{"id":12270,"date":"2003-06-07T00:00:51","date_gmt":"2003-06-06T22:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12270"},"modified":"2022-07-26T14:24:39","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:39","slug":"out-of-control","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/06\/out-of-control\/","title":{"rendered":"Out of control"},"content":{"rendered":"<h3>F\u00fcr globale Bewegungsfreiheit. Verwertungslogik und rassistische Ausgrenzung angreifen!<\/h3>\n<p>Rund um den Globus machen sich t\u00e4glich unz\u00e4hlige Menschen auf den Weg. Sie wandern in die St\u00e4dte, die Nachbarstaaten oder die reichen Industriel\u00e4nder, h\u00e4ufig mit Unterst\u00fctzung eigener Community-Netzwerke oder professioneller SchleuserInnen. Die Einen fliehen vor Krieg, Verfolgung oder Diskriminierung, Andere handeln aus \u00f6konomischer Not: Sie sind ihrer Existenzgrundlagen beraubt, nicht zuletzt durch die nackte Gewalt des kapitalistischen Weltmarktes. Ihre Hoffnung ist es, neue Einkommensquellen aufzutun, auch um das materielle \u00dcberleben zu Hause gebliebener Angeh\u00f6riger sicherzustellen. Dar\u00fcberhinaus ist die Suche nach neuen Horizonten ein ebenfalls zentrales Flucht- bzw. Migrationsmotiv, es mag um Fortbildung, Ausbr\u00fcche aus patriarchalen Strukturen oder einfach nur Gl\u00fcck gehen. Vielen passt der Mut und die Entschlossenheit nicht, welche Fl\u00fcchtlinge und MigrantInnen an den Tag legen. Vor allem die reichen Industriel\u00e4nder scheuen keine M\u00fche, die von ihnen als z\u00fcgellos und unberechenbar wahrgenommene Autonomie von Flucht und Migration unter Kontrolle zu bringen. Mittels Migrationspolitik versuchen sie, MigrantInnen und Fl\u00fcchtlinge gem\u00e4\u00df \u00f6konomischer Verwertungslogik aufzuspalten: Auf der einen Seite stehen die, deren billige, flexible und gewerkschaftlich unorganisierte Arbeitskraft erw\u00fcnscht ist. Manche von ihnen verdingen sich als qualifizierte ExpertInnen &#8211; z.B. in der Computerindustrie. Die Mehrheit hingegen arbeitet im Niedriglohnsektor, nicht selten ohne Papiere: als Feld- und BauarbeiterInnen, als Textil-, Haus- und SexarbeiterInnen, als Reinigungskr\u00e4fte, als K\u00fcchenpersonal oder DienstbotInnen. Sie sind Teil des globalen Arbeitsmarktes, der je nach Bedarf insbesondere die reichen Industriel\u00e4nder mit zus\u00e4tzlicher Arbeitskraft versorgt. Auf der anderen Seite stehen die Unerw\u00fcnschten, f\u00fcr die es keine Verwendung gibt, aus denen kein Profit geschlagen werden kann. Sie sollen nach M\u00f6glichkeit gar nicht erst in die reichen Industriel\u00e4nder einreisen. Schaffen sie es doch, so werden sie schikaniert, in Lager gesperrt oder abgeschoben. Zum Prinzip \u00f6konomischer Verwertungslogik geh\u00f6rt, dass Fl\u00fcchtlinge und MigrantInnen jederzeit von der einen in die andere Gruppe geraten k\u00f6nnen, auch ohne eigenes Zutun. Ausgesprochen zweischneidig ist die Situation f\u00fcr illegalisierte ArbeitsmigrantInnen: Werden sie erwischt, kommen sie in Abschiebehaft, noch ausstehende Lohnzahlungen gehen verloren.<\/p>\n<p>Erkl\u00e4rtes Ziel des 6. Antirassistischen Grenzcamps ist es, dieser Politik samt ihrer ideologischen Wurzeln eine unmissverst\u00e4ndliche und offensive Absage zu erteilen. Statt rassistischer Kontrolle und Ausgrenzung fordern wir das uneingeschr\u00e4nkte Recht auf globale Bewegungsfreiheit. Alle Menschen haben das Recht, sich dort aufzuhalten, wo immer und solange sie m\u00f6chten! Wir sagen &#8218;Nein&#8216; zu s\u00e4mtlichen Techniken und Strategien globaler Migrationspolitik. Das Camp tritt an gegen rassistische und immer st\u00e4rker transnational organisierte Kontroll- und \u00dcberwachungstechniken, gegen Abschiebe- und Lagerpolitik, gegen die Militarisierung der EU-Au\u00dfengrenzen, gegen gezielte Illegalisierung und rassistische Abschreckung. Das Camp spricht sich auch gegen Nation und Nationalstaat aus, gegen rassistische und v\u00f6lkische Haltungen innerhalb der Mehrheitsgesellschaft, gegen ausbeuterische Arbeitsverh\u00e4ltnisse und weitere Entrechtungen, denen Fl\u00fcchtlinge und MigrantInnen besonders stark ausgesetzt sind. Grunds\u00e4tzlich geht es dem Camp aber um die Demontage von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen insgesamt. Denn kapitalistische, patriarchale und andere Herrschaftsverh\u00e4ltnisse machen nicht nur das Leben von MigrantInnen und Fl\u00fcchtlingen immer wieder zur H\u00f6lle. Nein, sie betreffen alle Menschen, wenn auch in unterschiedlichem Ausma\u00df und auf verschiedene Weise: Weltweit werden, ob in der Peripherie oder den reichen Industriel\u00e4ndern, immer mehr Menschen gezwungen, ihre Arbeitskraft zu immer mieseren Bedingungen zu verkaufen. Ein allgemeiner Mobilit\u00e4ts- und Flexibilit\u00e4tsterror greift um sich. Mit am meisten betroffen sind Menschen ohne Erwerbsarbeit. Das Grenzcamp begreift sich in diesem Sinne als ein Projekt unter vielen innerhalb des globalen Widerstandes. Unser Blickwinkel ist antirassistisch, unser Ziel die revolution\u00e4re Globalisierung &#8211; eingebettet in die allt\u00e4gliche Praxis sozialer und emanzipatorischer Basisbewegungen!<\/p>\n<p>Am Anfang des diesj\u00e4hrigen Grenzcamps wird erstmalig ein 3-t\u00e4giges Auftaktforum unter dem Titel &#8222;Antirassismus ausbuchstabiert&#8220; stehen. In Workshops, Vortr\u00e4gen, Plenumsdiskussionen, etc. kann in die Schwerpunkte des diesj\u00e4hrigen Grenzcamps eingetaucht werden. Au\u00dferdem soll eine prinzipielle Debatte dar\u00fcber erfolgen, welche politische und strategische Bedeutung Antirassismus hat. Erst im Anschluss geht&#8217;s auf die Strasse gehen, soll \u00f6ffentlichkeitswirksam und gezielt interveniert und nat\u00fcrlich auch die eine oder andere Ver\u00e4nderung errungen werden. Antirassistisches Campen hei\u00dft f\u00fcr uns immer auch, experimentelle Schritte in Sachen Utopie zu unternehmen: Schlie\u00dflich ist es immer wieder spannend, all die Fragen anzugehen, die sich ergeben, sobald bis zu 1000 Menschen mit zum Teil v\u00f6llig unterschiedlichen Perspektiven und Lebensrealit\u00e4ten aufeinandertreffen und 1 \u00bd Wochen lang Politik &amp; Alltag kollektiv organisieren. Die Herausforderung wird um so gr\u00f6\u00dfer sein, je vielf\u00e4ltiger und je internationaler das Camp zusammengesetzt ist und je st\u00e4rker Fl\u00fcchtlinge, MigrantInnen und Menschen ohne Flucht- und Migrationshintergrund gleicherma\u00dfen am Camp beteiligt sind. Politisch ist das Camp auch deshalb bedeutsam, weil es eine Plattform f\u00fcr Selbstorganisierung darstellt!<\/p>\n<h3>Schwerpunkte und Interventionsorte<\/h3>\n<p>Um es fassbarer zu machen, haben wir das Motto des diesj\u00e4hrigen Grenzcamps in drei Schwerpunkte untergliedert. Und auch haben wir einige der m\u00f6glichen Interventionsorte etwas genauer unter die Lupe genommen:<\/p>\n<p><b>1. Kontrolle &amp; \u00dcberwachung:<\/b> Die vor allem im Auftrag der reichen Industriel\u00e4nder operierende International Organisation of Migration (IOM) ist Inbegriff moderner Migrationspolitik schlechthin: Sie unterh\u00e4lt weltweit B\u00fcros zur Aussp\u00e4hung von Flucht- und Migrationsbewegungen, betreibt gef\u00e4ngnisartige Fl\u00fcchtlings(abfang)lager, unterst\u00fctzt Regierungen bei der Aufr\u00fcstung ihrer Grenzregime und ist auch an der sogenannten freiwilligen \u201cR\u00fcckf\u00fchrung\u201d von MigrantInnen und Fl\u00fcchtlingen beteiligt &#8211; allein im Jahr 2000 hat es 76000 IOM-vermittelte &#8222;R\u00fcckf\u00fchrungen&#8220; aus der BRD gegeben. Umgekehrt ist die IOM in die Rekrutierung von Arbeitskr\u00e4ften involviert, z.B. aus Ecuador f\u00fcr den spanischen Arbeitsmarkt. Das internationale noborder-Netzwerk hat vergangenes Jahr eine weltweite Anti-IOM-Kampagne ins Leben gerufen, ein Grund mehr, der von K\u00f6ln aus \u00e4u\u00dferst gut erreichbaren deutschen IOM-Zentrale in Bonn\/Bad Godesberg einen entschlossenen Besuch abzustatten!<\/p>\n<p>Ein weiterer Akteur innerhalb global ausgerichteter Migrationspolitik ist das in K\u00f6ln ans\u00e4ssige Ausl\u00e4nderzentralregister (AZR): Es speichert Daten s\u00e4mtlicher in Deutschland lebender Menschen ohne deutschen Pass. Erfasst werden nicht nur Personalien (inkl. Bild, Fingerabdruck und neuerdings biometrischer Informationen), sondern auch Daten \u00fcber famili\u00e4re, soziale und sonstige Verh\u00e4ltnisse. Zugriff auf den AZR-Datenbestand haben Polizei, Staatsanwaltschaften und andere Beh\u00f6rden genauso wie Arbeits- und Sozial\u00e4mter. Die rassistische Sondererfassung durch das AZR dient einerseits der m\u00f6glichst l\u00fcckenlosen \u00dcberwachung von MigrantInnen und Fl\u00fcchtlingen &#8211; das AZR ist deshalb auch mit dem Schengener Informationssystem (SIS) kurzgeschlossen, einem elektronischen EU-Informationsverbund. Andererseits sind s\u00e4mtliche dieser Techniken im Zusammenhang mit grunds\u00e4tzlichen \u00dcberwachungstendenzen zu sehen: Ziel ist es, im Namen nationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit die Kontrolle und Disziplinierung der gesamten Bev\u00f6lkerung auszubauen. Seit einem Anschlag der Revolution\u00e4ren Zellen auf das AZR 1986 ist dieses bestens \u00fcberwacht. Es wird sich dennoch auf so manches gefasst machen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Rassistische Personenkontrollen im Landesinneren geh\u00f6ren ebenfalls zum EU-Grenzregime: Einzig aufgrund ihres vorgeblich &#8217;nicht-deutschen&#8216; Aussehens sind unz\u00e4hlige Menschen in Z\u00fcgen, auf Bahnh\u00f6fen oder \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen permanent mit Personenkontrollen durch Polizei und Bundesgrenzschutz konfrontiert. Begr\u00fcndet wird dies offiziell mit der Suche nach papierlosen MigrantInnen oder Fl\u00fcchtlingen, die gegen die Residenzpflicht versto\u00dfen (eine Verordnung, welche es Fl\u00fcchtlingen im Asylverfahren verbietet, den ihnen zugewiesenen Landkreis zu verlassen.). Regelm\u00e4\u00dfig werden auch rassistische Vorurteile wie z.B. das des drogendealenden &#8218;Schwarzafrikaners&#8216; als Begr\u00fcndung angef\u00fchrt. Die Selektivit\u00e4t solcher Kontrollen ist rassistisch und dem\u00fctigend. Hinzu kommt, dass sie oft mit gezielten Beleidigungen einhergehen oder in handfeste Gewalt ausufern. Der Hauptbahnhof ist einer der prominentesten Orte rassistischer Kontrollen in K\u00f6ln. Das Grenzcamp wird sein Bestes tun, der dortigen Kontrollmaschine zumindest kurzzeitig Sand ins Getriebe zu streuen.<\/p>\n<p><b>2. Arbeit und Verwertung:<\/b> Wie autonom und subversiv Arbeitsmigration tats\u00e4chlich ist, dar\u00fcber herrscht Streit. Klar ist lediglich, komplett verstehbar ist sie erst unter Bezugnahme auf kapitalistische Weltmarktstrukturen: Denn ohne Zerst\u00f6rung konkreter Existenzm\u00f6glichkeiten in den L\u00e4ndern der Peripherie und ohne vermehrte Nachfrage nach migrantischer Arbeitskraft in den reichen Industriel\u00e4ndern &#8211; beides im Zuge globaler Konkurrenz und Umstrukturierung &#8211; g\u00e4be es Arbeitsmigration in der heutigen Form nicht. \u00c4hnlich zweischneidig ist die Situation in den Ziell\u00e4ndern: Zum einen organisieren sich viele ArbeitsmigrantInnen im Rahmen solidarischer Community-Netzwerke selbst, nur so ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, dass allein in Deutschland ca 1,7 Mio. illegalisierte Menschen \u00fcberleben k\u00f6nnen. Gleichzeitig ist die Mehrheit der ArbeitsmigrantInnen mit absolut miserablen Lebens- und Arbeitsbedingungen konfrontiert. Auf dem Grenzcamp soll Platz daf\u00fcr sein, all dies so breit als m\u00f6glich zu thematisieren. Unter anderem kann das bedeuten, sich praktisch auf aktuell laufende K\u00e4mpfe oder Streiks zu beziehen.<\/p>\n<p>Wichtig ist es insgesamt, die Geschlechtsspezifik nicht aus den Augen zu verlieren: Im Zuge patriarchaler Verh\u00e4ltnisse sind die Lebens- und Arbeitssituationen von Frauen und M\u00e4nnern weltweit unterschiedlich wenn nicht hierarchisch strukturiert! Dies festzuhalten hei\u00dft nicht, dass Frauen auf der Flucht oder in der Migration prinzipiell schlechter gestellt w\u00e4ren als M\u00e4nner. Denn f\u00fcr viele Frauen bedeutet Flucht und Migration einen antipatriarchalen Zugewinn an Autonomie, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsf\u00e4higkeit. Zum Teil wird dies jedoch durch neue Ausbeutungs- und Gewaltverh\u00e4ltnisse in den Ziell\u00e4ndern \u00fcberlagert &#8211; z.B. in der Haus- oder Sexarbeit.<br \/>\nZugespitzte Arbeits- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse betreffen im Zeitalter \u00f6konomischer Globalisierung die allermeisten &#8211; wichtige Stichworte sind z.B. die Ausweitung ungesicherter Arbeitsverh\u00e4ltnisse oder die zunehmende Repression gegen Arbeitslose und Sozialhilfeempf\u00e4ngerInnen (Stichwort \u201aHartz\u2019). Unter antikapitalistischen Vorzeichen soll es auch darum auf dem Grenzcamp gehen.<\/p>\n<p>Nicht minder notwendig ist es, immer wieder die historische Dimension von Arbeit und Verwertung in Erinnerung zu rufen: Bis heute ist die Mehrheit der noch lebenden NS-ZwangsarbeiterInnen nicht entsch\u00e4digt worden. Um so skandal\u00f6ser ist es, dass die neue schwarz-gr\u00fcne Stadtregierung in K\u00f6ln den Besuchsprogrammen f\u00fcr ehemalige ZwangsarbeiterInnen die Gelder gestrichen hat. Wir werden das nicht unbeantwortet lassen!<\/p>\n<p><b>3. Abschiebung &amp; Abschreckung:<\/b> Aus der EU werden j\u00e4hrlich bis zu 500.000 Menschen abgeschoben. Und selbst das ist den Abschiebestrategen nicht genug: So hat z.B. Gro\u00dfbritannien vorgeschlagen, Fl\u00fcchtlinge rund um den Globus in UN-verwalteten Lagern unterzubringen, etwaige Asylantr\u00e4ge m\u00fcssten dann in diesen, nahe der jeweiligen Kriegs- und Krisenregionen errichteten Lagern gestellt werden. Entsprechend gibt es in der BRD schon seit l\u00e4ngerem das Bestreben, Fl\u00fcchtlinge w\u00e4hrend des gesamten Asylverfahrens in Lagern unterzubringen, um so die Abschiebung zu erleichtern. Hamburg schwebt gar eine Kombil\u00f6sung aus &#8222;Ein- und Ausreisezentren&#8220; vor &#8211; zynischer geht\u2019s nicht! Abschiebe- und Abschreckungspolitik geh\u00f6ren zusammen: Ob Unterbringung in Sammellagern, Residenzpflicht oder Chipkartensystem, alles das soll potentielle AsylbewerberInnen abschrecken. Das Grenzcamp wird dieser Politik einen hei\u00dfen Sommer bereiten: Wir werden unsere guten Erfahrungen vom Frankfurter Camp nutzen und die Abschiebeflugh\u00e4fen D\u00fcsseldorf und K\u00f6ln\/Bonn lahmlegen. Auch werden wir zum Frauenabschiebeknast Neuss fahren, nicht zuletzt um uns mit den weltweiten Antilager-K\u00e4mpfen von Fl\u00fcchtlingen zu solidarisieren. Schlie\u00dflich werden wir die Stadt K\u00f6ln unter Druck setzen, aus der, wie es offiziell hei\u00dft, &#8222;Abschreckungspolitik&#8220; auszusteigen. Wir fordern konkret das Ende aller gegen Fl\u00fcchtlinge gerichteten Schikanen und Repressionen, insbesondere fordern wir das Recht auf freie Wohnungswahl f\u00fcr alle Fl\u00fcchtlinge, die das w\u00fcnschen! Last but not least: Unser Widerstand gilt nicht nur dem Staat, sondern allen, die Abschiebungen und rassistische Abschreckung guthei\u00dfen, wenn nicht selber praktizieren &#8211; mag es sich um Stiefelnazis, Wohlstands-ChauvinistInnen oder wen auch immer handeln!<\/p>\n<p>Zu guter Letzt: Politisches Selbstverst\u00e4ndnis des Grenzcamps ist es, immer wieder die inhaltlichen Verbindungslinien zwischen themenspezifischen Einzel-Aktionen und genereller Kritik an rassistischen und anderen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen sichtbar zu machen. Das aber ist einfacher gesagt als getan. Vor diesem Hintergrund gewinnen Projekte wie z.B. die von kanak attak und anderen Gruppen stark gemachte &#8222;Legalisierungsoffensive&#8220; ihre spezifische Bedeutung. Denn diese bezieht sich nicht nur auf Menschen ohne Papiere. Vielmehr geht es um s\u00e4mtliche Varianten rassistischer Illegalisierung, das hei\u00dft um s\u00e4mtliche Entrechtungen, mit welchen es Fl\u00fcchtlinge und MigrantInnen zu tun haben &#8211; einschlie\u00dflich der Vielfalt allt\u00e4glicher Widerstandsformen dagegen. In diesem Sinne ein abermaliger Appell: Das Grenzcamp begreift sich als offener Ort. Ob beim Auftaktforum oder auf dem Camp, Debatten um die bestm\u00f6gliche Verkn\u00fcpfung der verschiedenen Strategien, Schwerpunktsetzungen und Selbstverst\u00e4ndnisse sind ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht!<\/p>\n<h3>Geschichte der Antirassistischen Grenzcamps<\/h3>\n<p>Die ersten drei Grenzcamps (1998-2000) haben mit bis zu 700 TeilnehmerInnen an der deutschen EU-Au\u00dfengrenze nach Polen bzw. Tschechien stattgefunden. Thematisiert wurden vor allem das europ\u00e4ische Grenzregime, die Denunziationsbereitschaft von Teilen der Bev\u00f6lkerung und die zunehmend repressive deutsche bzw. EU-Fl\u00fcchtlingspolitik. Am 4. Grenzcamp in Frankfurt haben bis zu 1.500 Menschen teilgenommen. Im Mittelpunkt stand insbesondere der Frankfurter Flughafen als gr\u00f6\u00dfter Abschiebeflughafen Deutschlands. 2002 gab es mehrere Camps mit antirassistischem Fokus, unter anderem die Land-in-Sicht-Tage in Hamburg gegen \u201aAutorit\u00e4re Formierung\u2019 und das 5. Grenzcamp in Jena, auf welchem erstmalig die Probleme in der politischen Zusammenarbeit zwischen Fl\u00fcchtlingen, MigrantInnen und Menschen ohne Flucht- und Migrationshintergrund n\u00e4her beleuchtet wurden. Das Grenzcamp wird getragen von Gruppen und Einzelpersonen aus dem undogmatisch-linksradikalen Spektrum, von selbstorganisierten Fl\u00fcchtlingen und MigrantInnen (The Voice und andere), von Menschen aus dem kein mensch ist illegal-Netzwerk, etc.<\/p>\n<h3>Kleines K\u00f6ln-ABC<\/h3>\n<p>K\u00f6ln liegt am Rhein, knapp 100 km von der belgisch-niederl\u00e4ndischen Grenze entfernt. Gerne pr\u00e4sentiert sich die Stadt als weltoffen und multikulturell. Immerhin haben ca 20 Prozent der knapp 1 Millionen K\u00f6lnerInnen einen migrantischen Hintergrund, h\u00e4ufig in 2. oder 3. Generation. Unterm Strich entpuppt sich K\u00f6ln jedoch als genauso rassistisch wie jede andere Stadt auch. Erw\u00e4hnt seien nur die gezielte Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen auf Container-Schiffen, die Stigmatisierung bestimmter MigrantInnen-Kinder als kriminelle Gangs durch gro\u00dfe Teile der lokalen Presse oder die rechtsradikale \u201cB\u00fcrgerbewegung\u201d ProK\u00f6ln. K\u00f6ln ist desweiteren nicht nur Industrie-, sondern auch Medien- und Wissenschaftsstandort. Die sozialen Gegens\u00e4tze sind dementsprechend gro\u00df. Politisch ist K\u00f6ln jahrzehntelange in sozialdemokratischer Hand gewesen. Nach zahlreichen Korruptionsskandalen hat K\u00f6ln heute als bislang einzige Gro\u00dfstadt in Deutschland eine konservativ-gr\u00fcne Stadtregierung. AktivistInnen sollten sich auch notieren, dass K\u00f6ln insbesondere im Sommer zum Tummelplatz f\u00fcr TouristInnen wird &#8211; schlie\u00dflich d\u00fcrfte sich hieraus so manches Aktionsfeld ergeben.<\/p>\n<h3>Praktisches<\/h3>\n<p>JedeR von euch sollte nach M\u00f6glichkeit Zelt, Schlafsack und einen Campbeitrag von 10-15 Euro mitbringen. Auf dem Camp wird es einen FrauenLesben-Zeltbereich geben. F\u00fcrs Essen sorgen Volksk\u00fcchen &#8211; mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung durch Euch! Moderierte Plena finden t\u00e4glich statt, und auch warten auf euch ein Infozelt, eine Pressegruppe, eine Willkommensgruppe, ein Internet-Zelt und vieles mehr. Der genaue Ort f\u00fcr die Campwiese steht noch nicht fest.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Auftaktforum wird es einen eigenst\u00e4ndigen Aufruf geben &#8211; inkl. ausf\u00fchrlichem Workshop-Programm und Reader. Das Forum findet voraussichtlich in der Fachhochschule K\u00f6ln-Deutz statt. Wer einen Workshop o.\u00e4. anbieten m\u00f6chte, ist herzlich willkommen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr globale Bewegungsfreiheit. Verwertungslogik und rassistische Ausgrenzung angreifen! Rund um den Globus machen sich t\u00e4glich unz\u00e4hlige Menschen auf den Weg. Sie wandern in die St\u00e4dte, die Nachbarstaaten oder die reichen Industriel\u00e4nder, h\u00e4ufig mit Unterst\u00fctzung eigener Community-Netzwerke oder professioneller SchleuserInnen. Die Einen fliehen vor Krieg, Verfolgung oder Diskriminierung, Andere handeln aus \u00f6konomischer Not: Sie sind ihrer &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2003\/06\/out-of-control\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Out of control - graswurzelrevolution","description":"F\u00fcr globale Bewegungsfreiheit. 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