{"id":12497,"date":"2013-06-01T00:00:15","date_gmt":"2013-05-31T22:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12497"},"modified":"2022-07-26T14:12:12","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:12","slug":"die-linke-alternative-fuer-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/06\/die-linke-alternative-fuer-deutschland\/","title":{"rendered":"Die Linke: Alternative f\u00fcr Deutschland?"},"content":{"rendered":"<p>Offensichtlich kann nicht bei allen Linksparteiw\u00e4hlerInnen ein                 Mindestma\u00df an kritischem und antinationalem Bewusstsein vorausgesetzt                 werden. Anstatt sich Gedanken zu machen, wie dieser Missstand                 behoben werden k\u00f6nnte, unterst\u00fctzt Lafontaine populistische, nationalstaatliche                 Krisenbew\u00e4ltigungsstrategien. <\/p>\n<p>Diese rechtspopopulistischen Positionen sind allerdings bei ihm                 nichts Neues. Er warnte bereits in der Vergangenheit vor &#8222;Fremdarbeitern&#8220;,                 beteiligte sich noch als SPD-Politiker an der Abschaffung des                 Asylrechts und kooperierte mit der <i>Bild<\/i>-Zeitung.<\/p>\n<h3>&#8222;Linke&#8220; Steilvorlage f\u00fcr die Rechte<\/h3>\n<p>Mit seinen Euro-Ausstiegsphantasien und seiner Forderung nach                 der schrittweisen Wiedereinf\u00fchrung von nationalstaatlichen W\u00e4hrungen                 demonstriert er ungeniert seine Anschlussf\u00e4higkeit an die rechte                 EU-Kritik der &#8222;Alternative f\u00fcr Deutschland&#8220;. Flankiert wird dieser                 Vorsto\u00df durch ein von der Linkspartei in Auftrag gegebenes hochwissenschaftliches                 Gutachten auf Englisch von Heiner Flassbeck ((2)),                 in dem die Bedingungen eines Euro-Ausstiegs diskutiert und durchgerechnet                 werden.<\/p>\n<p>Der ehemalige sozialdemokratische Professor Wilhelm Hankel, der                 neuerdings in extrem rechten Medien wie der <i>National-Zeitung<\/i>,                 der verschw\u00f6rungstheoretischen <i>Neuen Solidarit\u00e4t<\/i> (B\u00dcSO)                 und der <i>Jungen Freiheit<\/i> publiziert, greift Lafontaines                 Steilvorlage begierig auf und diskutiert teils zustimmend die                 eurokritische Wendung Lafontaines: &#8222;Die ausufernde Staatsschuldenkrise                 (&#8230;) zwinge sie zu permanenten Regelverst\u00f6\u00dfen gegen Statut, Aufgabe                 und Auftrag. Mit dem Verlust ihrer Glaubw\u00fcrdigkeit gef\u00e4hrde sie                 jedoch die des Euro. Wie wahr&#8220; ((3)).               <\/p>\n<p>Im Infok\u00e4stchen zum Artikel befindet sich ein Link auf die Seite                 der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Wann hat es so viel positive Zuwendung                 in der rechten <i>Jungen Freiheit<\/i> f\u00fcr Die Linke schon mal                 gegeben? <\/p>\n<p>Festzuhalten ist, dass eine komplizierte und differenzierte Fachdebatte                 \u00fcber W\u00e4hrungsfragen und schrittweisen Euro-Ausstieg f\u00fcr viele                 Menschen nur schlecht nachvollziehbar ist. Die Wahrscheinlichkeit,                 dass rechte PopulistInnen dieses Thema mit ihrer simplen Euro-abschaffen-Rhetorik                 dauerhaft f\u00fcr ihre nationalistischen Ziele besetzen, ist gro\u00df.<\/p>\n<p>Zu allem \u00dcberfluss empfahl vor wenigen Monaten Sahra Wagenknecht                 ihrer Partei, sich am Vorbild des fr\u00fcheren CDU-Wirtschaftsministers                 Ludwig Erhard und den &#8222;wahren&#8220; Werten der sozialen Marktwirtschaft                 zu orientieren ((4))! Wie tief                 wird diese Partei denn noch sinken, wenn sie sogar die verstaubten                 kapitalistischen Utensilien von vorgestern aus der ideologischen                 Mottenkiste heraus kramt?<\/p>\n<h3>Die gro\u00dfe Ratlosigkeit<\/h3>\n<p>Sieht man sich die Wahlergebnisse und Prognosen an, zeigt sich                 ein f\u00fcr die Linkspartei deprimierendes Bild: 2002 (4 %), 2005                 (8,7 %), 2009 (11,9%), im September 2013 sind vielleicht 7 % zu                 erwarten. Zehn Jahre nach der Einf\u00fchrung der Agenda 2010 mit ihren                 drastischen negativen Konsequenzen f\u00fcr abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte und                 Arbeitslose stagniert diese Partei nach einem kurzen H\u00f6henflug                 auf niedrigem Niveau.<\/p>\n<p>Im letzten Jahrzehnt hat die Linke sich damit begn\u00fcgt, als mechanistische                 Durchreiche von Forderungen der Basis ins Parlament zu funktionieren,                 anstatt f\u00fcr ihre Ziele mit unkonventionellen Initiativen und Aktionen                 zu k\u00e4mpfen. Mit der voraussehbaren Ablehnung ihrer Forderungen                 durch die vorhandenen Mehrheiten nimmt sie Erfolglosigkeit und                 Frustration ihrer Anh\u00e4ngerInnen und W\u00e4hlerInnen in Kauf. \u00dcbrig                 bleibt ein sich abstrampelnder Parteipolitiker im Hamsterrad mit                 der wenig motivierenden klagenden Botschaft &#8222;auf uns h\u00f6rt ja keiner!&#8220;.                 Der wahlstimmenschluckende Kummerkasten Linkspartei hat bei vielen                 Menschen ausgedient.<\/p>\n<p>Lafontaine und Co. sind mit ihrem Latein am Ende. Jahrelang tingelten                 sie mit der Botschaft &#8222;Emp\u00f6rt euch und w\u00e4hlt uns!&#8220; durch die Lande.                 Doch bei der n\u00e4chsten Bundestagswahl im September l\u00e4uft das Wahlvolk                 m\u00f6glicherweise anderen Populisten und Parteien nach. Resignation                 und Verzweiflung machen sich breit. Warum es jetzt nicht mal mit                 einigen zweideutigen Botschaften versuchen, um so zus\u00e4tzlich bei                 einigen rechten EU-\u00dcberdr\u00fcssigen zu punkten und dem Erfolg ein                 wenig auf die Spr\u00fcnge zu helfen?<\/p>\n<h3>Wie geht Widerstand?<\/h3>\n<p>Vor lauter Aufregung \u00fcber Oskars EU-Thesen ger\u00e4t innerhalb dieser                 Partei in den Hintergrund, dass Widerstand gegen neoliberale Politik                 nicht einfach auf einem Wahlzettel angekreuzt oder durch populistische                 RednerInnen ausgerufen werden kann, sondern europaweit ganz unten                 in Basisinitiativen einge\u00fcbt, gelebt und geb\u00fcndelt wird. Und erst                 dann den notwendigen Druck f\u00fcr Ver\u00e4nderungen entfaltet.<\/p>\n<p>Ob punktuelle Zugest\u00e4ndnisse von einer rechten oder linken Sozialdemokratie                 oder gar wie beim unvollkommenen &#8222;Atomausstieg&#8220; von einer Merkel-Regierung                 umgesetzt werden, ist erst einmal zweitrangig. Die Geschichte                 hat gezeigt, dass die schwankenden und innerlich zerrissenen Sozialdemokratien                 hierbei nicht zwangsl\u00e4ufig konsequenter sind als die klassischen                 konservativen Parteien.<\/p>\n<p>Am 15. Mai 2013 wurde ein von vielen linken, gr\u00fcnen und sozialdemokratischen                 PolitikerInnen aus \u00d6sterreich, BRD, Frankreich und Italien unterschriebener                 Aufruf &#8222;Europa geht anders&#8220; ((5))                 ver\u00f6ffentlicht, in dem u.a. &#8222;eine europ\u00e4ische Umverteilung des                 Reichtums durch faire Einkommen und h\u00f6here Gewinn- und Verm\u00f6gensbesteuerung&#8220;                 gefordert wird. &#8222;Uns ist eine einmalige Aktion gelungen&#8220; ((6)),                 nehmen die linken PolitikerInnen den Mund richtig voll und rufen                 uns zu: &#8222;Es ist Zeit aufzustehen, um Druck auf die Regierungen                 auszu\u00fcben&#8220;!<\/p>\n<p>Gut, dass wir unsere linken PolitikerInnen haben, damit sie uns                 sagen k\u00f6nnen, was wir tun m\u00fcssen ((7)).                 Von alleine w\u00e4ren wir nicht darauf gekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Offensichtlich kann nicht bei allen Linksparteiw\u00e4hlerInnen ein Mindestma\u00df an kritischem und antinationalem Bewusstsein vorausgesetzt werden. Anstatt sich Gedanken zu machen, wie dieser Missstand behoben werden k\u00f6nnte, unterst\u00fctzt Lafontaine populistische, nationalstaatliche Krisenbew\u00e4ltigungsstrategien. Diese rechtspopopulistischen Positionen sind allerdings bei ihm nichts Neues. 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