{"id":11931,"date":"2013-03-01T00:00:20","date_gmt":"2013-02-28T22:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11931"},"modified":"2022-07-26T14:22:26","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:26","slug":"als-ware-ich-in-einem-kafig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/03\/als-ware-ich-in-einem-kafig\/","title":{"rendered":"&#8222;&#8230;als w\u00e4re ich in einem K\u00e4fig&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3>Monokulturen<\/h3>\n<p>               Zu den untersuchten kommerziellen Vorhaben geh\u00f6ren erstens die Erweiterung               der \u00d6lpalmenplantagen an der s\u00fcdlichen Pazifik-K\u00fcste, in der n\u00f6rdlichen               Region um Palenque sowie in Marqu\u00e9s de Comillas an der \u00f6stlich gelegenen               guatemaltekischen Grenze.               <\/p>\n<p>Die Monokulturprojekte werden von linken Organisationen stark                 kritisiert, da sie die Menschen, die haupts\u00e4chlich von Subsistenzwirtschaft                 leben, dazu dr\u00e4ngen, anstelle von Mais, Bohnen und Gem\u00fcse ein                 marktf\u00f6rmiges Produkt anzubauen, was sie an den Tropf des Weltmarkts                 h\u00e4ngt und von staatlichen Hilfsprogrammen extrem abh\u00e4ngig macht.               <\/p>\n<p>Zudem werden die negativen Umweltauswirkungen angeprangert, da                 der Anbau in Monokulturen einen hohen Einsatz von Agrarchemikalien                 erfordert und so die reiche Biodiversit\u00e4t der Region attackiert.               <\/p>\n<p>Die heutige Anbaufl\u00e4che von rund 45.000 Hektar soll auf bis zu                 900.000 Hektar erweitert werden &#8211; ein Szenario, das UmweltaktivistInnen                 alarmiert, die eine weitere Dezimierung der letzten intakten Best\u00e4nde                 des Lakandonischen Regenwalds bef\u00fcrchten. <\/p>\n<p>Juan G\u00f3mez, pro-zapatistischer Kleinbauer aus San Sebasti\u00e1n Bachaj\u00f3n,                 lehnt den Anbau der \u00d6lpalme radikal ab: <i>&#8222;Dieses Projekt der                 Monokultur bringt nur Krankheiten hervor, au\u00dferdem sch\u00e4digt es                 die Biodiversit\u00e4t und den Boden, dieses Produkt hat keinen sozialen                 Vorteil, sondern bringt nur Nutzen f\u00fcr die Unternehmen. Wir m\u00fcssen                 ein Bewusstsein im Hinblick auf dieses Programm schaffen &#8211; was                 passiert, wenn wir aufh\u00f6ren Mais anzubauen und stattdessen im                 Bereich der Afrikanischen Palme arbeiten. Es erzeugt Unzufriedenheit,                 soziale Instabilit\u00e4t, denn die Mehrheit der Menschen ist es nicht                 gewohnt, diese Pflanzungen zu betreiben. Sie bearbeiten die Erde,                 s\u00e4hen ihren Mais, ihre Bohnen, ihre K\u00fcrbisse, alles, was gebraucht                 wird, um zu \u00fcberleben, um mit der Familie \u00fcber die Runden zu kommen.                 Aber die Regierung, die aktuell dieses Programm durchsetzt, manipuliert                 die Leute, sie l\u00e4sst sie glauben, dass diese Art von Unterst\u00fctzung,                 diese Art von Programmen und Projekten einen Weg aus der Armut                 bieten. Aber wir wissen, dass dieses Programm nur unsere Gesundheit,                 unserer Mutter Erde und die Biodiversit\u00e4t sch\u00e4digt&#8220;.<\/i><\/p>\n<p><h3>Tourismusprojekte<\/h3>\n<p>               Ein zweites Entwicklungsprojekt ist der Tourismussektor, der ausgebaut               und auf &#8222;Weltklasseniveau&#8220; gehoben werden soll, wie der neue Gouverneur               Manuel Velasco Coello von der Gr\u00fcnen \u00f6kologischen Partei Mexikos               (PVEM), die der autorit\u00e4ren Institutionellen Revolution\u00e4ren Partei               (PRI) nahe steht, ehrgeizig in seinem Regierungsplan f\u00fcr 2012-2018               verk\u00fcndet.               <\/p>\n<p>Die von Vertreibung bedrohten und betroffenen Siedlungen sind                 mit diesen Luxusprojekten nicht einverstanden, denn sie spalten                 die Gemeinden, da in aller Regel nur wenige Familien vom Tourismus                 profitieren.<\/p>\n<p>Luis Hern\u00e1ndez Navarro, Chef der Meinungsseite der Tageszeitung                 La Jornada erl\u00e4utert im Interview, wie die Tourismusprojekte die                 D\u00f6rfer ausbeuten und den sozialen Zusammenhalt in den Gemeinden                 belasten: <i>&#8222;Wir sprechen hier von Projekten, deren zentrales                 Element der Raub von nat\u00fcrlichen Ressourcen und Territorien in                 den Gemeinden ist, um Gesch\u00e4fte zu machen, die nur einer kleinen                 Gruppe von Personen zugute kommen. Das hei\u00dft, der Reichtum, der                 in diesem Ausbeutungsprozess generiert wird, bleibt nicht in den                 Gemeinden, er verl\u00e4sst die Region. Bestenfalls k\u00f6nnen einige Angeh\u00f6rige                 der Gemeinden unter Umst\u00e4nden Arbeit im Rahmen dieser Projekte                 finden, eine Einkommensquelle. Nat\u00fcrlich ist ein Projekt dieser                 Art ein Vorhaben, dass pl\u00f6tzliche Auswirkungen auf das Gemeindeleben                 hat. Es tendiert dazu, die Beziehungen der Kooperation, der Loyalit\u00e4t,                 der Solidarit\u00e4t, die unter ihren Angeh\u00f6rigen existieren, zu durchbrechen,                 um letztendlich das Gesetz des St\u00e4rkeren zu etablieren. Wenn diese                 Projekte au\u00dferdem mit Werbung f\u00fcr den Tourismus verbunden werden,                 bringen sie auch die Entwicklung von Praktiken wie Prostitution                 oder die weitere Verbreitung von alkoholischen Getr\u00e4nken mit sich,                 all das, was mit Zeitvertreib assoziiert wird, was wiederum Auswirkungen                 auf den kommunit\u00e4ren Zusammenhalt hat.&#8220;<\/i><\/p>\n<p><h3>Zwangsumsiedlung in Landst\u00e4dte<\/h3>\n<p>               Drittens sollen weitere sogenannte &#8222;nachhaltige Landst\u00e4dte&#8220; errichtet               werden, in denen die Bev\u00f6lkerung mehrerer Siedlungen und D\u00f6rfer               im Namen von Armutsbek\u00e4mpfung und Fortschritt konzentriert wird.               <\/p>\n<p>In Chiapas gibt es \u00fcber 14.000 Gemeinden mit weniger als 100                 BewohnerInnen &#8211; in der Logik der Regierung ist es unm\u00f6glich, derart                 dezentral eine Basisversorgung sicherzustellen, deshalb argumentiert                 sie mit \u00f6konomischer Unterst\u00fctzung f\u00fcr Landst\u00e4dte. Nach mehrj\u00e4hriger                 Recherche wurde jedoch deutlich, dass die Armutsbek\u00e4mpfung nur                 ein Feigenblatt f\u00fcr Projekte dahinter ist. <\/p>\n<p>Nach Analysen der Politologin Mariela Zunino geht es bei den                 Landst\u00e4dten um eine territoriale Neuordnung. Gemeindel\u00e4ndereien                 sollen entv\u00f6lkert und der Privatwirtschaft zur Verf\u00fcgung gestellt                 werden. Die Territorien seien schon l\u00e4ngst ins Visier der Viehzucht-,                 Palm\u00f6l-, Minen-, Agrarsprit-, Tourismus- und Bauunternehmen geraten.                 Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr die agrarindustrielle Produktion und andere                 \u00f6konomische Sektoren f\u00e4nden die Unternehmen bei Bedarf direkt                 in den neuen St\u00e4dten.<\/p>\n<p>Bisher gibt es zwei realisierte Landst\u00e4dte, Nuevo Juan de Grijalva                 und Santiago el Pinar, die inzwischen massiv kritisiert werden,                 vor allem von den Menschen, die mit Versprechungen auf prosperierende                 \u00f6konomische Projekte und eine sp\u00fcrbare Anhebung ihres Lebensstandards                 dorthin gelockt wurden. <\/p>\n<p>So berichtet Reina S\u00e1nchez aus Nuevo Juan de Grijalva: <i>&#8222;Was                 die Arbeit f\u00fcr die Leute angeht, wir sind allesamt Bauern, Menschen,                 die es gewohnt sind auf dem Feld zu arbeiten. Und sie haben uns                 von unseren Feldern, unserer Erde, die wir zum Unterhalt unseres                 Lebens, unserer Familien ben\u00f6tigen, entfernt. Das ist etwas, das                 wir hier nicht haben. Hier wurden uns viele Projekte versprochen,                 genug Arbeit f\u00fcr alle und so weiter. Aber das stimmt nicht. Die                 Projekte, die begonnen wurden, als sie uns hierher brachten, funktionieren                 nicht. Und Arbeit f\u00fcr die Leute? Nein, es gibt keine Arbeitspl\u00e4tze!                 Hier gibt es absolut keine Arbeit, um die Familie zu ern\u00e4hren.                 Hier muss man einfach alles kaufen! Angefangen beim Trinkwasser,                 das Essen, alles. Denn auf dem Hof wo man lebt, nun ja, lebte,                 da waren die Leute es gewohnt, Mais und Bohnen anzubauen und Tiere                 zu halten. Alles, was die Regierung versprach, war falsch, nichts                 ist so, wie sie es versprochen hat. Und noch viel weniger als                 in den Medien, dort oben, wo sie uns was vorgegaukelt haben, dass                 es uns gut gehe, dass uns nichts fehle. Alles L\u00fcge, denn hier                 fehlt es uns an allem. Wir leben hier in einem Haus, das einer                 Familie nicht w\u00fcrdig ist. Wir leben schlechter als vorher. Das                 ist die Realit\u00e4t. Ich sehe keinen Vorteil, weil ich nichts unternehmen                 kann, was mir gef\u00e4llt, an was ich gew\u00f6hnt bin. Das geht hier nicht.                 Es ist, als ob ich im Gef\u00e4ngnis bin. Ich f\u00fchle mich so als w\u00e4re                 ich in einem K\u00e4fig&#8220;.<\/i><\/p>\n<p><h3>Dokumentation von Kritik und Alternativen<\/h3>\n<p>               Das Team von Zwischenzeit e.V. interviewte im Rahmen der Forschungsreise               viele betroffene Menschen, dar\u00fcber hinaus wurden zahlreiche Foto-               und Filmaufnahmen realisiert.               <\/p>\n<p>Auch die Menschen, die sich gegen die zerst\u00f6rerischen Projekte                 wehren, kommen mit ihren Ideen und Vorschl\u00e4gen zu Wort. Sie setzen                 auf eine au\u00dferparlamentarische Selbstorganisation und eine zumindest                 partielle Fortf\u00fchrung der Selbstversorgungswirtschaft. <\/p>\n<p>Das Material von Zwischenzeit e.V. bildet die Grundlage f\u00fcr einen                 Dokumentarfilm, eine Ausstellung und eine Brosch\u00fcre, die bis zum                 Sommer 2013 fertig gestellt werden. Der Verkauf der Filme in Europa                 dient dann der Finanzierung der Gratisverteilung der Dokumentation                 auf Spanisch in Mexiko, um den dortigen antikapitalistischen Widerstand                 zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monokulturen Zu den untersuchten kommerziellen Vorhaben geh\u00f6ren erstens die Erweiterung der \u00d6lpalmenplantagen an der s\u00fcdlichen Pazifik-K\u00fcste, in der n\u00f6rdlichen Region um Palenque sowie in Marqu\u00e9s de Comillas an der \u00f6stlich gelegenen guatemaltekischen Grenze. 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