{"id":12101,"date":"2003-02-25T00:00:06","date_gmt":"2003-02-24T22:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12101"},"modified":"2022-07-26T14:26:07","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:07","slug":"israelischem-pazifisten-drohen-3-jahre-haft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/02\/israelischem-pazifisten-drohen-3-jahre-haft\/","title":{"rendered":"Israelischem Pazifisten drohen 3 Jahre Haft"},"content":{"rendered":"<p>Innerhalb der n&auml;chsten zwei Wochen wird der israelische                 Kriegsdienstverweigerer Jonathan Ben Artzi, der mit 200 Tagen                 im Milit&auml;rgef&auml;gnis bereits l&auml;nger inhaftiert war                 als alle fr&uuml;heren israelischen Verweigerer, vor ein Milit&auml;rgericht                 gestellt. Dieses kann ihn zu einer Haftstrafe von bis zu 3 Jahren                 verurteilen.<\/p>\n<p>Seit er letzten August das erste mal eingezogen wurde, hat der                 20-j&auml;hrige bereits sieben Haftstrafen von 28 oder 35 Tagen                 in einem israelischen Milit&auml;rgef&auml;gnis abgesessen. Zwischendurch                 verbrachte er nur einzelne Wochenende im Kreise seiner Familie,                 um danach direkt wieder eingezogen und auf erneute Verweigerung                 hin zu einer weiteren Strafe verurteilt zu werden.<\/p>\n<p>Dieses hatte sich in der Vergangenheit drei bis vier Mal wiederholt,                 bevor der Verweigerer f&uuml;r untauglich erkl&auml;rt wurde.               <\/p>\n<p>Jonathan Ben-Artzi hatte vor seiner Haft bereits das Interesse                 der israelischen Medien geweckt, besonders da seine Tante mit                 dem ehemaligen Ministerpr&auml;sident und jetzigen Au&szlig;enminister                 Benyamin Netanyahu verheiratet ist. Im letzten halben Jahr stieg                 auch das Interesse der internationalen Medien &#8211; in Deutschland                 berichteten unter anderem FAZ, taz und ND. Durch seine starke                 &Ouml;ffentlichkeitswirkung und dem Anstieg der Zahl von Verweigerern                 unter den jugendlichen Wehrdienstpflichtigen, nachdem in den letzten                 18 Monaten knapp 300 Oberstufensch&uuml;ler eine Verweigerung                 angek&uuml;ndigt haben, macht die Armee aus Jonathan einen Pr&auml;zedenzfall,                 der bereits l&auml;nger inhaftiert wurde als bisher &uuml;blich                 und nun erstmalig auch wegen Desertion vor einem Milit&auml;rgericht                 angeklagt werden soll.<\/p>\n<p>Der Jerusalemer Mathe- und Physikstudent hatte zuerst versucht                 vor dem Obersten Gericht zu klagen, welches jedoch entschied sich                 nicht in einmischen zu wollen. Damit blieben sowohl die Bevorzugung                 religi&ouml;ser Jugendlicher, die unter bestimmten Umst&auml;nden                 keinen oder zumindest keinen vollen Milit&auml;rdienst leisten                 m&uuml;ssen, als auch der Widerspruch zu internationalem Recht,                 wonach Israel die M&ouml;glichkeit einer Ersatzdienstes schaffen                 m&uuml;sste, ungekl&auml;rt. Weiterhin wendete er sich an das                 &#8222;Verweigerer-Komitee&#8220; der israelischen Armee. Dieses ausschlie&szlig;lich                 von Milit&auml;rs, die sicher kein Wissen und Interesse in pazifistischer                 Philosophie haben, hatte jedoch noch keine Verweigerer anerkannt.                 So wurden auch zwei Gutachten von Universit&auml;tsprofessoren                 ignoriert, die Jonathans Pazifismus best&auml;tigt hatte. Er trat                 bereits in der Schulzeit durch kritische Aufs&auml;tze und die                 Weigerung an Veranstaltungen mit dem Milit&auml;r oder einem Judo-Kurs                 teilzunehmen hervor. In Vorbereitung auf seine Verweigerung besch&auml;ftigte                 er sich dann intensiv mit pazifistischer Ideologie und Philosophie.                 Dies hatte die hochrangigen Milit&auml;rs jedoch in keinster Weise                 beeindruckt. Bewusst w&auml;hlte er die offene Verweigerung gegen&uuml;ber                 der relativ einfachen M&ouml;glichkeit sich von einem Arzt f&uuml;r                 geistig unfit erkl&auml;ren zu lassen. Darauf folgte die wiederholte                 Inhaftierung seit letztem Sommer.<\/p>\n<p>W&auml;hrend seiner letzten Haftstrafe wurde Jonathan vor einen                 General gef&uuml;hrt. Dieser erschien freundlich und bot ihm,                 wie schon fr&uuml;her geschehen, einen Milit&auml;rdienst ohne                 Waffe und Uniform an, wozu er ihm Bedenkzeit geben w&uuml;rde.                 F&uuml;r Jonathan war seine Antwort wie auch schon fr&uuml;her                 klar. Er w&auml;re bereit einen zivilen Dienst f&uuml;r sein Land                 zu leisten, ohne jedoch in das Milit&auml;r eingegliedert zu sein                 &#8211; eine Option die es bisher nur f&uuml;r israelische Frauen gibt.                 In eine Organisation eingegliedert zu sein die darauf aufgebaut                 ist Gewalt anzuwenden und zu T&ouml;ten kommt f&uuml;r ihn nicht                 in Frage. Dies trifft auf jede Armee zu, besonders jedoch auf                 eine die im Rahmen einer Besatzung an der Unterdr&uuml;ckung eines                 Volkes beteiligt ist. Nach dieser erneuten Weigerung mit der IDF                 zu kooperieren wurde er &uuml;ber den bevorstehenden Prozess vor                 einem Milit&auml;rgericht informiert und im Gef&auml;gnis h&auml;rter                 behandelt. So kam er in eine Zelle ohne jegliche Einrichtung und                 wurde bei jedem Gang in Handschellen gelegt.<\/p>\n<p>Am 19. Februar fand eine Vorverhandlung im Milit&auml;rgericht                 in Jaffa statt. Gekl&auml;rt werden sollte ob Jonathan die Zeit                 bis zum Ende des Prozesses in Haft verbleiben m&uuml;sse. Nachdem                 der Milit&auml;rstaatsanwalt dies gefordert hatte um die Disziplin                 der Armee nicht zu gef&auml;hrden und Jonathan als &#8222;nicht besser                 als jeder Deserteur und Drogenabh&auml;ngige&#8220; beschrieben hatte                 folgte eine lange Verhandlung. Verfolgt vom Interesse einiger                 Journalisten und vieler Sympatisanten der Verweigerer wurde mehrere                 Stunden debattiert. Am Ende wurde der Kompromiss eines offenen                 Vollzugs in der Einzugsbasis geschlossen und die strittige Frage                 des n&auml;chtlichen Aufenthaltsortes vom Richter zugunsten Jonathans                 entschieden. Er darf nun die N&auml;chte mit seiner Familie verbringen,                 ehe er vermutlich eine l&auml;ngere Haft antreten wird. Innerhalb                 der n&auml;chsten zwei Wochen wird der Beginn des Prozesses gegen                 ihn erwartet.<\/p>\n<p>Inzwischen hat Jonathan die offene Haft angetreten und gegen&uuml;ber                 den zust&auml;ndigen Offizieren erneut den Milit&auml;rdienst                 verweigert. Neben Jonathan sind jedoch noch 10 andere Verweigerer                 bereits wiederholt inhaftiert worden, von denen zwei Ende Januar                 f&uuml;r mehrere Wochen in Hungerstreik getreten waren. Es bleibt                 ungekl&auml;rt wie die Armee sich gegen&uuml;ber ihnen verhalten                 wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innerhalb der n&auml;chsten zwei Wochen wird der israelische Kriegsdienstverweigerer Jonathan Ben Artzi, der mit 200 Tagen im Milit&auml;rgef&auml;gnis bereits l&auml;nger inhaftiert war als alle fr&uuml;heren israelischen Verweigerer, vor ein Milit&auml;rgericht gestellt. Dieses kann ihn zu einer Haftstrafe von bis zu 3 Jahren verurteilen. Seit er letzten August das erste mal eingezogen wurde, hat der 20-j&auml;hrige &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/02\/israelischem-pazifisten-drohen-3-jahre-haft\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Israelischem Pazifisten drohen 3 Jahre Haft - graswurzelrevolution","description":"Innerhalb der n&auml;chsten zwei Wochen wird der israelische Kriegsdienstverweigerer Jonathan Ben Artzi, der mit 200 Tagen im Milit&auml;rgef&auml;gnis bereits"},"footnotes":""},"categories":[1025,12,1027],"tags":[],"class_list":["post-12101","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-waffen-nieder","category-news","category-wir-sind-nicht-alleine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12101"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12101\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}