{"id":11874,"date":"2013-03-01T00:00:21","date_gmt":"2013-02-28T22:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11874"},"modified":"2022-07-26T14:12:14","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:14","slug":"es-ist-nie-zu-fruh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/03\/es-ist-nie-zu-fruh\/","title":{"rendered":"Es ist nie zu fr\u00fch"},"content":{"rendered":"<p>Die Z\u00fcrcher Szene in der Gegenwart: Irgendetwas stimmt nicht mit den posthum herausgegebenen Notizb\u00fcchern des Alt-68er Roberto Manetti. Menschen verschwinden nach dessen Lekt\u00fcre. Und der Erz\u00e4hler Paul Meier (P. M.) macht sich auf die Suche kreuz und quer durch die Welt &#8211; und durch gelebte Alternativen zum gerade \u00fcber die Klippe rutschenden Kapitalismus &#8211; nach den Verschwundenen. Am Ende wartet eine \u00dcberraschung.<\/p>\n<p>So in etwa kann in groben Z\u00fcgen der Inhalt des siebten P. M.-Romans seit 1980 beschrieben werden. P.M. setzte mit seinem <i>bolo&#8217;bolo<\/i> (1983 ff.) Ma\u00dfst\u00e4be, weil Utopien nicht mehr in eine entr\u00fcckte Ferne geschoben wurden, sondern etwa im heutigen Projekt &#8222;KraftWerk1&#8220; ((*)) in Z\u00fcrich umgesetzt werden (sollen). Die Romane von P. M. waren eigentlich immer eine spielerische Reflexion seiner Sachb\u00fccher, in denen er h\u00e4ufig von ideologischen Klammern und Begriffen abweicht. Das gute Leben sollte f\u00fcr alle Menschen erreichbar sein, und wenn wir uns einig sind dies erreichen zu wollen, dann macht P. M. dazu Vorschl\u00e4ge, wie wir dorthin kommen k\u00f6nnten. KritikerInnen sehen in den B\u00fcchern von P. M. meistens Anleitungen. Von einer Ideologie ist er aber weit entfernt, was manche GegnerInnen dann auch schon mal dazu hinrei\u00dft die krudesten Vorw\u00fcrfe zu konstruieren &#8211; von CIA-Agent bis \u00d6kofaschist.<\/p>\n<p>&#8222;Es ist nie zu fr\u00fch&#8220; schrieb P. M. in mein Exemplar von <i>Manetti lesen<\/i>, und das ist der springende Punkt. Wir warten st\u00e4ndig auf etwas, aber die einzige Intention, die P. M. treibt, ist, dass wir uns einfach bewegen, dass wir handeln&#8230; und das nicht nach seinen Vorgaben, sondern nach gemeinschaftlichen Ideen, die es auszuprobieren gilt.<\/p>\n<p>Nun haben Menschen, die seit ca. 50 Jahren politisch aktiv sind, schon einiges ausprobiert, und bisher war der &#8222;goldene Weg&#8220; nicht dabei. Den wird es auch nie geben, und wer ihn in den B\u00fcchern von P. M. sucht, ist hier schlichtweg an der falschen Adresse.<\/p>\n<p>In <i>Manetti lesen<\/i> geht die Fiktion mit der Realit\u00e4t Hand in Hand: Szenegr\u00f6\u00dfen tauchen durchaus mit ihren realen Namen auf, andere bekommen Pseudonyme.<\/p>\n<p>Die Z\u00fcrcher HausbesetzerInnen-Szene der 1980er Jahre &#8211; der ja auch P. M. entspringt &#8211; taucht hier mit einigen bekannten AktivistInnen wieder auf.<\/p>\n<p>Und auf der Suche nach den Verschwundenen begegnet der Erz\u00e4hler diversen Alternativ-Ideen, die sich seit jener Zeit entwickelt haben, und l\u00e4ngst nicht mehr nur einem linksradikalen Gedankengut entspringen.<\/p>\n<p>Auch das B\u00fcrgerInnentum m\u00f6chte heute ein gutes Gewissen haben, wenn Million\u00e4rInnen in Deutschland nach der Reichensteuer betteln, oder etwa Pariser Nobelquartiere verwaisen, weil dessen BewohnerInnen sich auf dem Land um biologisch angebautes Gem\u00fcse k\u00fcmmern. Ein besseres Leben jenseits von Kapitalismus und Ungerechtigkeiten f\u00fchren zu wollen, ist l\u00e4ngst nicht mehr ein &#8222;Vorrecht&#8220; linksradikaler und\/oder libet\u00e4rer Ideentr\u00e4gerInnen. Es breitet sich \u00fcber verschiedene Gesellschaftschichten in unterschiedlichen Ans\u00e4tzen aus &#8211; und das ist gut so.<\/p>\n<p><i>Manetti lesen<\/i> ist nicht der gro\u00dfen Offenbarungs-Roman, dies w\u00fcrde auch den Intentionen des Autors widersprechen.<\/p>\n<p>Er ist eine gute Erg\u00e4nzung zum ebenfalls gerade neuerschienen Sachbuch <i>Kartoffeln und Computer. M\u00e4rkte durch Gemeinschaften ersetzen<\/i> (Edition Nautilus, Hamburg 2012, 80 S. 6,90 Euro, siehe Rezension in GWR 372 &#8211; ein hervorragendes Verschenkbuch), und eine spielerische Auseinandersetzung mit den Fragen: Wo stehen wir? und: Wie weiter?<\/p>\n<p>JedeR mu\u00df sich diese Fragen selbst beantworten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Z\u00fcrcher Szene in der Gegenwart: Irgendetwas stimmt nicht mit den posthum herausgegebenen Notizb\u00fcchern des Alt-68er Roberto Manetti. Menschen verschwinden nach dessen Lekt\u00fcre. Und der Erz\u00e4hler Paul Meier (P. 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