{"id":11912,"date":"2013-03-01T00:00:50","date_gmt":"2013-02-28T22:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11912"},"modified":"2022-07-26T13:31:03","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:03","slug":"deutscher-militargewerkschaftsbund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/03\/deutscher-militargewerkschaftsbund\/","title":{"rendered":"Deutscher Milit\u00e4rgewerkschaftsbund?"},"content":{"rendered":"<p>Im Februar 2013 hat das Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm                 International Peace Research Institute) seinen neuen Jahresbericht                 vorgelegt. Erstmals seit 1994 gingen demnach die Verk\u00e4ufe der                 gro\u00dfen R\u00fcstungskonzerne zur\u00fcck. Die weltweit 100 gr\u00f6\u00dften Waffenproduzenten                 h\u00e4tten 2011 f\u00fcnf Prozent weniger umgesetzt als im Jahr zuvor.                 Zwischen 2002 und 2010 ist der Waffenexport allerdings global                 um 51 Prozent gestiegen. <\/p>\n<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Konkurrenten in anderen L\u00e4ndern 2011 einen leichten Waffenexportr\u00fcckgang                 verzeichnen mussten, wachsen die deutschen R\u00fcstungsschmieden weiter.                 2011 erzielten sie laut SIPRI einen Umsatz von 1,3 Milliarden                 US-Dollar. Tendenz steigend.<\/p>\n<p>Deutschland ist Tr\u00e4ger einer blutverschmierten Bronzemedaille.                 Nach den USA und Russland ist es der drittgr\u00f6\u00dfte Waffenexporteur                 der Welt.<\/p>\n<p>&#8222;Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt&#8220; ist                 keine platte Demoparole, sondern bittere Realit\u00e4t. Wenn Menschen,                 die etwa in Bahrain f\u00fcr eine Demokratisierung demonstrieren, vom                 saudi-arabischen Terrorregime niedergerollt werden, dann geschieht                 das voraussichtlich mit Panzern und anderen Hightechwaffen aus                 deutscher Produktion. Wenn in B\u00fcrgerkriegen wie in Libyen, Syrien                 und Mali Menschen aufeinander schie\u00dfen, dann machen beide Seiten                 das h\u00e4ufig mit Waffen von Heckler &#038; Koch. Der Tod ist immer noch                 ein Meister aus Deutschland. Krieg ist ein brutales und profitables                 Gesch\u00e4ft auf Kosten der Menschenrechte auf Leben und Unversehrtheit.               <\/p>\n<p>Mehr als 6.200 BundeswehrsoldatInnen befinden sich derzeit zur                 Durchsetzung deutscher Interessen und Absicherung der westlich-kapitalistischen                 Hegemonie in Kriegseins\u00e4tzen in Afghanistan, mit Patriot-Raketen                 in der T\u00fcrkei, zur Piratenjagd im Indischen Ozean, demn\u00e4chst in                 Mali und rund um den Globus.<\/p>\n<p>Nun m\u00f6chte offenbar auch der DGB von diesem blutigen Trend profitieren.                 Am 8. Februar 2013 meldete dpa: <\/p>\n<p><i>&#8222;Berlin. Gewerkschaften und Bundeswehr wollen ihre Zusammenarbeit                 auf eine neue Grundlage stellen. DGB-Chef Michael Sommer und Verteidigungsminister                 Thomas de Maizi\u00e8re vereinbarten am Dienstag bei dem ersten Spitzentreffen                 dieser Art seit 30 Jahren, das Verh\u00e4ltnis von Deutschem Gewerkschaftsbund                 und Streitkr\u00e4ften mit einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung neu auszutarieren.                 &#8218;Wir wollen pr\u00fcfen, in welchem gemeinsamen Geist wir die Zusammenarbeit                 in die Zukunft tragen&#8216;, sagte de Maizi\u00e8re.<\/i><\/p>\n<p><i>Die Gewerkschaften hatten sich in den 50er Jahren gegen die                 Wiederbewaffnung Deutschlands gestemmt und verstehen sich seitdem                 als Teil der Friedensbewegung. 1981 wurde eine erste gemeinsame                 Erkl\u00e4rung verfasst, die man als &#8218;gro\u00dfen Friedensschluss&#8216; bezeichnen                 k\u00f6nnte, wie de Maizi\u00e8re sagte. Er betonte, dass sich die Bundeswehr                 auch als Teil der Friedensbewegung verstehe. Auch Sommer machte                 deutlich, dass die grunds\u00e4tzlichen Auseinandersetzungen der Vergangenheit                 angeh\u00f6rten. Das Verh\u00e4ltnis zwischen den Gewerkschaften und bewaffneten                 Streitkr\u00e4ften sei lange Zeit historisch belastet gewesen. &#8218;Das                 ist es heute nicht mehr.&#8216;<\/i><\/p>\n<p><i>Die neue Erkl\u00e4rung soll grunds\u00e4tzliche und pragmatische Fragen                 behandeln: Privatisierung, Ausbildung, Personalentwicklung, aber                 auch R\u00fcstungsfragen und Rechtsextremismus in der Bundeswehr. Beide                 Seiten wollen sich mit der Erarbeitung Zeit lassen. M\u00f6glicherweise                 werde die Erkl\u00e4rung erst nach der Bundestagswahl fertig, sagte                 Sommer.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr die Macht der Reichen gehen sie \u00fcber Leichen&#8220;, betitelte                 George Grosz eines seiner zeitlosen Kunstwerke. Daran hat sich                 nichts ge\u00e4ndert. Der DGB m\u00f6chte bei der seit dem Bundeswehrkriegseinsatz                 gegen Jugoslawien 1999 dramatisch voranschreitenden Kriegstauglichkeitsmachung                 des Landes nicht mehr am Rande stehen. Dass die Gewerkschaften                 einst gegen die Wiedereinf\u00fchrung einer deutschen Armee waren,                 ist heute Schnee von gestern. Heute argumentieren nicht nur IG                 Metall-Funktion\u00e4re mit dem &#8222;Standort Deutschland&#8220;, der auch milit\u00e4risch                 verteidigt werden m\u00fcsse. <\/p>\n<p>W\u00e4re die Todesstrafe hierzulande nach dem Zweiten Weltkrieg nicht                 abgeschafft worden, w\u00fcrden Sommer und Co. wom\u00f6glich nicht davor                 zur\u00fcckschrecken, auch eine DGB-Teilgewerkschaft der Henker einf\u00fchren                 zu wollen. Warum auch nicht?<\/p>\n<p>Wenn Bundeswehroberst Klein, der in Afghanistan die Bombardierung                 eines Tanklasters befohlen und damit die Ermordung von 140 Menschen                 zu verantworten hat, zum General bef\u00f6rdert wird, ohne dass es                 dagegen gro\u00dfe Proteste gegeben h\u00e4tte (vgl. GWR 371). <\/p>\n<p>Sommer und sein Team haben nichts zu bef\u00fcrchten, weil gro\u00dfe Teile                 der Gesellschaft mittlerweile offenbar so abgestumpft sind, dass                 sie den gewerkschaftlichen Schulterschluss mit dem Milit\u00e4r gut                 finden. Wenn Krieg Frieden ist, wenn sich Gewerkschafter mehr                 um die Profite der R\u00fcstungskonzerne sorgen als um die Opfer der                 in Deutschland produzierten Waffen, warum sollte es dann nicht                 auch einen Deutschen Milit\u00e4rgewerkschaftsbund (DMGB) geben?!<\/p>\n<p>Vor 30 Jahren, in den Hochzeiten der Friedensbewegung, w\u00e4re ein                 Auftritt wie der von Sommer und de Maizi\u00e8re kaum vorstellbar gewesen.                 Ein DGB-Vorsitzender, der sich vor den Karren eines Kriegsministers                 spannen l\u00e4sst, der einer dreisten L\u00fcge, dass die &#8222;Bundeswehr ein                 Teil der Friedensbewegung&#8220; ist, nicht widerspricht, das w\u00e4re damals                 ein Skandal gewesen. Ein solch Orwellscher Propagandaauftritt                 h\u00e4tte bei den damals zahlreichen FriedensaktivistInnen und linken                 GewerkschafterInnen f\u00fcr Emp\u00f6rung gesorgt.<\/p>\n<p>Dass es heute keinen Proteststurm gibt, zeigt, wie marginalisiert                 antimilitaristische Positionen mittlerweile in der Bev\u00f6lkerung                 sind. <\/p>\n<p>Es liegt auch an uns, das zu \u00e4ndern. Wir brauchen einen antimilitaristischen                 &#8222;Aufschrei&#8220;: Nie wieder Krieg! Waffenexporte stoppen! Milit\u00e4r                 abschaffen! Verweigert die Munitionsherstellung! Seid Sand, nicht                 Schmier\u00f6l im Tank des Leopard 2!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Februar 2013 hat das Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) seinen neuen Jahresbericht vorgelegt. Erstmals seit 1994 gingen demnach die Verk\u00e4ufe der gro\u00dfen R\u00fcstungskonzerne zur\u00fcck. Die weltweit 100 gr\u00f6\u00dften Waffenproduzenten h\u00e4tten 2011 f\u00fcnf Prozent weniger umgesetzt als im Jahr zuvor. 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