{"id":11918,"date":"2013-03-01T00:00:00","date_gmt":"2013-02-28T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11918"},"modified":"2022-07-26T14:22:26","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:26","slug":"ein-australisches-eichhornchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/03\/ein-australisches-eichhornchen\/","title":{"rendered":"Ein australisches &#8222;Eichh\u00f6rnchen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Sie will bleiben, bis sichergestellt ist, dass Tasmaniens W\u00e4lder                 dauerhaft gesch\u00fctzt sind. Ihr Zuhause ist eine Holzplattform in                 60 Meter H\u00f6he. Von dort berichtet sie \u00fcber ihren Kampf und ihren                 Alttag im Baumwipfel. Mit der Welt ist sie \u00fcber einen mit einer                 Solaranlage betriebenen Computer verbunden. <\/p>\n<p>Mirandas Spitzname ist &#8222;Possum&#8220;, das australische Eichh\u00f6rnchen.                 &#8222;Possum&#8220; hat sozusagen naturgem\u00e4\u00df Kontakt mit GWR-Autorin &#8222;Eichh\u00f6rnchen&#8220;                 aufgenommen. Daraus ist eine Freundschaft \u00fcber die Baumwipfel                 hinaus entstanden. <\/p>\n<p>Miranda hat sich besonders f\u00fcr meine Berichte \u00fcber Baumbesetzungen                 in Deutschland interessiert, auch wenn es hierzulande keine 80                 Meter hohen B\u00e4ume gibt und die Polizei die Aktionen h\u00e4ufig mit                 Gewalt beendet &#8211; wie in diesem Herbst im Hambacher Forst (die                 GWR berichtete). <\/p>\n<p>Als die Waldbr\u00e4nde der Klimaerw\u00e4rmung Anfang Januar 2013 in Sichtweite                 von Mirandas Baum kamen, hat sie nachts kaum eine Stunde schlafen                 k\u00f6nnen. Ich war sehr besorgt, weil ich keine Nachrichten von ihr                 erhielt. Als sie sich Anfang Februar 2013 wieder meldete, war                 ich erleichtert. <\/p>\n<p>Miranda hatte dann gleich eine gute Nachricht. Der Urwald soll                 als Weltnaturerbe klassifiziert werden. Sie hofft darauf, den                 Boden bald wieder zu ber\u00fchren und fragt sich, ob sie noch laufen                 kann.<\/p>\n<p>Ich habe Miranda gebeten, \u00fcber ihre Erfahrung, ihren Kampf und                 diesen ersten Schritt &#8222;Weltnaturerbe&#8220; zu berichten und ver\u00f6ffentliche                 hier den Artikel, den sie mir schickte. Es sind kleine aber wichtige                 Schritte f\u00fcr gro\u00dfe Tr\u00e4ume. <\/p>\n<p><p><b>Eichh\u00f6rnchen<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p><p><b>Miranda Gibson:<\/b><\/p>\n<p>               Ich schaue auf den Kronenschluss eines Urwaldes im Australischen               Tasmanien hin\u00fcber.               <\/p>\n<p>Ich befinde mich sechzig Meter \u00fcber dem Waldboden auf einer in                 einem 400 Jahre alten Eukalyptusbaum in Seilen aufgeh\u00e4ngten Plattform.                 Ich bin seit \u00fcber einem Jahr hier, um die W\u00e4lder vor deren Abholzung                 durch Holzkonzerne zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Am 14. Dezember 2011 kletterte ich auf diesen Baum hinauf und                 schwor dort zu bleiben, bis der Urwald gesch\u00fctzt ist. Seit \u00fcber                 400 Tagen habe ich den Boden mit keinem Fu\u00df mehr ber\u00fchrt. Jeden                 Tag habe ich von meinem erh\u00f6hten Zuhause hin\u00fcbergeschaut, nicht                 wissend wie lange ich hier bleiben w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Ich blieb jedoch entschlossen. Von meinem Hochsitz kommuniziere                 ich mit der ganzen Welt, ich verbreite meine \u00dcberzeugung \u00fcber                 die Werte der W\u00e4lder und die Dringlichkeit, mit der wir handeln                 m\u00fcssen, um sie zu sch\u00fctzen. Ich habe bei lokalen Ereignissen,                 an Schulen und Konferenzen \u00fcberall um den Globus gesprochen. \u00dcber                 mein Leben in der Baumkrone aktualisiere ich zudem regelm\u00e4\u00dfig                 einen Blog. ((1)) <\/p>\n<p>Ich habe w\u00e4hrend des vergangenen Jahrs die Ver\u00e4nderungen durch                 die vier Jahreszeiten in meinem Baum beobachten k\u00f6nnen. Vom ersten                 Schneefall im Winter bis zu den ersten Fr\u00fchlingszeichen und den                 hei\u00dfen Tagen im Sommer. <\/p>\n<p>Jeden Tag, den ich hier verbracht habe, ist f\u00fcr die Welt eine                 Erinnerung daran gewesen, dass diese W\u00e4lder immer noch bedroht                 sind und gesch\u00fctzt werden sollen.<\/p>\n<p>Zwei Tage vor meinem Aufstieg im Dezember 2011, starteten Bulldozer                 und Kettens\u00e4gen ihren Angriff auf die alten B\u00e4ume in diesem unber\u00fchrten                 Wald. <\/p>\n<p>Ich konnte es weder ertragen, noch zulassen, dass die Zerst\u00f6rung                 fortgesetzt wird. So begann die Aktion Observer Tree. Es dauerte                 nur ein paar Tage, bis die Medien auf meinen Baumprotest aufmerksam                 wurden und die Baumerntemaschinen angehalten und weg gebracht                 wurden. Anscheinend wollte die Holzindustrie f\u00fcr ihre Rodungspraxis                 international nicht an dem Pranger gestellt werden.<\/p>\n<p>Und so sehe ich die durch das Tal fliegenden schwarzen Kakadus                 mit dem gelben Schwanz und ich wei\u00df, dass der Wald zerst\u00f6rt worden                 w\u00e4re, h\u00e4tte ich nicht Stellung bezogen. <\/p>\n<p><p>Ein wunderbares Beispiel daf\u00fcr, was die Macht, die wir alle besitzen,                 bewirken kann<\/p>\n<p>               Es geht allerdings um mehr als nur diesen Wald. Auch wenn meine               Aktion die Rodungen vor\u00fcbergehend aufgehalten hat, braucht es weitere               deutliche Ver\u00e4nderungen. Es bedarf einer juristischen Absicherung               zum Schutz der alten W\u00e4lder sowie einer \u00c4nderung in der Industrie,               um der Zerst\u00f6rung von Urw\u00e4ldern ein Ende zu setzen. Deshalb bin               ich Tag f\u00fcr Tag in dem Baum geblieben. Und ich werde hier solange               ausharren, bis der Erhalt dieser W\u00e4lder sichergestellt ist.               <\/p>\n<p>Es war eine Herausforderung hier ein ganzes Jahr zu leben, aber                 egal wie schwierig es auch immer gewesen ist, es hat immer Momente                 gegeben, die mich daran erinnerten, wie sch\u00f6n und einzigartig                 dieser Wald ist und warum ich hier bin. Eine Eule, die mich still                 von einem oberen Zweig beobachtet oder ein Keilschwanzadler, der                 in den Himmel aufsteigt. Ein sensationeller Sonnenaufgang \u00fcber                 dem schneebedeckten Horizont.<\/p>\n<p>Das sind die besonderen Momente, die mich immer noch inspirieren.<\/p>\n<p>Eine wissenschaftliche Untersuchung hat ergeben, dass diese Gegend                 den Wert eines Weltnaturerbes hat. <\/p>\n<p>Die australische Regierung hat am 31. Januar 2013 bekannt gegeben,                 dass die Urw\u00e4lder von Tasmanien nun f\u00fcr eine Aufnahme als Weltnaturerbe                 der UNESCO vorgeschlagen wurden. <\/p>\n<p>Dieser Meilenstein ist das Ergebnis unserer intensiven Kampagnenarbeit,                 mit der Baumbesetzung und den Menschen \u00fcberall in der Welt und                 in Tasmanien, die sich seit 30 Jahren f\u00fcr den Schutz von diesen                 W\u00e4ldern einsetzen. Unser Kampf ist noch nicht vorbei und wir m\u00fcssen                 jetzt daf\u00fcr sorgen, dass die Regierung ihr Versprechen einl\u00f6st                 und den Rodungen ein Ende setzt. <\/p>\n<p>Die Kettens\u00e4gen sind leider nicht still geworden, dies k\u00f6nnen                 wir nur mit internationalem Druck erreichen. Ich bin \u00fcberzeugt,                 dass positive Ver\u00e4nderungen m\u00f6glich sind, wenn die Menschen zusammen                 stehen. Das ist die Lektion, die mir das vergangene Jahr im Baum                 gebracht hat. Meine Geschichte hat sich \u00fcber die ganze Welt verbreitet                 und zum Jahrestag meiner Anwesenheit in dem Baum haben zahlreiche                 Menschen mit \u00fcber 300 Aktionen und Solidarit\u00e4tskundgebungen ihre                 Unterst\u00fctzung f\u00fcr meinen Kampf und die W\u00e4lder gezeigt. Von Columbia                 \u00fcber Deutschland nach Norwegen&#8230; Es war ein weltweiter \u00fcberw\u00e4ltigender                 Appell unter dem Motto: &#8222;Wir stehen zu Miranda&#8220;.<\/p>\n<p>Die gigantischen Zerst\u00f6rungen w\u00fcrden im industriellen Ma\u00dfstab                 weiter gehen, w\u00fcrde das Geschehen hier der Welt verborgen bleiben.                 Wenn die Menschen nicht begriffen h\u00e4tten, dass diese W\u00e4lder f\u00fcr                 die Herstellung von Furnier durch die malaysische Firma Ta Ann                 gerodet werden, k\u00f6nnten die Produkte weltweit unter dem irref\u00fchrenden                 Umweltsiegel &#8222;eco-ply verkauft werden. <\/p>\n<p>Aus meiner Plattform in dem Baumwipfel und mit der Unterst\u00fctzung                 zahlreicher GraswurzelaktivistInnen, konnte Licht auf die Gesch\u00e4fte                 mit Furnier geworfen werden. Dies hat in der ganzen Welt einen                 Dominoeffekt zur Folge gehabt und dazu gef\u00fchrt, dass die Industrie                 Verantwortung f\u00fcr die ganzen Umweltzerst\u00f6rungen in der Welt \u00fcbernehmen                 musste. <\/p>\n<p>Das ist der Grund, warum ich weiter mache, ich stelle fest, dass                 mein Protest wirkt. Weil ich jetzt wei\u00df, dass viele Menschen Stellung                 beziehen und es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich herunterklettere                 und meinen Fu\u00df auf einen nicht mehr bedrohten Wald setze,, der                 f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen in Tasmanien als Weltnaturerbe-Gebiet                 unter Schutz steht.<\/p>\n<p><p><b>Miranda Gibson<br \/>                 \u00dcbersetzung: Eichh\u00f6rnchen<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie will bleiben, bis sichergestellt ist, dass Tasmaniens W\u00e4lder dauerhaft gesch\u00fctzt sind. Ihr Zuhause ist eine Holzplattform in 60 Meter H\u00f6he. Von dort berichtet sie \u00fcber ihren Kampf und ihren Alttag im Baumwipfel. Mit der Welt ist sie \u00fcber einen mit einer Solaranlage betriebenen Computer verbunden. 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