{"id":11856,"date":"2013-02-01T00:00:06","date_gmt":"2013-01-31T22:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11856"},"modified":"2022-07-26T13:05:46","modified_gmt":"2022-07-26T11:05:46","slug":"der-widerstand-der-vielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/02\/der-widerstand-der-vielen\/","title":{"rendered":"Der Widerstand der vielen"},"content":{"rendered":"<p>Zivile, gewaltfreie Widerstandsbewegungen sind eine Konstante des 20. Jahrhunderts. Sie haben koloniale Herrschaft beendet (oder zu beenden geholfen), haben strukturelle Diskriminierung bek\u00e4mpft, Regierungen gest\u00fcrzt, und im ehemaligen &#8222;Ostblock&#8220; haben sie zum Untergang eines milit\u00e4rischen Machtgebildes beigetragen, der \u00fcber Jahrzehnte hinweg die Weltgeschichte mitbestimmte. Sie haben spektakul\u00e4re Erfolge errungen, gro\u00dfe Niederlagen erlitten, und teilweise wurden sie im Blut ertr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Massenhafter, gewaltfreier Widerstand war und ist, um eine bekannte Metapher von Karl Marx aufzugreifen, ein &#8222;Motor der Geschichte&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wissenschaft allerdings waren und sind solche Bewegungen oft ein &#8222;Buch mit sieben Siegeln&#8220;. Das liegt sicher auch daran, dass in der Forschung zur Gesellschaft, Politik und Geschichte &#8222;Revolution&#8220; noch immer, stillschweigend oder eingestandenerma\u00dfen, als <i>gewaltsamer<\/i> Umsturz herrschender Verh\u00e4ltnisse verstanden wird: als Sturm auf die Bastille. Man bel\u00e4chelte gewaltfreie Proteste lange Zeit als gut gemeint, moralisch vorbildlich, aber auch als ein bisschen naiv und letztlich wirkungslos.<\/p>\n<p>Wie anders w\u00e4re es zu erkl\u00e4ren, dass wissenschaftliche Autorinnen und Autoren keinerlei Hemmungen hatten, den blutigen Sturz des Ceaucescu-Regimes in Rum\u00e4nien ohne Einschr\u00e4nkung als &#8222;Revolution&#8220; zu bezeichnen, w\u00e4hrend sie bei anderen, gewaltfreien Umw\u00e4lzungen im ehemaligen Ostblock ihre Zuflucht zu mehr oder weniger sprechenden, pressetauglichen Adjektiven nehmen mussten?<\/p>\n<p>Die Revolution in Georgien 2003 wurde so zur &#8222;Rosafarbenen Revolution&#8220;, die in der Ukraine ein Jahr sp\u00e4ter zur &#8222;Orangenen Revolution&#8220;, und immer so fort. Gewaltfreie Revolutionen scheinen in den Augen der Wissenschaften farbenfroher zu sein als gewaltsame.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich aber ist es vermutlich genau dieses &#8222;bunte Treiben&#8220;, das einem streng an abstrakten Kategorien geschulten Wissenschaftler den Schwei\u00df auf die Stirn treiben kann. Ziviler, gewaltfreier Widerstand erscheint bis heute als etwas <i>kategorial Ungeh\u00f6riges<\/i>, Unberechenbares oder, mit dem Historiker Timothy Garton Ash zu sprechen, beinahe &#8222;Magisches&#8220;.<\/p>\n<p>In der scheinbar so alternativlos wohlgeordneten Welt der Machtpolitik mit ihren B\u00fcndnissen, Versprechungen, Drohungen und ihrer Polizei ist gewaltfreier, ziviler Widerstand oft eine St\u00f6rung der ererbten Denkgewohnheiten. Nur allzu oft waren Regimes, die mit gewaltbereiten Gegnerinnen und Gegnern m\u00fchelos fertig wurden, v\u00f6llig \u00fcberfordert, wenn ihnen Widerstand massenhaft und friedlich entgegengesetzt wurde.<\/p>\n<p>Eine streng am Bestehenden orientierte Wissenschaft kann in Schwierigkeiten geraten, wenn sie sich mit solchen Ph\u00e4nomenen konfrontiert sieht: Woher kommen diese Bewegungen? Welches sind ihre Ziele? Welchen Einfluss haben sie tats\u00e4chlich ausge\u00fcbt? usw.<\/p>\n<p>Die verdatterten Reaktionen der akademischen Eliten nach dem Aufkommen von <i>Occupy!<\/i> und die Abkanzelungen der Bewegung durch die hohe Politik &#8211; Joachim Gauck etwa nannte sie bekannterma\u00dfen &#8222;albern&#8220; &#8211; boten j\u00fcngst nur ein weiteres Beispiel f\u00fcr diese intellektuelle Hilflosigkeit. Alexis de Tocquevilles ber\u00fchmter Ausspruch, keine Revolution sei je f\u00fcr so unwahrscheinlich gehalten worden wie die Franz\u00f6sische, und keine sei in der R\u00fcckschau so unvermeidlich erschienen, gilt in noch weit gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe f\u00fcr gewaltfreie Revolutionen \u00fcberall auf dem Planeten.<\/p>\n<p>Ganz auf &#8222;hard power&#8220; (sprich: milit\u00e4rische Gewalt) und interstaatliche Machtpolitik fokussiert, hat die politik- und geschichtswissenschaftliche Forschung zivilen Widerstand als soziohistorische Gr\u00f6\u00dfe lange vernachl\u00e4ssigt.<\/p>\n<p>2011 ist nun ein Sammelband erschienen, der dieses Vers\u00e4umnis auf beeindruckende Weise korrigiert: &#8222;Civil Resistance &amp; Power Politics. The Experience of Non-violent Action from Gandhi to the Present&#8220;, herausgegeben von den britischen Historikern Adam Roberts und Timothy Garton Ash.<\/p>\n<p>Hervorgegangen ist das Buch aus einem an der Uni Oxford angesiedelten Forschungsprojekt, &#8222;Civil Resistance and Power Politics. Domestic and International Dimensions&#8220;, das 2006 ins Leben gerufen wurde.<\/p>\n<p>Wer nun allerdings die in Zeiten von Exzellenzclustern und Eliteuniversit\u00e4ten zur Landplage gewordene akademische Schwatzhaftigkeit f\u00fcrchtet &#8211; nach dem Motto: &#8222;Publish or perish!&#8220; [&#8218;Ver\u00f6ffentliche oder geh&#8216; zugrunde!&#8216;] -, den erwartet eine freudige \u00dcberraschung. Denn die Beitr\u00e4gerinnen und Beitr\u00e4ger zu &#8222;Civil Resistance &amp; Power Politics&#8220; geh\u00f6ren nicht nur zu den kompetentesten Vertreterinnen und Vertretern ihres Fachs.<\/p>\n<p>Sie vereinen h\u00e4ufig auch eigenes Erleben oder sogar aktive Beteiligung an den von ihnen vorgestellten Bewegungen mit hohen analytischen F\u00e4higkeiten. In ihren besten Momenten offenbaren die Beitr\u00e4ge zu &#8222;Civil Resistance &amp; Power Politics&#8220; jene Mischung aus Erfahrungs- und Reflexionswissen, ohne die keine gro\u00dfe Wissenschaft entstehen kann.<\/p>\n<p>Timothy Garton Ash, der den Sturz der kommunistischen Regimes in Polen und der Tschechoslowakei hautnah miterlebte, ist nur ein Beispiel von vielen.<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge sind allesamt knapp gehalten und trotzdem randvoll mit faszinierenden Detailinformationen. Sie f\u00fcgen sich auf ebenso erstaunliche wie erfreuliche Weise inhaltlich ineinander, und ihre Lekt\u00fcre wird noch dadurch erleichtert, dass der Fu\u00dfnotenapparat \u00fcberschaubar gehalten wurde.<\/p>\n<p>Die erstaunliche Koh\u00e4renz der 22 Bewegungsportraits ist kein Zufall: Die Herausgeber hatten die gute Idee, eine Reihe von <i>Leitfragen<\/i> zu stellen (sie finden sich auf den ersten Seiten des Bandes), denen s\u00e4mtliche Beitr\u00e4gerinnen und Beitr\u00e4ger mit im akademischem Betrieb (leider) ungewohnter Disziplin folgen. So liest sich &#8222;Civil Resistance &amp; Power Politics&#8220; fast wie eine Monographie und entfaltet ein ebenso informiertes wie differenziertes Panorama zivilen, gewaltfreien Widerstands im 20 Jahrhundert, von Chile bis nach China, von Nordirland bis zu den Philippinen, von S\u00fcdafrika bis nach Ostdeutschland.<\/p>\n<p>Ein gelungenes, anregendes, kompetentes und wissenschaftlich hochwertiges Buch zur Geschichte des gewaltfreien Widerstands ist auf diese Weise entstanden, das in keinem B\u00fccherschrank fehlen sollte.<\/p>\n<p>Man muss weit zur\u00fcckdenken, um sich an eine \u00e4hnlich gelungene Ver\u00f6ffentlichung zum Thema zu erinnern.<\/p>\n<p>Zwei der interessantesten und gewiss kontroversesten Leitfragen, denen sich die Autorinnen und Autoren in &#8222;Civil Resistance &amp; Power Politics&#8220; widmen, sind jene nach dem Einfluss etablierter Macht- und Herrschaftsstrukturen auf den Erfolg oder Misserfolg gewaltfreier Widerstandsbewegungen (eben den titelgebenden &#8222;Power Politics&#8220;) und nach dem oft komplexen und widerspr\u00fcchlichen Verh\u00e4ltnis solcher Bewegungen zur Gewalt &#8211; eigener, fremder oder nur <i>m\u00f6glicher<\/i> Gewalt von innen und au\u00dfen. Es stellt sich bei der Lekt\u00fcre rasch heraus, dass nur \u00e4u\u00dferst selten Gewaltfreiheit f\u00fcr zivile Bewegungen ein unhintergehbares moralisches Prinzip war (die Proteste der M\u00f6nche in Burma w\u00e4ren hierf\u00fcr ein Beispiel).<\/p>\n<p>Weit \u00f6fter war die Wahl der Mittel pragmatisch und orientierte sich an dem, was innerhalb eines realen Machtgef\u00fcges Aussicht auf Erfolg haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die im europ\u00e4ischen Westen fast schon vergessenen Massenproteste in den baltischen L\u00e4ndern etwa waren vor allem deswegen gewaltfrei, weil \u00fcber den K\u00f6pfen der Protestlerinnen und Protestler die Drohung eines milit\u00e4rischen Eingreifens der Sowjetunion schwebte, dem man nichts h\u00e4tte entgegensetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Massenproteste in Estland, Litauen und Lettland sind au\u00dferdem ein aufschlussreiches Beispiel daf\u00fcr, dass extremer Nationalismus keineswegs immer zu Gewalt f\u00fchren muss.<\/p>\n<p>Hier sorgte, paradoxerweise, die Gewaltandrohung durch den gro\u00dfen Nachbarn f\u00fcr die absolute Friedfertigkeit der Aktionen &#8211; und damit letztlich f\u00fcr deren Erfolg. Gleichzeitig st\u00e4rkte die Zur\u00fcckhaltung der Gorbatschow-Regierung, in die Politik der sowjetischen Teilrepubliken einzugreifen, zivilen Widerstand \u00fcberall im Osten.<\/p>\n<p>Machtpolitik und Gewaltandrohung bestimmten das Erscheinungsbild des zivilen Widerstands und waren mit verantwortlich f\u00fcr den Ausgang des Konflikts.<\/p>\n<p>Das komplizierte Wechselspiel zwischen Gewaltfreiheit, Gewalt und Machtpolitik auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene konnte aber auch unmittelbarer und direkter sein. In S\u00fcdafrika beispielsweise kombinierte der <i>African National Congress<\/i> (ANC) auf Dr\u00e4ngen Nelson Mandelas gewaltfreien Widerstand mit terroristischen Aktionen durch seinen bewaffneten Arm <i>Umkhonto we Sizwe <\/i>[&#8218;Speer des Volkes&#8216;]. Tom Lodge weist in seinem interessanten Beitrag darauf hin, dass auch am Kap der Zusammenbruch des Ostblocks mitentscheidend f\u00fcr den Ausgang des Kampfs gegen die Apartheid war: Pr\u00e4sident de Klerk stimmte Verhandlungen mit Mandela unter anderem deswegen zu, weil eine Unterst\u00fctzung des ANC durch die Sowjetunion nicht l\u00e4nger zu bef\u00fcrchten sei. Die scheinbare <i>Schw\u00e4chung<\/i> des Gegners in den Augen der Machthaber war es also, die ihn zu einem akzeptablen Verhandlungspartner werden lie\u00df.<\/p>\n<p>Umgekehrt nutzten gewaltfreie Bewegungen immer wieder Machtkonkurrenzen innerhalb des etablierten Herrschaftssystems zu ihren Gunsten aus.<\/p>\n<p>Manchmal <i>schufen<\/i> sie diese Konkurrenzen \u00fcberhaupt erst durch ihre Aktionen und deren moralisches und politisches Gewicht. Der anarchistische Traum, im Akt des Widerstands faktische Macht- und Herrschaftsstrukturen einfach \u00fcbergehen zu k\u00f6nnen, ist damit ausgetr\u00e4umt. Gerade der Kalte Krieg war eine Zeit, in der Sieg oder Niederlage gewaltfreien Widerstands in einem paradoxen und oft verwirrenden Mit- und Gegeneinander globaler Machtakteure mitentschieden wurde: <i>There was always a bigger fish<\/i>.<\/p>\n<p>Mindestens ebenso interessant wie die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von Gewaltfreiheit, Gewalt und Machtpolitik sind in &#8222;Civil Resistance &amp; Power Politics&#8220; die \u00dcberlegungen zur Wirkungsweise gewaltfreier Aktionen, \u00fcber die schiere Masse ihrer Beteiligten hinaus.<\/p>\n<p>Von Mohandas Gandhi bis zu V\u00e1clav Havel erkannten f\u00fchrende K\u00f6pfe des zivilen Widerstands politischen Protest immer auch als eine Form der gelebten Inszenierung im \u00f6ffentlichen Raum, als einen Akt der symbolischen Kommunikation und, in den Worten Doug McAdams zu sprechen, als &#8222;strategische Dramaturgie&#8220;. Nicht umsonst war das Zentrum des tschechoslowakischen Widerstands in Prag ein Theater, die &#8222;Laterna magica&#8220;. Und was war Gandhis ber\u00fchmter Salzmarsch anderes als ein genial konzipierter, organisierter und durchgef\u00fchrter Akt der Inszenierung &#8211; ein veritabler <i>Theatercoup<\/i>?<\/p>\n<p>Sogar die Gewalt des Gegners konnten zivile Bewegungen, wenn sie klug und die Gegner dumm genug waren, zu ihren Gunsten medienwirksam inszenieren. Doug McAdams etwa zeigt auf, dass die US-amerikanische B\u00fcrgerrechtsbewegung um Martin Luther King Jr. keineswegs \u00fcberrascht war, als bei ihren Aktionen 1963 in Birmingham (Alabama) der dortige Polizeichef &#8222;Bull&#8220; Connor vor den Augen der entgeisterten US-amerikanischen \u00d6ffentlichkeit Schwarze mit Wasserkanonen \u00fcber die Stra\u00dfen schie\u00dfen und scharfe Hunde auf friedliche Passantinnen und Passanten hetzen lie\u00df: &#8222;<i>[They] knew a good enemy when they saw one<\/i> [&#8218;Sie wussten, was sie an ihren Feinden hatten&#8216;]&#8230;einen, auf dessen Dummheit und nat\u00fcrliche Bosheit sie sich verlassen konnten.<\/p>\n<p>Beides w\u00fcrde ihnen in die H\u00e4nde spielen&#8220; (S. 68).<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass &#8222;Bull&#8220; Connor acht Tage lang still hielt und die Proteste ignorierte, beweist, dass ihm durchaus bewusst war, wie da mit ihm gespielt werden sollte. Zuletzt aber siegte sein Rassismus \u00fcber jegliche Vernunft.<\/p>\n<p>H\u00e4lt man den engen Zusammenhang von politischem Protest und \u00f6ffentlicher Inszenierung bewusst, so erscheint auch die Beteiligung von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern aller Schattierungen an gewaltfrei-zivilen Protesten in neuem Licht.<\/p>\n<p>Einerseits bewirkt jede zeitweilige \u00d6ffnung des Sozialen durch praktischen Widerstand ohnehin eine Explosion k\u00fcnstlerischer Kreativit\u00e4t, die \u00fcber professionelle Milieus hinausgeht.<\/p>\n<p>Andererseits aber waren und sind es nicht selten k\u00fcnstlerische Aktionen, die die Repressionsorgane verwirren, den Mut der Protestierenden st\u00e4rken, nationale und internationale Kommunikation erm\u00f6glichen und, letztlich, die Wirksamkeit der politischen Inszenierung vergr\u00f6\u00dfern oder sogar erst hervorbringen.<\/p>\n<p>Ivan Vejvoda beschreibt in seinem Beitrag \u00fcber die Proteste gegen das sp\u00e4te Milosevic-Regime, wie hilflos die wahrlich nicht zimperliche serbische Polizei den Aktionen von <i>Otpor<\/i> (&#8218;Widerstand&#8216;) gegen\u00fcberstand, die das Regime in satirischen Sketchen, aufgef\u00fchrt auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen, der L\u00e4cherlichkeit preisgab, sich auch durch die Androhung massiver Gewalt nicht einsch\u00fcchtern lie\u00df und den ber\u00fchmten, schwarz-wei\u00dfen Aufkleber &#8222;Er ist am Ende!&#8220; schlie\u00dflich sogar der Sicherheitspolizei vor aller Augen auf die Schilde klebte ((1)).<\/p>\n<p>K\u00fcnstlerische Kreativit\u00e4t ist im politischen Widerstand beileibe keine Nebensache. Auch dies machen die versammelten Beitr\u00e4ge \u00fcberzeugend deutlich.<\/p>\n<p>&#8222;Civil Resistance &amp; Power Politics&#8220; ist ein streng wissenschaftliches Buch und eine historiographische Studie auf h\u00f6chstem Niveau.<\/p>\n<p>Dass man sie trotzdem passagenweise wie eine regelrechte &#8222;Widerstandsfibel&#8220; lesen und sich gleichzeitig von hochfliegenden Illusionen frei machen kann, ist den Herausgebern durchaus bewusst &#8211; und keineswegs unangenehm.<\/p>\n<p>Timothy Garton Ash schreibt in seinem abschlie\u00dfenden Beitrag, wenn die versammelten Arbeiten k\u00fcnftige Proteste inspirieren sollten, werde man sich sicherlich freuen, wenn diktatorische Regime sie dagegen als eine Art konterrevolution\u00e4res Handbuch verwendeten, wohl eher nicht.<\/p>\n<p>Beides allerdings liege nicht in der Hand der wissenschaftlichen Forschung.<\/p>\n<p>Gerade dieses Bem\u00fchen um N\u00fcchternheit und Unvoreingenommenheit &#8211; das man keinesfalls mit der ebenso alten wie unguten Chim\u00e4re wissenschaftlicher &#8222;Objektivit\u00e4t&#8220; verwechseln sollte &#8211; ist vielleicht die gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke von &#8222;Civil Resistance &amp; Power Politics&#8220;.<\/p>\n<p>Es macht das Buch zu einer materialreichen und inspirierenden Diskussionsgrundlage im besten Sinne des Wortes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zivile, gewaltfreie Widerstandsbewegungen sind eine Konstante des 20. 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