{"id":12201,"date":"2003-05-26T00:00:24","date_gmt":"2003-05-25T22:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12201"},"modified":"2022-07-26T14:24:39","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:39","slug":"g8-zur-situation-rund-um-evian","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/05\/g8-zur-situation-rund-um-evian\/","title":{"rendered":"G8: Zur Situation rund um Evian"},"content":{"rendered":"<p>Der G8 Gipfel r&uuml;ckt n&auml;her und die Situation rund um                 Evian hat sich in den letzten Tagen enorm versch&auml;rft. Betrachten                 wir zuerst Lausanne, dann Genf\/Annemasse, dann wiederum wie sich                 das gesamte Szenario abzeichnet.<\/p>\n<h3> Lausanne<\/h3>\n<h3>1. Mai-Vorfall und politische Lage <\/h3>\n<p>Die beiden Anti-G8-oordinationsplattformen hatten sich auf eine                 gemeinsame 1. Mai-Demo geeinigt. Am Ende der Demo hatten die lokalen                 AnarchistInnen eine &quot;Black-Bloc-Theateraktion&quot; vor,                 sie waren als schwarze Bl&ouml;cke verkleidet und haben Pflastersteine                 aus Schaumstoff gegen ein Luxusgeb&auml;ude geschmissen. Sch&ouml;n                 und witzig, doch 3 unvermummte Gestalten bedienten sich zweier                 Blumenst&ouml;cke die sie ins Schaufenster schmissen. Die Schaufenster                 gingen zu Bruch.<\/p>\n<p>Auch wenn der Schaden l&auml;cherlich war (im Vergleich z.B.                 zu dem was in Z&uuml;rich am gleichen Tag ablief), wurde der &quot;Vorfall&quot;                 genutzt um eine breit angelegte und gut organisierte Hetze durch                 die Medien zu verbreiten, die Bev&ouml;lkerung abzuschrecken und                 die politischen Zusammenh&auml;nge &#8211; besonders die radikaleren                 -innerhalb von Stunden fast v&ouml;llig zu isolieren. Leider ziemlich                 erfolgreich.<\/p>\n<p>Die B&uuml;rokraten der institutionalisierten Linken (Parteien,                 ATTAC&#8230;), die urspr&uuml;nglich (scheinbar) bereit waren auch                 in Lausanne Anti-G8-Protest auf die Stra&szlig;e zu tragen, haben                 den Vorfall streng verurteilt und offiziell ihr Vorhaben f&uuml;r                 den 1. Juni ganz nach Genf verlagert. Es bleibt offen wie sich                 die Basis dazu verhalten wird, es sieht aber eher schlecht aus.                 Die Hysterie hat sich in der kleinen Stadt mit 120.000 Einw. schnell                 verbreitet. Um einen Eindruck zu geben: es gab ein &ouml;ffentliches                 Infotreffen zwischen Polizei\/Beh&ouml;rden und lokalen H&auml;ndlern,                 zu dem &uuml;ber 1000 kamen (500 konnten nur reingelassen werden).                 Auf der anschlie&szlig;enden Pressekonferenz haben 2 H&auml;ndler                 gemeint sie seien bewaffnet und w&uuml;rden auf Demonstranten                 schie&szlig;en, falls ihre Schaufenster zu Bruch gingen, und solchen                 Statements stimmen Leute in Gespr&auml;chen im Bus oder auf der                 Stra&szlig;e tats&auml;chlich zu.<\/p>\n<p>Am Wochenende wurde die neue Aufteilung in eine rote und eine                 gelbe Zone in der Zeitung offiziell bekannt gegeben. Urspr&uuml;nglich                 waren 2 von einander getrennte rote Zonen geplant (um den Hafen                 und um Hotels im Stadtzentrum), nun wurden die &Uuml;bernachtungsorte                 zum Hafen hin verlegt, und um diese, sowie den Hafen mit den F&auml;hren                 nach Evian verl&auml;uft die neue rote Zone. Es ist also nicht                 mehr m&ouml;glich hier zu blockieren. Die gelbe Zone in der Proteste                 verboten sind, streckt sich breit um die ganze rote Zone herum                 und kann bei Bedarf auch geschlossen werden. Mit dem Einsatz von                 Containern zum Absperren wie in Genua\/G&ouml;teborg ist zu rechnen                 &#8211; wurde von der Polizei und der Presse erw&auml;hnt. Neben 500                 Gipfeldelegierten sind in Lausanne &uuml;brigens auch die Vorsitzenden                 von IWF und Weltbank untergebracht.<\/p>\n<p>Das Camp <a href=\"http:\/\/squat.net\/contre-attaque\">oulala c&#8217;village<\/a>                 wird stattfinden. Die Verhandlungen &uuml;ber den Ort dauern noch                 immer an, aber dieser d&uuml;rfte sich im Westen der Stadt befinden.                 Hier wird an einer Struktur gearbeitet f&uuml;r &Uuml;bernachtung,                 Verpflegung und Aktionsvorbereitungen. Es wird aufgerufen, Material                 mitzubringen (K&uuml;chen, Zelte,&#8230;), gro&szlig;e Gruppen werden                 gebeten, sich anzuk&uuml;ndigen.<\/p>\n<p>Zwei weitere Anlaufpunkte sind zentral in der Stadt vorgesehen                 aber noch nicht best&auml;tigt (Adressen werden noch bekannt gegeben).               <\/p>\n<h3> Aktivit&auml;ten in Lausanne<\/h3>\n<p><b>Do. 29.5.<\/b> &#8211; die &quot;Nicht-Willkommen-Demo&quot;. Urspr&uuml;nglich                 auch von der breiten Anti-G8-Plattform getragen. Wird bislang                 in der Form auch beibehalten. &Auml;nderungen sind aber m&ouml;glich.<\/p>\n<p><b>Sa. 31.5.<\/b> &#8211; bislang noch &quot;feu au lac&quot; auch in                 Lausanne.<\/p>\n<p><b>So. 1.6.<\/b> &#8211; Demo sp&auml;tnachmittags\/abends, anl&auml;&szlig;lich                 der R&uuml;ckkehr der Delegierten aus Evian. Wird weiterhin von                 einer kleinen Gruppe vorbereitet, aber unklar ob sie stattfinden                 wird. H&auml;ngt vom Ablauf der Donnerstagsdemo ab. Unklar bislang                 auch wie die Demo sich gegen&uuml;ber der gelben Zone (Demoverbot)                 verhalten will.<\/p>\n<p><b>Fahrradkarawane:<\/b> F&auml;hrt von Bern am Do. 29. in der                 Berner Reithalle um 10h los und kommt in Lausanne am Freitag den                 30. an. Bleibt dann auch vor Ort.<\/p>\n<h3>Genf<\/h3>\n<h3> Politischer Aspekt<\/h3>\n<p>Ganz andere Stimmung im Vergleich zu Lausanne. Die institutionalisierte                 Linke hat hier mehr politisches Gewicht und konnte sich R&auml;ume                 erk&auml;mpfen bzw. R&auml;ume wurden zugesagt. Um den Kontrast                 zu Lausanne zu veranschaulichen: Auf einer Demo vor ein paar Wochen                 ist die Polizei heftig vorgegangen. Demonstranten, die auf dem                 Heimweg waren wurden &uuml;bel verpr&uuml;gelt und einer bekannten                 Gewerkschafterin wurde aus n&auml;chster N&auml;he mit einem Flashball                 artigen Gescho&szlig; ins Gesicht geschossen. Die Polizei hat                 zuerst behauptet es seien die Demonstranten untereinander gewesen,                 die sich gepr&uuml;gelt h&auml;tten, drei Tage sp&auml;ter hat                 sie den Vorfall dann zugegeben. Die linken politischen Zusammenh&auml;nge                 haben hier gut reagiert. Es gab viel Emp&ouml;rung in der Bev&ouml;lkerung                 &#8211; der Polizeichef musste zur&uuml;cktreten.<\/p>\n<h3> Geographie, Aktivit&auml;ten, Blockaden<\/h3>\n<p>Die Stadt ist durch einen Flu&szlig; (Rohne) in zwei H&auml;lften                 geteilt: das rechte und das linke Ufer. Achtung: Zur zus&auml;tzlichen                 Verwirrung, ist die rechte Uferseite die, die auf den Stadtpl&auml;nen                 links erscheint und umgekehrt!<\/p>\n<p>Auf der rechten Uferseite liegen: der Hauptbahnhof, alle Institutionen                 (UNO, WTO, WIPO, IOM etc.) und die Unterk&uuml;nfte der ca. 2000-2500                 Delegierten und des G8 Personals. Das rechte Ufer wird am Sonntag                 den 1. (und in den Tagen davor) zur militarisierten Zone werden.                 Die Leute, die am Bahnhof ankommen, werden durch einen Polizeispalier                 (auf Amtsfranz&ouml;sisch &quot;couloir incitatif&quot;) auf die                 linke Uferseite gebeten werden. Es gibt 5-6 Br&uuml;cken die beide                 Uferseiten verbinden.<\/p>\n<p>Auf der linken Uferseite werden die R&auml;ume und der Ablauf                 der Proteste weiterhin verhandelt. Hier wird der Gro&szlig;teil                 der Demonstranten erwartet und hinmobilisiert. Eine Blockade von                 13 Stra&szlig;enkreuzungen (grenz&uuml;bergreifend) w&uuml;rde                 den Zugang nach Evian &uuml;ber die s&uuml;dliche Seeseite tats&auml;chlich                 blockieren. Diese Aktion wird von allen getragen, die Route der                 Gro&szlig;demo f&uuml;hrt genau an diesen Blockadepunkten entlang.                 Als weitere Blockadepunkte werden die 6 Br&uuml;cken zwischen                 rechter und linker Uferseite vorgeschlagen und auf franz&ouml;sischer                 Seite eine Kreuzung (&quot;carrefour des chasseur&quot;).<\/p>\n<p>Weitere Anlaufpunkte und Initiativen:<\/p>\n<ul>\n<li>L&#8217;USINE (place des volontaires auf der linken Uferseite, nahe                   am Fluss). Gro&szlig;er selbstverwalteter Raum. Infoanlaufstelle,                   Aktionskoordination und Arbeitsort f&uuml;r Indymedia AktivistInnen.                   Maison des Association (Pressezentrum und indymedia).<\/li>\n<li>Ein gro&szlig;er Campingplatz ist wortw&ouml;rtlich &quot;am                   Ende der Welt&quot; vorgesehen (franz. &quot;au bout du monde&quot;),                   es handelt sich um einen Sportkomplex am Ufer des Arve Flusses,                   an einer der 180&deg;-Biegungen (siehe <a href=\"http:\/\/zaage.lautre.net\/Images\/graaande-carte.gif\">Karte<\/a>).                   Wird mehr oder weniger von der Stadt organisiert. F&uuml;rs                   Zelten und Essen muss gezahlt werden. Hier sind keine selbstverwalteten                   Aktivit&auml;ten oder Aktionskoordinierung zu erwarten.<\/li>\n<li> Es gibt eine Initiative (<a href=\"http:\/\/zaage.lautre.net\/\">ZAAGE<\/a>),                   die ein antiautorit&auml;res, selbstverwaltetes Camp auf die                   Beine stellen wollte. Ihr wurde der Camport vor einigen Tagen                   abgesagt. Sie versuchen noch immer einen Ort zu kriegen, entweder                   im Rahmen vom gro&szlig;en Campingplatz oder wo anders. Bislang                   leider keine feste Location.<\/li>\n<li>Eine Graswurzel-Studierendeninitiative versucht auf einem                   Campus der Universit&auml;t gro&szlig;e R&auml;umlichkeiten                   zu bekommen. Liegt zentral auf der linken Uferseite. Es gibt                   gute Aussichten, dass sie das auch schaffen, allerdings nur                   als Konvergenzort zur Vorbereitung, Veranstaltungen etc. und                   nicht zum &uuml;bernachten (!). &Ouml;ffentliche Veranstaltungen                   mit AktivistInnen aus Chiapas, Kanada und dem PGA-Spektrum sind                   hier vorgesehen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Zum Ablauf des 1. Juni<\/h3>\n<p>Die Stadt Genf hat die Proteste erlaubt und dem Forum Social                 Lemanique eine Menge Kohle zugesagt, am liebsten damit sie Konzerte                 am Stadtrand organisieren und die Leute &quot;besch&auml;ftigen&quot;.                 Die Polizei und die Beh&ouml;rden versuchen alles, um die Demonstranten                 aus der Stadt raus zu dr&auml;ngen. Der &quot;au bout du monde&quot;-Camport                 (gleichzeitig ihr vorgeschlagener Busankunftsort) liegt weit au&szlig;erhalb                 und von da aus wollen sie die Demonstranten in Richtung Demoroute                 am Zentrum vorbei lotsen. In ihrer Vorstellung wollen sie die                 Demonstranten auf die franz&ouml;sische Seite dr&auml;ngen und                 sie nicht mehr zur&uuml;ck kommen lassen. Nur die Genfer w&uuml;rden                 in Sonderbussen wieder in die Stadt zur&uuml;ckgelassen werden.                 Die Demonstranten sind selbstverst&auml;ndlich gegen diese Tendenz.                 Verhandlungen laufen noch immer.<\/p>\n<p>Aktivit&auml;ten: jede Menge schaut auf den Webseiten!<\/p>\n<p>Fr. 30.5.: Demo im Institutionenviertel<br \/>                 Sa. 31.5.: tags&uuml;ber Vorbereitungen und abends &quot;feu au                 lac&quot;<br \/>                 So. 1.6.: Blockaden ab fr&uuml;h morgens.<br \/>                 Mo.\/Di. 2.-3.6.: weitere Blockadeaktionen<\/p>\n<p>Wichtig noch: die Freitagsdemo am 30.5. Diese soll durch das                 Institutionenviertel auf der rechten Uferseite gehen. Eine Art                 Wanderkundgebung, um inhaltliche Akzente zu setzen. IOM, WIPO                 und WTO (f&uuml;r freedom of movement, gegen das globale Migrationsregime,                 f&uuml;r freedom of information, gegen Kapitalismus&#8230;). Voraussichtlich                 ab 11h (kann sich noch &auml;ndern). Die Demo wird angemeldet                 und &ouml;ffentlich angek&uuml;ndigt. Sie wird durch ein streng                 &uuml;berwachtes Gebiet ziehen. Es ist der Wunsch der Organisatoren                 dass sie friedlich abl&auml;uft (!). Die Teilnahme von Sans Papier-Kollektiven                 wird erwartet.<\/p>\n<h3> Franz&ouml;sische Seite<\/h3>\n<p>Zu den Aktivit&auml;ten auf der franz&ouml;sischen Seite gab                 es wenig R&uuml;ckmeldung. Die AktivistInnen rechnen damit, dass                 sich hier sehr viele Leute ansammeln werden, um an der Blockade\/Demo                 in Richtung Grenze teilzunehmen, bzw. dass viele von der schweizerischen                 Seite in Richtung Frankreich gedr&auml;ngt werden k&ouml;nnten.<\/p>\n<p>Camport und R&auml;umlichkeiten sind zugesagt worden, keine gravierenden                 Probleme. Die Vorbereitungen der Camps und Aktivit&auml;ten laufen                 auf Hochtouren. Das Klima wird als g&uuml;nstig eingesch&auml;tzt                 trotz einer sehr ver&auml;ngstigten Bev&ouml;lkerung, die ihre                 kleinen Ortschaften mit einer riesigen Anzahl an Polizei \/ Milit&auml;r                 und Demonstranten gesprengt sieht.<\/p>\n<p>Die Camps VAAAG und Village intergalactique werden sich an den                 Blockaden beteiligen. Bilder, Programm und weitere Infos unter                 <a href=\"http:\/\/www.vaaag.org\">www.vaaag.org<\/a>.<\/p>\n<h3> Indymedia und Radios<\/h3>\n<p>Die Vorbereitungsarbeit der Medien- und KommunikationsaktivistInnen                 l&auml;uft gut. Es wird mindestens 4 Orte zur Bearbeitung von                 Material geben. L&#8217;USINE und die Maison des Association in Genf,                 die ziemlich nahe beieinander liegen, werden dabei die Hauptanlaufstellen                 sein.<\/p>\n<p>Die Hauptziele ihrer Arbeit sind:<\/p>\n<ol>\n<li> Beitrag zur internen Kommunikation unter den Demonstranten\/                   Camps<br \/>                   etc. &#8211; was wo wann l&auml;uft, m&ouml;glichst aktuell und wahrheitsgetreu<\/li>\n<li> Vermittlung politischer Inhalte an die &Ouml;ffentlichkeit<\/li>\n<li> Dokumentierung der Proteste und Ausstrahlung der Infos weltweit<\/li>\n<\/ol>\n<p>Geplant sind die Zusammenstellung von Radio- und Videobeitr&auml;gen,                 &ouml;ffentliche Projektionen usw. Qualitativ wird bei diesem                 Protest versucht werden, mehr mit Live-&Uuml;bertragungen zu arbeiten,                 was Vorsicht und Feingef&uuml;hl der MedienaktivistInnen und Akzeptanz                 der Gefilmten voraussetzt&#8230;<\/p>\n<p>Einige freie und andere Radios werden zur Zeit der Proteste senden.                 Sie werden wichtige Kommunikationsmittel sein. Breaking news alle                 10 Minuten sind geplant, und st&uuml;ndlich Infos (z.B. bei Radio                 Geneve auf 93,8 MHz). Alle sind dazu aufgerufen kleine FM Radios                 mitzubringen (es gibt ganz kleine im Handel ab 8 euro mit Kopfh&ouml;rer                 und einer kleinen Batterie &#8211; besorgt euch welche!).<\/p>\n<p>An der genauen Kommunikationsstruktur vor Ort wird noch gearbeitet.                 Alle reinkommenden Informationen werden vor der Ver&ouml;ffentlichung                 &uuml;berpr&uuml;ft werden (sogenannter dispatch) damit keine                 wilden Ger&uuml;chte in Umlauf kommen.<\/p>\n<p>Politische Gruppen sind dazu aufgerufen, ihre inhaltlichen Beitr&auml;ge                 (Video oder Tonmaterial) mitzubringen, damit es ausgestrahlt werden                 kann. Ab Donnerstag den 29. wird die Infrastruktur aufgebaut und                 getestet. Am Sonntag den 1. soll sie am meisten genutzt werden.<\/p>\n<p>Die Villages VAAAG und Intergalactique werden in Annemasse ein                 gemeinsames Pressezelt als Anlaufstelle f&uuml;r die b&uuml;rgerlichen                 Medien haben.<\/p>\n<p>F&uuml;r Sonntag Abend ist ein &ouml;ffentliches Nachtreffen                 aller Gruppen mit Presse zu den bis dahin gelaufenen Aktionen                 angedacht, wahrscheinlich im l`Usine in Genf.<\/p>\n<h3>Rechtshilfe<\/h3>\n<p>Die Rechtshilfegruppen verstehen sich als unabh&auml;ngige Gruppen                 und werden alle verteidigen. Es wird Anw&auml;lte, Antirep-Gruppen                 (EA) und zivile BeobachterInnen (legal observers) geben. Die zivilen                 BeobachterInnen werden der Polizei namentlich bekannt sein, um                 ihnen m&ouml;glichst viel Zugang, auch in Krankenh&auml;user,                 und Rechte zu verschaffen. Die Antirep-Gruppen setzen sich daf&uuml;r                 ein, dass bei Verhaftungen die Polizei den Verhafteten die Anti-Rep-Nummer                 systematisch gibt. Das gleiche auch in Krankenh&auml;usern. Die                 BeobachterInnen versuchen das Recht durchzukriegen &Uuml;bergriffe                 filmen zu d&uuml;rfen. Gemeinsame Infobrosch&uuml;ren f&uuml;r                 Genf und Lausanne werden auch bald verteilt, im Netz befinden                 sich bereits Infos. In Frankreich und in den verschiedenen Schweizer                 Kantonen sind die Gesetze manchmal unterschiedlich.<\/p>\n<p>Eine Antirep-Nr. f&uuml;r Genf steht fest: 079-4631789 (mobil                 &#8211; eine Festnetznr- wird bald durchgegeben). In Lausanne wird es                 verschiedene Antirep-Nummern f&uuml;r versch. Sprachen geben.<\/p>\n<h3> Medizinische Hilfe<\/h3>\n<p>Von den Sanit&auml;tsgruppen wird noch eine Brosch&uuml;re ver&ouml;ffentlicht                 (franz.: &quot;F&uuml;r mehr Autonomie in der ersten Hilfe&quot;,                 unklar ob auch auf deutsch). Es wird Demo-Sanis geben. Kontakt:                 <a href=\"mailto:medicstreet@no-log.org\">medicstreet@no-log.org<\/a>.<\/p>\n<h3>Eine politische Auswertung des Protestszenarios<\/h3>\n<p>Die Mobilisierung k&ouml;nnte deutlich kleiner ausfallen als                 sie noch Anfang M&auml;rz mitten in der Antikriegseuphorie eingesch&auml;tzt                 wurde. Die Polizei wird massiv pr&auml;sent sein. Auf zus&auml;tzliche                 Polizisten aus Deutschland hat die Schweizerische Regierung verzichtet,                 daf&uuml;r die Wasserwerfer angenommen. Die kursierenden Zahlen                 in der Presse sind: 4800 Polizisten, 5600 Soldaten auf CH Seite,                 10.000 auf franz&ouml;sischer Seite.<\/p>\n<p>Betrachtet Mensch Lausanne\/Genf und Annemasse in gleichem Rahmen,                 dann ist den Beh&ouml;rden eine politische und geographische Trennung                 gelungen. In Lausanne sind die radikalen Zusammenh&auml;nge isoliert                 und 2 Blument&ouml;pfe in einem Schaufenster gen&uuml;gten, um                 die gesamte Bev&ouml;lkerung gegen die Demonstranten aufzuhetzen.                 W&auml;hrend in Genf die Emp&ouml;rung der institutionalisierten                 Linken gen&uuml;gt, um den Polizeichef zum R&uuml;cktritt zu zwingen,                 wenn die Polizei einer Gewerkschafterin ins Gesicht schie&szlig;t.<\/p>\n<p>In Lausanne riskieren wenige Demonstranten vor vielen Bullen                 zu stehen. In Genf ist die Blockade des s&uuml;dlichen Zugangs                 nach Evian bereits im Vorfeld politisch gelungen. Die Polizei                 hat sich diese Route f&uuml;r den Transport der Delegierten wahrscheinlich                 l&auml;ngst abgeschrieben. Obwohl die effektive Blockade nicht                 unbedingt garantiert ist wenn die Gewerkschaften\/ATTAC usw. fr&uuml;h                 am Sonntag dem 1. nach Hause fahren sollten, da die offizielle                 Er&ouml;ffnung des Gipfels erst Sonntag Abends stattfindet. Die                 Beh&ouml;rden setzen jetzt alles ein, um die Demonstranten aus                 der Stadt zu dr&auml;ngen und mit Gro&szlig;events zu besch&auml;ftigen.                 Immerhin ist die Zusammenlegung der Gro&szlig;demo und der Blockaden                 auf den gleichen Tag am gleichen Ort ein Erfolg. Die Erfahrung                 der Demonstranten in der antiautorit&auml;ren, horizontalen Selbstverwaltung                 der Camps, der Blockadendurchf&uuml;hrung, der Infrastruktur usw.                 ist bereits sehr wertvoll.<\/p>\n<p>Die Er&ouml;ffnung des G8 Gipfels wird am 1. Juni um ca. 19h                 sein, doch tags&uuml;ber m&uuml;ssen die Funktion&auml;re bereits                 nach Evian gebracht werden, d.h. Blockaden ab Vormittag sind notwendig.                 Schr&ouml;der, Bush, Chirac, Blair usw. werden mit Hubschraubern                 eingeflogen werden. Auch die Delegierten, die in Lausanne &Uuml;bernachten,                 k&ouml;nnen nicht blockiert werden. Bleiben die 2500 Delegierten\/G8-Funktion&auml;re,                 die in Genf &uuml;bernachten. Sie k&ouml;nnen nicht alle auf F&auml;hren                 nach Lausanne gebracht werden (eine F&auml;hre braucht 3 1\/2 Stunden                 von Genf nach Evian) und auch nicht alle per Hubschrauber geflogen                 werden. Mehrere Hundert m&uuml;ssten also per Bus (oder Zug?)                 von Genf nach Lausanne (eventuell nach Morges -ein Hafen 10 km                 vor Lausanne) gefahren werden. Blockaden auf dieser Strecke sind                 also scheinbar die einzige M&ouml;glichkeit den G8 Gipfel im Ablauf                 wirklich zu beeintr&auml;chtigen. Die Polizei k&ouml;nnte den                 Transport der Delegierten im Buskonvoi machen, da es tropfenweise                 sehr aufwendig sein k&ouml;nnte, aber das liegt alles im Bereich                 der Spekulation und wird nur sehr kurzfristig deutlich werden&#8230;<\/p>\n<p>Die Bev&ouml;lkerung (sowohl in Lausanne als auch in Genf und                 Annemasse) steht dem G8 nicht unbedingt sympathisch gegen&uuml;ber,                 viele lehnen Kriege und die Politik des G8 ab, aber die B&uuml;rger                 haben Angst. Viel Angst. Angst vor Gewalt die ihnen &uuml;ber                 Wochen &uuml;ber die Medien eingeh&auml;mmert und angek&uuml;ndigt                 wurde. Angst, dass ihre St&auml;dtchen in Schutt und Asche gelegt                 wird. Die lokalen Beh&ouml;rden haben bewiesen, das sie mit 3                 Provokateuren (?) und 2 Blument&ouml;pfen in einem Schaufenster                 die Isolierung und Kriminalisierung erfolgreich erreichen. Verbarrikatierte                 L&auml;den sollten uns nicht wundern. Geht also auf die Bev&ouml;lkerung                 zu, redet mit den Leuten, sagt ihnen warum ihr da seid. Ein &quot;sauberer                 Ablauf&quot; der Aktionen k&ouml;nnte gut ankommen.<\/p>\n<p>Die Einsch&auml;tzung von einigen auf dem Treffen in Lausanne                 war also, dass die beste &uuml;brige Option folgende ist: sich                 in Lausanne tendenziell aus der Stadt heraus zu bewegen, sich                 auf Blockaden zu konzentrieren und diesen einen Ausdruck des Zivilen                 Ungehorsams \/ kreative gewaltfreie direkte Aktionen zu geben,                 der Spa&szlig; machen k&ouml;nnte und gleichzeitig politisch eine                 starke Botschaft vermittelt. Alles andere ist bereits einkalkuliert                 und wird wie am 1. Mai im Hundertfachen ablaufen!<\/p>\n<p>Mensch sollte sich unbedingt bewusst sein, dass in Lausanne die                 politische Deckung, die Medienpr&auml;senz und die Strukturen                 schw&auml;cher sind als in Genf. Aber es bedeutet auch nicht,                 das die Polizei schu&szlig;frei vorgehen kann. Die politischen                 Strukturen (Camp, Anlaufstellen, aktive Leute) sind beschr&auml;nkt,                 aber wenn gen&uuml;gend nach Lausanne kommen, k&ouml;nnten sehr                 gute Sachen vorbereitet werden. Die Frage bleibt offen ob die                 AktivistInnen die Dynamik f&uuml;r einen &quot;sauberen Ablauf&quot;                 im Griff behalten k&ouml;nnen. Die Polizei wird auf den Einsatz                 von Provokateuren sicherlich nicht verzichten.<\/p>\n<p>Die lokalen AktivistInnen wirken leider aus der Defensive. Die                 Gipfel-Dynamik ist so stark, dass es in der &ouml;ffentlichen                 Diskussion nur noch um den &quot;technisch-milit&auml;rischen&quot;                 Ablauf geht (rote Zone, Zahl der Bullen, Gas, Gewalt, &#8230;) und                 es sehr schwer wird politische Inhalte zu vermitteln.<\/p>\n<h3> Kommunikation<\/h3>\n<p>Es gibt &Uuml;berlegungen zur Kommunikation zwischen den Camps                 und den Anlaufstellen w&auml;hrend den Aktionstagen. Jedoch ist                 die Lage sehr dezentralisiert, die meisten reisen sp&auml;t an.                 Bis die Informationen durchsickern, alle erreicht haben und die                 Ger&uuml;chte beseitigt sind, wird wohl leider sehr viel Zeit                 vergehen. Treffpunkte, Uhrzeiten und Ablauf sollten also f&uuml;r                 alle so fr&uuml;h wie m&ouml;glich klar sein. Informiert euch                 im Vorfeld so gut es geht, reist so fr&uuml;h es geht an, informiert                 euch und euer Umfeld, legt euch so fr&uuml;h es geht auf einen                 Ort fest. Verlasst euch nicht nur auf Entscheidungen in letzter                 Minute. Versucht keine Ger&uuml;chte zu verbreiten und Ruhe zu                 bewahren. Die Vorbereitungen\/Absprachen und Koordination wird                 innerhalb der Camps am besten verlaufen.<\/p>\n<h3>Weitere Tipps und Infos<\/h3>\n<ul>\n<li><b> COURRIER:<\/b> Besorgt euch vor Ort die lokale Zeitung                   &quot;Le Courrier&quot;. Das soll keine Werbung sein, die Zeitung                   ist bewegungsnah und eine Sonderausgabe mit allen Infos, Termine                   und Locations zu den Gegenaktivit&auml;ten wird in Zusammenarbeit                   mit den Demonstranten vorbereitet.<\/li>\n<li><b> Radios:<\/b> Wichtig! Alle sind dazu aufgerufen kleine                   FM Radios mitzubringen. Besorgt euch welche! (es gibt ganz kleine                   im Handel ab 8 Euro mit Kopfh&ouml;rer und einer kleinen Batterie).<\/li>\n<li><b> Gasmasken:<\/b> Das Tragen einer Gasmaske wird offiziell                   als das Tragen einer Waffe angesehen (wurde extra anl&auml;sslich                   des G8 so festgelegt). Wer welche tr&auml;gt &uuml;bt zivilen                   Ungehorsam. Es gibt auch die M&ouml;glichkeit billige Schutzmasken                   zu basteln (Schwimm\/oder Skibrille, Baumasken etc. schaut nach                   Anleitungen im Netz oder in den Camps).<\/li>\n<li><b> Vermummungsverbot:<\/b> Unklar. Es gibt wohl kein solches                   Gesetz in der Schweiz, aber die Polizei und die Medien dr&auml;ngen                   auf Verbot. Rechnet mit strengen Ordnungsdiensten und Blackbloc-Paranoia                   auf Seiten der Gewerkschafter und der etablierten Linken. Die                   Polizei hat ihnen Anlaufstellen\/Telefonnummern angeboten, wo                   sie Vermummte u.&auml;. denunzieren k&ouml;nnen!<\/li>\n<li><b> Fahrr&auml;der:<\/b> Super hilfreich da die Ort weite Auseinander                   liegen! Wenn ihr k&ouml;nnt bringt eins mit. Mobil bleiben bei                   den Blockadeaktionen in Lausanne ist schlau. Es wird eine Fahrradkarawane                   aus Bern geben.<\/li>\n<li><b> Kochen:<\/b> Erfahrene Kochgruppen und K&ouml;chInnen f&uuml;r                   solche Anl&auml;sse werden dringend gesucht (Camps und Anlauforte).                   Rechnet nicht damit, dass die Vok&uuml;s alle ern&auml;hren                   k&ouml;nnen. Das Essen in der Schweiz ist unvorstellbar teuer,                   denkt dran. Wenn Leute billiges Essen von au&szlig;en besorgen                   k&ouml;nnen, setzt euch bitte mit den Camps in Verbindung.<\/li>\n<li><b> Sprache:<\/b> Franz&ouml;sisch wird die Hauptkommunikationssprache                   sein. Dann Deutsch und Italienisch, die viele auch verstehen.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der G8 Gipfel r&uuml;ckt n&auml;her und die Situation rund um Evian hat sich in den letzten Tagen enorm versch&auml;rft. Betrachten wir zuerst Lausanne, dann Genf\/Annemasse, dann wiederum wie sich das gesamte Szenario abzeichnet. Lausanne 1. Mai-Vorfall und politische Lage Die beiden Anti-G8-oordinationsplattformen hatten sich auf eine gemeinsame 1. Mai-Demo geeinigt. 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