{"id":12140,"date":"2005-05-07T00:00:51","date_gmt":"2005-05-06T22:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12140"},"modified":"2022-07-26T13:11:47","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:47","slug":"kein-castor-von-dresden-nach-ahaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/05\/kein-castor-von-dresden-nach-ahaus\/","title":{"rendered":"Kein Castor von Dresden nach Ahaus!"},"content":{"rendered":"<h3>Die Situation<\/h3>\n<p>Im November 2003 wurde bekannt, dass die damalige s&auml;chsische                 CDU-Landesregierung und das Bundesumweltministerium 18 Castor-Beh&auml;lter                 mit 951 abgebrannten hochradioaktiven Brennelementen aus dem ehemaligen                 DDR-Forschungsreaktor Dresden-Rossendorf in das Brennelemente-Zwischenlager                 Ahaus (BZA) bringen wollen. Besonderheit: Der Atomm&uuml;ll soll                 in drei Transporten &agrave; 6 Castor-Beh&auml;lter &uuml;ber                 600 km Autobahn mit dem LKW fahren.<\/p>\n<p>Nachdem zun&auml;chst alle beteiligten Regierungen f&uuml;r die                 Transporte waren, f&uuml;hrten die zahlreichen Proteste der Anti-Atomkraft-Initiativen                 in Dresden, Ahaus und entlang der Transport-Autobahnen zu einem                 taktischen R&uuml;ckzug der NRW-Landesregierung. Sie klagte jedoch                 nur gegen die Transportgenehmigung des Bundesamtes f&uuml;r Strahlenschutz                 (BfS), ohne inhaltlich gegen die Einlagerung des Atomm&uuml;lls                 vorzugehen. Deshalb scheiterte die Klage. Daraufhin knickte die                 NRW-Landesregierung wieder ein und einigte sich mit Sachsen darauf,                 die Atomtransporte im Jahr 2005 durchzuf&uuml;hren.<\/p>\n<p>Alle drei Transporte sollen nach derzeitigem Stand zwischen 27.                 Mai und 14. Juni rollen. Grund f&uuml;r diese Zeitplanung sind                 die Landtagswahlen in NRW am 22. Mai, die Rot-Gr&uuml;n nicht                 durch Castor-Proteste verlieren will. 2004 wurden aber mehrere                 Transporttermine aufgrund von angek&uuml;ndigten Widerstandsaktionen                 verschoben. Achtet deshalb auf aktuelle Infos.<\/p>\n<h3>Unsere Kritik<\/h3>\n<p>1. Die jetzt geplanten Atomtransporte dienen nicht dem Atomausstieg.                 Im Gegenteil: Sie sollen weiteren Atomtransporten nach Ahaus die                 T&uuml;r &ouml;ffnen. Unter anderem aus dem Forschungsreaktor                 FRM II in Garching bei M&uuml;nchen und aus der Plutoniumfabrik                 La Hague soll weiterer Atomm&uuml;ll nach Ahaus rollen.<\/p>\n<p>2. Die geplanten Castor-Transporte verschleiern die ungel&ouml;ste                 Entsorgungsfrage f&uuml;r Atomm&uuml;ll. Es gibt weltweit keine                 sichere Entsorgungsm&ouml;glichkeit f&uuml;r Atomm&uuml;ll. Die                 sogenannte &quot;Zwischen&quot;-Lagerung verschiebt das Problem                 nur auf kommende Generationen und sichert den ungest&ouml;rten                 Weiterbetrieb der jetzt laufenden Atomanlagen.<\/p>\n<p>3. Die Transporte sind absolut &uuml;berfl&uuml;ssig: Die Lagerhalle                 in Dresden-Rossendorf ist bautechnisch &quot;moderner&quot; als                 das Ahauser Zwischenlager. Ein Transport bringt also keinen Sicherheitsgewinn,                 sondern Gefahren f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung an den Transportwegen.<\/p>\n<p>4. Gravierende Schwachstellen bei der Beh&auml;ltersicherheit                 und der Lagerhallensicherheit werden einfach ignoriert, um das                 Bild von der &quot;sicheren&quot; Zwischenlagerung nicht zu st&ouml;ren.<\/p>\n<p>5. Wieder einmal sollen Tausende von Polizisten Proteste mit                 Gewalt im Keim ersticken. Anstatt Atomanlagen stillzulegen werden                 f&uuml;r die Atomtransporte demokratische Grundrechte massenhaft                 au&szlig;er Kraft gesetzt, um eine reibungslose Fahrt auf der                 Autobahn zu garantieren. F&uuml;r Ahaus ist eine mehrw&ouml;chige                 polizeiliche Besatzung zu erwarten.<\/p>\n<p>6. Die rot-gr&uuml;ne Bundes- und NRW-Landesregierung verhindern                 im Einklang mit CDU\/CSU\/FDP den Atomausstieg. Der neue Atomreaktor                 in Garching, Bestandsgarantien f&uuml;r laufende AKWs, der massive                 Ausbau der Urananreicherungsanlage in Gronau, die Endlagerpl&auml;ne                 f&uuml;r Gorleben und die Atomtransporte unter anderem nach Gorleben,                 Ahaus und Gronau belegen, dass auch Rot-Gr&uuml;n die Atomenergie                 in Deutschland nach Kr&auml;ften f&ouml;rdert.<\/p>\n<h3>Unsere Antwort: Wir stellen uns quer!<\/h3>\n<p>Wir wissen, dass der Atomausstieg nur durch Druck von unten erreicht                 werden kann. Deshalb konzentrieren wir uns auf wirksame Proteste                 und breiten Widerstand auf der Stra&szlig;e. 2004 konnten wir                 so die Transporte verhindern.<\/p>\n<p>2005 wollen wir einen kompletten Einlagerungsstopp f&uuml;r Ahaus                 durchsetzen und den Atomausstieg im M&uuml;nsterland konkret einleiten.<\/p>\n<h3>Unser Plan<\/h3>\n<p>Wir rufen zu bunten und vielf&auml;ltigen Protesten an der Transportstrecke                 zwischen Dresden und Ahaus auf. Je mehr Aktionen im Vorfeld laufen,                 desto unwahrscheinlicher werden die Transporte.<\/p>\n<p>Die Ausgangslage ist v&ouml;llig anders als in Gorleben: Die                 Polizei muss drei Transporte nacheinander nach Ahaus bringen.                 Zus&auml;tzlich muss sie die Spezial-LKW-Sto&szlig;d&auml;mpfer                 immer wieder im Pendelverkehr von Ahaus zur&uuml;ck nach Dresden                 bringen, um den n&auml;chsten Transport zu starten. Dadurch ergeben                 sich viel mehr Widerstandsm&ouml;glichkeiten. Das hei&szlig;t                 konkret, dass wir an f&uuml;nf Terminen den Pendelverkehr durch                 vielf&auml;ltige Aktionen durcheinander bringen k&ouml;nnen. Wir                 planen also nicht f&uuml;r einen Tag X, sondern f&uuml;r zwei                 Widerstandswochen. Aufgrund der f&uuml;nf notwendigen Fahrten                 lautet unser Konzept X+4. Werden der Widerstand und der &ouml;ffentliche                 Druck zu stark, steigen die Chancen f&uuml;r eine Absage oder                 eine weitere Verschiebung der Castor-Transporte.<\/p>\n<p>Sollten die Transporte tats&auml;chlich starten, stellen sich                 in Dresden-Rossendorf viele Menschen quer, um die Abfahrt des                 Atomm&uuml;lls zu verhindern. Dort ben&ouml;tigt der Atomm&uuml;lltransport                 20 Kilometer bis zur Autobahn. Wichtig sind dann viele Aktionen                 an und auf den Autobahnen Richtung Ahaus. Es werden auch Demonstrationen                 direkt auf der Autobahn angemeldet werden, um unser Demonstrationsrecht                 dort durchzusetzen. Aber auch Camps neben der Autobahn, Mahnwachen                 auf Autobahnbr&uuml;cken, an Autobahnzufahrten oder auf Rastpl&auml;tzen                 k&ouml;nnen starke Polizeikr&auml;fte auf einfache und effektive                 Weise binden.<\/p>\n<p>Sollte der Castor-Transport trotz Widerstand einen Aktionsort                 passiert haben, rufen wir alle Beteiligten auf, sofort nach Ahaus                 zu kommen. In Ahaus wird schon am Sonntag vor dem ersten Transport                 ein au&szlig;erordentlicher Sonntagsspaziergang stattfinden und                 danach ein Widerstandscamp eingerichtet werden. Wir werden uns                 in Ahaus gegen die Einlagerung des Atomm&uuml;lls auf der Stra&szlig;e                 querstellen. Mehr als 500 Menschen haben dazu bereits den Aufruf                 &quot;Wir stellen uns quer!&quot; unterschrieben.<\/p>\n<p>Sollte der Atomm&uuml;ll das Zwischenlager erreichen, werden                 wir uns gemeinsam vor dem Zwischenlager sofort erneut querstellen,                 um die R&uuml;ckfahrt der Spezial-LKW-Sto&szlig;d&auml;mpfer zu                 verhindern. Deshalb ist es wichtig, dass m&ouml;glichst viele                 Leute nach den Protesten an der Strecke sofort nach Ahaus kommen.                 Solange die Sto&szlig;d&auml;mpfer in Ahaus sind, gibt es keinen                 neuen Transport. So k&ouml;nnen wir auch den &ouml;ffentlichen                 Druck entscheidend verst&auml;rken. Auch in Dresden werden sich                 wieder viele Menschen querstellen, um die Sto&szlig;d&auml;mpfer                 nicht zur&uuml;ck zu lassen. Danach geht das &quot;Spiel&quot;                 von vorne los.<\/p>\n<p>X+4 gibt uns f&uuml;nf Chancen zum Widerstand. Wir setzen auf                 einen starken Start und weiter wachsenden Widerstand durch die                 &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit.<\/p>\n<h3>Unsere Vereinbarung<\/h3>\n<p>Wir wissen, dass die Polizei versuchen wird, unsere Aktionen                 zu unterbinden. Wir suchen nicht die Auseinandersetzung mit der                 Polizei, sondern mit der verantwortlichen Politik und Atomindustrie.                 Deshalb werden wir trotz aller polizeilichen Schikanen unser Demonstrationsrecht                 ruhig und besonnen, aber entschieden durchsetzen.<\/p>\n<p>Besondere Umsicht erfordern Aktionen auf der Autobahn. Oberstes                 Ziel ist es, weder sich noch andere zu gef&auml;hrden. Da wir                 aber ein Recht haben, dort zu demonstrieren, wo der Castor herf&auml;hrt,                 werden viele Menschen auch auf der Autobahn selbst Demonstrationen                 anmelden und unser Versammlungsrecht offensiv durchsetzen.<\/p>\n<p>Gemeinsam k&ouml;nnen wir die Castor-Transporte von Dresden nach                 Ahaus stoppen. Durch solidarisches Handeln untereinander setzen                 wir ein positives Gegenzeichen zu den verantwortungslosen Politikern                 aller Parteien, die weiter auf die Atomenergie setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Situation Im November 2003 wurde bekannt, dass die damalige s&auml;chsische CDU-Landesregierung und das Bundesumweltministerium 18 Castor-Beh&auml;lter mit 951 abgebrannten hochradioaktiven Brennelementen aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor Dresden-Rossendorf in das Brennelemente-Zwischenlager Ahaus (BZA) bringen wollen. 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