{"id":11943,"date":"2004-05-23T00:00:46","date_gmt":"2004-05-22T22:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11943"},"modified":"2022-07-26T14:24:34","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:34","slug":"soldaten-sind-potentielle-deserteure","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/05\/soldaten-sind-potentielle-deserteure\/","title":{"rendered":"Soldaten sind potentielle Deserteure"},"content":{"rendered":"<h3>15. Mai 2004: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung. Asyl f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer und Deserteure! Redebeitrag zur Demo in M\u00fcnster<\/h3>\n<p>Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner,<\/p>\n<p>wir haben in den letzten Tagen entsetzt reagiert auf die Hinrichtungs- und Folterbilder aus dem Irak.<\/p>\n<p>Angesichts der herrschenden Propaganda, die Kriege oft als &#8222;humanit\u00e4re Intervention&#8220; verbr\u00e4mt, haben viele Menschen verdr\u00e4ngt, was Krieg bedeutet. Jeder Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit, jeder Krieg bedeutet Folter, Vergewaltigung und Mord. Krieg ist Terror mit einem h\u00f6herem Budget.<\/p>\n<p>Wir sind heute hier, weil wir jeden Krieg und alle Formen von Militarismus und Militarisierung ablehnen. Wir sind entschlossen keine Art von Krieg zu unterst\u00fctzen. Wir wollen an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitarbeiten.<br \/>\nIm Irak, in Afghanistan, in Tschetschenien, im Kongo, &#8230; in 45 L\u00e4ndern der Welt finden zur Zeit kriegerische Auseinandersetzungen statt.<\/p>\n<p>Wie lassen sich Kriege verhindern? Wie k\u00f6nnen sie gestoppt werden?<\/p>\n<p><b>Ein<\/b> m\u00f6gliches Mittel ist die massenhafte Kriegsdienstverweigerung und Desertion.<br \/>\nIn vielen Kriegen, z.B. im ehemaligen Jugoslawien, waren Desertion und Kriegsdienstverweigerung massenhaft ausge\u00fcbte Aktionsformen. Die Armeen aller Seiten wurden so vor Rekrutierungsprobleme gestellt.<\/p>\n<p>Soldaten sind potentielle Deserteure. Je mehr Soldaten den Mut finden, sich dem milit\u00e4rischen Apparat zu widersetzen, um so schwieriger wird es f\u00fcr die Staats- und Milit\u00e4rf\u00fchrer Kriege zu f\u00fchren. Deserteure wirken wie Sand im Getriebe der Kriegsmaschinerie.<\/p>\n<p>Deshalb werden sie verfolgt. Nicht nur in Diktaturen. Auch in S\u00fcdkorea, in der T\u00fcrkei, in Israel, in Chile, in vielen westlichen Industriel\u00e4ndern gibt es kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Verweigerer werden verfolgt und oft inhaftiert.<\/p>\n<p>Geflohenen Deserteuren und Verweigerern aus Ex-Jugoslawien, Russland, Tschetschenien, der T\u00fcrkei und anderen Kriegsgebieten wird hier und in anderen Staaten der Europ\u00e4ischen Union in der Regel kein Asyl gew\u00e4hrt. Ihre Verfolgung wird nicht als politische Verfolgung anerkannt. Jedem Staat billigen die EU-Regierungen das Recht zu, seine B\u00fcrger zum Kriegsdienst zu zwingen. Die Verweigerung gilt nicht als asylrelevant.<\/p>\n<p>Seit 1985 demonstrieren Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner in aller Welt am 15. Mai, dem Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung. An diesem gemeinsamen Aktionstag finden global Informationsveranstaltungen und Demonstrationen statt, um auf das Recht auf Kriegsdienstverweigerung hinzuweisen und inhaftierte Deserteure und Verweigerer zu unterst\u00fctzen.<br \/>\nWir sind nicht allein. W\u00e4hrend wir hier demonstrieren, gehen gleichzeitig Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner in London, in Istanbul, in Washington, in Kolumbien und in vielen anderen L\u00e4ndern der Welt auf die Stra\u00dfe um ebenfalls f\u00fcr das Recht auf Kriegsdienstverweigerung, gegen Krieg und Militarismus zu demonstrieren.<\/p>\n<h3>Die Bewegung der Kriegsdienstverweigerer und Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner ist transnational<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend des 1. Weltkriegs wurden 15 Millionen Menschen auf Befehl ihrer Regierungen, &#8222;f\u00fcr Kaiser, Gott und Vaterland&#8220; abgeschlachtet. 1921, drei Jahre nach dem Ende dieses staatlich organisierten Massenmordens, gr\u00fcndeten Kriegsdienstverweigerer, Antimilitaristinnen und Antimilitaristen die War Resisters&#8216; International (WRI\/Internationale der KriegsgegnerInnen). Der WRI geh\u00f6ren heute 90 pazifistische und antimilitaristische Organisationen in 45 L\u00e4ndern an. Die antimilitaristischen Gruppen leisten u.a. internationale Unterst\u00fctzungsarbeit f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer. Oft konnte durch diese Unterst\u00fctzung den Verweigerern geholfen werden.<\/p>\n<p>Thematischer Schwerpunkt der von der WRI organisierten Aktionen ist in diesem Jahr die Situation der Kriegsdienstverweigerer in Chile und Lateinamerika.<\/p>\n<p>Wir wollen mit der heutigen Demonstration auch die Situation der kurdischen und t\u00fcrkischen Kriegsdienstverweigerer bekannter machen.<\/p>\n<p>Deshalb haben wir auf einem bundesweiten Seminar mit t\u00fcrkischen und kurdischen Kriegsdienstverweigerern im Dezember 2003 hier in M\u00fcnster die heutige Demo beschlossen.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei ist bestrebt, Mitglied der Europ\u00e4ischen Union zu werden. Das \u00f6ffentliche Interesse an Informationen \u00fcber die Menschenrechtslage dort ist gro\u00df. Dies erh\u00f6ht die Chancen f\u00fcr uns, die Situation der Verweigerer bekannt zu machen und das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung durchzusetzen.<\/p>\n<p>Nicht nur in den kurdischen Gebieten der T\u00fcrkei werden die Menschenrechte weiterhin mit F\u00fc\u00dfen getreten. Auch nach der einseitigen Verk\u00fcndung des Waffenstillstands durch die kurdische PKK, ist Folter in der T\u00fcrkei an der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Dem t\u00fcrkisch\/kurdischen B\u00fcrgerkrieg sind seit Anfang der 80er Jahre mehr als 35.000 Menschen zum Opfer gefallen. Seit dem Milit\u00e4rputsch 1980 wurden rund 4.000 kurdische D\u00f6rfer ger\u00e4umt und vermint. F\u00fcnf Millionen Kurdinnen und Kurden wurden vertrieben.<\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische Armee hat 800.000 Mann unter Waffen. Sie hat bis heute eine dominante Rolle im t\u00fcrkischen Staat. Gegen die Gewaltlogik des Milit\u00e4rs richten sich die kurdischen und t\u00fcrkischen Kriegsdienstverweigerer. Die antimilitaristische Bewegung in der T\u00fcrkei braucht unsere Solidarit\u00e4t. Die geflohenen Kriegsdienstverweigerer und Deserteure in Deutschland brauchen Asyl und ein uneingeschr\u00e4nktes Bleiberecht. Es ist ein Skandal, dass Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren hierzulande das Recht auf Asyl verweigert wird und sie in L\u00e4nder abgeschoben werden, in denen ihnen Gef\u00e4ngnis und oft Folter drohen.<\/p>\n<p>Hier in der Bundesrepublik verweigern j\u00e4hrlich mehr als 100.000 junge M\u00e4nner den Kriegsdienst. Das ist erfreulich.<br \/>\nAls Teil einer globalen antimilitaristischen Bewegung engagieren wir uns hier und heute auch f\u00fcr das Recht auf Totale Kriegsdienstverweigerung. Totale Kriegsdienstverweigerer lehnen den sogenannten &#8222;Ersatzdienst&#8220; als Zwangs- und Kriegsdienst ab. Sie werden oft inhaftiert und von Milit\u00e4r- und Zivildienstbeh\u00f6rden schikaniert.<\/p>\n<p>Wir protestieren heute gegen jeden Zwangsdienst, gegen &#8222;Wehrpflicht&#8220; und Milit\u00e4r.<\/p>\n<p>Uns geht es um die Durchsetzung des Menschenrechtes, nicht zu t\u00f6ten und nicht get\u00f6tet zu werden. Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung muss durchgesetzt werden.<\/p>\n<p>Seien wir Sand, nicht \u00d6l im Getriebe der Kriegsmaschinerie!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. Mai 2004: Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung. Asyl f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer und Deserteure! Redebeitrag zur Demo in M\u00fcnster Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner, wir haben in den letzten Tagen entsetzt reagiert auf die Hinrichtungs- und Folterbilder aus dem Irak. 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