{"id":1205,"date":"1997-06-01T00:00:55","date_gmt":"1997-05-31T22:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1205"},"modified":"2011-10-26T22:36:43","modified_gmt":"2011-10-26T20:36:43","slug":"gentechnik-saison-97","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/06\/gentechnik-saison-97\/","title":{"rendered":"Gentechnik-Saison &#8217;97"},"content":{"rendered":"<p>In Sch\u00f6nfeld besetzten am 4. Mai Mitglieder des <cite>Barnimer Aktionsb\u00fcndnisses gegen gentechnische Freilandversuche<\/cite> einen Acker, auf dem von der Firma AgrEvo genmanipulierter Raps ausges\u00e4t werden sollte. Ebenfalls besetzt sind \u00c4cker in Buggingen, Schmarrie, Uffenheim und W\u00f6lfersheim. An anderen Standorten, so z.B. in Wetze erfolgte bereits die Aussaat. Damit begann die &#8222;Gentechnik-Saison 1997&#8220; endg\u00fcltig auch auf den Feldern. Trotz massiven Widerstands auf den Feldern in den letzten Jahren (laut Angaben von AgrEvo wurden von 20 Versuchsfelder 16 zerst\u00f6rt, insgesamt wurden 1996 wohl die H\u00e4lfte der Versuche zerst\u00f6rt oder verhindert) wollen die GentechnikerInnen noch lange nicht aufgeben. Den durch den Widerstand verursachten R\u00fcckstand &#8211; in der BRD fanden 1995 &#8222;nur&#8220; 49 Freisetzungsversuche statt, im Gegensatz zu z.B. 113 im Nachbarland Niederlande, 133 in Gro\u00dfbritannien, 253 in Frankreich und sogar 1962 in den USA &#8211; gilt es aufzuholen. F\u00fcr 1997 wurden die Versuche jetzt ausgedehnt, um so brauchbare Ergebnisse zu erzielen.<\/p>\n<h3>Dieses Feld ist besetzt!<\/h3>\n<p>Die Besetzung in Sch\u00f6nfeld begann am 4. Mai nach der 6. Protestwanderung zum Versuchsacker, an der sich etwa 50 Menschen, begleitet von ebensovielen PolizistInnen, beteiligten. Die geplante Feldbesetzung wurde bereits vorher \u00f6ffentlich angek\u00fcndigt und die Bev\u00f6lkerung der umliegenden D\u00f6rfer mit Hauswurfsendungen \u00fcber die Aktion und ihre Ziele informiert. Die Polizei hielt sich zun\u00e4chst zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Am Morgen des 20. Mai sahen sich die 20 anwesenden Gentechnik-GegnerInnen allerdings pl\u00f6tzlich einem &#8222;Gro\u00dfaufgebot&#8220; von 80 PolizistInnen, ausger\u00fcstet mit Hunden und Kampfanz\u00fcgen, gegen\u00fcber. Kurz darauf erschienen zwei Traktoren der AgrEvo, die sofort blockiert wurden, indem sich die Gentechnik-GegnerInnen vor ihnen zu einem Fr\u00fchst\u00fcck niederlie\u00dfen. Auf einem anderen Weg gelangten gleichzeitig zwei andere Landwirtschaftsmaschinen aufs Feld, die sofort mit der Aussaat begannen.<\/p>\n<p>Die Polizei hinderte die Gentechnik-GegnerInnen daran, auf das eingez\u00e4unte Feld zu gelangen und so die Aussaat dennoch ver- oder wenigstens behindern zu k\u00f6nnen. Somit gelang es Staat und AgrEvo vereint doch noch, den Gen- Mais auszubringen.<\/p>\n<p>Nach einer Auswertung der Besetzungsaktion &#8211; die vom Barnimer Aktionsb\u00fcndnis trotzdem als Erfolg gewertet wird &#8211; soll \u00fcber eine weitere Besetzung im Herbst entschieden werden, um die Aussaat von gentechnisch ver\u00e4ndertem Winterraps zu verhindern.<\/p>\n<h3>Vorzeitige Ernte<\/h3>\n<p>Auf eine etwas andere Art endete ein Freisetzungsversuch im s\u00e4chsischen Planitz-Deila. Kurz vor der Bl\u00fcte wurde der gentechnisch ver\u00e4nderte Winterraps der Deutschen Saatveredelung Lippstadt-Bremen von einem &#8222;Erntekollektiv&#8220; etwas zu fr\u00fch geerntet: &#8222;Alle beh\u00f6rdlichen Wege f\u00fcr eine f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung akzeptable L\u00f6sung f\u00fchren ins Leere. In der vergangenen Nacht haben sich Aktivisten der ersten (Morgen)Stunde f\u00fcr die letzte M\u00f6glichkeit eingesetzt. Um eine Bl\u00fcte und damit den Pollenflug zu verhindern, wurden die Rapspflanzen fr\u00fcher als geplant geerntet&#8220;, hei\u00dft es in der Erkl\u00e4rung. Mit der vorzeitigen Ernte wird gegen den &#8222;tabuisierten Pakt zwischen Industrie und Beh\u00f6rden&#8220; protestiert, die sich vereint gegen den ausdr\u00fccklichen Protest der Bev\u00f6lkerung durchgesetzt haben.<\/p>\n<h3>Und sonst?<\/h3>\n<p>Auch an zahlreichen anderen Standorten werden direkte gewaltfreie Aktionen diskutiert. Derzeit ist jedoch nicht bekannt, wo welche Aktionen stattfinden werden. Von mehreren Initiativen aus Oberboyen, Jena, Berlin und Potsdam wird f\u00fcr den Juli eine Radtour zu Freisetzungsstandorten geplant, die am 17. Juli voraussichtlich in Hannover starten soll und am 24. Juli mit einer Aktion am Robert-Koch-Institut in Berlin enden wird.<\/p>\n<h3>Erste Anbaugenehmigung<\/h3>\n<p>Bereits im letzten Jahr wurde in Rauischholzhausen von der Uni Gie\u00dfen unangek\u00fcndigt gentechnisch ver\u00e4nderter Raps von PGS (von AgrEvo aufgekauft) ausges\u00e4t. Dabei handelte es sich zum ersten Mal nicht mehr um einen Freisetzungsversuch, sondern um die erste Aussaat von in Europa f\u00fcr den freien Handel zugelassenen genmanipulierten Rapses. Das Inverkehrbringen ist allerdings bisher nur f\u00fcr die Saatgutgewinnung erlaubt.<\/p>\n<p>Mittlerweile wurde bekannt, da\u00df die Aussaat Teil des europaweiten Projektes FACTT (Familiarization with and Acceptance of Crops incorporating Transgenic Technology), bei dem an mehreren Standorten zu Demonstrationszwecken die Aussaat erfolgt. Da bereits eine EU-Genehmigung f\u00fcr die Inverkehrbringung vorlag, bedurfte es f\u00fcr die Aussaat keiner Genehmigung durch das RKI mehr.<\/p>\n<p>Mit dem abzusehenden kommerziellen Rapsanbau w\u00fcrde endg\u00fcltig die breite Nutzung von Gentechnologie beginnen. Bei der EU liegen au\u00dferdem Antr\u00e4ge verschiedener Firmen f\u00fcr Raps, Mais und Chicor\u00e9e vor. Eine Genehmigung w\u00fcrde bedeuten, da\u00df diese Produkte ohne Kennzeichnung auf den Markt gebracht werden k\u00f6nnten. Novel Food macht sich breit im Supermarkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Sch\u00f6nfeld besetzten am 4. Mai Mitglieder des Barnimer Aktionsb\u00fcndnisses gegen gentechnische Freilandversuche einen Acker, auf dem von der Firma AgrEvo genmanipulierter Raps ausges\u00e4t werden sollte. Ebenfalls besetzt sind \u00c4cker in Buggingen, Schmarrie, Uffenheim und W\u00f6lfersheim. An anderen Standorten, so z.B. in Wetze erfolgte bereits die Aussaat. 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