{"id":11767,"date":"2013-01-01T00:00:13","date_gmt":"2012-12-31T22:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11767"},"modified":"2013-04-01T18:07:29","modified_gmt":"2013-04-01T16:07:29","slug":"getragen-von-idealismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/01\/getragen-von-idealismus\/","title":{"rendered":"&#8222;Getragen von Idealismus&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><i>&#8222;Die GWR wird auch von 40 Jahren Idealismus getragen, der \u00fcber Generationen reicht. Der Luxus, sich eine gewisse Sturheit in der politischen Haltung leisten zu k\u00f6nnen, macht gleichzeitig auch ihre St\u00e4rke aus. Auf die n\u00e4chsten 40 Jahre.&#8220;<\/i> (Neues Deutschland, 08.\/09.09.2012)<\/p>\n<p><b>Liebe Leserinnen und Leser,<\/b><\/p>\n<p>am 9. Dezember 2012 hat der libert\u00e4r-pazifistische Filmemacher Peter Lilienthal im GRIPS-Theater Berlin die Carl-von-Ossietzky-Medaille erhalten.<\/p>\n<p>Mit dem zum 50. Mal von der Internationalen Liga f\u00fcr Menschenrechte vergebenen Preis wurde er f\u00fcr sein k\u00fcnstlerisches und politisches Lebenswerk geehrt. &#8222;Wer den Krieg erlebt hat, muss gegen ihn k\u00e4mpfen. Die Sehnsucht nach Anpassung kann t\u00f6dlich sein&#8220;, sagte Peter, der 1939 als Zehnj\u00e4hriger mit seiner Mutter vor den Nazis nach Uruguay fliehen musste. Von ihm stammen u.a. die Filme &#8222;Es herrscht Ruhe im Land&#8220;, &#8222;Der Aufstand&#8220; und &#8222;Camilo &#8211; Der lange Weg zum Ungehorsam&#8220; (vgl. GWR 373 und GWR 374).<\/p>\n<p>Fanny-Michaela Reisin, Vorsitzende der Internationalen Liga f\u00fcr Menschenrechte, protestierte in ihrer Rede dagegen, dass die Ossietzky-Medaille 2010 an Mordechai Vanunu immer noch nicht \u00fcbergeben werden konnte. Dem israelischen Pazifisten wird nach wie vor die Ausreise aus Israel verwehrt.<\/p>\n<p>Fanny-Michaela Reisin: <i>&#8222;Vanunu wurde 2010 f\u00fcr seine Zivilcourage und herausragende Standhaftigkeit im Einsatz f\u00fcr die vollst\u00e4ndige atomare Abr\u00fcstung und f\u00fcr transparente Demokratie ausgezeichnet. Er hatte 1986 als erster Israeli die internationale \u00d6ffentlichkeit \u00fcber das Kernforschungszentrum informiert, welches Israel &#8211; unterst\u00fctzt durch Frankreich und geduldet von den USA &#8211; w\u00e4hrend der 60er Jahre in der Negev-W\u00fcste nahe der Stadt Dimona unterirdisch aufgebaut und unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit betrieben hatte. <\/i><\/p>\n<p><i>Das in der Atomanlage produzierte und verarbeitete Plutonium hat Israel bef\u00e4higt, bis heute mehrere Hundert Atomsprengk\u00f6pfe herzustellen. Vanunu wurde, noch bevor seine Informationen an die \u00d6ffentlichkeit gelangten, vom israelischen Geheimdienst 1986 nach Rom gelockt, dort \u00fcberw\u00e4ltigt und per Schiff in die israelische Hafenstadt Ashdod verbracht. 1988 verurteilte ihn ein Milit\u00e4rgericht am Ende eines geheimen Verfahrens wegen Landesverrats und Spionage zu einer 18j\u00e4hrigen Freiheitsstrafe.<\/i><\/p>\n<p><i>Am 21.04.2004 wurde Vanunu nach Verb\u00fc\u00dfung der Strafe &#8211; davon 11 Jahre Isolationshaft &#8211; aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen. Die in der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte sowie im UN-Zivilpakt \u00fcber b\u00fcrgerliche und politische Rechte verbrieften Grundrechte auf Bewegungs- und Meinungsfreiheit bleiben ihm allerdings nach wie vor versagt: So darf er Israel nicht verlassen und keinen Kontakt mit ausl\u00e4ndischen Botschaften und Journalisten aufnehmen. Er muss die Beh\u00f6rden \u00fcber jeden geplanten Ortswechsel verst\u00e4ndigen. Die Liga fordert die Regierung Israels (&#8230;) auf, Vanunu freie Ausreise zur pers\u00f6nlichen Entgegennahme der Carl-von-Ossietzky-Medaille 2010 in Berlin zu gew\u00e4hren. Die Liga fordert die Bundesregierung auf, gegen\u00fcber Israel die Einhaltung seiner Verpflichtungen als Unterzeichnerstaat des UN-Zivilpakts nachdr\u00fccklich anzumahnen und die volle Bewegungs- und Meinungsfreiheit f\u00fcr (&#8230;) Mordechai Vanunu zu verlangen.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Die Zuh\u00f6rerInnen im GRIPS-Theater h\u00f6rten eine bewegende Laudatio auf Peter Lilienthal, gehalten von Michael Ballhaus, einem der weltweit bekanntesten Kameram\u00e4nner, der u.a. seinen ersten Film 1960 mit Peter Lilienthal gemacht hat. Musikalisch sorgten das Duo Contraviento und das I Felici Ensemble f\u00fcr gute Stimmung. F\u00fcr mich war es eine Freude, dass ich die Veranstaltung moderieren durfte. Dabei habe ich mir eine politische Rede angesichts der realsatirischen Verleihung des Friedensnobelpreises am 10.12.2012 an den Waffenexportweltmeister EU nicht verkneifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><i>Tagesschau<\/i>, <i>Berliner Zeitung<\/i> u.a. berichteten \u00fcber die Medaillenverleihung. Die Filmwerkstatt M\u00fcnster hat sie gefilmt und will einen Ausschnitt auf youtube.com stellen.<\/p>\n<p><b>CARO-Druck schlie\u00dft<\/b><\/p>\n<p>Seit 1988 wird die GWR von CARO-Druck gedruckt. Die Zusammenarbeit unserer Redaktion mit den CARO-DruckerInnen war immer freundschaftlich. Um so trauriger sind wir, dass CARO zum 1. Januar 2013 schlie\u00dfen wird.<\/p>\n<p>Das <i>Neue Deutschland<\/i> berichtete am 7.12.2012:<\/p>\n<p><i>&#8222;Hier entstanden seit drei Jahrzehnten verschiedenste Publikationen der linksalternativen Szene. Die untypische Geschichte von Caro-Druck ist eng verkn\u00fcpft mit dem westdeutschen Maoismus der 1970er und der \u00d6ko-Bewegung der 1980er Jahre. \u201aCaro&#8216; war die Hausdruckerei des Kommunistischen Bunds Westdeutschland (KBW), die als finanzst\u00e4rkste K-Gruppe geltende Kleinpartei. Nach der Aufl\u00f6sung des KBW in den fr\u00fchen 1980er Jahren f\u00fchrten Teile der bisherigen Leitung die Nachfolge-Holding K\u00fchl KG weiter. Ihren heutigen Standort \u201a\u00d6kohaus&#8216; in Frankfurt-Bockenheim bezog die Druckerei nach einem Grundst\u00fcckstausch mit der Commerzbank. Die Gro\u00dfbank \u00fcbernahm das alte, 1977 vom KBW f\u00fcr 2,7 Millionen DM erworbene Grundst\u00fcck in attraktiver Lage unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs und beglich daf\u00fcr die wesentlich h\u00f6heren Baukosten f\u00fcr das neue, nach \u00f6kologischen Prinzipien gebaute Gewerbehaus am Westbahnhof.<\/i><\/p>\n<p><i>Seit den 1980er Jahren produzierte Caro-Druck eine Teilauflage der \u00fcberregionalen \u201aTageszeitung&#8216; (taz). Erst 2007 hatte Caro Druck die neue Zeitungsrotationsmaschine Solna D 380 (&#8230;) in Betrieb genommen. Nun wird die \u201ataz&#8216; dem Vernehmen nach ab 2013 in einer neuen Druckerei der \u201aGie\u00dfener Allgemeinen&#8216; gedruckt. Dieser mittelhessische Betrieb hat in den letzten Monaten, so hei\u00dft es in Gewerkschaftskreisen, einen Gro\u00dfteil der Besch\u00e4ftigten entlassen und eine neue Druckerei ohne Tarifbindung gebaut.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Mit Caro-Druck verschwindet eine linke Institution und 30 MitarbeiterInnen verlieren ihren Job. Wir w\u00fcnschen unseren FreundInnen alles Gute und bedanken uns herzlich f\u00fcr die gute Zusammenarbeit und Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p><b>adopt a revolution?<\/b><\/p>\n<p>Eine Beilage gibt bekanntlich nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Und wir hatten in der Geschichte der GWR schon oft Beilagen oder (Austausch-)Anzeigen, die wir nur z\u00e4hneknirschend akzeptiert haben.<\/p>\n<p>Nun hat die Initiative &#8222;adopt a revolution&#8220; angefragt, ob sie eine eigene Zeitung der GWR 375 beilegen lassen kann. Wir haben das nach einer Diskussion im GWR-HerausgeberInnenkreis abgelehnt, auch wenn wir noch nicht alle Inhalte kennen. Es gibt keinen Konsens f\u00fcr eine &#8222;adopt a revolution&#8220;-Beilage. Mein Eindruck ist, dass sich &#8222;adopt a revolution&#8220; bisher nicht wirklich mit der antimilitaristischen und gewaltfreien Kritik auseinandergesetzt hat, die insbesondere auch von GWR-Autor J\u00fcrgen Wagner und der Informationsstelle Militarisierung (IMI) gekommen ist. Siehe dazu die kontroversen Artikel von J\u00fcrgen Wagner und Christine Schweitzer in der GWR Nr. 369 (Mai 2012, PDF: <a href=\"http:\/\/www.linksnet.de\/de\/artikel\/27619\">www.linksnet.de\/de\/artikel\/27619<\/a>).<\/p>\n<p>Wir wollen gewaltfreie und libert\u00e4re AktivistInnen weltweit unterst\u00fctzen, aber keine &#8222;B\u00fcrgerkriegspatenschaft&#8220; \u00fcbernehmen. Wenn &#8222;adopt a revolution&#8220; nicht ausschlie\u00dfen kann, dass die syrischen Gruppen, die sie unterst\u00fctzt, an milit\u00e4rischen bzw. gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen beteiligt sind und lediglich das Austauschen einer Machtelite durch eine andere anstreben, m\u00f6chten wir &#8222;adopt a revolution&#8220; nicht unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ziel der <i>Graswurzelrevolution<\/i> ist eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft, nicht das Ersetzen einer Staatselite durch eine andere, nicht der Austausch eines bestehenden Terrorregimes gegen ein neues.<\/p>\n<p>In diesem Sinne wollen wir weitermachen.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen unseren LeserInnen ein sch\u00f6nes Jahr 2013, Anarchie und Gl\u00fcck,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die GWR wird auch von 40 Jahren Idealismus getragen, der \u00fcber Generationen reicht. 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