{"id":12383,"date":"2004-12-09T00:00:40","date_gmt":"2004-12-08T22:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12383"},"modified":"2022-07-26T13:11:47","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:47","slug":"kompetenzverbund-kerntechnik-forscht-weiter-an-hochtemperaturreaktoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/12\/kompetenzverbund-kerntechnik-forscht-weiter-an-hochtemperaturreaktoren\/","title":{"rendered":"&#8222;Kompetenzverbund Kerntechnik&#8220; forscht weiter an Hochtemperaturreaktoren"},"content":{"rendered":"<p>Hierbei setzt sie ausgerechnet auf die Zusammenarbeit und Weiterentwicklung von Strukturen, die die rotgr\u00fcne Bundesregierung neu geschaffen hat, um die Nutzung dieser gef\u00e4hrlichen Energieform die n\u00e4chsten Jahrzehnte auslaufen zu lassen. Das Zeitfenster sieht demnach fogenderma\u00dfen aus: Bis mindestens 2022 sind noch Atomkraftwerke in Deutschland in Betrieb, wahrscheinlich wegen der gegenseitigen Anrechnung der Restlaufzeiten noch viel l\u00e4nger. Dar\u00fcberhinaus gibt es f\u00fcr die Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente , den Anlagenr\u00fcckbau und &#8222;Entsorgung&#8220; und Endlagerung der radioaktiven Abf\u00e4lle noch jahrzehntelang Bedarf an Fachleuten.<\/p>\n<p>Aus diesem Grunde hat die rotgr\u00fcne Bundesregierung im Herbst 1999 eine Evaluierungskommission eingesetzt, die darauf achten sollte, dass flei\u00dfig im Atomenergiebereich weitergeforscht und -gelehrt wird, damit das Know-how auf diesem Gebiet in Zukunft erhalten bleibt. Im Jahre 2000 kam diese Kommission naturgem\u00e4ss in ihrem Abschlussbericht zu der Empfehlung, dass der &#8222;Schutzauftrag staatlicher Vorsorge&#8220; nur dann erf\u00fcllt werden kann, wenn mehr f\u00fcr den &#8222;Kompetenzerhalt in kerntechnischer Sicherheit&#8220; getan w\u00fcrde!<\/p>\n<p>Die rotgr\u00fcne Bundesregierung reagierte auf die W\u00fcnsche der Atomindustrie sofort und richtete am 16. M\u00e4rz 2000 den &#8222;Kompetenzverbund Kerntechnik&#8220; ein, um die Zusammenarbeit der Forschungseinrichtungen zu intensivieren. Dieser Verbund besteht aus:<\/p>\n<ul>\n<li>Forschungszentrum J\u00fclich (RWTH Aachen, FH Aachen\/J\u00fclich)<\/li>\n<li>Forschungszentrum Karlsruhe (Uni Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart)<\/li>\n<li>Forschungszentrum Rossendorf (TU Dresden, FH Zittau\/G\u00f6rlitz)<\/li>\n<li>Gesellschaft f\u00fcr Anlagen- und Reaktorsicherheit (TU M\u00fcnchen)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenige Monate sp\u00e4ter schlugen die Mitglieder des Verbundes Alarm und sagten einen Abbau der Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr das Fachpersonal von 16.500 auf 13.000 voraus (atw 6\/2004). Besonders dramatisch sei der R\u00fcckgang an kerntechnisch orientierten Hochschulabsolventen, was zu einem reduzierten Lehrangebot an den Hochschulen gef\u00fchrt habe.<\/p>\n<p>Besonders schwer im Magen lag den Atomfreunden der anstehende altersbedingte Abgang des HTR-Spezialisten Prof. Kugeler bei der RWTH Aachen und beim Forschungszentrum J\u00fclich. Dieses Problem wird zur Zeit durch die Einrichtung einer Stiftungsprofessur gel\u00f6st (atw 6\/2004).<\/p>\n<p>Der zweimal j\u00e4hrlich tagende &#8222;Kompetenzverbund Kerntechnik&#8220; steckt sich mittlerweile ehrgeizige Ziele. Er h\u00e4lt &#8222;eine gezielte Werbeinitiative f\u00fcr notwendig, um Top-Studenten f\u00fcr nukleare Sicherheitsforschung zu gewinnen&#8220;. Spezielle Workshops, Bereitstellung von Doktorandenstellen, Kolloquien &#8222;Perspektiven der Kerntechnik&#8220;, Aufbau einer virtuellen Europ\u00e4ischen Nuklearuniversit\u00e4t &#8211; das alles ist schon geschaffen worden. Ab dem Wintersemester 2004\/05 wurde an der Technischen Uni M\u00fcnchen ein v\u00f6llig neuer Kurs zur Kerntechnik eingerichtet.<\/p>\n<p>Da es zur Zeit nicht immer ganz so einfach ist, von der rotgr\u00fcnen Bundesregierung Geld f\u00fcr atomare Forschungsprojekte zu erhalten, werden \u00fcber sogenannte Drittmittel der Atomindustrie Doktorandenstellen geschaffen. Bei diesem &#8222;Patenschafts&#8220;-Konzept &#8222;finanzieren einzelne Betreiber und Hersteller (Framatome ANP) qualifizierte Hochschulabsolventen als Doktoranden&#8220; gleich selbst und verpflichten diese f\u00fcr die Zukunft, in dem entsprechenden Konzern zu arbeiten.<\/p>\n<p>Trotz &#8222;Atomausstieg&#8220; ist auf diese Weise eine unbegrenzte Weiterforschung in allen nuklearen Bereichen in Zukunft m\u00f6glich, wie die Atomindustrie selbst zugibt: &#8222;In seiner Stellungnahme vom 16. Juli 2003 an das BMWA (Wirtschaftsministerium, H. B.) h\u00e4lt der Kompetenzverbund eine Mitwirkung deutscher Wissenschaftler aus \u00f6ffentlich gef\u00f6rderten Forschungseinrichtungen an Generation IV und vergleichbaren internationalen Projekten f\u00fcr notwendig, um sich an dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik zu orientieren und die \u00dcbertragbarkeit innovativer Sicherheitsans\u00e4tze f\u00fcr zuk\u00fcnftige Reaktoren und weiterer &#8218;Spin-offs\u2018 auf bestehende Reaktoranlagen in Deutschland \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen. Da sich diese Einschr\u00e4nkung allerdings nur auf diejenigen Mitarbeiter, die aus \u00f6ffentlichen Mitteln bezahlt werden bezieht, wurden M\u00f6glichkeiten der externen Finanzierung gepr\u00fcft. Im Ergebnis k\u00f6nnen die \u00fcber die Betreiber und Hersteller finanzierten Doktoranden genau diese attraktiven Themen bearbeiten.&#8220;!<\/p>\n<p>Durch den Einsatz eigener, keiner gesellschaftlichen Kontrolle unterstehender Finanzmittel kann die Atomindustrie einfach bestehende Ausstiegsgesetze ignorieren und auf internationaler Ebene an der Entwicklung des Very-High-Temperature Reactor System (VHTR) mitarbeiten. Die atw sagt es in ihrer Ausgabe 6\/2004 ganz offen: &#8222;Somit k\u00f6nnen &#8211; wenn auch \u00fcber einen komplizierten Umweg &#8211; zumindest teilweise auf Sicherheitskonzepte zuk\u00fcnftiger Anlagen im Ausland Einfluss genommen werden und evtl. neue Erkenntnisse auf eine Anwendbarkeit in Deutschland \u00fcberpr\u00fcft werden.&#8220;<\/p>\n<p>Bereits in seinem Bericht vom 9. Juli 2003 hat sich der Kompetenzverbund Kerntechnik&#8220; auf Seite 77 f\u00fcr die Jahre 2002 bis 2006 eindeutig f\u00fcr die weitere Forschung an Hochtemperaturreaktoren ausgesprochen: &#8222;Ziel der Arbeiten zu Hochtemperaturreaktoren ist der Erhalt einer Mindestkompetenz f\u00fcr die Beobachtung, Bewertung und Einflussnahme auf die Sicherheitsphilosophie zu modularen Hochtemperaturreaktor-Projekten, die aktuell in anderen L\u00e4ndern durchgef\u00fchrt werden. Dazu werden wissenschaftliche Beitr\u00e4ge zur Nutzung der dem modularen HTR innewohnenden Sicherheitseigenschaften mit industrieller Unterst\u00fctzung durchgef\u00fchrt.&#8220; Wenn also im Jahre 2006 die neue CDU\/FDP-Bundesregierung im Amt sein sollte, kann sie sich bei der alten Rotgr\u00fcnen f\u00fcr den atomaren &#8222;Kompetenzerhalt&#8220; bedanken und konsequent an der Realisierung neuer Hochtemperaturreaktoren weiterarbeiten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hierbei setzt sie ausgerechnet auf die Zusammenarbeit und Weiterentwicklung von Strukturen, die die rotgr\u00fcne Bundesregierung neu geschaffen hat, um die Nutzung dieser gef\u00e4hrlichen Energieform die n\u00e4chsten Jahrzehnte auslaufen zu lassen. Das Zeitfenster sieht demnach fogenderma\u00dfen aus: Bis mindestens 2022 sind noch Atomkraftwerke in Deutschland in Betrieb, wahrscheinlich wegen der gegenseitigen Anrechnung der Restlaufzeiten noch viel &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/12\/kompetenzverbund-kerntechnik-forscht-weiter-an-hochtemperaturreaktoren\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\"Kompetenzverbund Kerntechnik\" forscht weiter an Hochtemperaturreaktoren - graswurzelrevolution","description":"Hierbei setzt sie ausgerechnet auf die Zusammenarbeit und Weiterentwicklung von Strukturen, die die rotgr\u00fcne Bundesregierung neu geschaffen hat, um die Nutzung"},"footnotes":""},"categories":[12,26,1039],"tags":[],"class_list":["post-12383","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-news","category-okologie","category-quergestellt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12383","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12383"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12383\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12383"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12383"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12383"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}