{"id":11979,"date":"2004-05-05T00:00:51","date_gmt":"2004-05-04T22:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=11979"},"modified":"2022-07-26T14:24:35","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:35","slug":"asyl-fur-kriegsdienstverweigerer-und-deserteure-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/05\/asyl-fur-kriegsdienstverweigerer-und-deserteure-5\/","title":{"rendered":"Asyl f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer und Deserteure!"},"content":{"rendered":"<p>Seit 1985 demonstrieren KriegsgegnerInnen in aller Welt am 15.                 Mai, dem <i>Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung<\/i>.                 An diesem gemeinsamen Aktionstag finden global Informationsveranstaltungen                 und Demonstrationen statt, um auf das Recht auf Kriegsdienstverweigerung                 hinzuweisen und inhaftierte Deserteure und Verweigerer zu unterst\u00fctzen.               <\/p>\n<p>In vielen Kriegen, z.B. im ehemaligen Jugoslawien, waren Desertion                 und Kriegsdienstverweigerung massenhaft ausge\u00fcbte Aktionsformen,                 welche die Armeen aller Seiten vor Rekrutierungsprobleme stellten.                 Soldaten sind potentielle Deserteure. Je mehr Soldaten den Mut                 finden, sich dem milit\u00e4rischen Apparat zu widersetzen, um so schwieriger                 wird es f\u00fcr Staats- und Milit\u00e4rf\u00fchrer Kriege zu f\u00fchren. Deserteure                 wirken wie Sand im Getriebe der Kriegsmaschinerie. <\/p>\n<p>Geflohenen Deserteuren und Verweigerern aus Ex-Jugoslawien, Russland,                 Tschetschenien, der T\u00fcrkei und anderen Kriegsgebieten wird hier                 und in anderen Staaten der Europ\u00e4ischen Union kein Asyl gew\u00e4hrt.                 Ihre Verfolgung wird nicht als politische Verfolgung anerkannt.                 Jedem Staat billigen die EU-Regierungen das Recht zu, seine B\u00fcrgerinnen                 und B\u00fcrger zum Kriegsdienst zu zwingen. Die Verweigerung gilt                 nicht als asylrelevant.<\/p>\n<h3>Die Bewegung der Kriegsdienstverweigerer und KriegsgegnerInnen                 ist transnational<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend des 1. Weltkriegs wurden 15 Millionen Menschen auf Befehl                 ihrer Regierungen, &#8222;f\u00fcr Kaiser, Gott und Vaterland&#8220; abgeschlachtet.                 1921, drei Jahre nach dem Ende dieses staatlich organisierten                 Massenmordens, gr\u00fcndeten Kriegsdienstverweigerer und AntimilitaristInnen                 die <i>War Resisters&#8216; International<\/i> (WRI\/Internationale der                 KriegsgegnerInnen). Der <i>WRI<\/i> geh\u00f6ren heute 90 pazifistische                 und antimilitaristische Organisationen in 45 L\u00e4ndern an. In Deutschland                 sind z.B. die <i>Deutsche Friedensgesellschaft &#8211; Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen<\/i>                 (DFG-VK) und die Monatszeitung <i>Graswurzelrevolution<\/i> Teil                 der WRI. Die WRI-Gruppen leisten u.a. internationale Unterst\u00fctzungsarbeit                 f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer. Dieser Arbeit dient auch der Internationale                 Tag der Kriegsdienstverweigerung. Oft konnte durch diese Unterst\u00fctzung                 den Verweigerern geholfen werden: sei es mit der Solidarit\u00e4tsarbeit                 mit Kriegsdienstverweigerern in Lateinamerika, sei es f\u00fcr Deserteure                 aus Ex-Jugoslawien. <\/p>\n<p>Thematischer Schwerpunkt der von der WRI organisierten Aktionen                 ist in diesem Jahr die Situation der Kriegsdienstverweigerer in                 Chile und Lateinamerika. In Santiago de Chile finden ein internationales                 Seminar und ein Training in gewaltfreier Aktion statt.<\/p>\n<\/p>\n<h3>T\u00fcrkei<\/h3>\n<p>Zurzeit ist auch das Thema T\u00fcrkei in aller Munde. Die T\u00fcrkei                 ist bestrebt, Mitglied der EU zu werden und das \u00f6ffentliche Interesse                 an Informationen \u00fcber die Menschenrechtslage dort ist gro\u00df. Dies                 erh\u00f6ht die Chancen f\u00fcr soziale Bewegungen, die Situation der Verweigerer                 bekannt zu machen und das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung                 durchzusetzen. <\/p>\n<p>Nicht nur in den kurdischen Gebieten der T\u00fcrkei werden die Menschenrechte                 weiterhin mit F\u00fc\u00dfen getreten. Auch nach der 1999 erfolgten einseitigen                 Verk\u00fcndung des Waffenstillstands durch die kurdische PKK, ist                 Folter in der T\u00fcrkei an der Tagesordnung. Dem t\u00fcrkisch\/kurdischen                 B\u00fcrgerkrieg sind seit Anfang der 1980er Jahre mehr als 35.000                 Menschen zum Opfer gefallen. Seit dem Milit\u00e4rputsch 1980 wurden                 rund 4.000 kurdische D\u00f6rfer ger\u00e4umt und vermint. F\u00fcnf Millionen                 Kurdinnen und Kurden wurden vertrieben. <\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische Armee hat 800.000 Mann unter Waffen. Sie hat bis                 heute eine dominante Rolle im t\u00fcrkischen Staat. Gegen die Gewaltlogik                 des Milit\u00e4rs richten sich die kurdischen und t\u00fcrkischen Kriegsdienstverweigerer                 und ihre Unterst\u00fctzerInnen. Die antimilitaristische Bewegung in                 der T\u00fcrkei braucht unsere Solidarit\u00e4t. Die geflohenen Kriegsdienstverweigerer                 und Deserteure in Deutschland brauchen Asyl und ein uneingeschr\u00e4nktes                 Bleiberecht.<\/p>\n<h3>Hierzulande<\/h3>\n<p>               <b>               <\/p>\n<p>               <\/b>               <\/p>\n<p>Die t\u00fcrkischen und kurdischen Kriegsdienstverweigerer in der                 Bundesrepublik sind zum Teil in der DFG-VK organisiert und werden                 u.a. von Connection e.V. unterst\u00fctzt. Zu dem von Connection e.V.                 organisierten bundesweiten Seminar f\u00fcr t\u00fcrkische und kurdische                 Kriegsdienstverweigerer im Dezember 2003 in M\u00fcnster wurde auch                 die Redaktion der Graswurzelrevolution eingeladen. Gemeinsam wurde                 beschlossen, am 14. und 15. Mai Aktionstage zum Internationalen                 Tag der Kriegsdienstverweigerung in M\u00fcnster zu organisieren.<\/p>\n<p>Dabei geht es uns auch um Totale Kriegsdienstverweigerer in der                 Bundesrepublik, die ebenfalls den &#8222;Ersatzdienst&#8220; als Zwangs- und                 Kriegsdienst ablehnen. Sie werden oft inhaftiert und von Milit\u00e4r-                 und Zivildienstbeh\u00f6rden schikaniert. Wir engagieren uns f\u00fcr das                 Recht auf (Totale) Kriegsdienstverweigerung, gegen jeden Zwangsdienst,                 gegen &#8222;Wehrpflicht&#8220; und Milit\u00e4r. <\/p>\n<p>Wir wollen den Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung                 dazu nutzen, um \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr die Situation der Deserteure                 und Kriegsdienstverweigerer zu schaffen. Uns geht es um die Durchsetzung                 des Menschenrechtes, nicht zu t\u00f6ten und nicht get\u00f6tet zu werden.                 Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung muss durchgesetzt                 werden. Es ist ein Skandal, dass Kriegsdienstverweigerern und                 Deserteuren hierzulande das Recht auf Asyl verweigert wird und                 sie in L\u00e4nder abgeschoben werden, in denen ihnen Gef\u00e4ngnis und                 oft Folter drohen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1985 demonstrieren KriegsgegnerInnen in aller Welt am 15. Mai, dem Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung. An diesem gemeinsamen Aktionstag finden global Informationsveranstaltungen und Demonstrationen statt, um auf das Recht auf Kriegsdienstverweigerung hinzuweisen und inhaftierte Deserteure und Verweigerer zu unterst\u00fctzen. 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