{"id":11909,"date":"2013-03-01T00:00:53","date_gmt":"2013-02-28T22:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11909"},"modified":"2022-07-26T13:18:01","modified_gmt":"2022-07-26T11:18:01","slug":"die-ursachen-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/03\/die-ursachen-der-krise\/","title":{"rendered":"Die Ursachen der Krise"},"content":{"rendered":"<p>Die Gruppe &#8222;Krisis&#8220; arbeitet sich seit Jahren an der Kritik von                 Kapitalismus und traditionellem Marxismus ab. Ihre Kritik gilt                 sowohl dem Wertbegriff wie der Arbeit. 1999 legte sie mit dem                 &#8222;Manifest gegen die Arbeit&#8220; eine gl\u00e4nzend geschriebene Streitschrift                 vor, die die Zumutungen der herrschenden Arbeitsmoral und ihre                 zerst\u00f6rerischen Folgen treffend auf den Punkt bringt. <\/p>\n<p>In ihrer Zeitschrift <i>krisis<\/i> unternehmen sie es vor allem,                 die Absurdit\u00e4t der herrschenden Zust\u00e4nde darzustellen. <\/p>\n<p>Daneben gibt es eine weitere Zeitschrift, an der viele von ihnen                 mitwirken, die <i>Streifz\u00fcge<\/i>, die in Wien herauskommt. Diese                 versucht sich an positiven Entw\u00fcrfen, ihre Seele ist der \u00d6sterreicher                 Franz Schandl, und Themenhefte wie &#8222;Gutes Leben&#8220;, &#8222;Freundschaft&#8220;                 oder &#8222;Living Room&#8220; zeigen ihren Mut, auch im Falschen Modelle                 f\u00fcr ein besseres Leben darzustellen.<\/p>\n<p>Das neue Buch nun versucht, die gegenw\u00e4rtige Megakrise des Kapitalismus                 in einen systematischen und historischen Zusammenhang zu stellen.               <\/p>\n<p>Es beschreibt anschaulich die verschiedenen Wellen der kapitalistischen                 Konjunktur seit dem 19. Jahrhundert, \u00fcber die kleinteilige Rationalisierung                 des Fordismus nach dem 2. Weltkrieg bis zur sog. &#8222;Dritten industriellen                 Revolution&#8220;, die mit der massenhaften Anwendung von Informationstechnologien                 einsetzte. <\/p>\n<p>In alledem wirkt der inh\u00e4rente Widerspruch, dass die Bem\u00fchungen                 zur Rationalisierung der Arbeit die Grundlage der Wertproduktion                 unterminieren. <\/p>\n<p>Die Autoren setzen sich intensiv mit der herrschenden Volkswirtschaftslehre                 auseinander, die etwa das Geld nur als neutrales Tauschmittel                 ansehen will, aber inzwischen zugeben muss, dass sie versagt,                 vor allem bei ihren Prognosen.<\/p>\n<p>Allerdings kritisieren die Autoren auch die fetischistische \u00dcberh\u00f6hung                 der Arbeit, wie sie oft bei MarxistInnen anzutreffen ist. Die                 Billionen an Spekulationsgeldern, die st\u00fcndlich \u00fcber den Globus                 hin- und hergeschickt werden, repr\u00e4sentierten keineswegs irgendeinen                 Wert, der auf Arbeit zur\u00fcckgehe (wie manche MarxistInnen behaupten).                 Der Boom der Finanzwirtschaft in den vergangenen 30 Jahren wird                 beschrieben als ein Ausweichen in Zukunftserwartungen, um die                 definitive Verwertungskrise des Kapitalismus aufzuhalten; aber                 diese Erwartungen werden immer br\u00fcchiger. Plausibel wird erkl\u00e4rt,                 warum die Aufbl\u00e4hung der Finanztitel bisher noch die allgemeine                 Geldentwertung aufhalten konnte, aber dass irgendwann damit Schluss                 sein muss. <\/p>\n<p>Den Autoren sind systematische Darstellungen auch deshalb so                 wichtig, weil sie wahrnehmen, dass die Versuchung gro\u00df ist, S\u00fcndenb\u00f6cke                 zu suchen, &#8222;die faulen Griechen&#8220; oder auch &#8222;die Spekulanten&#8220;.                 Ihr Problem ist vielleicht die, sagen wir, apokalyptische Grund\u00fcberzeugung:                 Ihrer Meinung nach muss der Kapitalismus in seiner gegenw\u00e4rtigen                 Form in absehbarer Zeit zusammenbrechen. Nur: Sagen das nicht                 viele schon seit \u00fcber hundert Jahren?<\/p>\n<p>Aber wie k\u00f6nnte ein \u00dcbergang in eine andere, weniger zerst\u00f6rerische                 Wirtschaftsordnung aussehen? <\/p>\n<p>&#8222;Es gibt keinen Masterplan f\u00fcr diese gesellschaftliche Alternative.                 Sie kann nur von sozialen Emanzipationsbewegungen entwickelt werden,                 die sich als Opposition zur Krisenverwaltung formieren&#8220; (293).                 Damit geben die Autoren die Initiative an die Aktionsgruppen zur\u00fcck,                 die schon immer mit Herrschaft, Polizei und Repression zu tun                 hatten, aber auch mit den Nischen, in denen bisher allein Alternativen                 gedeihen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bekommen diese Bewegungen auch einige Ratschl\u00e4ge mit                 auf den Weg, was sie auf jeden Fall nicht machen d\u00fcrfen. Vor allem                 sollen sie der Versuchung widerstehen, Problemursachen zu personalisieren.               <\/p>\n<p>&#8222;Der wahre Skandal ist nicht die Konzentration von Geldmitteln                 in den H\u00e4nden weniger &#8211; so widerlich das auch ist &#8211; , sondern                 die Tatsache, dass eine Gesellschaft, die Reichtumspotentiale                 wie keine zuvor entwickelt hat, an diesen zugrunde geht, statt                 sie in den Dienst konkreter Bed\u00fcrfnisbefriedigung zu stellen.&#8220;                 (ebd.) &#8222;Wenn Ressourcen stillgelegt werden sollen, weil &#8222;das Geld                 fehlt&#8220;, m\u00fcssen diese eben angeeignet und in bewusster Frontstellung                 gegen die fetischistische Logik der modernen Warenproduktion transformiert                 und betrieben werden.&#8220; <\/p>\n<p>Das sind die Projekte, an denen speziell die LeserInnen der <i>Graswurzelrevolution<\/i>                 arbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gruppe &#8222;Krisis&#8220; arbeitet sich seit Jahren an der Kritik von Kapitalismus und traditionellem Marxismus ab. 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