewiki nicht vielmehr bestimmte kulturrevolution\u00e4re                 Momente, die auch Anti-b\u00fcrgerliches beinhalteten, zu, solange                 dadurch der bolschewistische Staat nicht in Frage gestellt wurde,                 bzw. bedienten sich ihrer sogar, um die eigene Herrschaft zu etablieren                 und auszubauen? Wenn es f\u00fcr ihn eine &#8222;der gr\u00f6\u00dften Entt\u00e4uschungen&#8220;                 gewesen ist, dass &#8222;die kommunistische Partei und die Sowjetunion                 (\u2026) nahezu das gesamte b\u00fcrgerliche Wertesystem \u00fcbernommen haben&#8220;                 (Foucault 1971c: 235), kann man einwenden, dass es in mancher                 Hinsicht sch\u00f6n gewesen w\u00e4re, wenn die Sowjetunion wenigstens dies                 zustande gebracht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Diese bei Foucault oft sich zeigende Tendenz der Banalisierung                 des Staates zu einem blo\u00dfen Ausdruck darunter liegender Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse,                 \u00fcbersieht die vom Anarchismus betonte &#8222;eigene Dichte&#8220; desselben                 (Poulantzas 1977: 162). <\/p>\n<p>Der russische Anarchist Volin hat deshalb auch einen ganz anderen                 Akzent in seiner Beurteilung der sowjetischen Entwicklung gesetzt:                 &#8222;Das Scheitern ihres Versuchs, einen &#8217;sozialistischen Staat&#8216; zu                 errichten, und das schlie\u00dfliche Resultat: ein kapitalistischer                 Staat (ein anderer &#8218;Staat&#8216; ist auch gar nicht vorstellbar) zwangen                 die Bolschewiki zum R\u00fcckzug auch auf diesem Gebiet, das die Beziehungen                 der Geschlechter umfasst: Familie, Kinder, usw. Das war gar nicht                 anders m\u00f6glich. In diesem Bereich kann nichts wirklich ver\u00e4ndert                 werden, <i>wenn nicht die Gesellschaft insgesamt ver\u00e4ndert wird<\/i>.                 Wenn diese Gesamtgesellschaft nicht von Grund auf erneuert wird,                 wenn sie nur ihre Form ver\u00e4ndert, dann k\u00f6nnen auch die Verhaltensweisen,                 einschlie\u00dflich der Beziehungen zwischen den Geschlechtern, in                 der Familie, zum Kind, nur ihre <i>\u00e4u\u00dfere Form ver\u00e4ndern<\/i>;                 im Grunde bleiben sie so r\u00fcckst\u00e4ndig wie zuvor und \u00e4ndern nur                 ihr Erscheinungsbild.&#8220; (Volin 1940: 108) <\/p>\n<p>Um hier keine Missverst\u00e4ndnisse aufkommen zu lassen: F\u00fcr Volin                 ist der bolschewistische zwar ein kapitalistischer, aber kein                 &#8217;normaler&#8216; b\u00fcrgerlicher Staat, vielmehr &#8222;eine Variante des faschistischen                 Systems&#8220; (Volin 1940: 48)<\/p>\n<p>Ob man dem in dieser Absolutheit zustimmen kann, w\u00e4re zu diskutieren,                 aber die Bedeutung des Staates sollte man jedenfalls nicht untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<h3>Parlamentarismus<\/h3>\n<p>Aus anarchistischer Perspektive zeigt sich die Ungen\u00fcgendheit                 der Foucaultschen Analytik auch beim Thema Parlamentarismus. <\/p>\n<p>Besitzt der Staat n\u00e4mlich kein Wesen, oder: keine eigene Materialit\u00e4t,                 liegt es nahe, dass dieser selbst als neutrales Terrain der gesellschaftlichen                 Auseinandersetzungen gedacht wird, auf das sich die unterschiedlichsten                 Interessen einschreiben k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Im Grunde liegt der reformistischen Politik gerade ein solches                 Verst\u00e4ndnis zugrunde. &#8222;Die Demokratie&#8220;, so Eduard Bernstein, &#8222;ist                 prinzipiell die Aufhebung der Klassenherrschaft, wenn sie auch                 nicht die faktische Aufhebung der Klassen ist (\u2026) Das Wahlrecht                 der Demokratie macht seinen Inhaber virtuell zu einem Teilhaber                 am Gemeinwesen, und die virtuelle Teilhaberschaft muss auf die                 Dauer zur tats\u00e4chlichen Teilhaberschaft f\u00fchren&#8220; (Bernstein zit.                 n. Geras 1996: 136) <\/p>\n<p>Wie es zu einer solchen &#8222;tats\u00e4chlichen Teilhaberschaft&#8220; kommt,                 hat Marx einmal folgenderma\u00dfen erl\u00e4utert: &#8222;Das allgemeine Wahlrecht                 ist (\u2026) f\u00fcr die Arbeiterklasse Englands gleichbedeutend mit politischer                 Macht; denn das Proletariat bildet dort die gro\u00dfe Majorit\u00e4t der                 Bev\u00f6lkerung und hat sich in langem, wenn auch versteckt gef\u00fchrtem                 B\u00fcrgerkrieg zum klaren Bewu\u00dftsein seiner Klassenlage durchgerungen.&#8220;                 (Marx 1852: 344) <\/p>\n<p>Man braucht also die Mehrheit und vor allem klares Bewusstsein,                 was sich f\u00fcr Marx darin zeigte, dass die Arbeiter eine eigene                 Partei bilden und ihre eigenen Leute und keine Bourgeois w\u00e4hlen                 gehen. Foucault nun schreibt in <i>\u00dcberwachen und Strafen<\/i>:                 &#8222;Wenn es das repr\u00e4sentative Regime formell erm\u00f6glicht, da\u00df der                 Wille aller, direkt oder indirekt, mit oder ohne Vermittlung,                 die fundamentale Instanz der Souver\u00e4nit\u00e4t bildet, so garantieren                 doch die Disziplinen im Unterbau die Unterwerfung der K\u00f6rper.&#8220;                 (Foucault 1975: 285) <\/p>\n<p>An dieser Stelle wird die schon erw\u00e4hnte Banalisierung der Staatsfrage                 wieder offenkundig: Wenn n\u00e4mlich das repr\u00e4sentative Regime formell                 den Willen Aller als fundamentale Instanz der Souver\u00e4nit\u00e4t erm\u00f6glicht,                 muss das Problem, das diese Souver\u00e4nit\u00e4t nicht zum Tragen kommt,                 in etwas diesem Regime \u00e4u\u00dferlichem gesucht werden, hier: den &#8222;Disziplinen                 im Unterbau&#8220;. Hei\u00dft das nun aber im Umkehrschluss nicht, dass,                 gelingt der Kampf gegen diese Disziplinierung, man ohne Probleme                 das &#8222;repr\u00e4sentative Regime&#8220; f\u00fcr die Sache der Befreiung nutzen                 kann? <\/p>\n<p>Argumentiert Foucault strukturell nicht wie Marx und Bernstein,                 wenngleich er statt Kampf um das (Klassen-)Bewusstsein, den Kampf                 gegen die Disziplinierungen setzt? ((4))               <\/p>\n<p>Der Anarchismus hingegen geht hier viel weiter, indem er nicht                 nur Bewusstsein und Disziplinierung in Frage stellt, sondern auch                 den Mechanismus des &#8222;repr\u00e4sentativen Regimes&#8220; selbst. <\/p>\n<p>Bakunin z.B. schrieb: &#8222;In der Tat schien alles so naheliegend                 und so einfach: M\u00fc\u00dften die direkt aus der Volkswahl hervorgegangenen                 legislativen und exekutiven Gewalten nicht der unverf\u00e4lschte Ausdruck                 des Volkswillens sein, und k\u00f6nnte dieser Wille etwas anderes erzeugen                 als Freiheit und Wohlfahrt des Volkes? Die ganze Verlogenheit                 des Repr\u00e4sentativsystems beruht auf dieser Fiktion (\u2026) Die Regierenden,                 sowohl jene, die die Gesetze ausarbeiten, als auch jene, die die                 exekutive Gewalt aus\u00fcben, haben gerade wegen ihrer Ausnahmestellung                 den Volksinstinkten diametral entgegengesetzte Instinkte. Welche                 Art ihre demokratischen Gef\u00fchle und Absichten auch sein m\u00f6gen,                 sie k\u00f6nnen von ihrer H\u00f6he aus die Gesellschaft nicht anders sehen                 als ein Vormund sein M\u00fcndel. Zwischen Vormund und M\u00fcndel kann                 es jedoch keine Gleichheit geben. Auf der einen Seite verleiht                 die h\u00f6here Position notwendigerweise ein Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit;                 auf der anderen ist ein Minderwertigkeitsgef\u00fchl vorhanden, das                 sich aus der \u00dcberlegenheit des die exekutive oder die legislative                 Gewalt aus\u00fcbenden Vormunds ergibt. (\u2026) Dies ist die ewige Geschichte                 der politischen Macht, seit diese Macht in der Welt etabliert                 worden ist. Es erkl\u00e4rt auch, wie und warum die M\u00e4nner, die, solange                 sie der Masse angeh\u00f6rten, \u00fcberzeugteste Demokraten, leidenschaftlichste                 Revolution\u00e4re waren, \u00e4u\u00dferst gem\u00e4\u00dfigte Konservative werden, sowie                 sie an die Macht gelangt sind. Man betrachtet ihren Gesinnungswechsel                 gew\u00f6hnlich als Verrat. Das ist ein Irrtum. Der Hauptgrund ist                 der Wechsel der Perspektive und der Stellung. Und vergessen wir                 nie, da\u00df die Stellungen und die Notwendigkeiten, die sich daraus                 ergeben, stets st\u00e4rker sind als der Ha\u00df oder der schlechte Wille                 der Individuen. Ich bin von dieser Wahrheit so sehr durchdrungen,                 da\u00df ich nicht davor zur\u00fcckschrecke, die folgende \u00dcberzeugung zum                 Ausdruck zu bringen: Sollten morgen eine ausschlie\u00dflich aus Arbeitern                 zusammengesetzte Regierung und ein ausschlie\u00dflich aus Arbeitern                 zusammengesetztes Parlament eingesetzt werden, so w\u00fcrden diese                 Arbeiter, die heute standhafte Sozialdemokraten sind, \u00fcbermorgen                 zu entschlossenen Aristokraten, k\u00fchnen oder sch\u00fcchternen Verehrern                 des Autorit\u00e4tsprinzips, Unterdr\u00fcckern und Ausbeutern.&#8220; (Bakunin                 1870: 28f.) <\/p>\n<p>Es scheint weder ein Zufall, dass Foucault die Etablierung des                 allgemeinen Wahlrechts als (tendenzielle) Bedrohung der Bourgeoisie                 interpretiert ((5)), noch, dass                 seine Polemik gegen die &#8222;Staatsphobie&#8220; seiner ZeitgenossInnen                 (Foucault 1979b: 113) an Bernsteins Kritik der &#8222;anarchistischen                 Systemmacher&#8220; erinnert: &#8222;Proudhon, Bakunin, Stirner, Krapotkin,                 sie alle haben den Staat immer nur als Organ der Unterdr\u00fcckung                 und Aussaugung hingestellt, das er freilich lange genug gewesen                 ist, aber durchaus nicht notwendig sein mu\u00df.&#8220; (Bernstein 1923:                 88) <\/p>\n<p>Hatte Louis Althusser, sein alter Mentor und &#8222;Schl\u00fcsselfigur                 zwischen Poststrukturalismus und Marxismus&#8220; (Dyk 2012:190), 1977                 eine &#8222;Krise des Marxismus&#8220; ausgerufen, dabei das Problem angesprochen,                 dass es &#8222;keine <i>tats\u00e4chlich<\/i> &#8218;marxistische Staatstheorie'&#8220;                 gebe (Althusser 1977a: 65) und erkl\u00e4rt: &#8222;Die gef\u00e4hrlichste Falle                 ist der Staat: sei es in den politischen Formen der Klassenkollaborationen                 innerhalb der bestehenden &#8218;Legalit\u00e4t&#8216;, sei es in der mythischen                 Form des &#8218;Staat-Werdens der Partei'&#8220; (Althusser 1977b: 76f.),                 so &#8218;antwortete&#8216; Foucault hierauf in einer Vorlesung lapidar: &#8222;Man                 sagt oft, da\u00df es bei Marx &#8211; nun, die Leute, die ihn kennen, sagen                 das &#8211; keine Analyse der Macht gibt, da\u00df die Theorie des Staats                 ungen\u00fcgend ist usw. und da\u00df es an der Zeit sei, eine solche zu                 entwickeln. Aber ist es am Ende wirklich so wichtig, dass man                 eine Staatstheorie hat?&#8220; (Foucault 1979b: 133) <\/p>\n<p>Sie ist es auf jeden Fall dann nicht, wenn man seine eigene politische                 Perspektive herunterf\u00e4hrt und sich damit begn\u00fcgt, &#8222;da\u00df dem Sozialismus                 nicht sosehr eine Staatstheorie fehlt, sondern eine gouvernementale                 Vernunft, eine Definition dessen, was innerhalb des Sozialismus                 eine Rationalit\u00e4t der Regierung w\u00e4re, d.h. ein vern\u00fcnftiges und                 berechenbares Ma\u00df des Umfangs der Modalit\u00e4ten und der Ziele des                 Handelns der Regierung.&#8220; (ebd.134) <\/p>\n<p>So bleibt dann auch nicht viel mehr \u00fcbrig, als ein etwas Mattes                 &#8222;nicht auf diese Weise und um diesen Preis regiert zu werden&#8220;                 (Foucault 1978a: 12). ((6)) <\/p>\n<p>Nicht verwunderlich, dass in der Debatte um die Althusser&#8217;schen                 Thesen ein Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei                 Italiens, Foucault gegen Althusser ausspielen konnte: &#8222;Jeder wird                 sehen, da\u00df auf diesem Weg der Marxismus von der b\u00fcrgerlichen politischen                 Theorie, die ihn immer noch beherrscht, ganz und gar nicht befreit                 ist, sondern die Unterordnung des Marxismus unter die b\u00fcrgerliche                 Theorie noch verst\u00e4rkt wird. Auch Althusser ist in der b\u00fcrgerlichen                 Konzeption der Politik befangen, und so f\u00e4llt er in dem Versuch,                 ihr zu entfliehen einer rein emotionalen und fundamental anarchistischen                 Theorie anheim. Und dies obgleich gerade die franz\u00f6sische Kultur,                 f\u00fcr die er so sensibel zu sein scheint, in den letzten Jahren                 relevante Beitr\u00e4ge f\u00fcr eine <i>dialektische<\/i> Wiedererkennung                 der &#8218;Macht&#8216; geliefert hat. Was kann mehr als das j\u00fcngste Werk                 Foucaults helfen, die komplexe Natur der Macht wiederzuerkennen?                 Ihre konstitutive Funktion f\u00fcr die Produktivit\u00e4t, f\u00fcr die Kultur,                 die Bed\u00fcrfnisse, die W\u00fcnsche und so fort?&#8220; (Vacca 1978: 61) <\/p>\n<h3>Anarchismusrezeption <\/h3>\n<p>Foucault hat sich im Prinzip nicht mit dem Anarchismus explizit                 besch\u00e4ftigt. Dort wo er von ihm spricht, sind seine Bemerkungen                 vereinfachend und fast nie mit Quellen ausgewiesen. <\/p>\n<p>Ob bewusst, um seiner eigenen Forschung den Glanz des Neuen zu                 geben; oder aus Unwissenheit, was bei einem derma\u00dfen historisch                 versierten Autoren fast noch erschreckender w\u00e4re, es erstaunt                 jedenfalls, wenn Foucault z.B. meint: &#8222;Das 19.Jahrhundert hatte                 uns versprochen, wenn die \u00f6konomischen Probleme erst gel\u00f6st seien,                 w\u00e4ren auch alle Auswirkungen \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Macht behoben. Das 20.                 Jahrhundert entdeckte das Gegenteil: Auch wenn man alle \u00f6konomischen                 Probleme l\u00f6st, bleibt immer noch das Problem der \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Macht.&#8220;                 (Foucault 1977: 517) <\/p>\n<p>Man fragt sich zwar, welche Gesellschaft Foucault hier im Auge                 hatte, in der &#8222;alle \u00f6konomischen Probleme&#8220; gel\u00f6st worden seien,                 aber noch wichtiger ist der Punkt, dass es demnach einen Schweizer                 Anarchisten wie Schwitzgu\u00e9bel nicht gegeben hat, da dieser meinte:                 Das &#8222;gesamte Problem der Verwirklichung der Freiheit&#8220; bleibt auch                 nach einer L\u00f6sung der \u00f6konomischen Fragen &#8222;bestehen&#8220;, &#8222;weil der                 Staat auf Grund seiner Verfassung und seiner praktischen Politik                 den Menschen nicht freimacht, sondern verschlingt; mehr noch als                 der b\u00fcrgerliche Staat (\u2026), der kommunistische Staat&#8220; (Schwitzgu\u00e9bel                 1880: 201). Foucault merkt an anderer Stelle an: &#8222;Es f\u00e4llt mir                 schwer zu glauben, dass diese Frage erst im 20.Jahrhundert aufgeworfen                 wurde.&#8220; (Foucault 1982: 271) <\/p>\n<p>Mir auch.<\/p>\n<p>Dennoch sieht sich ein emanzipatorisches Projekt nicht nur mit                 einem &#8218;Menschen verschlingenden&#8216; Staat konfrontiert, sondern auch                 mit der Gefahr von &#8222;Mikro-Faschismen&#8220;, &#8222;die innerhalb eines sozialen                 Feldes auftreten k\u00f6nnen, ohne in einem speziellen Staatsapparat                 zentralisiert sein zu m\u00fcssen&#8220; (Deleuze\/Parnet 1977: 149). <\/p>\n<p>Deshalb ist Foucault zuzustimmen, dass man &#8222;die verschiedenen                 Machtverh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndern&#8220; muss, &#8222;die innerhalb der Gesellschaft                 wirksam sind&#8220;, weil sich sonst die Gesellschaft nicht ver\u00e4ndert                 (Foucault 1978b: 673). F\u00fcnfzig Jahre vor Foucault hatte Alexander                 Berkman dies schon zum <i>ABC des Anarchismus<\/i> erkl\u00e4rt: &#8222;Wir                 m\u00fcssen lernen, anders \u00fcber Regierung und Autorit\u00e4t zu denken,                 denn solange wir so denken und handeln wie heute, wird es Intoleranz,                 Verfolgung und Unterdr\u00fcckung geben, selbst wenn die organisierte                 Regierung abgeschafft ist.&#8220; (Berkman 1929: 50)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihrem GWR 373-Artikel pl\u00e4dieren Jens Kastner und Torsten Bewernitz f\u00fcr eine Rehabilitierung poststrukturalistischer Theorie gegen\u00fcber vereinfachten Kritiken, wie der von David Graeber: &#8222;Es gilt&#8220;, so hei\u00dft es dort, &#8222;zwischen den durchaus kritischen Urspr\u00fcngen und Weiterentwicklungen des Poststrukturalismus &#8211; die h\u00e4ufig auch Weiterentwicklungen marxistischer sowie libert\u00e4rer Positionen sind &#8211; und seine[n] populistischen und oft tats\u00e4chlich &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/12\/jeder-macht-fehler-auch-foucault\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Jede\/r macht Fehler, auch Foucault! - graswurzelrevolution","description":"In ihrem GWR 373-Artikel pl\u00e4dieren Jens Kastner und Torsten Bewernitz f\u00fcr eine Rehabilitierung poststrukturalistischer Theorie gegen\u00fcber vereinfachten Kritiken,"},"footnotes":""},"categories":[646,1042],"tags":[],"class_list":["post-11716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-374-dezember-2012","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11716\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}