{"id":11947,"date":"2004-05-23T00:00:47","date_gmt":"2004-05-22T22:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11947"},"modified":"2022-07-26T14:24:34","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:34","slug":"redebeitrag-rudi-friedrich-connection-e-v","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/05\/redebeitrag-rudi-friedrich-connection-e-v\/","title":{"rendered":"Redebeitrag: Rudi Friedrich, Connection e.V."},"content":{"rendered":"<p>Liebe Freundinnen und Freunde,<\/p>\n<p>vor wenigen Monaten lasen wir ein Schreiben eines israelischen                 Kriegsdienstverweigerers. Er schrieb: &quot;Sie besetzen ein fremdes                 Land und unterdr&uuml;cken andere Menschen im Namen der Terrorbek&auml;mpfung.                 Menschen wie du und ich wissen, dass dies nur ein Vorwand ist,                 um &ouml;konomische und politische Interessen der Herrschenden                 voranzutreiben.&quot;<\/p>\n<p>Das schrieb Matan Kaminer an Stephen Funk. Matan Kaminer ist                 einer von etwa 1.500 Verweigerern in Israel. Er ist gemeinsam                 mit vier anderen von einem israelischen Milit&auml;rgericht zu                 einem Jahr Haft verurteilt worden, da sie die Einberufung zur                 israelischen Armee verweigern, den Einsatz in Pal&auml;stina und                 die Unterdr&uuml;ckung der Pal&auml;stinenser ablehnen. Sie wurden                 verurteilt, obwohl sie bereits 14 Monate in Arrestzellen des Milit&auml;rs                 verbracht hatten. Nach ihrer Haft droht ihnen erneute Rekrutierung                 &#8211; und damit ein erneutes Strafverfahren wegen Kriegsdienstverweigerung.<\/p>\n<p>Stephen Funk ist Marinesoldat in den USA. Er hatte zu Beginn                 letzten Jahres eigenm&auml;chtig die Armee verlassen, weil er                 keine andere M&ouml;glichkeit sah, dem Angriffskrieg gegen den                 Irak zu entgehen. Im Fr&uuml;hjahr erkl&auml;rte er seine Kriegsdienstverweigerung                 und stellte sich den Milit&auml;rbeh&ouml;rden. In seiner Erkl&auml;rung                 schrieb er: &quot;Ich verweigere den Krieg, weil ich nicht glaube,                 dass sich Frieden durch Gewalt erreichen l&auml;sst.&quot; Im                 Herbst letzten Jahres wurde er zu sechs Monaten Haft verurteilt.<\/p>\n<p>Matan Kaminer und Stephen Funk ist klar geworden, was der Einsatz                 von Milit&auml;r, was Krieg bedeutet. Er ist immer mit tausendfachem                 Tod von Menschenleben und Zerst&ouml;rung von Infrastruktur, Natur                 und Umwelt verbunden. Krieg und die Besatzung eines anderen Landes                 sch&uuml;rt die Spannungen, erh&ouml;ht die Gewaltbereitschaft,                 st&uuml;tzt all die Kr&auml;fte, die auf milit&auml;rische Mittel                 oder auf Terroranschl&auml;ge setzen. Krieg bedeutet immer eine                 Militarisierung nach au&szlig;en und nach innen.<\/p>\n<p>Weltweit herrschen heute &uuml;ber 40 Kriege und Konflikte. Das                 bedeutet vielfachen Tod und Zerst&ouml;rung. Das bedeutet aber                 auch, dass f&uuml;r all diese Kriege und Konflikte zwangsweise                 rekrutiert wird, sowohl &uuml;ber die Wehrpflicht, mit falschen                 Versprechungen, wie &uuml;ber Razzien, Aushebungen oder wilde                 Rekrutierungen. In vielen L&auml;ndern sind es dabei nicht nur                 die erwachsenen M&auml;nner, die f&uuml;r die Zwecke milit&auml;rischer                 Einheiten eingefangen werden, es sind ebenso junge Frauen und                 Kinder. <\/p>\n<p>Aber es gibt auch Tausende, die sich in den verschiedenen Kriegen                 der Zwangsrekrutierung widersetzen, wie Matan Kaminer in Israel,                 oder desertieren und verweigern, wie Stephen Funk in den USA.                 Sie leben in der T&uuml;rkei, in Armenien und Aserbaidschan, in                 Russland, in Sri Lanka, im Sudan, in Kolumbien, in Eritrea und                 vielen anderen L&auml;ndern. Sie alle widersetzen sich dem Ansinnen                 der Herrschenden, sich f&uuml;r ihre Zwecke missbrauchen zu lassen.                 Es ist eine Entscheidung, die oft h&ouml;chsten Mut erfordert,                 angesichts der drohenden Repressionen, die von Haft &uuml;ber                 Folter bis zum Tod reicht.<\/p>\n<p>Die Kriegsdienstverweigerung und Desertion ist aber noch mehr:                 Sie ist ein kleiner, aber bedeutender Teil des Widerstandes gegen                 Krieg, weil sie ins Herz des Milit&auml;rs trifft, weil sich Kriegsdienstverweigerer                 und Deserteure der geforderten unumschr&auml;nkten Verf&uuml;gungsbereitschaft,                 dem Befehls- und Gehorsamsprinzip entziehen. Dies braucht Unterst&uuml;tzung.                 Wir fordern deshalb anl&auml;sslich des Internationalen Tages                 der Kriegsdienstverweigerung: Das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung                 muss durchgesetzt werden! Kriegsdienstverweigerer und Deserteure                 brauchen Asyl!<\/p>\n<p>Und in Deutschland? Hierzulande werden totale Kriegsdienstverweigerer                 inhaftiert und von Milit&auml;r- und Zivildienstbeh&ouml;rden                 schikaniert. Sie weigern sich, einer Wehrpflicht nachzukommen,                 die auch auf Kriegsdienstverweigerer zugreift, weil sie zur Ableistung                 eines Ersatzdienstes gezwungen werden. Sie weigern sich, sich                 dem Diktat der milit&auml;rischen Logik zu f&uuml;gen und lehnen                 auch den Zivildienst als Zwangs- und Kriegsdienst ab. Wir fordern                 ein Ende dieser milit&auml;rischen Logik. Die Wehrpflicht muss                 abgeschafft werden. Wir brauchen keine Bundeswehr &#8211; Wir brauchen                 eine Entmilitarisierung der Gesellschaft!<\/p>\n<p>Im letzten Jahr schien sich die Bundesregierung auf den ersten                 Blick gegen einen Krieg gegen den Irak zu wenden. Sie lehnte den                 direkten Einsatz deutschen Milit&auml;rs im Irak ab. Aber es hinderte                 sie nicht, in erheblichem Umfang indirekte Unterst&uuml;tzung                 zu gew&auml;hrleisten. Und schon l&auml;ngst ist die Bundeswehr                 weltweit im Einsatz. Deutschland wird inzwischen ebenso am Hindukusch                 verteidigt, wie in den Gew&auml;ssern vor Somalia. Im Verbund                 mit NATO und Europ&auml;ischer Union werden weltweite Interessenssph&auml;ren                 abgesteckt. Die Auseinandersetzung um den Irakkrieg hatte da das                 Ziel, sich auf lange Sicht hin besser positionieren zu k&ouml;nnen                 und die eigene Macht zu dokumentieren. Klar ist: Selbstverst&auml;ndlich                 wird das Recht in Anspruch genommen, die eigene Politik und die                 eigenen Interessen mit milit&auml;rischen Mitteln durchzusetzen.                 Um dies zu erkennen, reicht schon ein Blick in die neuen Verteidigungspolitischen                 Richtlinien der Bundeswehr.<\/p>\n<p>Heute, am Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung, machen                 wir deutlich: Wir werden uns der milit&auml;rischen Logik, die                 Krieg immer als M&ouml;glichkeit der Politik sieht, entziehen.                 Erst dies schafft Raum, um all die vielen Ans&auml;tze, Menschen                 und Gruppen zu unterst&uuml;tzen, die sich in den Kriegs- und                 Krisenregionen dieser Welt gegen die Herrschaft der Gewalt wenden.                 Dies schafft Raum, sich mit denen zu solidarisieren, die den mutigen                 Schritt gegangen sind und sich dem Kriegseinsatz verweigern.<\/p>\n<p>Heute, am Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung, appellieren                 wir an alle Wehrpflichtigen, Soldaten und Soldatinnen &#8211; aus den                 USA, aus Gro&szlig;britannien, aus Deutschland und anderen L&auml;ndern:                 Verweigert Euch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Freundinnen und Freunde, vor wenigen Monaten lasen wir ein Schreiben eines israelischen Kriegsdienstverweigerers. Er schrieb: &quot;Sie besetzen ein fremdes Land und unterdr&uuml;cken andere Menschen im Namen der Terrorbek&auml;mpfung. 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