{"id":12076,"date":"2010-08-22T00:00:57","date_gmt":"2010-08-21T22:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12076"},"modified":"2022-07-26T14:14:35","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:35","slug":"bakuninhutte-bei-meiningen-sucht-tradition-und-neues-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/08\/bakuninhutte-bei-meiningen-sucht-tradition-und-neues-leben\/","title":{"rendered":"Bakuninh\u00fctte bei Meiningen sucht Tradition und neues Leben"},"content":{"rendered":"<p>In S&uuml;dth&uuml;ringen laden Berge und T&auml;ler, W&auml;lder                 und weite Landschaften zum Wandern ein und so hat diese Freizeitbesch&auml;ftigung                 auch bei den Familien der Arbeiter_innenschaft eine lange Tradition.<\/p>\n<h3>Geschichte&#8230;<\/h3>\n<p>In den &#8220;schlechten Zwanzigern&#8220; des vorigen Jahrhunderts verkn&uuml;pfte                 sich damit oft das Pilze- und Beerensammeln, um die hungrigen                 M&uuml;nder und M&auml;gen zu f&uuml;llen. Diese gab es auch bei                 den Arbeiter_innen des Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Meiningen                 und viele mussten ihren kargen Lohn durch Selbstversorgung aufbessern.                 Zu diesem Zweck pachteten und kauften einige gemeinsam mit anarchistischen                 Genoss_innen ein St&uuml;ck Land auf der Hohen Maas bei Meiningen.                 Da die Menschen des &Ouml;fteren von Regen und Gewitter &uuml;berrascht                 wurden, kam die Idee f&uuml;r eine Unterstellm&ouml;glichkeit                 auf. Diese bestand zu Anfang aus einem einfachen Steinwall mit                 einem Bretterdach. Sp&auml;ter wurde daraus eine erste feste H&uuml;tte.               <\/p>\n<p>Auch in den &#8220;Goldenen Zwanzigern&#8220;, als der Anbau von Kartoffeln                 und Gem&uuml;se keine Notwendigkeit mehr war, trafen sich die                 Leute an der H&uuml;tte. Sie erfreute sich wachsender Beliebtheit.                 Zur rechtlichen Absicherung wurde der Siedlungsverein &quot;&quot;Gegenseitige                 Hilfe&quot;&quot; e.V. gegr&uuml;ndet, der Eigent&uuml;mer der                 H&uuml;tte wurde. Weil viele der regelm&auml;&szlig;igen Besucher_innen                 Mitglieder der anarchosyndikalistischen FAUD waren, erhielt die                 H&uuml;tte den Namen &quot;&quot;Bakuninh&uuml;tte&quot;&quot;                 und es wurde ein Gedenkstein f&uuml;r Michail Bakunin errichtet.               <\/p>\n<p>Die H&uuml;tte entwickelte sich Anfang der 30-er Jahre zu einem                 Kleinod f&uuml;r Erholung und Gedankenaustausch libert&auml;rer                 Menschen. Sie wurde zu einem wichtigen Treffpunkt deutscher Anarchisten.                 So war z.B. Erich M&uuml;hsam hier und es wurde das 1. Reichsferienlager                 der Syndikalistischen Anarchistischen Jugend Deutschlands (SAJD)                 abgehalten. Es entstanden Pl&auml;ne f&uuml;r den weiteren Ausbau                 der H&uuml;tte und Fritz Scherer wurde H&uuml;ttenwart. Er pflegte                 die H&uuml;tte, f&uuml;hrte das H&uuml;ttenbuch und rettete es                 &uuml;ber die Zeit des Nationalsozialismus. <\/p>\n<p>Die Nazis konnten einen anarchosyndikalistischen Verein und dessen                 Besitz nat&uuml;rlich nicht bestehen lassen, enteigneten die H&uuml;tte                 und verfolgten die Mitglieder.<\/p>\n<h3>&#8230; und Gegenwart<\/h3>\n<p>&Uuml;ber die Zeit bis zur Enteignung der H&uuml;tte wurde durch                 die Mitglieder und Sympathisant_innen des neu gegr&uuml;ndeten                 Wandervereins Bakuninh&uuml;tte e.V. schon einiges erforscht.                 Es liegt aber auch noch vieles im Dunkeln, was ans Licht gebracht                 werden will. Darin besteht auch ein Ziel des Vereins. <\/p>\n<p>Vor allem geht es aber um die Erhaltung und Wiederbelebung des                 kulturhistorischen Ortes, der im Sinne seiner Erbauer ein Treffpunkt                 f&uuml;r Wanderfreunde und -freundinnen werden soll. <\/p>\n<p>Um den Verfall aufzuhalten wurden nach dem Kauf der H&uuml;tte                 bereits Sicherungs- und Erhaltungsma&szlig;nahmen durchgef&uuml;hrt.                 Auch sollte die H&uuml;tte durch Rekonstruktion ihre alte Funktion                 als tempor&auml;r ge&ouml;ffnete Anlaufstelle und Schutzh&uuml;tte                 f&uuml;r Wanderer_innen wiedererlangen. Leider gibt es diesbez&uuml;glich                 gerade einen Rechtsstreit mit der unteren Bauaufsichtsbeh&ouml;rde,                 die jegliche Nutzung und das Betreten der H&uuml;tte untersagt                 hat. <\/p>\n<p>F&uuml;r den Verein macht das deutlich, dass es vom Kauf der                 H&uuml;tte bis zu ihrer endg&uuml;ltigen Nutzbarkeit ein langer                 Weg ist. F&uuml;r Feund_innen des Wanderns sind steinige Wege                 aber keine un&uuml;berwindbaren Hindernisse, es bedarf jedoch                 Durchhalteverm&ouml;gen, Kraft und vielseitiger Unterst&uuml;tzung.               <\/p>\n<p>Das BildungsKollektiv (Biko) f&uuml;hlt sich den ideellen Zielen                 mit dem Wanderverein verbunden und ist in seiner Bildungsarbeit                 auch immer wieder auf den Spuren des Anarchismus unterwegs. Auf                 dieser Basis war es nicht schwer, im vergangenen Jahr gemeinsam                 ein Seminar zur Geschichte der Bakuninh&uuml;tte bis 1933 zu veranstalten.                 Dieses soll in diesem Jahr vom 27. &#8211; 29. August eine Fortsetzung                 mit einer Betrachtung der Geschichte nach 1945 finden. Thema des                 Wochenendes ist einmal die Frage: Was wurde aus den Erbauern der                 H&uuml;tte? Dazu gibt es zur Einf&uuml;hrung einen Film &uuml;ber                 Fritz Scherer, der am Freitagabend in Erfurt gezeigt wird. <\/p>\n<p>Am Samstag und Sonntag werden wir dann in Meiningen und an der                 H&uuml;tte sein und es werden Rechercheergebnisse des Vereins                 vorgestellt. Der Fokus des Wochenendes soll allerdings nicht nur                 auf der Bakuninh&uuml;tte liegen. Vielmehr geht es um anarchistische                 Ideen und deren Verbleib und Ver&auml;nderung nach 1945, bis sie                 1968 von Teilen der Studentenbewegung wieder aufgegriffen und                 propagiert wurden. Als Referenten haben wir dazu GWR-Redakteur                 Bernd Dr&uuml;cke eingeladen.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich wird bei den Tagen an der H&uuml;tte das Wandern                 nicht zu kurz kommen. Sicher gibt es in der Gegend um die H&uuml;tte                 manch sch&ouml;nen Flecken zu entdecken und spannende und interessante                 Geschichten zu erfahren. Dazu seien alle Wanderfreundinnen und                 -freunde sowie Interessierte herzlich eingeladen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In S&uuml;dth&uuml;ringen laden Berge und T&auml;ler, W&auml;lder und weite Landschaften zum Wandern ein und so hat diese Freizeitbesch&auml;ftigung auch bei den Familien der Arbeiter_innenschaft eine lange Tradition. 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