{"id":12397,"date":"2008-04-20T00:00:11","date_gmt":"2008-04-19T22:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12397"},"modified":"2022-07-26T13:56:44","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:44","slug":"keine-abschiebungen-in-den-irak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/04\/keine-abschiebungen-in-den-irak\/","title":{"rendered":"Keine Abschiebungen in den Irak"},"content":{"rendered":"<p>Die Lage im Irak ist seit Jahren durch anhaltende und allt\u00e4gliche                 Gewalt, schwerste Menschenrechtsverletzungen sowie wirtschaftliche,                 rechtliche und politische Instabilit\u00e4t gekennzeichnet. Opfer der                 Gewalttaten werden vor allem Zivilisten, f\u00fcr deren Sicherheit                 der Staat in keinem Landesteil garantieren kann. Verantwortliche                 f\u00fcr Gewalttaten gehen straffrei aus, zumal Polizeieinheiten selbst                 oft von gewaltt\u00e4tigen Milizen unterwandert sind. Seit 2003 ist                 keine durchgreifende Verbesserung der Sicherheitslage erreicht                 worden. Die zentralen Konflikte sind ungel\u00f6st und Unrechtsgesetze                 aus der Saddam-Zeit nicht abgeschafft. Eine Grundversorgung mit                 sauberem Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Nothilfe besteht                 nicht. Vor diesem Hintergrund sind seit Kriegsende \u00fcber vier Millionen                 Menschen aller Bev\u00f6lkerungsgruppen und s\u00e4mtlicher Konfessionen                 aus dem Irak und innerhalb des Irak geflohen. Der UNHCR rechnet                 mit 2,2 Millionen Binnenvertriebenen innerhalb des Irak. Die Kapazit\u00e4ten                 zur Aufnahme der Binnenfl\u00fcchtlinge sind daher l\u00e4ngst \u00fcberschritten.                 Fast zwei Millionen Fl\u00fcchtlinge halten sich alleine in Syrien                 und Jordanien auf. Nur ein geringer Teil der Irak-Fl\u00fcchtlinge                 ist nach Europa geflohen. In Deutschland halten sich insgesamt                 rund 73.000 Irakerinnen und Iraker auf, viele von ihnen sind jedoch                 bereits vor dem Krieg geflohen.<\/p>\n<p>In dieser Situation sollte eine gro\u00dfz\u00fcgige Aufnahmebereitschaft                 gegen\u00fcber irakischen Fl\u00fcchtlingen eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit                 seien. Doch das Gegenteil ist der Fall. Seit 2003 wurden mehr                 als 22.000 Widerrufsverfahren gegen Irakerinnen und Iraker eingeleitet.                 In ca. 20.000 F\u00e4llen wurde der Fl\u00fcchtlingsstatus widerrufen. Dieses                 Vorgehen ist einzigartig in Europa. Soweit die Betroffenen kein                 anderweitiges Aufenthaltsrecht erhalten haben, leben sie seither                 meist mit dem unsicheren Status der Duldung und allen daraus resultierenden                 Konsequenzen, wie dem Verlust der Arbeit, bzw. der Arbeitserlaubnis                 und damit verbunden oft auch dem Verlust der Wohnung. Viele Betroffene                 m\u00fcssen in eine der Asylunterk\u00fcnfte zur\u00fcckkehren und ihnen wird                 formal die Abschiebung angedroht. Mittlerweile hat zwar das Bundesinnenministerium                 per Weisung neue Widerrufsverfahren eingeschr\u00e4nkt, doch in den                 letzten f\u00fcnf Jahren ist eine auswegslose Situation geschaffen                 worden, die tausende Iraker auf Jahre hinweg in ein perspektivloses                 Leben mit Kettenduldungen treibt. F\u00fcr alle, deren Asyl widerrufen                 oder denen es nie gew\u00e4hrt wurde, gibt es fast keine Zukunftsperspektive                 in Deutschland, zur\u00fcck in den Irak k\u00f6nnen sie jedoch auch nicht.                 Statt diese Realit\u00e4t zu akzeptieren und Aufenthaltserlaubnisse                 zu erteilen, werden irakische Fl\u00fcchtlinge durch den Angstzustand                 Duldung zur \u201efreiwilligen Ausreise\u201c getrieben. \u00dcber 8.000 IrakerInnen                 wurde bereits die Abschiebung angedroht, sie leben auf Abruf in                 Deutschland. Tats\u00e4chlich sind die IrakerInnen in Deutschland zutiefst                 verunsichert und f\u00fchren ein Leben in Angst vor der Abschiebung                 und damit in Angst um ihr Leben. Zum Teil kehren sie aufgrund                 der Abschiebungsandrohungen schon jetzt in den Irak zur\u00fcck und                 begeben sich damit in gro\u00dfe Gefahr.<\/p>\n<p>Zwar gibt es zurzeit keine massenhaften Abschiebungen, 2007 starteten                 jedoch bereits die ersten Abschiebungen in den Nordirak. Grundlage                 hierf\u00fcr ist ein Beschluss der Innenministerkonferenz vom 17.11.2006,                 in dem die R\u00fcckf\u00fchrung von irakischen Straft\u00e4tern beschlossen                 wurde. Abgeschoben werden sollen jedoch nicht nur Schwerkriminelle,                 wie teilweise behauptet wird: Schon bei geringen Geldstrafen von                 50 Tagess\u00e4tzen sind Abschiebungen m\u00f6glich. Auch bei Straft\u00e4tern                 sind die deutschen Beh\u00f6rden dazu verpflichtet, den Hinweis des                 UNHCR zu beachten, niemanden gegen seinen Willen und ohne eine                 aufnahmebereite und -f\u00e4hige Familie in den Irak abzuschieben.                 Es ist zu bef\u00fcrchten, dass die Abschiebung von Straft\u00e4tern nur                 den demonstrativen Einstieg darstellen und die \u00d6ffentlichkeit                 darauf vorbereiten soll, dass Irak-Abschiebungen k\u00fcnftig auch                 auf andere Personen ausgeweitet werden.<\/p>\n<p>Deshalb fordern die Unterzeichnenden: <\/p>\n<ul>\n<li> Einen sofortigen Abschiebungsstopp f\u00fcr Irakerinnen und Iraker.<\/li>\n<li> Die R\u00fccknahme des IMK-Beschlusses zur Abschiebung von Irakern                   vom 17.11.2006<\/li>\n<li> Irakische Fl\u00fcchtlinge m\u00fcssen eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.<\/li>\n<li> Bei Asylwiderrufen muss zumindest subsidi\u00e4rer Schutz gew\u00e4hrleistet                   werden.<\/li>\n<li> Angesichts der humanit\u00e4ren Katastrophe in den Fl\u00fcchtlingslagern                   der Nachbarl\u00e4nder des Iraks darf Europa seine Grenzen nicht                   verschlie\u00dfen. Wir fordern Hilfe f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge und die                   Aufnahmel\u00e4nder Syrien und Jordanien sowie die Aufnahme irakischer                   Fl\u00fcchtlinge auch in Deutschland.<\/li>\n<\/ul>\n<p>ErstunterzeichnerInnen: Pro Asyl, Bayerischer Fl\u00fcchtlingsrat,                 Jugendliche Ohne Grenzen &#8211; Bayern, amnesty international m\u00fcnchen                 \/ AK Asyl, BI Asyl Regensburg, Karawane f\u00fcr die Rechte der Fl\u00fcchtlinge                 und MigrantInnen &#8211; M\u00fcnchen, M\u00fcnchener Fl\u00fcchtlingsrat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lage im Irak ist seit Jahren durch anhaltende und allt\u00e4gliche Gewalt, schwerste Menschenrechtsverletzungen sowie wirtschaftliche, rechtliche und politische Instabilit\u00e4t gekennzeichnet. Opfer der Gewalttaten werden vor allem Zivilisten, f\u00fcr deren Sicherheit der Staat in keinem Landesteil garantieren kann. 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