{"id":1197,"date":"1997-06-01T00:00:27","date_gmt":"1997-05-31T22:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1197"},"modified":"2022-07-26T13:11:58","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:58","slug":"von-gorleben-nach-ahaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/06\/von-gorleben-nach-ahaus\/","title":{"rendered":"Von Gorleben nach Ahaus!"},"content":{"rendered":"<p>Sp\u00e4testens seit dieser Ank\u00fcndigung ist in der Bundesweiten Anti-Atom-Bewegung klar: Das Zentrale Thema ist Ahaus.<\/p>\n<h3>Ahauser Widerstand<\/h3>\n<p>Ahaus hat, im Gegensatz zu Gorleben, keine zwanzigj\u00e4hrige Tradition des Widerstands der Stra\u00dfe. Zwar gibt es seit den siebziger Jahren die &#8222;B\u00fcrgerinitiative kein Atomm\u00fcll nach Ahaus&#8220;. Diese organisierte bisher aber haupts\u00e4chlich \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Einwendungen und Prozesse gegen das BZA (Brennelemente Zwischenlager Ahaus), ohne dabei auf besonders gro\u00dfe Resonanz zu sto\u00dfen. Die beiden Hauptargumente gegen den Widerstand gegen das BZA waren immer: &#8222;Die bezahlen gut daf\u00fcr, da\u00df sie hier sind!&#8220; und &#8222;Man kann ja eh nichts machen!&#8220;. Das erste Argument hat bei \u00fcber 160 Millionen DM, die die Stadt Ahaus bisher von der Atomlobby erhalten hat, etwas (im wahrsten Sinne des Wortes) bestechendes. Das zweite Argument wirkt seit den j\u00fcngsten Erfolgen der Anti-Atom-Bewegung in Gorleben anscheinend auch in Ahaus nicht mehr.<\/p>\n<p>Und so l\u00e4\u00dft sich beim Ahauser Widerstand ein deutlicher Aufw\u00e4rtstrend beobachten. So haben sich zum Beispiel die TeilnehmerInnenzahlen bei den Sonntagsspazierg\u00e4ngen, die an jedem dritten Sonntag im Monat rund ums BZA stattfinden, von 50 im Januar, \u00fcber 100 und 200 im Februar und M\u00e4rz auf \u00fcber 500 im April, monatlich mindestens verdoppelt. Und an einer Demonstration am 1. Mai anl\u00e4\u00dflich des traditionellen Maifestes der BI (B\u00fcrgerinitiative) nahmen sogar 1 500 Menschen Teil, von denen 350 extra aus dem Wendland angereist waren, um ihren Willen, sich auch in Ahaus quer zu stellen, zu untermauern. Auch waren das erste mal seit 18 Jahren wieder Bauern mit Treckern auf der Stra\u00dfe. Und zwar nicht 10, wie die BI vorher optimistisch hoffte, sondern \u00fcber 30. Und nach der Abschlu\u00dfkundgebung vor dem Zwischenlager zogen noch viele um selbiges herum zum BZA-eigenen Schienenanschlu\u00df, um diesen (auch das eine Premiere im Ahauser Widerstand) alles andere als nur symbolisch zu unterh\u00f6hlen.<\/p>\n<h3>Fingerspitzengef\u00fchl gefragt<\/h3>\n<p>Das alles macht noch lange keine Gorlebener Verh\u00e4ltnisse, ist aber geeignet, die schlimmsten Bef\u00fcrchtungen der Atomlobby zum Thema &#8222;stilles Ausweichlager Ahaus&#8220; zu \u00fcbertreffen, wenn&#8230; &#8211; Ja, wenn die Anti-Atom- Bewegung gen\u00fcgend Fingerspitzengef\u00fchl beweist. Zwar kam aus Ahaus kaum Kritik an der friedlichen, freundlichen und offenen Schienendemontage am 1. Mai. Aber nun anzunehmen, da\u00df alles, was im Wendland ging auch in Ahaus geht, w\u00e4re ein Trugschlu\u00df. Widerstand mu\u00df wachsen. Und das an jedem Standort neu. Und noch ist ja auch nicht Tag-X.<\/p>\n<p>Die Erweiterungsgenehmigung f\u00fcr das Castor-Lager in Ahaus wird im Herbst diesen Jahres erwartet. Erst danach ist mit einem Transport zu rechnen. Und es ist durchaus m\u00f6glich, da\u00df dieser erst im Fr\u00fchjahr 98 stattfindet, da Rot-Gr\u00fcn in Nordrhein-Westfalen anscheinend ziemlichen Respekt vor dem neuen rasch wachsenden Widerstand hat. Die Zeit bis dahin gilt es zu nutzen. So sollte mensch zur Vorbereitung schon mal nach Ahaus fahren, z.B. zum Sonntagsspaziergang, oder zu dem Aktionstag, der voraussichtlich im Herbst stattfinden wird, um sich ortskundig zu machen und schon mal Kontakt aufzunehmen. Auch m\u00fcssen neue Widerstandskonzepte erarbeitet werden. Nicht nur wegen der notwendigen R\u00fccksicht auf die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung, auch, weil die \u00f6rtlichen Gegebenheiten ganz andere sind. Es wird in Ahaus keinen Stra\u00dfentransport geben, da das BZA einen Schienenanschlu\u00df hat, der mit seinen nur veireinhalb Kilometern L\u00e4nge zudem relativ gut zu sichern ist. Die beiden Bahnlinien nach Ahaus (beides Nebenstrecken) werden also als Aktionsorte interessant.<\/p>\n<p>Von den Gruppen in Ahaus selbst ist bis jetzt bekannt, da\u00df die B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr den Tag-X wohl eine gro\u00dfe Sitzblockade am Ahauser Bahnhof, der Stelle, wo das Castor-Gleis vom \u00f6ffentlichen Gleis abgeht, plant, und Ahauser UWG-Jugend, die am ehesten dem Spektrum der gewaltfreien Aktionsgruppen zuzuordnen ist, sich voraussichtlich auf das Schaffen von Infrastruktur f\u00fcr Ausw\u00e4rtige konzentrieren wird.<\/p>\n<p>Unter diesen Voraussetzungen k\u00f6nnte sich f\u00fcr den Tag-X ein Ausbau der schon im Wendland sehr erfolgreichen Aktionsform des Festschlie\u00dfens in all ihren phantasievollen Varianten (Ich z\u00e4hle da auch das Abseilen vor den Castor zu.) spannend sein. Unter anderem, weil sie viele Sympathien bringt, den Castor lange aufh\u00e4lt (so da\u00df z.B. viele Menschen, die erst auf dem falschen Gleis waren, noch das Gleis wechseln k\u00f6nnen) und auf Schienen wesentlich einfacher durchzuf\u00fchren ist, als auf Stra\u00dfen.<\/p>\n<p>Was zum Beispiel, wenn sich hunderte, oder gar Tausende, bei der gro\u00dfen Sitzblockade am Bahnhof einfach mit Fahrradschl\u00f6ssern festschlie\u00dfen w\u00fcrden? Oder die Polizei nicht die Schienen nicht nur einmal auseinanderrei\u00dfen mu\u00df um Menschen davon zu entfernen, wie im Wendland, sondern zehn Mal?<\/p>\n<p>Erfolgreich wird der Widerstand in Ahaus dann gewesen sein, wenn nach dem n\u00e4chsten Tag-X noch mehr Menschen aus Ahaus und dem Bundesgebiet bereit sind, sich quer zu stellen, als davor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sp\u00e4testens seit dieser Ank\u00fcndigung ist in der Bundesweiten Anti-Atom-Bewegung klar: Das Zentrale Thema ist Ahaus. 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