{"id":12268,"date":"2001-10-17T00:00:39","date_gmt":"2001-10-16T22:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12268"},"modified":"2022-07-26T13:11:52","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:52","slug":"auftakt-in-luneburg-gegen-gorleben-castor-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/10\/auftakt-in-luneburg-gegen-gorleben-castor-3\/","title":{"rendered":"Auftakt in L\u00fcneburg gegen Gorleben-Castor"},"content":{"rendered":"<p>Es ist schon wieder soweit: Anfang November soll zum zweiten                 Mal in diesem Jahr ein Transport mit sechs Castor-Beh\u00e4ltern aus                 der franz\u00f6sischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben                 rollen. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht durchgesickert. Aber                 Polizeieinsatzleiter Reime stellt klar: \u201cDer Castor rollt nur                 bei offener Witterungslage\u201d. Er will den Transport hinter sich                 haben, wenn Schnee und Eis \u00fcber Norddeutschland hereinbrechen:                 \u201cEnde November muss es passiert sein\u201d. Hinzu kommt, dass sp\u00e4testens                 im Dezember Bundesgrenzschutz und Polizei bei der Verteilung der                 Euro gebraucht werden. In welcher Woche der Termin auch liegen                 wird, fest steht: <b>Auftaktkundgebungen in L\u00fcneburg und in Karlsruhe                 am Samstag vor dem Castor-Transport.<\/b> <\/p>\n<h3>Das erste mal zwei pro Jahr<\/h3>\n<p>Der letzte Atomtransport nach Gorleben im M\u00e4rz diesen Jahres                 war der Erste nach dem 1998 von Angela Merkel wegen des Kontaminationsskandals                 verh\u00e4ngten Transportstopps. Er war der Erste unter einer rot-gr\u00fcnen                 Bundesregierung und er war der Erste nach dem sogenannten \u201cAtomkonsens\u201d.                 Zus\u00e4tzlich kam dem Castor im Fr\u00fchjahr die Bedeutung als T\u00fcr\u00f6ffner                 f\u00fcr eine Lawine von Transporten in die Wiederaufarbeitung zu.               <\/p>\n<h3>Und der anstehende November-Castor? <\/h3>\n<p>Er ist der erste zweite Gorleben-Castor in einem Jahr. <\/p>\n<p>Elfeinhalb Jahre konnte die Anti-Atom-Bewegung die Einlagerung                 von hochradioaktiven, abgebrannten Brennelementen in dem so genannten                 Zwischenlager in Gorleben verhindern, bis im April 1995 der erste                 Castor unter Einsatz von 16.000 Polizisten durchgebracht wurde.                 Jetzt versuchen Betreiber und Bundesregierung das erste Mal zwei                 Gorleben-Transporte in einem Jahr gegen den Widerstand der Anti-Atom-Bewegung                 durchzusetzen. Je ein Atomm\u00fcllzug mit 12 Beh\u00e4ltern pro Jahr sind                 f\u00fcr die Zukunft angek\u00fcndigt. Transporte in und aus der Wiederaufarbeitung                 drohen Normalit\u00e4t zu werden. Mit jedem weiteren Zwischenlagerbeh\u00e4lter,                 der in Gorleben eingelagert wird, droht die Zementierung des Salzstockes                 als Endlagerstandort, obwohl weltweit kein Konzept f\u00fcr eine sichere                 Endlagerung existiert. Damit droht auch die Inbetriebnahme der                 Pilotkonditionierungsanlage (PKA), in der die endlagerf\u00e4hige Verpackung                 von hochradioaktivem M\u00fcll getestet werden und die zun\u00e4chst als                 Reparaturzelle f\u00fcr defekte, beladene Castoren dienen soll.<\/p>\n<h3>Auf nach L\u00fcneburg !<\/h3>\n<p>Am 24. M\u00e4rz diesen Jahres zeigten 16.000 DemonstrantInnen in                 L\u00fcneburg, dass der so genannte Atomkonsens kein gesellschaftlicher                 Konsens ist, die Befriedungsstrategie der Bundesregierung und                 der Atomwirtschaft damit gescheitert und es nicht gelungen ist,                 das neue Atomprogramm als Ausstieg zu verkaufen. <\/p>\n<h3>Warum gerade in L\u00fcneburg? <\/h3>\n<p>L\u00fcneburg ist das Tor zum Wendland, das Nadel\u00f6hr f\u00fcr \u201c50+20\u201d.                 Hier beginnen die 50 km Schienenstrecke von L\u00fcneburg nach Dannenberg,                 auf der w\u00e4hrend der X-Tage nur der Castor f\u00e4hrt. Hier sitzt die                 Bezirksregierung, die im Fr\u00fchjahr in einer Allgemeinverf\u00fcgung                 ein Demonstrationsverbot in einem 50 m Korridor entlang der Transportstrecke                 ausgesprochen hat. <\/p>\n<p>Der Demonstrationszug soll an der AVACON, einer Tochterfirma                 der E.ON und dem L\u00fcneburger Amtsgericht vorbei zur Abschlusskundgebung                 vor der Bezirksregierung gehen. Mit der Wahl des Kundgebungsortes                 wollen wir unseren Protest gegen diese Institution zum Ausdruck                 bringen, die den Polizeieinsatz koordiniert, die Befehle erteilt                 und massiv unsere Grundrechte einschr\u00e4nkt. <\/p>\n<p>Also: Auf nach L\u00fcneburg! Zus\u00e4tzlich werden AtomkraftgegnerInnen                 aus dem S\u00fcden der Republik in Karlsruhe auf die Strassen gehen,                 um zu zeigen, dass der Widerstand gegen Atomanlagen nicht nur                 im Norden lebt, weil hier die Leute Angst haben, dass der Dreck                 vor ihrer Haust\u00fcre gelagert wird.<\/p>\n<h3>Zeichen setzen<\/h3>\n<p>Profite z\u00e4hlen in dieser Welt mehr als Menschenleben. Wer sich                 dem in den Weg stellt, wird beiseite geschafft oder als ChaotIn                 denunziert. Das haben AtomkraftgegnerInnen mit GlobalisierungsgegnerInnen                 in Genua, Seattle oder anderswo gemeinsam. Genauso wie mit MigrantInnen,                 die in aller Welt auf der Suche nach \u00dcberlebensr\u00e4umen sind, wie                 indigene B\u00e4uerinnen in Chiapas\/Mexiko oder die von Vertreibung                 bedrohten Menschen in Itoiz\/Baskenland. Deswegen sagen wir: Es                 reicht nicht, gegen den Castor zu sein. In unseren Protesten m\u00fcssen                 wir uns auch gegen jede Form der Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung                 der Menschen wenden. Egal ob sie \u00f6konomisch, rassistisch, sexistisch                 oder sonstwie daherkommt.<\/p>\n<p>Auf der Kundgebung in L\u00fcneburg setzen wir einen Schwerpunkt auf                 die aktuelle politische Lage. Aufgrund der zur Zeit t\u00e4glich durch                 die Presse geisternden absurden Vorschl\u00e4ge zur inneren \u201eSicherheit\u201d                 aus allen politischen Lagern steht zu bef\u00fcrchten, dass alle die,                 die in irgendeiner Weise gegen die bestehende Ordnung aufmucken,                 in europaweite Polizeidateien wandern. Der weiteren Einschr\u00e4nkung                 von Grundrechten, dem fortschreitenden Abbau des sowieso schon                 mageren Datenschutzes und der Kriminalisierung von Anders-denkenden                 wird T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet. Hierzu ist Wolf-Dieter Narr vom Komitee                 f\u00fcr Grundrechte und Demokratie eingeladen.<\/p>\n<p>Joachim Hirsch von der Universit\u00e4t Frankfurt wird dazu reden,                 dass Atomenergie und alles was damit zusammenh\u00e4ngt nicht nur unser                 Problem ist, sondern dass Menschen in aller Welt f\u00fcr unseren Wohlstand                 bezahlen m\u00fcssen. Er sich besch\u00e4ftigt seit Jahren kritisch mit                 Kapitalismus und der Struktur und Politik neuer sozialer Bewegungen.<\/p>\n<p>\u00dcber das neue Atomgesetz und die Hintergr\u00fcnde der aktuellen atompolitischen                 Entwicklung wird die BUND-Landesvorsitzende in Niedersachsen Renate                 Backhaus sprechen.<\/p>\n<h3>Anreise, Infos, Aufrufe&#8230;<\/h3>\n<p>Der Demonstrationszuges wird um 10 Uhr auf den S\u00fclzwiesen beginnen.                 Zus\u00e4tzlich wird am Bahnhof ein Sammelpunkt f\u00fcr alle die sein,                 die mit der Bahn anreisen. <\/p>\n<p>Genauere und immer aktuelle Informationen gibt es beim Infotelefon                 <b>04131\/48599<\/b>, das in den Tagen des Transportes auch wieder                 rund um die Uhr besetzt sein wird. Unter <a href=\"http:\/\/www.ligatomanlagen.de\">www.ligatomanlagen.de<\/a>                 gibt es au\u00dferdem rechtzeitig Anfahrtsbeschreibungen und den neuesten                 Stand der Dinge. Plakate und Aufruftexte gibt es ebenfalls unter                 dieser Internet-Adresse zum anschauen. Bestellbar sind sie bei                 der BI L\u00fcchow-Dannenberg unter 05841\/4684 oder Fax: 05841\/3197.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon wieder soweit: Anfang November soll zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Transport mit sechs Castor-Beh\u00e4ltern aus der franz\u00f6sischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben rollen. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht durchgesickert. Aber Polizeieinsatzleiter Reime stellt klar: \u201cDer Castor rollt nur bei offener Witterungslage\u201d. 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