{"id":1254,"date":"1997-06-01T00:00:57","date_gmt":"1997-05-31T22:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1254"},"modified":"2022-07-26T13:34:13","modified_gmt":"2022-07-26T11:34:13","slug":"lesben-und-schwule-ins-militar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/06\/lesben-und-schwule-ins-militar\/","title":{"rendered":"Lesben und Schwule ins Milit\u00e4r?"},"content":{"rendered":"<p>In den USA und Gro\u00dfbritannien machen schwule Soldaten und lesbische Soldatinnen seit Jahren \u00d6ffentlichkeits- und Lobbyarbeit gegen Diskriminierung und f\u00fcr ihre Rechte im Milit\u00e4r. In einem b\u00fcrgerrechtlichen Verst\u00e4ndnis von Gleichberechtigung fordern sie ihre volle Gleichstellung innerhalb der Institution Milit\u00e4r. In den letzten Jahren sind diese Forderungen &#8211; zusammen mit der Forderung nach Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften &#8211; auch in der BRD st\u00e4rker geworden. Im September 1995 fand das erste Treffen schwuler Soldaten statt, bei dem es zwar um Diskriminierung und Gleichberechtigung im Milit\u00e4r ging, nicht jedoch um Sinn und Unsinn des &#8222;Dienstes am Vaterland&#8220;.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich der Auseinandersetzung um die Forderung nach Frauen ins Milit\u00e4r zeigt sich hier ein Widerspruch zwischen einem emanzipatorischen Ansatz, dem es um die Beseitung der Ursachen von Diskriminierung und dem Abbau von Herrschaftsstrukturen (Patriarchat und\/oder Heterosexismus) geht, und einem b\u00fcrgerlichen Ansatz rechtlicher Gleichstellung, der sich auf Chancengleichheit und Gleichberechtigung beruft und dabei zwar individuelle Diskriminierung kritisiert, aber Herrschaftsstrukturen ausblendet.<\/p>\n<p>Warum gerade Gleichberechtigung im Milit\u00e4r eingefordert wird &#8211; und auch noch f\u00fcr m\u00f6glich gehalten wird &#8211; bleibt mir dabei schleierhaft. Das Milit\u00e4r ist schlie\u00dflich der Inbegriff des (hetero-)sexistischen M\u00e4nnerbundes, ein Ort eindeutiger Hierarchien und einer aggressiven, militarisierten M\u00e4nnlichkeit, so da\u00df gerade hier eine Aufgeschlossenheit f\u00fcr Schwule und Frauen\/Lesben am wenigsten zu erwarten ist.<\/p>\n<p>Der Reiz, den das Milit\u00e4r auf Schwule aus\u00fcbt (bzw. aus\u00fcben kann), verweist dabei eher auf die Nicht-Auseinandersetzung mit M\u00e4nnlichkeit, Heterosexismus und mit patriarchalen Gewaltstrukturen auf Seiten der Schwulen, als auf Fortschritte in Sachen &#8218;gay liberation&#8216;. Die \u00dcberbetonung von M\u00e4nnlichkeit innerhalb eines Teiles der &#8218;gay community&#8216; als Gegenreaktion auf Diskriminierung f\u00fchrt hier zu einer Politik, die zur Festigung der gesellschaftlichen Gewaltstrukturen f\u00fchrt und h\u00f6chstens einige Schwule an die Fleischt\u00f6pfe des patriarchalen Staates bringt, an der Gesamtsituation jedoch nichts \u00e4ndert.<\/p>\n<p>Gleichzeitig zeigt diese Entwicklung aber auch, da\u00df die etablierten antimilitaristischen Gruppen die besondere Situation schwuler Wehrpflichtiger nicht im Blick haben. Ein offenes Zugehen auf schwule Kriegsdienstgegner gibt es i.d.R. nicht, es wird sich lediglich \u00fcber Schwule im Milit\u00e4r lustig gemacht (vgl. z.B. einen Beitrag in der tilt 3\/95) oder Unverst\u00e4ndnis \u00fcber Beschwerden ge\u00e4u\u00dfert. Der besonderen Probleme schwuler Wehrpflichtiger widmen sich daher in Berlin die &#8222;Schwulen Kriegsdienstgegner&#8220;, eine kleine Gruppe antimilitaristischer Schwuler, die versuchen, eine Br\u00fccke zwischen der &#8218;gay community&#8216; und Antimilitarismus zu schlagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den USA und Gro\u00dfbritannien machen schwule Soldaten und lesbische Soldatinnen seit Jahren \u00d6ffentlichkeits- und Lobbyarbeit gegen Diskriminierung und f\u00fcr ihre Rechte im Milit\u00e4r. In einem b\u00fcrgerrechtlichen Verst\u00e4ndnis von Gleichberechtigung fordern sie ihre volle Gleichstellung innerhalb der Institution Milit\u00e4r. 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