{"id":12484,"date":"2013-06-01T00:00:39","date_gmt":"2013-05-31T22:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12484"},"modified":"2013-08-23T13:30:55","modified_gmt":"2013-08-23T11:30:55","slug":"die-einschlaege-ruecken-naeher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/06\/die-einschlaege-ruecken-naeher\/","title":{"rendered":"Die Einschl\u00e4ge r\u00fccken n\u00e4her"},"content":{"rendered":"<p><b>Liebe Leserinnen und Leser,<\/b><\/p>\n<p>einige von Euch haben in der Redaktion angerufen und gefragt, wo denn die GWR bleibt.<\/p>\n<p>Nun, wir hatten beim letzten GWR-HerausgeberInnentreffen in Freiburg beschlossen, den GWR 380-Drucktermin auf den 10. Juni zu verschieben, damit wir in ihr noch \u00fcber die Blockupy-Aktionen berichten k\u00f6nnen (s. Seite 5f.).<\/p>\n<p>In der GWR 379 hatte ich im Editorial angek\u00fcndigt, dass wir \u00fcberlegen, zur Bundestagswahl wieder ein vierseitiges, parlamentarismuskritisches GWR-Extrablatt herauszubringen. Die Vorbestellungen daf\u00fcr hielten sich aber in Grenzen. Auch bei der gelungenen, gut besuchten Libert\u00e4ren Buchmesse im April in Mannheim war die Nachfrage nach einem angek\u00fcndigten Wahlkritik-Extrablatt eher verhalten. Deshalb hat der GWR-HerausgeberInnenkreis beschlossen, stattdessen in der GWR 380 und der Ende August erscheinenden GWR 381 Schwerpunkte zum Thema Parlamentarismuskritik zu bringen und Euch zur Vertiefung ins Thema die 1994 erschienene, aber immer noch aktuelle 100seitige GWR-Sondernummer &#8222;Wer w\u00e4hlt, hat die eigene Stimme bereits abgegeben&#8220; zu empfehlen (s. Seite 9).<\/p>\n<p>Die GWR 380 bietet Gegen\u00f6ffentlichkeit und Bewegungsberichte aus der T\u00fcrkei, aus Russland, Griechenland, Zypern, Venezuela, \u00d6sterreich und Deutschland. Trotz Mehrkosten haben wir den Umfang erneut auf 24 Seiten ausgedehnt, auch um Euch f\u00fcr die lange Sommerpause Buchempfehlungen an die Hand zu geben.<\/p>\n<h3>Tabu<\/h3>\n<p>Themen, die auch in anarchistischen Kreisen gerne verdr\u00e4ngt werden, sind Tod und Trauer.<\/p>\n<p>Dabei kommen auch im Freundeskreis der GWR die &#8222;Einschl\u00e4ge&#8220; in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden. Vor wenigen Wochen sind Sigrid Brodrecht vom GWR-Vertrieb und Dieter Poschen, Redakteur der befreundeten <i>Contraste<\/i>, gestorben. ((1))<\/p>\n<p>Im Mai ist Lutz Schulenburg gestorben, mit dem ich seit \u00fcber 20 Jahren befreundet war (siehe Nachruf auf Seite 17). Das macht mich traurig.<\/p>\n<p>Am 18. Mai ist mit Ernst Klee (* 15. M\u00e4rz 1942) ein weiterer Freund der Graswurzelrevolution gestorben. Die GWR und der Freundeskreis Paul Wulf hatten diesen bedeutenden antifaschistischen Autor und Forscher im November 1999 zur Ged\u00e4chtnisveranstaltung f\u00fcr den von den Nazis 1938 zwangssterilisierten Anarchisten Paul Wulf (1921 &#8211; 1999) in das M\u00fcnsteraner Caf\u00e9 <i>Die Weltb\u00fchne<\/i> eingeladen.<\/p>\n<p>Seitdem habe ich Ernst Klee leider nicht mehr pers\u00f6nlich getroffen. Seinen Text f\u00fcr das 2007 vom Freundeskreis Paul Wulf im Verlag Graswurzelrevolution herausgegebene Buch &#8222;Lebensunwert? Paul Wulf und Paul Brune. NS-Psychiatrie, Zwangssterilisierung und Widerstand&#8220; konnten wir leider nicht ins Buch nehmen, weil er das Manuskript der von uns transkribierten Rede nicht abgesegnet hat und wir nach mehreren Jahren nicht noch l\u00e4nger auf seine \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge warten wollten. \u00dcber Klees bewegenden Vortrag bei der Paul-Wulf-Ged\u00e4chtnisveranstaltung schrieb Norbert Eilinghoff im Januar 2000 in der GWR 245 treffend: &#8222;Er hat sich wie nur wenige mit der Geschichte der deutschen Psychiatrie vor und w\u00e4hrend der Nazi-Zeit besch\u00e4ftigt und die &#8218;Euthanasie&#8216;-Verbrechen erforscht. Er stellt fest, dass die deutsche Psychiatrie nicht von den Nazis missbraucht wurde: &#8218;die deutsche Psychiatrie brauchte die Nazis.&#8216; Mit den Nazis wurde es ihr m\u00f6glich, das umzusetzen, was sie schon seit Jahrzehnten gefordert hatte. Mit den Nazis waren jene an die Macht gekommen, die gewillt waren, &#8218;Rassenhygiene&#8216; und &#8218;Erbpflege&#8216; zu verwirklichen. Gesellschaftliche Gruppen wie z. B. die Kirchen und die Gewerkschaften hatten ihre M\u00e4rtyrerInnen, hinter denen sie sp\u00e4ter ihre Schuld verstecken konnten; die deutsche Psychiatrie hatte keine M\u00e4rtyrerInnen.<\/p>\n<p>Es ist sehr still, w\u00e4hrend Klee das System der &#8218;Euthanasie&#8216;-Verbrechen und ihrer wissenschaftlichen Legitimierung erkl\u00e4rt. Und diese endeten 1945 nicht; noch bis 1947\/48 ging das Morden in den Anstalten weiter. Das Personal setzte in der BRD seine Karrieren fort. Klee beantwortet die Frage, was das f\u00fcr eine Stadt gewesen sei, in der Paul Wulf nach dem Kriege lebte, mit welchen Menschen er hier u. a. umgeben war. Es folgt eine nicht enden wollende Liste von Leuten, die bei den Nazis als Rasseforscher und -hygieniker, als Selektierer und &#8218;Euthanasie&#8216;-Verbrecher t\u00e4tig waren und dann in M\u00fcnster bei Beh\u00f6rden oder an der Uni unterkamen.<\/p>\n<p>Viele Opfer der Nazis sahen sich sp\u00e4ter mit denselben Gutachtern konfrontiert und mussten sich ein zweites Mal dem\u00fctigen lassen.&#8220;<\/p>\n<p>Wolfgang Haug erinnert auf Seite 19 der GWR 380 an Ernst Klee.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Euch und uns einen hei\u00dfen Sommer der Anarchie,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leserinnen und Leser, einige von Euch haben in der Redaktion angerufen und gefragt, wo denn die GWR bleibt. Nun, wir hatten beim letzten GWR-HerausgeberInnentreffen in Freiburg beschlossen, den GWR 380-Drucktermin auf den 10. Juni zu verschieben, damit wir in ihr noch \u00fcber die Blockupy-Aktionen berichten k\u00f6nnen (s. Seite 5f.). 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