{"id":12583,"date":"1999-06-02T00:00:24","date_gmt":"1999-06-01T22:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12583"},"modified":"2022-07-26T14:26:27","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:27","slug":"nein-zu-bomben-krieg-vertreibung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1999\/06\/nein-zu-bomben-krieg-vertreibung\/","title":{"rendered":"Nein zu Bomben, Krieg, Vertreibung!"},"content":{"rendered":"<p>Das wilhelminische Deutschland hat 1914 Serbien                 angegriffen, die deutschen Nationalsozialisten haben Belgrad 1941                 bombardiert und nun beteiligt sich eine deutsche Armee zum dritten                 Mal in diesem Jahrhundert an einem Angriffskrieg gegen Jugoslawien!               <\/p>\n<p> Seit dem Ende des Ost-Westkonflikts und verst&auml;rkt durch                 den Golfkrieg der USA gegen den Irak hat sich eine &#8222;Neue Weltordnung&#8220;                 etabliert. Der globalisierte Kapitalismus hat viele Menschen so                 ver&auml;ndert, da&szlig; es mir schwer f&auml;llt, sie wiederzuerkennen.                 Viele ehemalige GenossInnen, die fr&uuml;her aktive AntimilitaristInnen                 waren, die Aktionen und Demonstrationen gegen jede Form von Kriegstreiberei                 gemacht haben, sind nun der herrschenden Kriegspropaganda aufgesessen.                 Viele Menschen plappern nach, was sie von Schr&ouml;der, Fischer,                 Scharping und Co. geh&ouml;rt haben. Weitgehend kritiklos glauben                 sie der Medienpolitik der NATO. Die Angriffe auf die Medienzentren                 in Belgrad wurden von der internationalen Journalistenvereinigung                 und Medienvertretern aller L&auml;nder verurteilt. Die NATO rechtfertigt                 die Angriffe mit der serbischen Propaganda. Macht die NATO keine                 Propaganda? Ist das Gleichsetzen Milosevics mit Hitler, das Gleichsetzen                 der &#8222;Serben&#8220; mit der SS, der serbischen Vertreibungspolitik mit                 der Vernichtungspolitik der nationalsozialistischen Deutschen                 keine Propaganda? Ist das nicht eine Verharmlosung des Holocaust?               <\/p>\n<p> Dient dieser Krieg nicht auch bestimmten Machtinteressen? Dient                 er nicht den Wirtschaftsinteressen z.B. der R&uuml;stungsindustrie?               <\/p>\n<p> Bringt er CNN und anderen kommerziellen Fernsehsendern nicht                 auch h&ouml;here Einschaltquoten und damit h&ouml;here Werbespot-Preise?               <\/p>\n<p> Wo sind die Berichte &uuml;ber die unz&auml;hligen Toten, die                 den 20.000 Bombenangriffen der NATO zum Opfer gefallen sind? Es                 sind weit mehr, als wir erfahren. Weder das jugoslawische Regime                 noch die NATO hat ein Interesse daran, die tats&auml;chliche Zahl                 bekannt zu geben. Denn die Wahrheit k&ouml;nnte einerseits die                 regimefreundliche Stimmung in der Bev&ouml;lkerung Jugoslawiens                 kippen und andererseits das orwellsche Reden von &#8222;Luftschl&auml;gen&#8220;                 und &#8222;chirurgischen Operationen&#8220; als verharmlosende Propaganda                 entlarven. Aber diese Art der Medienpolitik kennen wir ja schon                 aus dem Golfkrieg. Oder ist das schon vergessen?               <\/p>\n<p> Der NATO geht es nicht um Menschenrechte. Wo sind denn die Menschenrechte                 f&uuml;r die Millionen Kurden, die der NATO-Staat T&uuml;rkei                 vertrieben hat? Wo sind die Menschenrechte f&uuml;r die vielen                 Fl&uuml;chtlinge, die auch von der neuen rot-gr&uuml;nen Bundesregierung                 in Kriegsgebiete wie z.B. Kurdistan oder bis vor kurzem auch das                 Kosovo, abgeschoben werden?               <\/p>\n<p> Es scheint ein Ziel der NATO zu sein, die UNO zu entmachten                 und sich zum Herrscher der Welt zu machen. Dieses Ziel hat sie                 durch die Beseitigung des V&ouml;lkerrechts, durch den Angriffskrieg                 gegen Jugoslawien erreicht.               <\/p>\n<p> Das, was fr&uuml;her innerhalb der Linken Konsens war, ist heute                 eine Minderheitenposition. Der allmorgendliche Blick in die taz                 dreht mir den Magen um: wir AntimilitaristInnen werden als &#8222;n&uuml;tzliche                 Idioten&#8220;, als &#8222;Unterst&uuml;tzer des serbischen Regimes&#8220; diffamiert.                 Der eindimensionale Mensch feiert den Krieg als gerechten Feldzug                 der guten NATO gegen den b&ouml;sen faschistischen Diktator. Da&szlig;                 die nationalistischen Fanatiker aller Seiten durch den NATO-Krieg                 gest&auml;rkt werden, da&szlig; bei den barbarischen NATO-Bombardements                 Tausende Menschen sterben, da&szlig; der barbarische NATO-Krieg                 die barbarische Vertreibungspolitik der serbischen Nationalisten                 versch&auml;rft hat, das wird verdr&auml;ngt oder in Kauf genommen.                 Wer die Rolle der NATO und Bundeswehr analysiert und die Soldaten                 aller Armeen zur Desertion aufruft, wird eingesch&uuml;chtert.                 Aktuelle Beispiele: Am 21. April wurde das T&uuml;binger B&uuml;ro                 der Informationsstelle Militarisierung (IMI) von Polizeibeamten                 heimgesucht. Dem Graswurzel-Autor Tobias Pfl&uuml;ger wurde ein                 Schreiben mit einer polizeilichen Vorladung wegen der Aufforderung                 zu einer Straftat (\u00a7 111 StGB) &uuml;berreicht. Gegen Tobias wird                 wegen einer Ostermarschrede in M&uuml;nchen und wegen einer Rede                 in T&uuml;bingen (am 29. M&auml;rz) ermittelt. Tobias hat bei                 diesen Reden das gesagt, was er in der Graswurzelrevolution geschrieben                 hat, z.B. dies: &#8222;Die Kriegsmaschine l&auml;uft, Bundeswehrsoldaten                 sind h&ouml;chstwahrscheinlich zu M&ouml;rdern geworden.&#8220;               <\/p>\n<p> Auch gegen die Antimilitaristin Katja Polnik wird wegen einer                 Rede ermittelt, die sie am 10. April in T&uuml;bingen gehalten                 hatte. Begr&uuml;ndet werden die Verfahren mit dem Aufruf zur                 Fahnenflucht: &#8222;Fahnenflucht ist eine strafbare Handlung. Also                 darf auch niemand dazu aufrufen&#8220;, so der T&uuml;binger Staatsanwalt                 Ellinger.               <\/p>\n<p> Damit es nicht zur Kriminalisierung einzelner kommt, m&uuml;ssen                 sich viele Menschen gegen den Krieg stellen und ebenfalls die                 Soldaten aller Kriegsparteien zur Desertion auffordern.               <\/p>\n<p><h3>Gr&uuml;ne, SPD und PDS aus libert&auml;rer Sicht<\/h3>\n<p> &#8222;basisdemokratisch &#8211; gewaltfrei &#8211; &ouml;kologisch -sozial&#8220;,               das war in den achtziger Jahren das Motto der Gr&uuml;nen. Heute               k&ouml;nnte dies auf den Bomben stehen, mit denen auch deutsche               Tornados Jugoslawien bombardieren und Tod und Schrecken verbreiten.               <\/p>\n<p> Das pazifistische, humanit&auml;re Image der Gr&uuml;nen trug                 zur Legitimation des Krieges bei. Angesichts der &#8222;humanit&auml;ren&#8220;                 Ermordung unz&auml;hliger Menschen, angesichts der &#8222;humanit&auml;ren&#8220;                 NATO-Bomben auf Personenbusse, Fl&uuml;chtlingskonvois, Krankenh&auml;user,                 Br&uuml;cken, Wohnh&auml;user, Chemiefabriken, Raffinerien und                 Kraftwerke, und angesichts der Tatsache, da&szlig; die NATO radioaktive                 DU-Munition zur Vernichtung von jugoslawischen Panzern verschie&szlig;t,                 erscheint das Eintreten der Gr&uuml;nen f&uuml;r Menschenrechte                 und &Ouml;kologie als bittere Realsatire.               <\/p>\n<p> Die Richtigkeit libert&auml;rer Parlamentarismus- und Herrschaftskritik                 wird z.B. durch die Metamorphose Joseph Fischers deutlich. Er                 hat sich vom einstmals libert&auml;r und antiimperialistisch beeinflu&szlig;ten                 Sponti zum gr&uuml;nen Machtpolitiker und nun zum Kriegsbef&uuml;rworter,                 zu einem f&uuml;r Bombardierung und staatlichen Mord mitverantwortlichen                 Au&szlig;enminister gewandelt. Welch bittere Karriere!               <\/p>\n<p> Ohne die Kriegspropaganda von Fischer, Angelika Beer und Co.                 w&auml;re der Krieg innenpolitisch nur schwer durchzusetzen gewesen.               <\/p>\n<p> &#8222;Parteien sind zum Schlafen da und zum schrecklichen Erwachen&#8220;,                 das schrieb die anarchistische Zeitung agit 883 schon 1968. Heute                 vertrauen viele Menschen auf &#8222;ihre Partei&#8220;, anstatt sich au&szlig;erparlamentarisch                 zu engagieren, anstatt gegen die Parteif&uuml;hrer und deren Kriegspolitik                 zu demonstrieren.               <\/p>\n<p> Es ist gut, da&szlig; es innerhalb der B&uuml;ndnisgr&uuml;nen                 eine &#8222;Antikriegsinitiative&#8220; gibt, der sich auch die Mehrheit der                 Gr&uuml;nen in M&uuml;nster angeschlossen hat. Auch da&szlig;                 es innerhalb der SPD KriegsgegnerInnen gibt, ist erfreulich.               <\/p>\n<p> Die KriegsgegnerInnen in SPD und Gr&uuml;nen haben aber auf                 ihre Parteien wenig Einflu&szlig;. Sie dienen als fortschrittliche                 Aush&auml;ngeschilder f&uuml;r zwei Kriegsparteien. Das zeigt                 auch der gr&uuml;ne Parteitag vom 13. Mai in Bielefeld. Ich fordere                 die Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner bei den Gr&uuml;nen und                 der SPD auf: Verlasst die Partei! Stellt Euch gemeinsam mit uns                 quer gegen den Krieg! Stellt Euch quer auch gegen die bald wieder                 rollenden, jetzt rot-gr&uuml;n angestrichenen Castortransporter!               <\/p>\n<p> Wer gegen den Krieg ist, mu&szlig; auch gegen diese Regierung                 sein. Gegen den Krieg und f&uuml;r die rot- gr&uuml;ne Regierung                 zu sein, das ist absurd.               <\/p>\n<p> Die PDS erlebt durch ihre Kritik am Kriegskurs der Bundesregierung                 einen Aufschwung. Es gibt in der PDS eine Antikriegsarbeit, aber                 es gibt auch einen Populismus, der auf das Antikriegsthema setzt,                 weil das W&auml;hlerInnenstimmen einbringt. W&auml;re die PDS                 an der Regierung, w&uuml;rde sie vermutlich &auml;hnlich populistisch                 wie die jetzigen Regierungsparteien in Deutschland oder wie ihre                 am Krieg als Regierungspartei beteiligte franz&ouml;sische Schwesterpartei                 agieren. Und ihre Vergangenheit als autorit&auml;re DDR-Staatspartei                 ist nun wirklich alles andere als basisdemokratisch oder antimilitaristisch.               <\/p>\n<p> Bei vielen Menschen nimmt die Distanz zum politischen System                 zu. Diese Menschen gilt es zu erreichen. Gemeinsam mit diesen                 Menschen m&uuml;ssen wir eine ausserparlamentarische Bewegung                 gegen den Krieg bilden.               <\/p>\n<p><h3>Was k&ouml;nnen wir als ausserparlamentarische Antikriegsbewegung                 tun? <\/h3>\n<p> Wir haben unsere Aktivit&auml;ten bisher auf Demonstrationen               und Protestkundgebungen beschr&auml;nkt. Aus Protest kann Widerstand               werden. Einige Aktionsideen sind zum Beispiel in den aktuellen Antikriegsausgaben               der Graswurzelrevolution (Nr. 238 \/ April und Nr. 239 \/ Mai 1999)               vorgeschlagen. Die Antikriegsbewegung hat viele M&ouml;glichkeiten.               Sinnvoll sind Briefe an Verantwortliche, Unterschriftensammlungen,               inhaltliche Aufkl&auml;rung durch Veranstaltungen, Mahnwachen, Demonstrationen,               Unterst&uuml;tzung von Fl&uuml;chtlingen, symbolische und direkte               Aktionen. Diese Aktivit&auml;ten erg&auml;nzen sich. Die Mordmaschinerie               der NATO und der jugoslawischen Armee mu&szlig; sofort gestoppt               werden. Dies ist nicht m&ouml;glich durch W&auml;hlen, dies ist               aber vielleicht m&ouml;glich durch den Druck einer wachsenden Antikriegsbewegung,               durch die Unterst&uuml;tzung der Deserteure aller Armeen und durch               Unterst&uuml;tzung der au&szlig;erparlamentarischen Antikriegsbewegung               in Jugoslawien und hier.               <\/p>\n<p> Das wird von den hiesigen Medien verschwiegen: Es gibt antimilitaristische                 Gruppen in Jugoslawien. Sie engagieren sich seit Jahren gegen                 die Verbrechen des serbischen Regimes und nun auch gegen die NATO-Bombardements.                 In der aktuellen Ausgabe der Monatszeitung Graswurzelrevolution                 kommen solche Gruppen zu Wort, zum Beispiel die Frauen in Schwarz.                 Diesen Gruppen geh&ouml;rt unsere Solidarit&auml;t und nicht den                 Kriegsparteien Milosevics, der UCK oder der NATO.               <\/p>\n<p> Wir m&uuml;ssen die Stimmung in Deutschland Richtung Antikriegsstimmung                 bringen! Durch Gegen&ouml;ffentlichkeit sollten wir Licht ins                 Dunkel der Kriegspropaganda werfen. Verteilt die Antikriegspublikationen!                 Verteilt die Massenzeitungen vom Netzwerk Friedenskooperative                 und der Graswurzelrevolution. Offene Grenzen f&uuml;r alle! F&uuml;r                 eine gewaltfreie und herrschaftslose Gesellschaft! Streut Sand                 ins Getriebe der Kriegsmaschinerie!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das wilhelminische Deutschland hat 1914 Serbien angegriffen, die deutschen Nationalsozialisten haben Belgrad 1941 bombardiert und nun beteiligt sich eine deutsche Armee zum dritten Mal in diesem Jahrhundert an einem Angriffskrieg gegen Jugoslawien! 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