{"id":12586,"date":"2001-04-03T00:00:51","date_gmt":"2001-04-02T22:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12586"},"modified":"2022-07-26T13:33:59","modified_gmt":"2022-07-26T11:33:59","slug":"dokumentation-einer-schriftlichen-befragung-aller-bundestagsabgeordneten-zu-ihrem-abstimmungsverhalten-hinsichtlich-der-bundeswehrbeteiligung-am-kosovo-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/04\/dokumentation-einer-schriftlichen-befragung-aller-bundestagsabgeordneten-zu-ihrem-abstimmungsverhalten-hinsichtlich-der-bundeswehrbeteiligung-am-kosovo-krieg\/","title":{"rendered":"Dokumentation einer schriftlichen Befragung aller Bundestagsabgeordneten zu ihrem Abstimmungsverhalten hinsichtlich der Bundeswehrbeteiligung am Kosovo-Krieg"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"#1\">1. Vorbemerkung<\/a><br \/>\n<a href=\"#2\">2. Antrag der Bundesregierung<\/a><br \/>\n<a href=\"#3\">3. Brief an alle Bundestagsabgeordneten im Wortlaut<\/a><br \/>\n<a href=\"#4\">4. Reaktionen der Bundestagsabgeordneten<\/a><br \/>\n<a href=\"#41\">4.1. Schriftliche Antworten<\/a><br \/>\n<a href=\"#42\">4.2. Telefonische Antworten<\/a><br \/>\n<a href=\"#5\">5. Auswertung<\/a><br \/>\n<a href=\"#6\">6. Ausblick<\/a><\/p>\n<p><a name=\"1\"><\/a><\/p>\n<h3>1. Vorbemerkung<\/h3>\n<p>Am 24. M\u00e4rz 1999 fand mit der Beteiligung der Bundeswehr am Krieg im ehemaligen Jugoslawien eine Z\u00e4sur in der Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik der Bundesrepublik statt: Erstmals seit dem <i>Zweiten Weltkrieg <\/i>nahmen deutsche Soldaten aktiv k\u00e4mpfend an einem Krieg teil.<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrworter einer solchen Beteiligung begr\u00fcndeten deren Notwendigkeit \u00fcberwiegend mit dem notwendigen b\u00fcndnispolitischen Engagement der Bundesrepublik als wichtigem europ\u00e4ischem Mitgliedsstaat der NATO<i> <\/i>und vor allem auch mit der aus ihrer Sicht fehlenden Alternative zum milit\u00e4rischen Einsatz, der eine <i>humanit\u00e4re Katastrophe im Kosovo<\/i> stoppen bzw. verhindern sollte.<\/p>\n<p>Die Gegner begr\u00fcndeten ihre Haltung \u00fcberwiegend mit den fehlenden rechtlichen und inhaltlichen Voraussetzungen einer solch weitreichenden und bedeutenden Entscheidung bzw. auch h\u00e4ufig ganz grunds\u00e4tzlich mit einer entsprechend pazifistischen Haltung, wonach jegliche Beteiligung an einem Krieg strikt abzulehnen sei.<\/p>\n<p>Als am 10. Juni 1999 der Krieg beendet wurde, f\u00fchlten sich die Vertreter beider Positionen zumeist best\u00e4tigt: Die Kriegsbef\u00fcrworter sahen die Kriegsziele erreicht und gaben damit ihrer Haltung eine nachtr\u00e4gliche Legitimation. Die Kriegsgegner verwiesen auf die fehlende Rechtsgrundlage bzw. die aus ihrer Sicht durch die Kampfhandlungen begangenen Vest\u00f6\u00dfe gegen das V\u00f6lkerrecht, das Kriegsv\u00f6lkerrecht sowie das Grundgesetz.<\/p>\n<p>Dem Kriegsbeginn am 24. M\u00e4rz 1999 gingen einige parlamentarische Entscheidungen voraus, womit die politischen Voraussetzungen f\u00fcr die Beteiligung der Bundeswehr an jenem Krieg geschaffen wurden. Eine dieser Abstimmungen fand am 12. Oktober 1998 im Deutschen Bundestag statt. Dabei hatten die Bundestagsabgeordneten \u00fcber folgenden von der Bundesregierung vorgelegten Antrag zu entscheiden: <i>Deutsche Beteiligung an den von der NATO geplanten und in Phasen durchzuf\u00fchrenden Luftoperationen zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt (Drucksache 13\/11469).<\/i><\/p>\n<p>Interessant in diesem Zusammenhang ist der Umstand, da\u00df die wenige Tage zuvor gew\u00e4hlte Bundesregierung dem Parlament einen Antrag zur Abstimmung vorlegte, ohne da\u00df sich zu diesem Zeitpunkt der gerade gew\u00e4hlte Bundestag bereits konstituiert hatte. So entstand die au\u00dfergew\u00f6hnliche parlamentarische Situation, da\u00df der Bundestag der 13. Legislaturperiode \u00fcber einen Antrag der Bundesregierung der 14. Legislaturperiode abzustimmen hatte.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist hinl\u00e4nglich bekannt: Von 580 anwesenden Parlamentariern stimmten 500 mit Ja, 62 mit Nein und 18 enthielten sich ihrer Stimme.<\/p>\n<p>Der zweite Jahrestag dieser entscheidungstr\u00e4chtigen Abstimmung des Deutschen Bundestages, die als eine der bedeutendsten der j\u00fcngeren Parlamentsgeschichte betrachtet werden mu\u00df, wurde nun der Anla\u00df, die Bundestagsabgeordneten mit einem Brief an jene Abstimmung zu erinnern und sie zu ihrem Abstimmungsverhalten zu befragen.<\/p>\n<p>Von 669 Bundestagsabgeordneten antworteten 137. Im folgenden werden der Antrag der Bundesregierung, der Brief an die Bundestagsabgeordneten sowie deren Reaktionen dokumentiert.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend folgen eine kurze Auswertung sowie ein Ausblick.<\/p>\n<p align=\"right\"><small>[ <a href=\"#top\">nach oben<\/a> ]<\/small><\/p>\n<p><a name=\"2\"><\/a><\/p>\n<h3>2. Antrag der Bundesregierung (Drucksache 13\/11469)<\/h3>\n<p><b>Deutsche Beteiligung an den von der NATO geplanten begrenzten und in Phasen durchzuf\u00fchrenden Luftoperationen zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt<\/b><\/p>\n<p><i>Zugeleitet mit Schreiben des Bundeskanzlers vom 12. Oktober 1998.<\/i><\/p>\n<p><b>Der Bundestag wolle beschlie\u00dfen:<\/b><\/p>\n<p>Der Deutsche Bundestag stimmt dem Einsatz bewaffneter Streitkr\u00e4fte entsprechend dem von der Bundesregierung am 12. Oktober 1998 beschlossenen deutschen Beitrag zu den von der NATO zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt geplanten, begrenzten und in Phasen durchzuf\u00fchrenden Luftoperationen f\u00fcr die von den NATO-Mitgliedsstaaten gebildete Eingreiftruppe unter F\u00fchrung der NATO zu.<\/p>\n<p><b>Begr\u00fcndung: <\/b><\/p>\n<p>Die internationale V\u00f6lkergemeinschaft ist tief besorgt \u00fcber die Lage im Kosovo. Das unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige gewaltsame Vorgehen der serbischen Sicherheitskr\u00e4fte hat zu 290.000 Fl\u00fcchtlingen und Binnenvertriebenen gef\u00fchrt. Der Hohe Repr\u00e4sentant der Vereinten Nationen f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsfragen sch\u00e4tzt, da\u00df ca. 50.000 Menschen schutzlos der Witterung ausgesetzt sind. Durch den herannahenden Winter wird die Lage \u00e4u\u00dferst kritisch. Diese Entwicklung kann, wenn nichts unternommen wird, in K\u00fcrze zu einer humanit\u00e4ren Katastrophe f\u00fchren. Die Bundesregierung hat in bilateralen Bem\u00fchungen und in gemeinsamen Anstrengungen im Rahmen der Vereinten Nationen, der Nordatlantischen Allianz, der Kontaktgruppe, der EU und der Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa versucht, eine L\u00f6sung der Kosovo-Krise zu erreichen. Die Forderungen der internationalen Gemeinschaft an Belgrad zur Erreichung eines Waffenstillstands, zur Linderung der humanit\u00e4ren Notlage und damit zum Schaffen der Voraussetzungen f\u00fcr die Aufnahme von Substanzverhandlungen zwischen den Konfliktparteien sind in der Sicherheitsrats-Resolution 1199 festgehalten worden. Belgrad hat diese Forderungen bisher nicht erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund hat der NATO-Rat am 9. Oktober 1998 die Rechtsgrundlage f\u00fcr das Handeln des B\u00fcndnisses er\u00f6rtert. Der NATO-Generalsekret\u00e4r hat das Ergebnis wie folgt zusammengefa\u00dft:<\/p>\n<p>1. Die Bundesrepublik Jugoslawien hat die dringlichen Forderungen der Internationalen Gemeinschaft trotz der auf Kapitel VII der VN-Charta gest\u00fctzten Resolutionen des VN- Sicherheitsrates 1160 vom 31. M\u00e4rz 1998 und 1199 vom 23. September 1998 noch nicht erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>2. Der \u00e4u\u00dferst eindeutige Bericht des VN-Generalsekret\u00e4rs zu den beiden Resolutionen hat u.a. vor der Gefahr einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo gewarnt.<\/p>\n<p>3. Die humanit\u00e4r Notlage h\u00e4lt wegen der Weigerung der Bundesrepublik Jugoslawien, Ma\u00dfnahmen zu einer friedlichen L\u00f6sung zu ergreifen, unvermindert an.<\/p>\n<p>4. In absehbarer Zeit ist keine weitere Resolution des VN-Sicherheitsrates zu erwarten, die Zwangsma\u00dfnahmen mit Blick auf den Kosovo enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>5. Die Resolution 1199 des VN-Sicherheitsrates stellt unmi\u00dfverst\u00e4ndlich fest, da\u00df das Ausma\u00df der Verschlechterung der Lage im Kosovo eine ernsthafte Bedrohung f\u00fcr Frieden und Sicherheit in der Region darstellt.<\/p>\n<p>Der NATO-Generalsekret\u00e4r erkl\u00e4rt, da\u00df unter diesen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden der gegenw\u00e4rtigen Krisenlage im Kosovo, wie sie in der Resolution des VN-Sicherheitsrates 1199 beschrieben ist, die Drohung mit und ggf. der Einsatz von Gewalt durch die NATO gerechtfertigt ist.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung teilt diese Rechtsauffassung mit allen anderen 15 NATO-Mitgliedsstaaten.<\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis hat entschieden, den Eintritt einer humanit\u00e4ren Katastrophe abzuwenden. Der NATO-Rat hat die Operationspl\u00e4ne f\u00fcr begrenzte und in Phasen durchzuf\u00fchrende Luftoperationen am 8. Oktober abschlie\u00dfend gebilligt und hat nach Zustimmung der Mitglieder der Allianz den Einsatz autorisiert.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung hat deswegen beschlossen, unter dem Vorbehalt der vorherigen konstitutiven Zustimmung durch den Deutschen Bundestag f\u00fcr die Luftoperationen zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe die nachstehend aufgef\u00fchrten Kr\u00e4fte als Beitrag f\u00fcr die von NATO-Mitgliedsstaaten gebildete Eingreiftruppe unter F\u00fchrung der NATO einzusetzen.<\/p>\n<p>1. F\u00fcr die Luftoperationen werden bereitgestellt:<\/p>\n<p>A) Luftwaffenkr\u00e4fte bestehend aus<\/p>\n<ul>\n<li>Aufkl\u00e4rungs- und ECR-Flugzeugen,<\/li>\n<li>Lufttransportkr\u00e4ften,<\/li>\n<li>Luftumschlagskr\u00e4ften,<\/li>\n<li>Stabs- und Unterst\u00fctzungskr\u00e4ften.<\/li>\n<\/ul>\n<p>B) Marinekr\u00e4fte bestehend aus<\/p>\n<ul>\n<li>Seeluftstreitkr\u00e4ften zur Zusammenarbeit mit der Luftwaffe mit Aufkl\u00e4rungsflugzeugen einschlie\u00dflich Einheiten f\u00fcr die elektronische Aufkl\u00e4rung sowie, soweit erforderlich, see- oder landgest\u00fctzte Unterst\u00fctzungseinheiten,<\/li>\n<li>Stabs- und Unterst\u00fctzungskr\u00e4ften.<\/li>\n<\/ul>\n<p>C) Personal und F\u00fchrungsunterst\u00fctzungskr\u00e4fte f\u00fcr die internationalen Hauptquartiere einschlie\u00dflich AWACS.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werden ggf. Heereskr\u00e4fte zur Erkundung und Aufkl\u00e4rung, einschlie\u00dflich erforderlicher Stabs- und Unterst\u00fctzungskr\u00e4fte, bereitgestellt; f\u00fcr diese Kr\u00e4fte ist keine Stationierung im Kosovo vorgesehen.<\/p>\n<p>Auf die f\u00fcr SFOR bereitgestellten Kr\u00e4fte, Logistik und Infrastruktur wird zur\u00fcckgegriffen, sofern dies m\u00f6glich ist und der Auftrag im Rahmen des SFOR-Einsatzes dadurch nicht beeintr\u00e4chtigt wird.<\/p>\n<p>Der Umfang der Gesamtkr\u00e4fte im Einsatzgebiet wird eine durchschnittliche Gr\u00f6\u00dfenordnung von rd. 500 Soldaten umfassen; bei gleichzeitigem vollem Einsatz aller Kr\u00e4fte und Personalrotation kann sie zeitweise dar\u00fcber liegen. Umfang und Zusammensetzung der deutschen Kr\u00e4fte orientieren sich an dem Einsatz von bis zu 14 Aufkl\u00e4rungs- und ECR-TORNADO-Flugzeugen und den f\u00fcr die Operationen erforderlichen Aufkl\u00e4rungs- und Unterst\u00fctzungskr\u00e4ften.<\/p>\n<p>2. Es kommen zum Einsatz<\/p>\n<ul>\n<li>nur Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit sowie<\/li>\n<li>Soldaten, die Grundwehrdienst, freiwilligen zus\u00e4tzlichen Wehrdienst oder eine Wehr\u00fcbung leisten, nur, wenn sie sich f\u00fcr besondere Auslandsverwendungen freiwillig verpflichtet haben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>3. Die von der Bundesregierung bereitgestellten Kr\u00e4fte k\u00f6nnen, soweit der VN-Sicherheitsrat eine entsprechende Resolution nicht verabschiedet, zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe und zur Unterbindung schwerer und systematischer Menschenrechtsverletzungen im Kosovo auf der Grundlage eines entsprechenden Beschlusses des NATO-Rates eingesetzt werden, um die Forderungen aus den Sicherheitsrats-Resolutionen 1160 und 1199 durchzusetzen.<\/p>\n<p>4. Im Rahmen dieser Operationen kann der Einsatz von deutschem Austauschpersonal in Kontingenten anderer Nationen sowie der Einsatz von Austauschpersonal anderer Nationen im Rahmen des deutschen Kontingents auf der Grundlage bilateraler Vereinbarungen und in den Grenzen der f\u00fcr Soldaten des deutschen Kontingents bestehenden rechtlichen Bindungen genehmigt werden.<\/p>\n<p>5. Bei dem Einsatz handelt es sich um eine besondere Auslandsverwendung im Sinne des \u00a7 58a des Bundesbesoldungsgesetzes.<\/p>\n<p>6. Die Kosten f\u00fcr den Einsatz sind, soweit nicht veranschlagt, aus dem Einzelplan 14 zu erwirtschaften.<\/p>\n<p align=\"right\"><small>[ <a href=\"#top\">nach oben<\/a> ]<\/small><\/p>\n<p><a name=\"3\"><\/a><\/p>\n<h3>3. Brief an alle Bundestagsabgeordneten im Wortlaut<\/h3>\n<p><b>Abstimmung des Bundestages am 16. Oktober \u00fcber die &#8222;Deutsche Beteiligung an den von der NATO geplanten und in Phasen durchzuf\u00fchrenden Luftoperationen zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt&#8220; (Drucksache 13\/11469)<\/b><\/p>\n<p>Sehr geehrte\/r &#8230;<\/p>\n<p>fast auf den Tag vor zwei Jahren hatten Sie im Bundestag \u00fcber die Frage zu entscheiden, ob sich deutsche Soldaten im Rahmen der NATO &#8211; erstmals seit dem <i>Zweiten Weltkrieg &#8211;<\/i> an einem Kampfeinsatz beteiligen sollten.<\/p>\n<p>Dieser au\u00dfen- bzw. verteidigungspolitische Entscheidungsgegenstand geh\u00f6rt sicherlich zu einem der bedeutendsten in der j\u00fcngeren deutschen Parlamentsgeschichte und entsprechend schwierig d\u00fcrfte Ihnen Ihre Entscheidung gefallen sein.<\/p>\n<p>Vor allem sicher auch deshalb, weil dieser Themenkomplex in der \u00d6ffentlichkeit au\u00dferordentlich kontrovers diskutiert worden ist bzw. noch immer wird.<\/p>\n<p>Da mich dieses Thema sowohl pers\u00f6nlich immer wieder sehr bewegt hat, als auch mein wissenschaftliches und publizistisches Interesse geweckt hat, m\u00f6chte ich Ihnen hierzu einige Fragen stellen und w\u00e4re Ihnen f\u00fcr deren Beantwortung sehr dankbar.<\/p>\n<p>1. Wie haben sie sich damals entschieden und von welchen Erw\u00e4gungen haben Sie diese Entscheidung abh\u00e4ngig gemacht?<\/p>\n<p>2. Wie bewerten Sie zur\u00fcckblickend Ihre Entscheidung bzw. w\u00fcrden Sie sich auch im Nachhinein so entscheiden?<\/p>\n<p>3. Sind Sie der Auffassung, da\u00df der Themenkomplex -gemessen an seiner Bedeutung- in der \u00d6ffentlichkeit ausreichend thematisiert worden ist bzw. welche Rolle spielt er in Ihrer aktuellen politischen Arbeit?<\/p>\n<p>Bereis jetzt herzlichen Dank f\u00fcr Ihre Antwort und mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p align=\"right\"><small>[ <a href=\"#top\">nach oben<\/a> ]<\/small><\/p>\n<p><a name=\"4\"><\/a><a name=\"41\"><\/a><\/p>\n<h3>4. Reaktionen der Bundestagsabgeordneten<\/h3>\n<h3>4.1. Schriftliche Antworten<\/h3>\n<p><b>Brigitte Adler (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe zugestimmt, dass deutsche Soldaten in den Kosovo gehen. Ich habe aber zuvor, was die Bosnienfrage angeht, in der ersten Entscheidung der Sache nicht zugestimmt, da ich der Auffassung war, dass die deutsche Politik nicht rechtzeitig die Konfliktsituation erkannt hat und Vorsorge d.h. Pr\u00e4vention betrieben hat. Im Kosovo war nun die Situation gegeben, dass Menschenrechtsverletzungen auf gravierendste Art und Weise vorgenommen wurden. Hier musste geholfen werden um Menschenleben zu retten. Da ich dem Unterausschuss Vereinte Nationen des Deutschen Bundestages angeh\u00f6re, kann ich Ihnen versichern, dass die Frage Artikel 7 der UN-Charta mich sehr interessiert und wir immer wieder versuchen, uns mehr Klarheit \u00fcber die Umsetzung dieses Artikels zu verschaffen.<\/p>\n<p><b>Ina Albowitz (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Die Entscheidung vor zwei Jahren war eine besonders schwierige &#8211; eine Gewissensentscheidung! Ich habe damals f\u00fcr eine Beteiligung deutscher Streitkr\u00e4fte gestimmt, um den Eintritt einer humanit\u00e4ren Katastrophe zu verhindern. Die Lage im Kosovo war au\u00dferordentlich besorgniserregend. An dieser Stelle m\u00f6chte ich an die 29000 Fl\u00fcchtlinge und Binnenvertriebene und an die 50000 der kalten Witterung schutzlos ausgesetzten Menschen erinnern. Die Medien und die Politik haben umfangreich dar\u00fcber berichtet. Ein Eingreifen der NATO mit deutscher Beteiligung war notwendig.<\/p>\n<p>Ich bin sehr froh dar\u00fcber, dass inzwischen demokratische Kr\u00e4fte in Serbien in die Verantwortung genommen wurden und hoffe, dass wir bald von einem friedlichen Zusammenleben in den Balkanstaaten sprechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Doris Barnett (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Vielen Dank auch daf\u00fcr, dass Sie mir zutrauen, die damalige Entscheidung nicht leichtfertig getroffen zu haben. In der Tat war (und ist bis heute) dies eine der schwierigsten Entscheidungen, die ich je treffen musste. Angesichts der Berichterstattungen \u00fcber die Massaker, die damals von Bosnien-Herzegowina in alle Welt verbreitet wurden, die von Blauhelmsoldaten hilflos mit angesehen werden mussten, schien ein milit\u00e4risches Eingreifen unumg\u00e4nglich. Au\u00dferdem hofften wir ja prim\u00e4r darauf, dass allein schon die Drohung mit dieser Entscheidung gen\u00fcgend Druck f\u00fcr eine doch noch friedliche L\u00f6sung erzeugen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Zutiefst best\u00fcrzt und teilweise auch fassungslos war ich, als ich feststellen musste, dass und wie die Kampfhandlungen sich fortsetzten. Trotz allem jedoch mu\u00df ich sagen, dass ich heute, wenn die Ausgangsbedingungen die gleichen w\u00e4ren, wahrscheinlich wieder genauso entscheiden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Um diesem Dilemma zu begegnen bleibt der Politik nur, und das m\u00f6glichst schnell, andere Rahmenbedingungen f\u00fcr <i>friedliche <\/i>Konfliktl\u00f6sungen zu entwickeln, damit solche Art des Eingreifens nicht mehr n\u00f6tig sein wird. Meinen Beitrag dazu leiste ich, indem ich mich f\u00fcr die gewaltfreie L\u00f6sung von Konflikten einsetze, wo immer ich damit konfrontiert werde.<\/p>\n<p><b>Dr. Hans-Peter Bartels (SPD):<\/b><br \/>\n1. Daf\u00fcr. Kein Appeasement.<br \/>\n2. Ja.<br \/>\n3. Ja. Eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p><b>Klaus Barthel (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Die Situation im ehemaligen Jugoslawien ist trotz &#8222;Friedenstruppen&#8220; bestenfalls von erzwungenem Waffenstillstand (und schon das nicht!) gepr\u00e4gt, weil keine Ursache der Gewalt beseitigt wurde. Einmal mehr sieht man, wie schnell Krieg geht und wie m\u00fchsam Aufbau und Wirtschaftshilfe. Die Situation im Land selbst war einer der entscheidenden Gr\u00fcnde f\u00fcr mein damaliges Nein: Wirtschaftlicher Niedergang und milit\u00e4rischer Druck sind N\u00e4hrboden f\u00fcr Nationalismus und Gewalt &#8211; auf allen Seiten \u00fcbrigens, von denen keine von Haus aus Recht hat oder besser ist (wie sich am Beispiel UCK bis heute zeigt). Dieser N\u00e4hrboden war auch Grundbedingung f\u00fcr die Macht von Milosevic. Er brauchte den \u00e4u\u00dferen Druck und die Eskalation der Gewalt, um sich zu behaupten. Seine Abl\u00f6sung stand immer dann nahe, wenn Ruhe war. Daher hat der Nato-Einsatz seine Herrschaft verl\u00e4ngert ohne das Ziel der Verhinderung wie Gewalt und Vertreibung zu erreichen.<\/p>\n<p>Erstes Argument also: Ziel und Mittel waren jeweils weder richtig definiert noch pa\u00dften sie zueinander. Milit\u00e4risch war der Einsatz ein Fehlschlag, da kaum milit\u00e4rische, daf\u00fcr umso mehr zivile Ziele getroffen wurden.<\/p>\n<p>2. Der Umbau von Bundeswehr und NATO findet weiterhin statt. Kosovo steht symbolisch f\u00fcr internationale &#8222;Kriseneins\u00e4tze&#8220; au\u00dferhalb des B\u00fcndnisgebietes und ohne Verteidigungsfall. Bundeswehr und NATO werden nunmehr konsequent von Verteidigung von Land und B\u00fcndnis hin zu Krisenreaktionsf\u00e4higkeit umgebaut. Ein \u00e4hnlicher Weg wird in der EU beschritten. Der Aktionsradius der Bundeswehr im Rahmen europ\u00e4ischer Kr\u00e4fte soll demn\u00e4chst 4000 km betragen. Haben wir dort was zu verteidigen, etwa im Kaukasus?<\/p>\n<p>Zweites Argument also: Kosovo war Einstieg, geistiger Durchbruch und Akzeptanzwerbung f\u00fcr eine neue Aufgabenbestimmung auch unserer Streitkr\u00e4fte und damit Auftakt f\u00fcr eine neue Aufr\u00fcstungsrunde.<\/p>\n<p>Zu Ihrer zweiten Frage: Ja ich w\u00fcrde wieder so entscheiden.<\/p>\n<p>Zu Ihrer dritten Frage: Das Thema wird nicht angemessen diskutiert, sondern es wird im Windschatten von Rente, Steuerpolitik und Bundeswehrstandortdebatte schlicht gehandelt. Ich sehe derzeit in meiner politischen Arbeit kaum eine M\u00f6glichkeit, mich damit zu befassen. Allerdings m\u00fcssen wir klar sehen: Wenn wir die wirtschaftlichen und sozialen Probleme hier bei uns nicht l\u00f6sen, gibt es keinerlei Chance f\u00fcr Frieden bei uns und anderswo. Deshalb stehe ich zu dieser Priorit\u00e4tensetzung, auch wenn es mich nicht befriedigt. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Norbert Barthle (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe damals f\u00fcr den Einsatz gestimmt. Dabei haben vor allem die Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO und daraus resultierende B\u00fcndnisverpflichtungen, die r\u00e4umliche N\u00e4he der Krisenregion und der Staatsterrorismus Milosevics eine Rolle gespielt.<\/p>\n<p>2. Ja, unter Abw\u00e4gungen aller Argumente pro und kontra w\u00fcrde ich wieder so entscheiden &#8211; nicht leichten Herzens allerdings.<\/p>\n<p>3. Ja, ich glaube er wurde ausreichend thematisiert, wenn auch vielleicht nicht immer differenziert genug. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Angelika Beer (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Der Krieg im Kosovo war f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland und f\u00fcr die B\u00fcndnisgr\u00fcnen ein einschneidendes Ereignis. Aus diesem Grund haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich habe den Einsatz bef\u00fcrwortet, da ich der Ansicht war, da\u00df alle Verhandlungsm\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft waren und Milosewics Absichten, den Kosovo ethnisch zu s\u00e4ubern, verhindert werden mu\u00dfte. Auch im Nachhinein kann ich keine andere Handlungsm\u00f6glichkeit sehen. Es ist uns gelungen, die Vertreibungen r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Dabei will ich nichts besch\u00f6nigen. Der Einsatz hat dem V\u00f6lkerrecht widersprochen, er mu\u00df eine Ausnahme bleiben. (&#8230;) Ich glaube schon, da\u00df der Einsatz im Kosovo in der \u00d6ffentlichkeit gen\u00fcgend thematisiert wurde, denke aber, da\u00df \u00fcber die Folgen zu wenig diskutiert wird. (&#8230;) Zum Beispiel mu\u00df \u00fcber die zuk\u00fcnftigen Aufgaben der Bundeswehr diskutiert werden, denn noch ist nicht klar, ob die Gesellschaft diese auch mittr\u00e4gt (&#8230;) Vor allem aber m\u00fcssen wir am Aufbau von Mitteln der Gewaltpr\u00e4vention und der zivilen Konfliktbearbeitung arbeiten.<\/p>\n<p><b>Dr. Axel Berg (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Mein Mandat habe ich erst am 27. Oktober 1998 angenommen und war daher am besagten Tag nicht entscheidungsbefugt. Dennoch m\u00f6chte ich Ihnen gerne auf Ihre Fragen antworten, da der NATO-Einsatz mir sehr nahe ging und ich mich als Bundestagsabgeordneter f\u00fcr die Entscheidung mitverantwortlich f\u00fchle. Nun zu Ihren Fragen:<\/p>\n<p>1. An der Entscheidung am 16. Oktober konnte ich nicht mitstimmen. Allerdings habe ich im Mai und Juni 1999 zwei Erkl\u00e4rungen zur Abstimmung \u00fcber den Antrag der Bundesregierung &#8222;Deutsche Beteiligung an der humanit\u00e4ren Hilfe im Zusammenhang mit dem Kosovo-Konflikt&#8220; unterzeichnet. Die Erkl\u00e4rungen schicke ich Ihnen in Kopie.<\/p>\n<p>2. Alle Bef\u00fcrchtungen die ich hatte, wurden best\u00e4tigt. Ich schicke Ihnen einen Artikel, der in der letzten Ausgabe der Vierteljahreszeitschrift f\u00fcr Sicherheit und Frieden erschienen ist und meine allgemeine wehrpolitische Skepsis zum Ausdruck bringt. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Meinrad Belle (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Diesem Einsatz habe ich damals zugestimmt, weil es die einzige M\u00f6glichkeit war, die Konfliktparteien zu einem Waffenstillstand zu bewegen und langfristig &#8211; vielleicht &#8211; zu einer Befriedung zu gelangen. Diese Bewertung hat sich als richtig erwiesen, wie die soeben abgehaltenen Kommunalwahlen gezeigt haben. Es ist eine gewisse Normalisierung eingetreten und auch die lange untereinander zerstrittenen kosovarischen Parteien zeigen Anzeichen von Zusammenarbeit.<\/p>\n<p><b>Petra Bl\u00e4ss (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Die PDS-Fraktion hat seinerzeit als einzige Partei bei der Entscheidung \u00fcber einen NATO- Kampfeinsatz mit einem klaren &#8222;Nein!&#8220; Gestimmt. Krieg ist nach meiner Ansicht kein Mittel zur Probleml\u00f6sung. Ich werde mich daher weiterhin daf\u00fcr einsetzen, die Rolle der Vereinten Nationen als Instrument zivilgesellschaftlicher Konfliktvorbeugung und -bew\u00e4ltigung zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>2. Zu meiner Abstimmungsentscheidung stehe ich nach wie vor &#8211; und die jetzige Lage in Jugoslawien hat uns leider Recht gegeben!<\/p>\n<p>3. Die Beteiligung der Bundeswehr an diesem Krieg stellt eine entscheidende Z\u00e4sur in der deutschen Au\u00dfenpolitik dar. Ich werde dies auch zuk\u00fcnftig bei meiner politischen Arbeit immer mit bedenken. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Annelie Buntenbach (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe gegen den Einsatz gestimmt und lege Ihnen zur Begr\u00fcndung eine Erkl\u00e4rung bei, die ich damals mit 6 anderen gr\u00fcnen Abgeordneten verfa\u00dft habe.<\/p>\n<p>2. Ich w\u00fcrde mich wieder so entscheiden. Zur weiteren Begr\u00fcndung m\u00f6chte ich Sie auf beiliegende Rede anl\u00e4\u00dflich einer Bundestagsdebatte vom 5.4.2000 verweisen.<\/p>\n<p>3. Ich bin nicht der Meinung, da\u00df diese Z\u00e4sur in der deutschen Politik sowohl damals, als auch heute ausreichend thematisiert worden ist bzw. wird. (&#8230;) Ich wende mich ebenfalls gegen die derzeit stattfindende Bundeswehrreform und die Aufr\u00fcstung, die in den n\u00e4chsten Jahren im Rahmen der WEU stattfinden wird und werde, falls es dazu eine Abstimmung im Bundestag gibt, mich auch dementsprechend verhalten.<\/p>\n<p><b>Roland Claus (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) In diesem Zusammenhang mu\u00df zun\u00e4chst auf eine Besonderheit dieser Abstimmung hingewiesen werden: Die neu gew\u00e4hlte Bundesregierung legte einen Antrag zur Abstimmung vor, aber der neu gew\u00e4hlte Bundestag hatte sich noch gar nicht konstituiert. So entstand die eigenartige Situation, dass der Bundestag der 13. Legislaturperiode \u00fcber einen Antrag der 14. Legislaturperiode abzustimmen hatte. Das bedeutete f\u00fcr mich pers\u00f6nlich, dass ich &#8211; da ich am 27. September 1998 zum ersten Mal in den Bundestag gew\u00e4hlt wurde und dem Bundestag der 13. Legislaturperiode noch nicht angeh\u00f6rte &#8211; an der Abstimmung nicht teilnehmen konnte, obwohl sie drei Wochen nach meiner Wahl in den Bundestag stattfand. (&#8230;)<\/p>\n<p>In der namentlichen Abstimmung gab es 500 Ja-Stimmen, 62 Gegenstimmen und 18 Enthaltungen. Zu den 62 Gegenstimmen geh\u00f6rten die aller bei der Abstimmung anwesenden PDS-Abgeordneten. So, wie ich dann im Fr\u00fchjahr 1999 gegen die Nato-Eins\u00e4tze und gegen die deutsche Beteiligung an ihnen gestimmt habe, h\u00e4tte ich auch im Oktober 1998 gegen den Antrag der Bundesregierung gestimmt.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind &#8211; in aller K\u00fcrze &#8211; die folgenden:<\/p>\n<p>Ich halte grunds\u00e4tzlich den Einsatz von milit\u00e4rischer Gewalt f\u00fcr nicht geeignet zur L\u00f6sung inner- und zwischenstaatlicher Probleme. Es ist h\u00f6chste Zeit, die milit\u00e4rische Logik im Herangehen an Konflikte durch eine nichtmilit\u00e4rische Logik zu ersetzen. Das hei\u00dft: nichtmilit\u00e4rische Mittel m\u00fcssen zum Kern aller Strategien der Konfliktvermeidung und der Konflikteind\u00e4mmung werden. (&#8230;) Ich bin der Auffassung, dass Deutschland vor dem Hintergrund seiner Geschichte im 20. Jahrhundert eine besondere Verpflichtung hat, auch international in dieser Richtung der Ersetzung der milit\u00e4rische Logik durch eine nichtmilit\u00e4rische t\u00e4tig zu werden. (&#8230;) Ich halte die deutsche Beteiligung am Krieg der Nato gegen Jugoslawien f\u00fcr eine Verletzung der Bestimmungen des Grundgesetzes, und ich halte diesen Krieg insgesamt f\u00fcr eine Verletzung der UN-Charta. Ich habe keinen Zweifel, dass UNO und EU im Falle der Entwicklungen in Jugoslawien nicht unt\u00e4tig bleiben durften. Ich bin jedoch erstens der Auffassung, dass im Oktober 1998 bei weitem nicht alle Mittel nichtmilit\u00e4rischer Konfliktvermeidung ausgesch\u00f6pft waren (die M\u00f6glichkeiten der OSZE zum Beispiel blieben str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt), und zweitens h\u00e4tte unter keinen Umst\u00e4nden die Nato \u00fcber ihren Kriegseinsatz an der UNO vorbei entscheiden d\u00fcrfen. Damit ist ein Pr\u00e4zedenzfall geschaffen worden, der die UNO auf lange Sicht &#8211; und mit heute noch nicht absehbaren Folgen &#8211; schw\u00e4cht. (&#8230;) Die Menschenopfer, die die Luftangriffe gefordert haben, und die gewaltigen Zerst\u00f6rungen in Industrie, Landwirtschaft und Umwelt sind mit nichts zu rechtfertigen. Das Leben auf dem Balkan ist mit den Luftangriffen f\u00fcr viele Menschen noch schwerer, der Frieden auf dem Balkan aber nicht sicherer geworden. (&#8230;) Ich glaube, dass in der ja durchaus nicht geringen \u00f6ffentlichen Thematisierung des Nato-Krieges gegen Jugoslawien dieser Aspekt der mit dem Krieg verbundenen &#8211; und unerh\u00f6rt gef\u00e4hrlichen! &#8211; allm\u00e4hlichen Wiedergew\u00f6hnung an die Kategorien des Milit\u00e4rischen, der Gewalt und des Krieges zu kurz kommt. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Peter Dre\u00dfen (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe dann f\u00fcr den Einsatz gestimmt; entgegen meinem Abstimmungsverhalten in den vorangegangenen Abstimmungen, in denen ich gegen einem m\u00f6glichen Einsatz stimmte. Entscheidend war f\u00fcr mich, dem V\u00f6lkermord durch das Milosevic-Regime Einhalt zu gebieten.<\/p>\n<p>2. Ob ich heute genauso entscheiden w\u00fcrde, bringt mich in einen Zwiespalt. Deutlich wurde im Nachhinein, da\u00df Kriegsberichterstattung wohl immer verf\u00e4lscht, wenn nicht sogar falsch ist. Mit dem Wissen, das ich im nachhinein habe (zB. Hufeisenplan) h\u00e4tte ich wohl nicht migestimmt. Doch dies ist aufgrund der damals nicht vorhandenen Informationen, die ich heute habe, hypotetisch.<\/p>\n<p>3. Die \u00d6ffentlichkeit besch\u00e4ftigt sich leider mit vielen, vielen Themen, die keine Bedeutung haben. Ob Ehen von sogenannten Prominenten, ausgebrochenen Schwerverbrechern, Big Brother oder \u00c4hnlichen, alles wird eher thematisiert als der Bundeswehreinsatz im Kosovo. Sicher gibt es zahlreiche engagierte Gruppen, die sich (Gott sei dank) noch mit ernsten Themen, wie Balkankrise, besch\u00e4ftigen. Doch insgesamt halte ich es nicht f\u00fcr ausreichend wie das Thema behandelt worden ist. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Rainer Eppelmann (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe damals f\u00fcr den Einsatz gestimmt, da ich der Meinung bin, da\u00df die Mitgliedschaft in einem B\u00fcndnis Pflichten mit sich bringt, die allen Mitgliedern auferlegt werden und auch von allen wahrgenommen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>2. Die Entscheidung halte ich auch im Nachhinein f\u00fcr richtig. Sie war notwendig geworden, weil die Politik mit ihren diplomatischen Bem\u00fchungen den Konflikt nicht hatte in Griff kriegen k\u00f6nnen und auch die immer weitergehende Gewalt nicht aufhalten konnte. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Heidemarie Ehlert (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe mich gegen die Beteiligung deutscher Soldaten im Rahmen der Nato an dem Kriegseinsatz entschieden. F\u00fcr mich war es Krieg und kein Kampfeinsatz. Zudem bin ich nach wie vor der Meinung, dass es der Bundesrepublik im Sinne des Schwurs von 1945 &#8222;Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus&#8220; gut zu Gesicht st\u00e4nde, sich nie und nirgends an einem Krieg zu beteiligen. Auch der Nato-Einsatz an sich war ein Bruch des V\u00f6lkerrechts.<\/p>\n<p>2. Ich stehe zu dieser Entscheidung und w\u00fcrde mich wieder so entscheiden.<\/p>\n<p>3. Der Themenkomplex wurde zum damaligen Zeitpunkt stark debattiert. Inzwischen ist anderes in den Vordergrund ger\u00fcckt. Aber auch und gerade unter den gegenw\u00e4rtigen politischen Pr\u00e4missen m\u00fcssten diese Themen st\u00e4rker diskutiert werden. Ich bin Finanz- und Haushaltspolitikerin und werde immer wieder mit dramatischen Einsparungen auf den Gebieten Arbeit und Soziales, Familien und Jugend, Umwelt und Gesundheit konfrontiert. Beim Kriegseinsatz war genug Geld da. Ich pers\u00f6nlich finde es schlimm, wenn junge Menschen Soldat werden, um der Arbeitslosigkeit wenigstens zeitweise zu entgehen. Dann lieber durch eine konsequente Konversion Arbeitspl\u00e4tze schaffen.<\/p>\n<p><b>Dr. Hans-Georg Faust (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Zu meinem Bedauern kann ich Ihre ersten beiden Fragen aber nicht beantworten, da ich in der 13. Wahlperiode noch kein Mitglied des Deutschen Bundestages war und somit auch nicht an der Abstimmung teilgenommen habe.<\/p>\n<p>Inhaltlich stehe ich aber zu dem unter den damaligen Erkenntnissen gefassten Beschluss des Deutschen Bundestages. Die Frage, ob der Themenkomplex ausreichend thematisiert worden ist, kann ich bejahen, da ich der Auffassung bin, dass das Thema wie wohl kaum ein anderes in der \u00d6ffentlichkeit, vor allem auch in den Medien, breit diskutiert und auch thematisiert worden ist.<\/p>\n<p><b>Andrea Fischer (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen):<\/b> -Antwort durch einen Mitarbeiter-<br \/>\nEinleitend mu\u00df ich betonen, da\u00df Frau Ministerin Fischer die Entscheidung f\u00fcr eine milit\u00e4rische Intervention der NATO im Kosovo Anfang 1999 ausgesprochen schwer gefallen ist.<\/p>\n<p>Als Mitglied der Gr\u00fcnen und in ihrer Verantwortung als Bundestagsabgeordnete sah sie zum Zeitpunkt der Abstimmung \u00fcber den NATO-Einsatz jedoch keine andere M\u00f6glichkeit, um die Schl\u00e4chter von Milosevic aufzuhalten und so das Leben der Kosovo-Albaner zu retten. Die oftmals vorgetragenen Einw\u00e4nde, die diesen Eingriff der NATO kritisch hinterfragen, um alternative zuk\u00fcnftige Vorgehensweisen zu einer nachhaltigen Friedenssicherung und der Wahrung der Menschenrechte auch jenseits unserer Grenzen im Ergebnis einer politischen Diskussion aufzuzeigen, sind berechtigt und unterst\u00fctzenswert. Allerdings mu\u00df man ebenfalls bereit sein, diese Ziele auch unter schwierigen tagespolitischen Bedingungen zu verwirklichen, denn Lippenbekenntnisse allein rette keine Menschenleben. Und diese Situation stellte sich damals so dar. (&#8230;) In jedem Fall geht es nun darum, pr\u00e4ventiv das Entstehen solcher aus der Not entstandenen Eins\u00e4tze im Vorfeld wirksam zu verhindern. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Ulrike Flach (FDP):<\/b> -Antwort durch einen Mitarbeiter-<br \/>\n(&#8230;) Der 14. Deutsche Bundestag konstituiert sich am 26. Oktober 1998, so da\u00df Frau Flach als neue Parlamentarierin am 18. Oktober 1998 nicht in die Situation gekommen ist, \u00fcber den NATO-Einsatz abstimmen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Sie ist aus der R\u00fcckschau der Ansicht, da\u00df sie sich damals wahrscheinlich f\u00fcr einen Einsatz entschieden h\u00e4tte. Das Thema hat in der deutschen \u00d6ffentlichkeit und den Medien nach Meinung von Frau Flach eine gro\u00dfe Rolle gespielt und ist auch lange umfassend diskutiert worden. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Arne Fuhrmann (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe 1998 dem Einsatz deutscher Soldaten zur Abwehr einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo zugestimmt. Ich war mir dabei \u00fcber die besondere Verantwortung, die wir Deutsche in Jugoslawien haben, durchaus bewusst. Und gerade deshalb habe ich nach langen Zweifeln und vielen schlaflosen N\u00e4chten meine Zustimmung gegeben. Mir war klar, dass, wie auch immer ich mich entschieden h\u00e4tte, meine Entscheidung falsch oder zumindest nicht gerecht sein k\u00f6nnte. Lediglich Unt\u00e4tigkeit schien mir noch weniger akzeptabel, als durch handeln etwas zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>2. Trotz aller Kritik, die ich an der Operation habe (z.B. falsche Information, Fehlbombardierungen usw.) w\u00fcrde ich in einem \u00e4hnlichen Fall wieder so entscheiden. (&#8230;)<\/p>\n<p>3. Ich glaube nicht, dass der Themenkomplex entsprechend seiner tats\u00e4chlichen Bedeutung in der breiten \u00d6ffentlichkeit ausreichend diskutiert und damit thematisiert wurde. In der aktuellen politischen Arbeit spielt der Wiederaufbau des Kosovo eine wichtige Rolle. Allerdings verdr\u00e4ngen die tagespolitischen Themen vieles. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Wolfgang Gehrcke (PDS):<\/b><br \/>\nWie Sie sicher wissen, ist die von Ihnen benannte Abstimmung nach der Wahl zum 14. Deutschen Bundestag noch von den Abgeordneten der 13. Legislatur durchgef\u00fchrt worden. Dies wurde von Seiten der PDS, aber auch von anderen Politikern wie dem FDP-Abgeordneten Burkhard Hirsch scharf kritisiert. Dennoch wurde es so gehandhabt, so dass Ihre Frage nunmehr auch Abgeordnete erreicht, die wie ich oder auch zahlreiche andere Kollegen meiner Fraktion eben nicht an der Abstimmung teilgenommen haben. (&#8230;) Ich darf Ihnen aber f\u00fcr die gesamte PDS-Fraktion &#8211; und hier der alten wie der neuen Legislatur &#8211; versichern, dass alle Abgeordneten gegen alle Beschlussvorlagen gestimmt haben, die den NATO-Krieg gegen Jugoslawien vorbereitet und erm\u00f6glicht haben. Dies trifft auch f\u00fcr die von Ihnen genannte Abstimmung zu. Wir w\u00fcrde uns immer wieder so entscheiden. Die Entwicklungen, zuletzt der Ablauf von Wahlen und die Abwahl von Milosevic, habe uns darin best\u00e4rkt, dass der Weg \u00fcber einen Krieg, der das V\u00f6lkerrecht brach und nur Leid \u00fcber die Menschen in Serbien und Kosovo brachte, falsch war. Zivile Konfliktbew\u00e4ltigung w\u00e4re hier notwendig gewesen. Aber die NATO wollte sich und der Welt Durchsetzungsf\u00e4higkeit und B\u00fcndnistreue aller Mitgliedsstaaten beweisen. Dieser Themenkomplex spielt leider in der \u00d6ffentlichkeit keine gro\u00dfe Rolle. Die Konsequenzen des V\u00f6lkerrechtsbruchs, die Verlogenheit, mit der die \u00f6ffentliche Meinung vor und w\u00e4hrend des Krieges manipuliert worden ist, spielen eine viel zu geringe Rolle im \u00f6ffentlichen Diskurs. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Wolfang Gerhardt (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Zur Drucksache 13\/11469 &#8222;Deutsche Beteiligung an den von der NATO geplanten begrenzten und in Phasen durchzuf\u00fchrenden Luftoperationen zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo-Konftlikt&#8220; hat meine Fraktion mit Ausnahme von Herrn Dr. Hirsch (nein) und Herr Dr. Stadtler (Enthaltung) mit &#8222;ja&#8220; gestimmt. Diese Entscheidung war zwingend und hat bis heute nichts von ihrer Richtigkeit eingeb\u00fc\u00dft. Sie wurde getroffen nach umfassenden Debatten in Arbeitskreisen, in der Fraktion und schlie\u00dflich im Deutschen Bundestag. Bild- und Printmedien haben \u00fcber die Entscheidung des Parlaments in umfassender Form berichtet und sie fachkundig kommentiert. Eine humanit\u00e4re Katastrophe wurde durch den erfolgreichen Einsatz der NATO verhindert. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Konrad Gilges (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) In der Sitzung vom 16. Oktober 1998 habe ich gegen den Antrag der Bundesregierung gestimmt. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr meine damalige Entscheidung gehen aus der Erkl\u00e4rung hervor, die ich damals gemeinsam mit einigen anderen Kolleginnen und Kollegen meiner Fraktion abgab. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Gregor Gysi (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe damals gegen den Antrag der Bundesregierung gestimmt und hatte daf\u00fcr mehrere Gr\u00fcnde. Zun\u00e4chst einmal lehne ich eine deutsche Beteiligung an solchen NATO-Operationen ab. Dar\u00fcber hinaus fand ich auch die NATO-Operation selbst falsch. Das Ganze musste &#8211; wie dann auch geschehen &#8211; auf einen v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien hinauslaufen. Jugoslawien hatte keinen der NATO-Staaten angegriffen, also befand sich weder das B\u00fcndnis noch eine ein einziges Mitglied des B\u00fcndnisses in einer Verteidigungssituation. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte keine Gef\u00e4hrdung des Friedens festgestellt und demgem\u00e4\u00df auch keine milit\u00e4rischen Kampfeins\u00e4tze beschlossen.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, mittels Krieges Menschenrechte durchsetzen zu k\u00f6nnen, schien mir in jeder Hinsicht v\u00f6llig absurd. An dieser, meiner Auffassung hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert. Ich denke schon, dass das Thema breit in der \u00d6ffentlichkeit diskutiert wurde. Das Problem bestand darin, da\u00df die Medien fast gleich geschaltet waren, dass kaum noch jemand in der Lage war, zwischen Wahrheit und Unwahrheit bei der Berichterstattung zu unterscheiden.<\/p>\n<p><b>Uwe G\u00f6llner (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe f\u00fcr den Einsatz gestimmt. Als B\u00fcrgermeister meiner Heimatstadt habe ich seit Beginn des Konfliktes in Jugoslawien immer wieder traumatisierten Kriegsfl\u00fcchtlingen geholfen. Schon im Bosnien-Konflikt habe ich mich immer wieder gefragt, warum denn niemand diesem Schrecken ein Ende setzt.<\/p>\n<p>2. Bei dem Wissensstand, den ich zum Zeitpunkt der Entscheidung hatte, w\u00fcrde ich mich wieder so entscheiden.<\/p>\n<p>3. Ja. Im Wahlkreis spielt die Problematik keine Rolle mehr, als Mitglied im Verteidigungsausschuss bin ich immer wieder damit befasst. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Angelika Graf (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Die Entscheidung, die am 16. Oktober 1998 getroffen wurde, ist sicherlich vielen von uns nicht leicht gefallen. Ich z.B. habe mich bei allen Entscheidungen, die vorher zum Einsatz deutscher Soldaten in Krisengebieten getroffen worden sind, nicht f\u00fcr solche Eins\u00e4tze ausgesprochen, bin also relativ oft von der Fraktionslinie abgewichen. Die Entscheidung und Diskussion \u00fcber den Einsatz deutscher Soldaten im Rahmen des NATO-Kampfeinsatzes im Kosovo war von sehr unterschiedlichen Informationen gepr\u00e4gt. Da waren einerseits Meldungen \u00fcber schreckliche Menschenrechtsverletzungen und die Vertreibungen und Ermordung der albanischen Bewohner des Kosovo durch das Regime Milosevic und seine Schergen. Wir waren uns relativ einig, da\u00df wir &#8211; auch im Hinblick auf unsere eigene Geschichte &#8211; eigentlich nicht unt\u00e4tig zusehen k\u00f6nnen. Und oft haben wir geh\u00f6rt: &#8222;Herrgott, wir m\u00fcssen doch was unternehmen, notfalls mit Waffengewalt.&#8220;<\/p>\n<p>Die Argumente aber gegen einen Kampfeinsatz wogen schwer. Viele Menschen haben uns Briefe geschrieben, die auf die Gefahren und Risiken eines solchen Einsatzes hinwiesen. Wir wu\u00dften, da\u00df NATO-Luftangriffe ohne UN-Mandat v\u00f6lkerrechtswidrig sind, da\u00df damit die Position der UNO als Vermittlungsinstanz geschw\u00e4cht und auf gef\u00e4hrliche Weise Pr\u00e4zedenzf\u00e4lle f\u00fcr andere Interventionen geschaffen werden. Wir wu\u00dften, da\u00df durch die Luftangriffe die knapp 2000 im Kosovo eingesetzten OSZE-Beobachter zum Verlassen der Region gezwungen werden. Da\u00df damit das Morden, Schlachten, Massakrieren durch Milosevic verst\u00e4rkt einsetzen w\u00fcrde, mu\u00dfte jedem von uns klar sein. Alle Erfahrungen mit &#8222;Strafbombardements&#8220; wie z.B. gegen Saddam Hussein im Irak zeigen, da\u00df sie nicht den Diktator, sondern die Zivilbev\u00f6lkerung treffen, die sich au\u00dferdem aber unter dem Eindruck der erlittenen Gewalt nicht von dem Diktator abwendet, sondern sich im Gegenteil mit ihm solidarisiert. Es bestand die Gefahr, da\u00df die Region weiter destabilisiert wird. Die Haltung Ru\u00dflands in dem Konflikt war unkalkulierbar. Die Folge h\u00e4tte ein Fl\u00e4chenbrand auf dem Balkan, ja ein Weltkrieg sein k\u00f6nnen. Das Ende der NATO-Aktion war nicht klar definiert.<\/p>\n<p>Alle diese Bedenken, aber auch das Gef\u00fchl der eigenen Hilflosigkeit haben mich im Oktober 1998 dazu gebracht, mich der Stimme zu enthalten, &#8211; ebenso \u00fcbrigens wie Freimut Duve, Hermann Scheer und andere, &#8211; wohl wissend um die Problematik von Enthaltungen.<\/p>\n<p>Leider mu\u00df man sagen, da\u00df die Experten, die uns damals gewarnt hatten, weitgehend Recht behalten haben: Das gro\u00dfe Schlachten im Kosovo begann direkt nach dem Abzug der OSZE- Beobachter. Ca. eine halbe Million Menschen sind im uns aus dem Kosovo vertrieben worden. (&#8230;) Die Luftbombardements haben die serbischen Einheiten nicht davon abgehalten, Massaker zu ver\u00fcben. Der Ha\u00df aufeinander wurde st\u00e4rker statt schw\u00e4cher. (&#8230;) Nachdenkenswert ist auch die Tendenz, solche Kriege f\u00fcr die hochentwickelten L\u00e4nder insofern zu einem geringen Risiko zu machen, als sie von der Luft aus und ohne Bodentruppen gef\u00fchrt werden. So sehr ich dies nat\u00fcrlich im Interesse unserer Soldaten begr\u00fc\u00dfe, steigt damit aus meiner Sicht andererseits die Gefahr, leichtfertig einzugreifen. (&#8230;)<\/p>\n<p>2. Im Nachhinein w\u00fcrde ich mich wohl &#8211; wenn ich die Entscheidung nochmals treffen k\u00f6nnte &#8211; nicht enthalten sondern dagegen stimmen.<\/p>\n<p>3. (&#8230;) Die Begleitung in der \u00d6ffentlichkeit &#8211; insbesondere in den Medien &#8211; war m.E. \u00fcber l\u00e4ngere Zeit nicht objektiv. Die Gegner des Einsatzes wurden in manchen Medien deutlich verunglimpft. Ich erinnere mich au\u00dferdem mit Schrecken an Reportagen, in denen der deutschen Bev\u00f6lkerung der Eindruck vermittelt wurde, es gebe &#8211; wegen der guten zielgenauen Waffensysteme &#8211; keine zivilen Opfer auf serbischer Seite sondern nur milit\u00e4rische. Das hat man schon beim Golfkrieg versucht. Man m\u00fc\u00dfte m.E. viel deutlicher machen, da\u00df es den Cyber-Krieg, bei dem nur der B\u00f6se getroffen wird und es keine unschuldigen Opfer gibt, nicht gibt. Da\u00df ein Krieg, der mit der Zerschlagung Infrastruktur (z.B. duch die Bombardierung der Donaubr\u00fccken) sich zudem auf die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region &#8211; incl. der stromabw\u00e4rts liegenden Gebiete &#8211; auswirkt. Insbesondere das Fernsehen, welches wochenlang feuerwerks\u00e4hnlich anzusehende Nacht-Bilder von brennenden St\u00e4dten und einschlagenden funkenspr\u00fchenden Raketen gebracht hat, sollte seine Form der Berichterstattung \u00fcberdenken. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Klaus Grehn (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe gegen die Beteiligung deutscher Soldaten an dem Kampfeinsatz\/Krieg gestimmt.<\/p>\n<p>A) Krieg ist kein L\u00f6sungsmittel f\u00fcr strittige Fragen, schon gar nicht in Jugoslawien.<br \/>\nB) Gerade Deutschland sollte sich der Teilnahme an kriegerischen Handlungen enthalten.<br \/>\nC) Aus Gewissensgr\u00fcnden.<\/p>\n<p>2. Ja. Ich w\u00fcrde wieder so entscheiden.<\/p>\n<p>3. Das Thema wird angesichts vieler Ungereimtheiten, die im Nachhinein bekannt wurden, nicht hinreichend behandelt. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Hermann Gr\u00f6he (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe f\u00fcr den Einsatz gestimmt, weil meines Erachtens durch die serbische Aggression und die Vertreibung der albanischen Bev\u00f6lkerung ein Eingreifen unumg\u00e4nglich war. Da ein solches Eingreifen nur im NATO-Rahmen m\u00f6glich und sinnvoll war, war es richtig, dass auch Deutschland seiner B\u00fcndnisverpflichtung nachkam.<\/p>\n<p>2. Bei aller &#8211; \u00fcbrigens erst im R\u00fcckblick m\u00f6glichen &#8211; Detail-Kritik bewerte ich meine damalige Entscheidung auch im Nachhinein als der Situation angemessen. Ich w\u00fcrde bei gleichen Voraussetzungen wieder einem Einsatz der Bundeswehr zustimmen.<\/p>\n<p>3. Der NATO-Einsatz im Kosovo wurde und wird in der \u00d6ffentlichkeit ausgiebig diskutiert. Diese Diskussion muss weiter gef\u00fchrt werden. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Hans-Joachim Hacker (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Auch ich kann mich noch gut an die damalige Situation erinnern. Wenn ich zur\u00fcckdenke, waren zwei Fragen f\u00fcr mich ganz entscheidend: Zum einen die Ersch\u00fctterung \u00fcber die t\u00e4glichen Kriegsberichte aus dem Kosovo, das Leid der betroffenen Menschen und die Ersch\u00fctterung, dies ansehen zu m\u00fcssen. Zum anderen die Frage, dass scheinbar Abhilfe nur durch milit\u00e4rischen Einsatz der NATO geschaffen werde kann und in diesem Fall auch deutsche Soldaten zum Einsatz kommen. Daher m\u00f6chte ich Ihnen nachstehend zu Ihren Fragen wie folgt antworten:<\/p>\n<p>1. Ich habe der Drucksache zugestimmt und damit die Hoffnung verbunden, dass es gelingt, den jugoslawischen Pr\u00e4sidenten Milosevic zum Einlenken zu bewegen &#8211; d.h. Schluss mit Vertreibung und Mord.<\/p>\n<p>2. Die damalige Entscheidung war auch aus heutiger Sicht richtig. Andernfalls w\u00e4re der Kosovo in einen Friedhof verwandelt worden.<\/p>\n<p>3. Dieser Themenkomplex hatte damals eine au\u00dferordentliche Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit. Hierbei verweise ich insbesondere auf die Leistungen Deutschlands zur Aufnahme von Kriegsfl\u00fcchtlingen sowie beim Wiederaufbau im Kosovo und nach der demokratischen Revolution in Serbien auch in diesem Gebiet. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Hubertus Heil (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe bei der entsprechenden Abstimmung des Bundestages der deutschen Beteiligung an den NATO-Luftoperationen im Kosovo zugestimmt. Diese Entscheidung ist mir, wie wahrscheinlich allen meinen Kollegen nicht leichtgefallen. Trotzdem war ich letzten Endes von der Notwendigkeit eines Einschreitens \u00fcberzeugt, um der menschenverachtenden Politik Milosevics ein Ende zu machen und vor allem um eine weit schlimmere humanit\u00e4re Katastrophe zu verhindern.<\/p>\n<p>Auch heute bin ich der Meinung, dass es zu dem entsprechenden Zeitpunkt keine M\u00f6glichkeit mehr gab, den Konflikt mit zivilen Mitteln zu beenden. Deshalb halte ich meine Entscheidung auch weiterhin f\u00fcr richtig. Ohne Zweifel mu\u00df aber unser vorderstes Interesse aber auch in Zukunft darin bestehen, milit\u00e4rische oder \u00f6konomische Krisengebiete zu erkennen und deren demokratische Bewegungen tatkr\u00e4ftig zu unterst\u00fctzen, so dass wir in Zukunft gar nicht erst vor Entscheidungen wie im Kosovo-Konflikt gestellt werden.<\/p>\n<p>Dass dies nicht immer der Fall ist, liegt gewiss nicht zuletzt an dem geringen Interesse, das vielen Krisenregionen in der \u00d6ffentlichkeit zu Teil wird. Die Medienberichterstattung \u00fcber die Probleme der Balkanl\u00e4nder vor Beginn des Krieges lie\u00df, meiner Meinung nach, zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. In solchen F\u00e4llen ist es f\u00fcr Politiker tats\u00e4chlich kein Leichtes, der \u00d6ffentlichkeit die Notwendigkeit gerade finanzieller Unterst\u00fctzung zu vermitteln.<\/p>\n<p><b>Ursula Heinen (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe damals dem NATO-Einsatz der Bundeswehr zugestimmt. Seinerzeit ging es f\u00fcr mich vor allem um die Wiederherstellung der elementaren Grunds\u00e4tze von Menschlichkeit, Recht und Frieden. Wer sich die Bilder der unglaublich mordenden serbischen Soldateska vor Augen f\u00fchrt, wird auch heute kaum anders k\u00f6nnen, als einer milit\u00e4rischen Intervention zuzustimmen. Es handelte sich damals ja um keinen mehr oder weniger regul\u00e4ren Krieg zwischen &#8211; sicherlich auch nicht harmloser &#8211; UCK und jugoslawischer Armee. Das teilweise bestialische Vorgehen der milit\u00e4risch weit \u00fcberlegenden jugoslawischen Soldaten gegen die Zivilbev\u00f6lkerung, gegen Kinder, alte Menschen und Frauen, die systematische Vertreibung, stellten alle bisher erlebten Erfahrungen der vorangegangenen Jahre in den Schatten. Ich bin auch der Auffassung, dass der Kosovo-Konflikt in den deutschen Medien ausreichend thematisiert worden ist. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Reinhold Hemker (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe seinerseits f\u00fcr den milit\u00e4rischen Einsatz gegen das Regime in Belgrad gestimmt, weil im Grunde die serbischen Truppen nicht nur begonnen hatten, einen V\u00f6lkermord zu begehen, sondern bereits dabei waren, Massenabschlachtungen von Kosvo-Albanern zu organisieren und auch konsequent durchf\u00fchrten.<\/p>\n<p>2. Die politische Entwicklung in Serbien mit der Schw\u00e4chung des Milosevic-Regimes und auch die Mobilisierung der Bev\u00f6lkerung mit dem Wahlsieg der Opposition zeigt, dass mit aller Vorsicht in der Bewertung, der milit\u00e4rische Einsatz mitgeholfen hat, das Milosevic-Regime zu schw\u00e4chen. Der Wiederaufbau im Kosovo unter Einbeziehung von r\u00fcckkehrenden Kriegsfl\u00fcchtlingen in Zusammenhang des Stabilit\u00e4tspaktes gehen auch in die richtige Richtung.<\/p>\n<p>3. (&#8230;) Leider wird der gesamte Themenkomplex in der \u00d6ffentlichkeit von den Medien in dem von mir angesprochenen Sinne nicht ausreichend thematisiert, so dass auch ich pers\u00f6nlich mich in meiner Arbeit nicht ausreichend \u00f6ffentlich unterst\u00fctzt finde. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Reinhold Hiller (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Im Deutschen Bundestag habe ich in der Sitzung vom 16. Oktober 1998 dem von Ihnen angesprochenen Antrag in der Drucksache 13\/11469 zugestimmt, weil die NATO- Luftoperationen notwendig geworden waren, weil alle diplomatischen Bem\u00fchungen vergeblich waren, den ehemaligen jugoslawischen Pr\u00e4sidenten Slobodan Milosevic zu einer friedlich L\u00f6sung des Konfliktes um das mehrheitlich von Albanern bewohnte Kosovo zu veranlassen. F\u00fcr mich entscheidend war, dass potentielle Nachahmer durch entschiedenes Handeln der V\u00f6lkergemeinschaft abgeschreckt werden mussten. Der Versuch, Grenz\u00e4nderungen duch milit\u00e4rische Mittel zu erzwingen, und eine Politik ethnischer S\u00e4uberungen durften unter keinen Umst\u00e4nden Erfolg haben und damit nicht zu einem erfolgreichen Mittel zur Durchsetzung von Politik werden. (&#8230;) Die Bilanz des Kosovo-Krieges ist nach meiner Einsch\u00e4tzung durchaus positiv (&#8230;) Ohne das entschiedene Vorgehen der V\u00f6lkergemeinschaft gegen die Aggressionspolitik von Slobodan Milosevic w\u00e4re auch sein Sturz durch die Volkserhebung der serbischen Demokratiebewegung in weite Ferne ger\u00fcckt und nicht m\u00f6glich gewesen. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Stephan Hilsberg (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe mich damals f\u00fcr einen Einsatz der Bundeswehr ausgesprochen. Dabei habe ich mich von der Menschenrechtssituation in Kosovo leiten lassen, von den vielen Verhandlungsbem\u00fchungen zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts, die letztlich ergebnislos verlaufen sind, sowie von der skrupellosen Politik des damaligen jugoslawischen Pr\u00e4sidenten Milosevic, welcher bewu\u00dft ein V\u00f6lkermord in Kauf nahm. Dies konnte Europa nicht ein weiteres Mal hinnehmen.<\/p>\n<p>Ich denke auch heute, dass diese Entscheidung damals richtig war und ich w\u00fcrde mich auch heute so entscheiden, wenn die Konstellation gleich ist.<\/p>\n<p>Es gab nur wenige politische Themen, die in der damaligen Zeit so intensiv diskutiert wurden. Mein Eindruck war durchaus, dass alle Fassetten, die zu einer Urteilsfindung n\u00f6tig sind, damals auf dem Tisch gelegen haben.<\/p>\n<p><b>Dr. Barbara H\u00f6ll (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Alle Mitglieder der PDS-Fraktion, mich inbegriffen, haben sich vor zwei Jahren gegen die deutsche Beteiligung an dem Kosovo-Krieg entschieden. (&#8230;)<\/p>\n<p>2. R\u00fcckblickend halte ich unsere damalige Entscheidung f\u00fcr die einzig richtige und stehe auch heute noch dazu, wie die gesamte Fraktion.<\/p>\n<p>3. Ich bin nicht der Meinung, dass der Themenkomplex gemessen an seiner Bedeutung ausreichend in der \u00d6ffentlichkeit thematisiert wurde. (&#8230;) Diese erste Beteiligung der Bundeswehr an einem Krieg seit dem Ende des 2. Weltkrieges, welches nach meinem Verst\u00e4ndnis gleichzeitig die M\u00f6glichkeit weiterer solcher Eins\u00e4tze impliziert, wird gerade in dieser Bedeutung von den ma\u00dfgeblichen politischen Kr\u00e4ften des Landes bewusst nicht weiter diskutiert.<\/p>\n<p><b>Prof.Dr. Karl-Heinz Hornhues (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Die heutige Entwicklung in Serbien und im Kosovo unterstreicht aus meiner Sicht, dass unsere Entscheidung richtig war. Ob die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber dieses Thema ausreichend informiert wurde, vermag ich nicht zu beurteilen. (&#8230;) Der Ausw\u00e4rtige Ausschu\u00df, dessen Vorsitzender ich zur damaligen Zeit war, hat sich jedoch fraktions\u00fcbergreifend bem\u00fcht, der \u00d6ffentlichkeit unsere Entscheidung verst\u00e4ndlich zu machen. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Gerhard J\u00fcttemann (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe die deutsche Beteiligung an diesem Aggressionskrieg im Bundestag abgelehnt. Diese Entscheidung beruhte auf der Erkenntnis, dass es sich um einen imperialistischen Angriffskrieg handelte, in dem die Interessen der Kosovo-Albaner nur vorgeschoben waren. In Wirklichkeit zerbombten alle an der Aggression beteiligten Soldaten Jugoslawien einschlie\u00dflich dessen Zivilbev\u00f6lkerung ausschlie\u00dflich in ihrem eigenen \u00f6konomischen, politischen und milit\u00e4rischen Interesse.<\/p>\n<p>Zum zweiten sind innerstaatliche Konflikte durch Gewalt von au\u00dfen niemals zu l\u00f6sen. Eher werden sie dadurch versch\u00e4rft. Zum dritten halte ich imperialistische Kriege generell f\u00fcr verbrecherisch. All diese Gr\u00fcnde sind von unver\u00e4nderter Aktualit\u00e4t. Meine Abstimmungsentscheidung war also richtig. Ich w\u00fcrde wieder so entscheiden, wenngleich ich hoffe und w\u00fcnsche, dass es so weit nie wieder kommen wird.<\/p>\n<p>Zu ihrer letzten Frage, ob der Themenkomplex Jugoslawien-Krieg in der \u00d6ffentlichkeit gemessen an seiner Bedeutung ausreichend thematisiert worden ist: Quantitativ offensichtlich ja. Ohne diese mediale Begleitung und Unterst\u00fctzung h\u00e4tte die Bundesregierung diesen Krieg nicht f\u00fchren k\u00f6nnen. Allerdings ist niemals seit dem zweiten Weltkrieg zu einem politischen Thema so hemmungslos, umfassend und gleichgeschaltet gelogen worden wie im Zusammenhang mit dem Jugoslawienkrieg. Noch heute werden diese L\u00fcgen verbreitet und deshalb kann ihre dritte Frage nur ganz entschieden verneint werden. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr.-Ing. Dietmar Kansy (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe damals dem Einsatz deutscher Soldaten im Kosovo-Konflikt zugestimmt. Ich w\u00fcrde auch im nachhinein wieder so entscheiden. Der Milit\u00e4reinsatz ist nach meiner Auffassung eine von vielen Bausteinen gewesen, die letzte Diktatur auf europ\u00e4ischem Boden zu \u00fcberwinden und einen demokratischen und friedlichen Aufbau im ehemaligen Jugoslawien zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><b>Ulrich Kelber (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Da ich 1998 noch nicht Mitglied des Bundestages war, kann ich Ihre drei Fragen nicht direkt beantworten. Ich glaube aber, dass ich mich am 16. Oktober 1998 nicht anders entschieden h\u00e4tte, als die Mehrheit meiner Fraktion. Ich bin auch heute noch davon \u00fcberzeugt, dass die Entscheidung f\u00fcr eine Beteiligung der Bundeswehr an diesem Nato-Einsatz notwendig war, so schwer sie auch jedem Einzelnen gefallen ist und auch mir gefallen w\u00e4re. (&#8230;) Ich bin auch davon \u00fcberzeugt, dass der gesamte Themenkomplex in der \u00d6ffentlichkeit breit und ausf\u00fchrlich diskutiert worden ist, was auch notwendig war, um eine so weitreichende Entscheidung in einem m\u00f6glichst breit getragenen Konsens zu f\u00e4llen. Die aktuelle Entwicklung in Serbien, Montenegro und im Kosovo zeigt m.E., dass die Entscheidung insgesamt in die richtige Richtung gewiesen hat, aber auch, wie notwendig ein weiterer Verbleib der Sfor-Truppen im Kosovo weiterhin ist.<\/p>\n<p><b>Dr. Evelyn Kenzler (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Die Sitzung des Bundestages am 16.10.98 geh\u00f6rt noch in die 13. Legislaturperiode, in der ich dem Bundestag nicht angeh\u00f6rte. Ich h\u00e4tte gegen den Einsatz der Bundeswehr gestimmt, wie ich dies bei verschiedenen Anl\u00e4ssen in der 14. Wahlperiode getan habe. Der Krieg der NATO gegen Jugoslawien war eine v\u00f6lkerrechtswidrige Aggression. Es handelte sich um eine schwerwiegende Verletzung der UNO-Charta. Eine humanit\u00e4re Katastrophe wurde nicht abgewendet, sondern angeheizt. Meine Fraktion hat versucht, die Beteiligung der Bundeswehr durch eine Organklage beim BVerfG zu verhindern. Die Klage wurde abgewiesen. Im \u00fcbrigen bin ich aus historischen, politisch-moralischen und verfassungsrechtlichen Gr\u00fcnden gegen jeglichen Einsatz der Bundeswehr im Ausland.<\/p>\n<p>2. Die Entwicklung seither best\u00e4tigt nach meiner Meinung, dass die Ablehnung der Teilnahme der Bundeswehr, wie die Ablehnung des NATO-Krieges gegen Jugoslawien \u00fcberhaupt richtig war.<\/p>\n<p>3. Der Themenkomplex wird in der \u00d6ffentlichkeit nicht ausreichend thematisiert. Die Teilnahme Deutschlands an einem Aggressionskrieg war eine verh\u00e4ngnisvolle Wende in der Nachkriegsgeschichte unseres Landes. Dessen sind sich gro\u00dfe Teile der \u00d6ffentlichkeit leider bisher noch nicht bewusst geworden. In meiner politischen Arbeit im Wahlkreis und wo immer ich \u00f6ffentlich auftrete, spielt dieser Themenkomplex eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p><b>Dr. Klaus Kinkel (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe daf\u00fcr gestimmt, weil der Einsatz unumg\u00e4nglich geworden war.<br \/>\n2. Ja.<br \/>\n3. Ja, die Medien haben sich breit mit dem Thema befa\u00dft.<\/p>\n<p><b>Klaus Kirschner (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Mit dem Beschlu\u00df, den ich unterst\u00fctzt habe, ist das Ziel verfolgt worden, bedrohten Menschen in einer katastrophalen Situation zu helfen: Menschen, die vertrieben worden sind, die mit Mord bedroht wurden, die in den W\u00e4ldern hausen mu\u00dften, bedroht von Hunger, Krankheiten und anderen schweren Beeintr\u00e4chtigungen ihrer Lebenschancen. Dieser milit\u00e4rische Druck war leider notwendig, zum einen als Ausdruck einer klaren Haltung und eines festen Willens, zum anderen angesichts der schlechten Erfahrungen, die man mit dem Milosevic-Regime gemacht hatte, in Form nicht eingel\u00f6ster Zusagen. Es galt auch das eigentliche politische Ziel zu verwirklichen, das hinter dieser Entscheidung steckte, n\u00e4mlich den Albanern im Kosovo eine Autonomie innerhalb des jugoslawischen Staatsverbandes zu erm\u00f6glichen, die ihre Menschenrechte, ihre kulturelle Identit\u00e4t, ihr Selbstbestimmungsrecht ernst nimmt und auf diese Weise verhindern hilft, was ja als Gefahr auch nicht \u00fcbersehen werden darf, da\u00df n\u00e4mlich in dieser Region Europas ein neues, ein gewaltt\u00e4tiges, ein von Terror ersch\u00fcttertes &#8222;zweites Nordirland&#8220; entstehen k\u00f6nnte. Es ging schlie\u00dflich auch darum, zivile, demokratische, rechtsstaatliche Entwicklungen und die sie tragenden Kr\u00e4fte in der Bundesrepublik Jugoslawien zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>2. Das von nicht wenigen vorhergesagte milit\u00e4rische Fiasko ist zwar ausgeblieben, gleichwohl sollte nicht \u00fcbersehen werden, da\u00df angesichts des brutalen Vorgehens der \u00f6rtlichen Konfliktparteien, insbesondere der Serben, auch Blutvergie\u00dfen in der Zivilbev\u00f6lkerung nicht verhindert werden konnte. Dennoch darf jetzt mit Genugtuung festgestellt werden, da\u00df das Milosevic-Regime nach der Pr\u00e4sidentenwahl nahezu entmachtet ist und die Demokratisierung des Landes fortschreitet.<\/p>\n<p>3. Der Themenkomplex ist gemessen an seiner Bedeutung m.E. ausreichend thematisiert worden. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Heinrich L. Kolb (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe f\u00fcr den Einsatz gestimmt.<br \/>\n2. Ich w\u00fcrde wieder so entscheiden.<br \/>\n3. Ich denke, der Themenkomplex ist ausreichend in der \u00d6ffentlichkeit thematisiert worden. In meiner aktuellen politischen Arbeit spielt der eine geringe Rolle. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>J\u00fcrgen Koppelin (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe gegen den Kosovo-Krieg gestimmt.<br \/>\n2. Ich halte meine Entscheidung auch jetzt noch f\u00fcr richtig.<br \/>\n3. Nein. Ich verweise und begr\u00fcnde meine Haltung auch jetzt noch bei vielen Veranstaltungen, z.B. Bei der Bundeswehr.<\/p>\n<p><b>Karin Kortmann (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich bin erst seit der laufenden Legislaturperiode Mitglied des Deutschen Bundestages, so dass ich zu der von Ihnen angef\u00fchrten Drucksache keine Entscheidung treffen mu\u00dfte. (&#8230;) Ich bewerte jedoch die Entscheidung des Deutschen Bundestages als falsch und w\u00fcrde im Falle einer erneuten Abstimmung gegen einen Einsatz von deutschen Soldaten stimmen. (&#8230;) Ich hoffe, dass die angek\u00fcndigte wissenschaftlich-publizistische Bearbeitung des Themas zugunsten vertrauensbildender Ma\u00dfnahmen beitr\u00e4gt, damit der Bundestag eine solche Entscheidung nicht wieder treffen mu\u00df.<\/p>\n<p><b>Thomas Kossendey (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe f\u00fcr den Einsatz gestimmt, und die meiner Zustimmung zugrundeliegende Einsch\u00e4tzung ergibt sich aus dem Protokoll des Deutschen Bundestages.<\/p>\n<p>2. Ich halte die Entscheidung im Nachhinein gesehen auch f\u00fcr richtig.<\/p>\n<p>3. Dieser Themenkomplex h\u00e4tte, gemessen an seiner Bedeutung in der \u00d6ffentlichkeit, intensiver diskutiert werden k\u00f6nnen; besonders die Eindimensionalit\u00e4t dieser Diskussion, die stattgefunden hat, hat mich negativ ber\u00fchrt.<\/p>\n<p><b>Dr. Paul Kr\u00fcger (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe damals nach sehr langer und reiflicher \u00dcberlegung und Abw\u00e4gung f\u00fcr den Einsatz deutscher Soldaten im Kosovo-Konflikt gestimmt. Diese Gewissensentscheidung war f\u00fcr mich pers\u00f6nlich die schwerste Entscheidung in meinem politischen Wirken. Sie ist nicht leicht gefallen, aber ich halte sie auch heute noch f\u00fcr richtig. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Horst Kubatschka (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe am 16.10.1998 der Entscheidung des Bundestages zugestimmt. Ich war der festen Meinung, die Drohung w\u00fcrde ausreichen, um Milosevic auf eine politische L\u00f6sung einschwenken zu lassen. Milosevic hatte die vorher gehenden Jugoslawienkrieg verloren. Das Ergebnis waren mehrere selbst\u00e4ndige Staaten auf dem Gebiet der Bundesrepublik Jugoslawien. Ich habe nie im Traum daran gedacht, dass Milosevic so gegen die Interessen seines eigenen Volkes handeln w\u00fcrde.<\/p>\n<p>2. Meine damalige Entscheidung betrachte ich sehr zwiesp\u00e4ltig. Die Drohung konnte ja den Krieg nicht verhindern, wie ich eigentlich erwartet habe.<\/p>\n<p>3. Ob der Themenkomplex in der \u00d6ffentlichkeit ausreichend thematisiert wurde, kann ich nicht beurteilen. Dies spielt aber bei meinen politischen Entscheidungen keine Rolle, denn ich kann ja meine Entscheidungen nicht daran messen, wie ein Thema in der \u00d6ffentlichkeit beurteilt wird.<\/p>\n<p><b>Dr. Uwe K\u00fcster (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Die Situation im Kosovo ein Jahr nach der NATO-Operation ist ungleich besser als vor Jahresfrist. Die Internationale Gemeinschaft ist auf dem richtigen Weg. Das Hauptziel der NATO-Operation wurde erreicht. Die Entscheidung, milit\u00e4rische Gewalt nach Aussch\u00f6pfung aller diplomatischen M\u00f6glichkeiten als letztes Mittel einzusetzen, um Belgrad die Instrumente seiner ethnischen Kriegsf\u00fchrung zu nehmen, ist auch aus heutiger Sicht richtig. Tatenloses Zusehen w\u00e4re unmenschlich und verantwortungslos gewesen. Europas Sicherheit war im M\u00e4rz 1999 ernsthaft gef\u00e4hrdet. Flucht, Vertreibung und ethnische Konfrontationen h\u00e4tten in K\u00fcrze zu einem Fl\u00e4chenbrand auf dem Balkan f\u00fchren k\u00f6nnen. Sicherheits-Res. 1244, die nach Aussetzung der Operation &#8222;Allied Force&#8220; am 10. Juni 1999 auf deutsche Initiative verabschiedet wurde, bleibt die Basis f\u00fcr die L\u00f6sung des Kosovo-Konflikts. Ihre Folge war der sofortige Abzug der serbischen Sicherheitskr\u00e4fte, der Aufbau einer internationalen Sicherheitspr\u00e4senz (KFOR), sowie die Einrichtung einer internationalen Zivilverwaltung (UNMIK). (&#8230;) Trotz zeitweiliger Zunahme der Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me nach Beginn der NATO-Operation konnte eine humanit\u00e4re Katastrophe durch schnelle internationale Unterst\u00fctzung verhindert werden. Der Beitrag der Bundeswehr sowie deutscher NGOs dabei war beispielhaft. Die Mehrzahl kosovo-albanischer Vertriebener und Fl\u00fcchtlinge aus der Region ist zur\u00fcckgekehrt; die R\u00fcckf\u00fchrung aus Drittl\u00e4ndern hat begonnen. Dem steht aber die Vertreibung bzw. Flucht von ca. 50 % der Kosovo-Serben, vieler Roma sowie anderer Minderheiten entgegen. Ihre R\u00fcckkehr bleibt vorrangiges Ziel der Politik der Bundesregierung. Eine im Winter drohende humanit\u00e4re Notlage konnte verhindert werden. Trotz der nach wie vor labilen Sicherheitslage ist jetzt die R\u00fcckkehr weiterer Kosovo-Albaner in enger Abstimmung mit UNMIK m\u00f6glich. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Rolf Kutzmutz (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe den damaligen Antrag der Bundesregierung &#8211; wie alle Abgeordneten der PDS &#8211; abgelehnt, weil<\/p>\n<ul>\n<li>jede v\u00f6lkerrechtliche Grundlage fehlte, es sich um eine &#8222;Selbstmandatierung&#8220; der NATO handelte, die weder im Falle des Kosovo, noch sonstwo hinnehmbar ist;<\/li>\n<li>die Androhung (und sp\u00e4ter Anwendung) von milit\u00e4rische Gewalt zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe weder stichhaltig noch sinnvoll war und ist, weil damit unter Inkaufnahme vieler Opfer und immenser Sch\u00e4den sowie von Kosten, die besser f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe und nichtmilit\u00e4rische L\u00f6sungsalternativen aufgewandt worden w\u00e4ren, die zugrundeliegenden Probleme nicht gel\u00f6st, sondern h\u00f6chstens verschoben werden;<\/li>\n<li>ich aus historischen Gr\u00fcnden den Kriegseinsatz deutscher Streitkr\u00e4fte im Ausland pers\u00f6nlich ablehne.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Durch die Entwicklung seit Anfang 1999 bis zum heutigen Tag auf dem Balkan sehe ich mich in meinem damaligen Verhalten best\u00e4tigt und w\u00fcrde wieder so entscheiden.<\/p>\n<p>Dieses Thema wurde und wird leider nicht ausreichend \u00f6ffentlich thematisiert, wodurch die Gefahr weiterer derartiger politischer S\u00fcndenf\u00e4lle mit ihren unabsehbaren gesellschaftlichen Konsequenzen w\u00e4chst. Alle anderen Bundestagsfraktionen sehen die PDS bekanntlich insbesondere wegen ihrer au\u00dfen- und verteidigungspolitischen Positionen als nicht regierungsf\u00e4hig an. So lange deutsche Regierungen eine Politik im Sinne der von Ihnen erw\u00e4hnten Bundestagsentscheidung betreiben, lege ich auch keinen Wert darauf, &#8222;regierungsf\u00e4hig&#8220; zu sein, obwohl dies meine politischen Handlungsf\u00e4higkeiten &#8211; beispielsweise in der Wirtschaftspolitik &#8211; nat\u00fcrlich erheblich einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p><b>Dr. Karl A. Lamers (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe mit Ja gestimmt, weil klar war, da\u00df wir handeln mu\u00dften, nachdem die Friedensverhandlungen gescheitert waren. Nach den von Serbien seit 1991 unter Milosevics F\u00fchrung gef\u00fchrten Kriege und massiven Menschenrechtsverletzungen blieb uns auch gar keine Wahl, wenn wir uns nicht durch Duldung einer unmenschlichen serbischen Politik mitschuldig machen wollten.<\/p>\n<p>2. Sie war richtig, weil es der NATO gelungen ist, die verbrecherische Politik der Milosevic- Clique zu stoppen und eine humanit\u00e4r Katastrophe im Kosovo zu verhindern. Letztlich hat die klare Linie der NATO\/EU\/UN auch die Opposition in Serbien gest\u00e4rkt und ist der Schl\u00fcssel zu der Abl\u00f6sung Milosevics als Pr\u00e4sident Jugoslawiens.<\/p>\n<p>3. Ja. Die Menschen haben verstanden, da\u00df man handeln mu\u00df, wenn politische Verhandlungen zu keinem Ergebnis f\u00fchren. Auch Deutschland als dasjenige Land, das die meisten B\u00fcrgerkriegsfl\u00fcchtlinge aufgenommen hat, mu\u00dfte ein besonderes Interesse an der Beilegung der Konflikte und der Stabilisierung der sicherheitspolitischen Situation auf dem Balkan haben. Dies ist bisher mit Erfolg gelungen, wobei der Bundeswehr ein besonderes Verdienst an der Befriedung der Region zukommt.<\/p>\n<p><b>Karl-Josef Laumann (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe damals dem Einsatz zugestimmt, da mir ein milit\u00e4risches Eingreifen der einzige realistische Weg schien, eine humanit\u00e4re Katastrophe von der albanischen Bev\u00f6lkerungsminderheit im Kosovo abzuwenden. Da es sich um einen europ\u00e4ischen Konflikt handelt, h\u00e4tte ich es als unangemessen empfunden, die L\u00f6sung dieses Konfliktes allein etwa den Amerikanern zu \u00fcberlassen. Als Nato-Mitglied und gro\u00dfer Staat in Europa ist Deutschland in meinen Augen verpflichtet, Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>2. Ich w\u00fcrde auch im Nachhinein wieder so entscheiden, denn auch im R\u00fcckblick war unsere Entscheidung richtig.<\/p>\n<p>3. Der Themenkomplex scheint nur zur Zeit in der \u00d6ffentlichkeit kaum eine Rolle zu spielen. Dies war anders, als die Entscheidung aktuell anstand. Aber auch zu dieser Zeit fand eher die Frage, wie der pazifistische Fl\u00fcgel der Gr\u00fcnen damit umgeht, das Interesse der ver\u00f6ffentlichten Meinung. Insgesamt habe ich die Behandlung dieses Themas f\u00fcr durchaus angemessen gehalten.<\/p>\n<p><b>Werner Lensing (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe sowohl den Entscheidungsvorlagen der Bundesregierung im Herbst 1998 als auch im Fr\u00fchjahr 1999 zugestimmt, da die Politik Belgrads ausschlie\u00dflich auf ein ethnisch &#8222;reines&#8220; Serbien ausgerichtet war. Gewaltsame Vertreibungen albanischer Kosovaren mit dem verwerflichen Ziel, diese dauerhaft aus der Heimat zu entfernen, um so die demographischen Verh\u00e4ltnisse zum einseitigen Nutzen der Serben zu \u00e4ndern, waren das prim\u00e4re Ziel von Milosevic. Dazu waren ihm alle Mittel recht. Nur durch die NATO-Luftangriffe konnten diese Absichten verhindert bzw. beendet werden. In Abw\u00e4gung der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Mittel zeigt sich daher nach meinen Erfahrungen &#8211; auch aus heutiger Sicht &#8211; ganz deutlich, dass ein Nichteingreifen der NATO wesentlich schlimmere Konsequenzen gehabt h\u00e4tte. Dem Morden, Vergewaltigen und Vertreiben der serbischen Milit\u00e4rs und der serbischen Polizei konnte zu meinem allergr\u00f6\u00dften Bedauern nicht anders Einhalt geboten werden als auch &#8211; neben den so wichtigen diplomatischen Bem\u00fchungen &#8211; durch milit\u00e4rische Ma\u00dfnahmen. Die Entscheidung zu den NATO-Eins\u00e4tzen hat mich so stark wie noch keine andere politische Entscheidung zuvor, die ich mit zu bewerten und ggf. zu vertreten hatte (siehe u.a. \u00a7 218 StGB), bedr\u00e4ngt. Dies auch deshalb, da moralisch begr\u00fcndetes Handeln durch ethische Argumente konterkariert wurde. Ich frage\/fragte mich: Verliere ich ein <i>Ideal<\/i> (was schwer zu definieren sein d\u00fcrfte), wenn ich es nicht erreiche? Wenn ich das Ideal nur verfehle, habe ich dann darauf g\u00e4nzlich zu verzichten? Wenn ich handle, um geschundene Menschen zu retten und zugleich mit der Kriegsf\u00fchrung &#8222;zulasse&#8220;, dass unschuldige Menschen sterben, verrate ich dann das Ideal (des Friedens)? Auch umgekehrt gilt: Ethische Argumente, die wiederum durch moralisch motiviertes Handeln konterkariert werden, behalten gleichwohl ihre G\u00fcltigkeit und dienen als Maxime verantwortlicher Gewissensentscheidungen in der Politik. Vor dem Dilemma stehend, einerseits schwerste Menschenrechtsverletzungen nicht zulassen zu d\u00fcrfen und andererseits eventuell gegen das V\u00f6lkerrecht zu versto\u00dfen, hat sich die westliche Staatengemeinschaft nach Abw\u00e4gung aller Vor- und Nachteile und der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Mittel f\u00fcr die Durchsetzung der moralischen Prinzipien sowie f\u00fcr Schutz und Hilfe des albanischen Volkes entschieden. Das Verhalten der verantwortlichen Politiker in den einzelnen Staaten ist f\u00fcr mich daher verantwortungsethisches Handeln im Sinne von Max Weber.<\/p>\n<p>Vor einem \u00e4hnlichen Dilemma stehend, hat Helmut Schmidt im &#8222;hei\u00dfen Herbst&#8220; 1977 ganz unter dem Eindruck der Entf\u00fchrung Hanns Martin Schleyers und der Befreiung der Lufthansamaschine in Mogadischu formuliert: &#8222;Wer weiss, dass er so oder so, trotz allen Bem\u00fchens, mit Vers\u00e4umnis und Schuld belastet sein wird, wie immer er handelt, der wird von sich selbst nicht sagen wollen, er habe alles getan und alles sei richtig gewesen. Er wird nicht versuchen, Schuld und Vers\u00e4umnis den anderen zuzuschieben; denn er wei\u00df: Die anderen stehen vor der gleichen unausweichlichen Verstrickung. Wohl aber wird er sagen d\u00fcrfen: Dieses und dieses haben wir entschieden, jenes und jenes haben wir aus diesen oder jenen Gr\u00fcnden unterlassen. Alles dieses haben wir zu verantworten.&#8220; Augenma\u00df gegen\u00fcber der Sache und Achtung vor der Position der anderen, Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein sowie die Einsicht in die Notwendigkeit aktiven politischen Handelns und das Einstehen f\u00fcr die Konsequenzen sind die Handlungsaximen, denen auch ich mich als Politiker verpflichtet f\u00fchle. (&#8230;) Ich stehe deshalb auch im Nachhinein zu meinen damaligen &#8211; auch aus heutiger Sicht &#8211; richtigen Entscheidung. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe in dieser schwierigen Situation den Einsatz deutscher Soldaten im Kosovo-Konflikt bei der ersten Entscheidung abgelehnt, weil ich ganz gro\u00dfe Bedenken gegen ein milit\u00e4risches Eingreifen der NATO ohne v\u00f6lkerrechtliche Grundlage hatte. Zudem war und ist ungekl\u00e4rt, ob die Anl\u00e4sse (u.a. Rajak) tats\u00e4chlich so vorlagen und den Einsatz rechtfertigten.<\/p>\n<p>2. Ja, das w\u00fcrde ich tun, denn die Situation der Menschen ist nach wie vor absolut unbefriedigend und keine Perspektive deutlich.<\/p>\n<p>3. Nein. Der Fragenkomplex wurde zuwenig in der \u00d6ffentlichkeit diskutiert. Er spielt heute eine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr mich und meine Arbeit. Zu Ihrer Information f\u00fcge ich einen Text bei, den ich als Vortrag bei der Friedrich-Naumann-Stiftung gehalten habe: &#8222;Zwei Jahre rot-gr\u00fcne Menschenrechtspolitik &#8211; Eine kritische Zwischenbilanz&#8220;. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Christa L\u00f6rcher (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe am 16. Oktober 1998 gegen den NATO-Einsatz gestimmt, da ich als Pazifistin eine milit\u00e4rische Konfliktl\u00f6sung f\u00fcr die schlechteste aller M\u00f6glichkeiten halte; der Konflikt wurde durch den Krieg auch keinesfalls &#8222;gel\u00f6st&#8220;.<\/p>\n<p>Dies hat sich in den darauffolgenden Monaten best\u00e4tigt; es sind Milliarden f\u00fcr die Zerst\u00f6rung von Schulen, Br\u00fccken, Krankenh\u00e4usern, Betrieben, Privath\u00e4usern verschwendet worden; das Geld f\u00fcr den Wiederaufbau wurde in weit geringerem Umfang und weit weniger selbstverst\u00e4ndlich bereitgestellt. Das Leiden, das Kinder, Kranke, alte Menschen durch einen Krieg zu ertragen haben, ist in der obigen Rechnung nicht enthalten; ich habe darauf in zwei kurzen Debatten im Europarat zur Situation im Kosovo hingewiesen. Verwundert bin ich, dass die \u00d6ffentlichkeit weitgehend stumm bei dieser Auseinandersetzung war. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Prof.Dr. Christa Luft (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe am 16. Oktober 1998 gegen die Beteiligung deutscher Soldaten an einem Kampfeinsatz gestimmt. Gr\u00fcnde: Laut Grundgesetz ist die Bundeswehr eine Armee mit Verteidigungs-, nicht Angriffsaufgaben. Au\u00dferdem lag ein Mandat des UN-Sicherheitsrates f\u00fcr den NATO-Kampfeinsatz nicht vor. Schlie\u00dflich: Mit Krieg l\u00f6st man keine Probleme wie sie in Kosovo standen und stehen.<\/p>\n<p>2. Auch r\u00fcckblickend halte ich meine Entscheidung f\u00fcr richtig und w\u00fcrde sie heute wieder so treffen.<\/p>\n<p>3. Die PDS hat die erstmalige Beteiligung deutscher Soldaten an einem Kampfeinsatz seit dem zweiten Weltkrieg und das noch unter einer SPD-gef\u00fchrten Regierung als deren fatalste Fehlentscheidung in der Halbzeitbilanz thematisiert. In einer Gro\u00dfen Anfrage zum Kosovo-Krieg hat meine Fraktion die Bundesregierung zum Farbe bekennen veranlasst, insbesondere zu ihren damaligen Angaben \u00fcber Gr\u00e4ueltaten der Serben, \u00fcber aufgefundene Massengr\u00e4ber, erfolgte Hinrichtungen, Vertreibungen, zu ihren unkritischen \u00dcbernahmen von Behauptungen aus US- und NATO-Kreisen usw. Die Antworten waren d\u00fcnn und ausweichend. Die Regierung tut alles, das Thema aus dem \u00f6ffentlichen Interesse zu dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p><b>Pia Maier (PDS):<\/b><br \/>\nIhre Fragen kann ich leider nur sehr allgemein beantworten, weil ich am 16.10.1998 nicht im Bundestag war. Nat\u00fcrlich war ich auch damals schon politisch aktiv, und habe an der Auseinandersetzung auf anderen Ebene teilgenommen. Wie Sie vielleicht wissen, war die PDS- Fraktion gegen den NATO-Einsatz in Jugoslawien generell, da er mit geltendem V\u00f6lkerrecht brach. Eine Beteiligung der Bundeswehr lehnte die Fraktion nicht nur wegen der grunds\u00e4tzlichen Bedenken gegen einen Einsatz von NATO-Truppen ab, sondern auch, weil uns die historische Verpflichtung bewu\u00dft war, dass deutsche Truppen sich nie wieder an einem Angriffskrieg beteiligen d\u00fcrfen, dass sie ganz besonders auf dem Balkan, wo so viel Leid von deutschen Truppen angerichtet wurde, nichts verloren haben. Ich teilte die Gr\u00fcnde der Fraktion schon damals und kann Ihnen heute nur versichern, dass ich mich gegen den oben geannten Antrag entschieden h\u00e4tte. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Lothar Mark (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe einer deutschen Beteiligung an den von der NATO geplanten Luftoperationen zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt zugestimmt, um weitere Gr\u00e4ueltaten an der albanischen Zivilbev\u00f6lkerung zu verhindern und langfristig eine Friedensordnung in einem ethnisch heterogenen Kosovo zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>2. Auch im Nachhinein scheint mir die Entscheidung von damals richtig zu sein, obwohl die Lufoperationen das Leiden sowohl der serbischen wie albanischen Zivilbev\u00f6lkerung zun\u00e4chst versch\u00e4rft haben. Letztendlich wurde der Grundstein f\u00fcr eine dauerhafte Friedensordnung und die Abl\u00f6sung von Pr\u00e4sident Milosevic durch die Luftoperationen gelegt.<\/p>\n<p>3. Der Themenkomplex wurde sicherlich nicht ausreichend diskutiert: Als die Entscheidung n\u00f6tig wurde, war zu wenig Zeit dazu; danach ist das Thema zu schnell aus dem Blickwinkel der \u00d6ffentlichkeit verschwunden. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Angela Marquardt (PDS):<\/b><br \/>\nIch erinnere mich gut an die Situation im Bundestag. Ich war damals gerade als Abgeordnete ins Parlament eingezogen. Es war eine hochgradig angespannte Situation, die \u00fcberall zu sp\u00fcren war. An vielen Stellen machte es sogar den Eindruck von hilfloser \u00dcberforderung, zu einem solch schwierigen Punkt Stellung zu beziehen. Ich habe mich von Anfang an gegen die Entsendung von Bundeswehrsoldaten zu einem solchen Einsatz ausgesprochen und auch so gestimmt. Der Krieg der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien war ein v\u00f6lkerrechtswidriger Angriff und dieser \u00dcberzeugung bin ich auch heute noch. (&#8230;) Angesichts der zunehmenden Militarisierung Europas und des Aufbaus einer Europ\u00e4ischen Sicherheits- und &#8222;Verteidigungs&#8220;identit\u00e4t w\u00fcrde ich mich zu jeder Zeit wieder so entscheiden. Ich bin \u00fcbrigens der Meinung, dass dieser Themenkomplex im Nachhinein nicht gen\u00fcgend aufgearbeitet und analysiert wurde. Es besteht aber auch kein gehobenes \u00f6ffentliches Interesse angesichts der bereits aufgedeckten L\u00fcgen der NATO \u00fcber serbische Massaker an den Kosovo-Albanern, mit denen damals massiv Propaganda betrieben wurde. Auch die Bedeutung des Angriffskrieges f\u00fcr die oben beschriebene Entwicklung der milit\u00e4rischen S\u00e4ule einer Europ\u00e4ischen Union wurde und wird in der \u00d6ffentlichkeit nicht gen\u00fcgend beleuchtet. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Michael Meister (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe dem Antrag in Drucksache 13\/11469 zugestimmt. Ich war und bin der Auffassung, dass wir diesem V\u00f6lkermord auf dem Balkan nicht tatenlos zusehen durften. Daraus ergibt sich die Antwort auf die Frage 2: Ich halte diese Entscheidung auch heute noch f\u00fcr richtig und w\u00fcrde mich auch im R\u00fcckblick wieder so entscheiden.<\/p>\n<p>3. In der \u00d6ffentlichkeit ist die politische Dimension dieser Frage nach meiner Einsch\u00e4tzung nicht hinreichend ins Bewu\u00dftsein ger\u00fcckt. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Friedrich Merz (CDU):<\/b> -Antwort durch Mitarbeiter-<\/p>\n<p>Das von Ihnen an den Vorsitzenden der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion, Herrn Friedrich Merz MdB, und dar\u00fcber hinaus an weitere Abgeordnete der Fraktion gerichtete Schreiben zum Thema &#8222;Einsatz der NATO\/Bundeswehr im Kosovo&#8220; ist mir zur Beantwortung \u00fcbergeben worden. Sie haben darin u.a. sehr pers\u00f6nliche Fragen zum Abstimmungsverhalten zum Mandat f\u00fcr den Kosovo-Einsatz gebeten. Sie haben sicher Verst\u00e4ndnis, dass ich Ihnen dies nicht weiter erl\u00e4utere. Als Anlage darf ich Ihnen jedoch den entsprechenden Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des Deutschen Bundestages v. 25. Februar 1999 mit den Debattenbeitr\u00e4gen und dem Ergebnis der Abstimmung zukommen lassen.<\/p>\n<p><b>Prof.Dr. J\u00fcrgen Meyer (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Diese Entscheidung war notwendig, denn es existierte eine Nothilfelage, die unser Handeln erforderlich machte und rechtfertigt. Die Entscheidung wurde &#8211; ich denke, ich kann insoweit auch f\u00fcr meine Kolleginnen und Kollegen sprechen &#8211; keineswegs leichtfertig, sondern nach einer umfassenden und der Bedeutung dieser Angelegenheit entsprechenden Diskussion getroffen. Einem Diktator wie Herrn Milosevic konnte leider nur auf diese Art und Weise Einhalt geboten und verdeutlicht werden, dass die Gemeinschaft der freien demokratischen Staaten die von ihm ver\u00fcbten Verbrechen gegen die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger des ehemaligen Jugoslawien nicht tatenlos hinnehmen. Nicht zuletzt die aktuellen Entwicklungen in Serbien belegen, dass unsere Entscheidung richtig war.<\/p>\n<p><b>Ursula Mogg (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe seinerzeit der deutschen Beteiligung an den NATO-Aktionen gegen Jugoslawien zugestimmt. Ich tat dies im besonderen unter dem Eindruck der Erfahrungen in den vorangegangenen Jahren. Meine Empfindung war: So darf es nicht weitergehen! Ein zweites &#8222;Srebrenica&#8220; musste unbedingt vermieden werden. Aufgrund dieses Beweggrundes w\u00fcrde ich die Entscheidung auch ein zweites Mal so treffen, freilich verbunden mit der Hoffnung, dass man dann aus begangenen Fehlern Lehren und Schlussfolgerungen zieht. Dazu w\u00fcrde dann eine erfolgreichere Vermeidung ziviler Opfer und eine st\u00e4rkere Konzentration auf die Vermeidung und Unterbindung gegnerischer Aggressionen &#8211; im vorliegenden Fall im Kosovo &#8211; geh\u00f6ren. (&#8230;)<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Diskussion und Berichterstattung \u00fcber die deutsche Beteiligung am Kosovo- Krieg emfpand ich in Form und Inhalt \u00fcberwiegend als angemessen, umfassend und seri\u00f6s. Ich hege die Hoffnung, dass die Erfahrung dieses Krieges dazu f\u00fchrt, dass vergleichbare Ma\u00dfnahmen zuk\u00fcnftig nicht mehr erforderlich sein werden &#8211; wenigstens in Europa. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Winfried Nachtwei (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen):<\/b><br \/>\n(&#8230;) V\u00f6llig zurecht erwarten Sie von uns Politikern eine (selbst-)kritische \u00dcberpr\u00fcfung so einschneidender und umstrittener Entscheidungen wie der zur Androhung von Luftangriffen gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Ihre Annahme, mir sei die Entscheidung schwer gefallen, trifft zu. Es waren Wochen intensivster Information, Diskussion, schlie\u00dflich eines Abw\u00e4gungsprozesses. Das gilt wohl f\u00fcr die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen. (&#8230;)<\/p>\n<p>Zu Ihren Fragen:<\/p>\n<p>1. Am 16. Oktober habe ich mich der Stimme enthalten, weil ich das Dilemma sah zwischen drohender humanit\u00e4rer Katastrophe (unversorgte Binnenfl\u00fcchtlinge in den W\u00e4ldern), der Androhung von begrenzten Luftangriffen als dem einzigen noch wirksamen erscheinenden Mittel und dem fehlenden VN-Mandat. (&#8230;) Im M\u00e4rz 1999 trug ich allerdings die Luftangriffe mit, weil ich zu ihnen &#8211; trotz aller gr\u00f6\u00dfter Problematik &#8211; keine verantwortbare Handlungsalternative sah. Die NATO-Luftangriffe waren ein gro\u00dfes \u00dcbel zur Verhinderung eines unertr\u00e4glichen \u00dcbels, n\u00e4mlich eines zweiten Bosnien.<\/p>\n<p>2. Die Oktober-Entscheidung war weiterhin richtig. Die M\u00e4rz-Entscheidung war unter den damaligen Bedingungen weiterhin richtig. Die Alternative damals war, durch Nichteingreifen eine langsame &#8222;S\u00e4uberung&#8220; des Kosovo im Kontext der UCK-Bek\u00e4mpfung hinzunehmen. Allerdings habe ich, haben wir die &#8211; l\u00e4ngst beschlossene &#8211; NATO-Strategie &#8222;begrenzter Luftoperationen&#8220; nicht konsequent und r\u00fccksichtslos gepr\u00fcft. Das war ein Versagen der Politik und der parlamentarischen Kontrolle. Hinsichtlich Verlauf und Ergebnis wurde der NATO- Luftkrieg dann zum abschreckenden Beispiel. (&#8230;)<\/p>\n<p>3. Der Komplex wurde anschlie\u00dfend ungen\u00fcgend thematisiert: angefangen bei der eigenen Regierung \u00fcber die breite \u00d6ffentlichkeit bis zum Antikriegsprotest und meiner Partei. Wo bilanziert wurde, ging es oft nur um Selbstbest\u00e4tigung, weniger um (selbst-)kritische Aufarbeitung. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Christa Nickels und Gila Altmann (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen):<\/b> -Antwort durch Mitarbeiter in<br \/>\neinem gemeinsamen Schreiben-<br \/>\n(&#8230;) Wie Sie richtigerweise erw\u00e4hnen, wurde die Diskussion um die deutsche Beteiligung an den NATO-Eins\u00e4tzen im Kosovo seinerzeit und bei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen bis heute sehr kontrovers gef\u00fchrt. Die Einzelheiten der Diskussion sowie das Ergebnis der namentlichen Abstimmung sind in der entsprechenden Bundestagsdrucksache nachzulesen. Dort finden Sie f\u00fcr jede\/n Abgeordnete\/n das entsprechende Abstimmungsergebnis.<\/p>\n<p><b>Dirk Niebel (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe der deutschen Beteiligung an NATO-Operationen zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt zugestimmt, weil der V\u00f6lkermord nicht anders zu begrenzen oder zu verhindern gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>2. Ich finde diese Entscheidung auch jetzt richtig.<\/p>\n<p>3. Ja, der Themenkomplex wird in der \u00d6ffentlichkeit ausreichend und objektiv dargestellt. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>G\u00fcnther Nolting (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe zugestimmt, weil durch den Einsatz das T\u00f6ten, Sch\u00e4nden und Vertreiben beendet werden konnte.<br \/>\n2. Ja!<br \/>\n3. Es gab und gibt eine umfassende Berichterstattung in den Medien, wobei mir allerdings Bosnien-Herzegowina in der Berichterstattung und auch im \u00f6ffentlichen Interesse zu kurz kommt. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Kurt Palis (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe damals &#8211; es war \u00fcbrigens die letzte Sitzung des Bundestages der 13. Wahlperiode &#8211; f\u00fcr den Antrag auf eine deutsche Beteiligung gestimmt. Dies vor dem Hintergrund, da\u00df es auch aus meiner Sicht notwendig und geboten erschien, den unbestreitbaren groben Menschenrechtsverletzungen der Belgrader Regierung im Kosovo entgegenzutreten. Ich war mir dabei der umstrittenen v\u00f6lkerrechtlichen Legitimation dieses Einsatzes durchaus bewu\u00dft. Die damaligen Berichte \u00fcber die Ereignisse im Kosovo best\u00e4rkten mich allerdings in meinem Entschlu\u00df, der mir angesichts der Bedeutung nicht leicht gefallen ist.<\/p>\n<p>2. Auch im Nachhinein stand und stehe ich zu dieser Entscheidung, da sie zu diesem Zeitpunkt in diesem Fall Kosovo trotz aller jetzt erkennbaren Problematik die einzig m\u00f6gliche war, um das Belgrader Regime in die Schranken zu weisen und eine nicht hinnehmbare Massenvertreibung zu stoppen bzw. r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Die Androhung der Gewalt f\u00fchrte im Oktober 1998 ja auch vor\u00fcbergehend zu einem Erfolg. Die weitere Entwicklung des Konfliktes im Kosovo und der Verlauf der Kriegshandlungen ab M\u00e4rz 1999 verbieten es allerdings darin ein Modell f\u00fcr Konfliktl\u00f6sungen auch in anderen F\u00e4llen sehen zu wollen.<\/p>\n<p>3. Ich denke schon, da\u00df dieser Themenkomplex w\u00e4hrend der akuten Auseinandersetzung 1999 in der ver\u00f6ffentlichten Meinung ausreichend thematisiert worden war, und damals auch die \u00d6ffentlichkeit &#8211; zumindest die interessierte &#8211; erreichte. Allerdings fehlte &#8211; und daran tr\u00e4gt auch die Politik eine Schuld &#8211; die grunds\u00e4tzliche Auseinandersetzung zur Frage von Konfliktl\u00f6sungsmechanismen bei regionalen Krisen und zu Auslandseins\u00e4tzen der Bundeswehr. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Cornelia Pieper (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe damals f\u00fcr die Beteiligung gestimmt, genauso wie \u00fcbrigens die gro\u00dfe Mehrheit meiner Fraktion. Die Entscheidung habe ich aus pers\u00f6nlicher \u00dcberzeugung, nach eingehender Auseinandersetzung mit dem Thema gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>2. Ich w\u00fcrde mich heute wieder so entscheiden, da der Milit\u00e4reinsatz im Kosovo zur Beendigung eines Genozides gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>3. Der Themenkomplex hat zu einer der intensivsten und kontroversesten Diskussionen in der deutschen Nachkriegsgeschichte gef\u00fchrt und dabei alle Meinungsspektren repr\u00e4sentiert. Ich bin selbst vor kurzer Zeit im Kosovo gewesen und habe dort deutsche Soldaten besucht. So konnte ich mir ein deutliches Bild von der Wichtigkeit und Tragweite unserer damaligen Entscheidung machen.<\/p>\n<p><b>Ruprecht Polenz (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Zugestimmt, weil so die Vertreibung, Verfolgung und Ermordung der Kosovo-Albaner verhindert werden konnte.<br \/>\n2. Ja.<br \/>\n3. Wir debattieren generell zu wenig \u00fcber Au\u00dfen- und Sicherheitspoltik. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Peter Ramsauer (CSU):<\/b> -im Auftrag von Michael Glos (Vorsitzender der CSU-Landesgruppe)-<br \/>\n(&#8230;) 1. Die CSU-Landesgruppe hat geschlossen f\u00fcr die deutsche Beteiligung an den in Phasen durchzuf\u00fchrenden Luftoperationen f\u00fcr die von den NATO-Mitgliedsstaaten gebildete Eingreiftruppe unter F\u00fchrung der NATO gestimmt. Ein Grund f\u00fcr die Zustimmung des Antrags der Bundesregierung lag in der Notwendigkeit, eine Ausweitung des Konflikts zu stoppen und dem V\u00f6lkermord an den Albanern zu verhindern. Nach den Verhandlungen von Rambouillet war deutlich geworden, dass das Milosevic-Regime zu einer Beendigung seiner Verbrechen nicht zu bewegen war. Daher konnte die CSU-Landesgruppe keine Alternative zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe erkennen.<\/p>\n<p>2. Auch r\u00fcckblickend hat unsere Entscheidung Bestand und wir w\u00fcrden erneut f\u00fcr einen solchen Antrag der Bundesregierung stimmen.<\/p>\n<p>3. Wir sind weiterhin der Auffassung, dass der Themenkomplex mit Blick auf die Bedeutung, die ihm beigemessen werden muss, in ausreichender Form diskutiert und thematisiert worden ist. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Helmut Rauber (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe damals f\u00fcr den Einsatz der NATO gestimmt, weil ich fest davon \u00fcberzeugt war, dass nur durch dieses entschlossene Handeln Milosevic gestoppt werden kann. Der Westen hatte viel zu lange und viel zu oft Ma\u00dfnahmen angedroht, ohne jedoch zu handeln. Die Glaubw\u00fcrdigkeit und Handlungsf\u00e4higkeit des B\u00fcndnisses h\u00e4tte schweren Schaden erlitten, wenn es nicht zu diesem Vorgehen gekommen w\u00e4re. Das diplomatische Katz und Maus Spiel von Milosevic durfte nicht l\u00e4nger hingenommen werden. In einer G\u00fcterabw\u00e4gung zwischen Stop des Mordens und fehlendem UN-Mandat habe ich mich f\u00fcr das Intervenieren unter humanit\u00e4ren Aspekten entschieden.<\/p>\n<p>2. Auch heute w\u00fcrde ich diese Entscheidung wieder so treffen.<\/p>\n<p>3. \u00dcber den Krieg selbst wurde zu ausf\u00fchrlich und \u00fcber die au\u00dfenpolitischen Implikationen zu wenig berichtet und diskutiert. Dieser Themenkomplex spielt insofern f\u00fcr die aktuelle politische Arbeit eine gro\u00dfe Rolle, weil sich keine auch noch so gro\u00dfe Institution mit noch so hehren Zielen es sich leisten kann, erneut gegen das V\u00f6lkerrecht zu versto\u00dfen. Deshalb mu\u00df das V\u00f6lkerrecht in der Form neu gefa\u00dft werden, dass unter strengsten Auflagen und Kriterien eine Einmischung in die innere Angelegenheit von Staaten m\u00f6glich ist. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Erika Reinhardt (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Auch mich bewegt dieses Thema nach wie vor pers\u00f6nlich sehr stark. Die Entscheidung \u00fcber den Einsatz deutscher Soldaten an den von der NATO geplanten begrenzten und in Phasen durchzuf\u00fchrenden Luftoperationen zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo- Konflikt ist sicher keinem Abgeordneten leicht gefallen. Meine Entscheidung f\u00fcr den Einsatz zu stimmen, hatte ich in erster Linie mit dem Wissen \u00fcber die schrecklichen ethnischen S\u00e4uberungen und das Elend der Vertriebenen zu tun. Ich war und bin der Auffassung, dass gerade die Erfahrungen die das deutsche Volk mit Vertreibungen im 20. Jahrhundert gemacht hat, unausweichlich gemacht haben, dass diesem Verbrechen an der Menschlichkeit mit allen Mitteln begegnet werden musste und Deutschland hierzu einen Beitrag zu leisten hat! Die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung \u00fcber dieses Thema war in meinen Augen von hohem Augenma\u00df und Sachlichkeit gepr\u00e4gt &#8211; eine Form der Debatte, die ich f\u00fcr angemessen halte. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Bernd Reuter (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. An der namentlichen Abstimmung am 16.10.1999 habe ich damals nicht teilgenommen, weil ich mich zum Zeitpunkt der Sitzung in der Universit\u00e4tsklinik Marburg aufhielt. H\u00e4tte ich an der Sitzung teilgenommen, h\u00e4tte ich ebenfalls mit &#8222;Nein&#8220; gestimmt.<\/p>\n<p>2. Ich w\u00fcrde auch heute noch mit &#8222;Nein&#8220; stimmen, da ich der Meinung bin, dass die Politik andere Mittel und Wege finden muss, Konflikte zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>3. Der Themenkomplex ist seiner Bedeutung nach meines Erachtens nicht ausreichend thematisiert worden. Nach wie vor bin ich der Auffassung, dass die Politik andere M\u00f6glichkeiten suchen muss, Frieden zu schaffen und zu erhalten ohne den Einsatz von Raketen und Bomben. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Ren\u00e9 R\u00f6spel (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich bin erst seit dem 26. Oktober 1998 Mitglied des Bundestages und habe folglich nicht an dieser Abstimmung teilnehmen k\u00f6nnen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich mit nein gestimmt h\u00e4tte. Bei nachfolgenden Abstimmungen Kosovo betreffend habe ich mich enthalten oder mit Nein gestimmt, weil ich gegen die Beteiligung deutscher Truppen an Auslandseins\u00e4tzen bin. (&#8230;) Insgesamt aber glaube ich, dass dieser Themenkomplex &#8211; abgesehen von einem kritischen Fernsehbericht in der ARD &#8211; leider nur noch wenig \u00f6ffentliche Beachtung findet. Inder aktuellen Arbeit spielen die Erfahrungen Ende 1998\/Anfang 1999 im Zusammenhang mit dem Kosovo-Konflikt insofern eine Rolle, als dass ich die Beteiligung an Eins\u00e4tzen noch kritischer sehe. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Klaus Rose (CSU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Nachdem die rot-gr\u00fcne Bundesregierung die Beteiligung am NATO-Engagement im Kosovo beschlossen hatte, blieb einem Oppositionsabgeordneten nur die Alternative, entweder die eigenen deutschen Soldaten zu verunsichern oder, nolens volens, zuzustimmen. Letzteres tat ich schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>2. Da &#8211; abgesehen von finanziellen und pers\u00f6nlichen Lasten &#8211; keine Personalopfer gebracht werden mussten und auf dem Balkan &#8222;gefestigte Waffenruhe&#8220; herrscht, war die Entscheidung richtig.<\/p>\n<p>3. Nein, nat\u00fcrlich nicht. H\u00e4tte die Kohl-Regierung handeln m\u00fcssen, w\u00e4re auf den deutschen Stra\u00dfen der Teufel losgewesen. Aber Herr Fischer ist ja inzwischen der &#8222;beliebteste&#8220; deutsche Politiker.<\/p>\n<p><b>Volker R\u00fche (CDU):<\/b> -Antwort durch Mitarbeiter-<br \/>\n(&#8230;) 1. Herr R\u00fche hat dem Einsatz der Luftwaffe zugestimmt, weil dieser zum Ziel hatte, die an Kosovo-Albanern begangenen Massaker zu stoppen und eine humanit\u00e4r Katastrophe zu vermeiden.<br \/>\n2. Ja.<br \/>\n3. Der Themenkomplex ist ausreichend thematisiert worden. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe zugestimmt in der \u00dcberzeugung, dass der &#8222;Politik&#8220; der Vertreibung und ethnischen S\u00e4uberung anders nicht begegnet werden und der Krieg weiter eskalieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>2. Ich halte die Entscheidung nach wie vor f\u00fcr richtig.<\/p>\n<p>3. Der Themenkomplex ist ausreichend in der \u00d6ffentlichkeit diskutiert worden. Etwas \u00fcberrascht war ich, dass die Welle der Demonstrationen, wie wir sie einige Jahre zuvor bei Ausbruch des Golfkrieges erlebt haben, diesmal weitgehend ausblieb. (&#8230;) Ansonsten besch\u00e4ftigen mich die Folgen des Kosovo-Krieges im Zusammenhang mit der R\u00fcckf\u00fchrung von Fl\u00fcchtlingen.<\/p>\n<p><b>Prof.Dr. Rita S\u00fcssmuth (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Zweifelsohne war die Entscheidung f\u00fcr eine deutsche Beteiligung an der NATO-Operation Allied Force eine der schwierigsten der Nachkriegsgeschichte. Ich habe damals dem Einsatz zugestimmt, da ich der \u00dcberzeugung war, dass dem Morden Einalt geboten werden mu\u00dfte und man sich mit seinen Forderungen gegen\u00fcber Milosevic ansonsten unglaubw\u00fcrdig gemacht h\u00e4tte. Heute, ein Jahr nach dem Einsatz und nach dem Ende der Herrschaft von Milosevic, ist es f\u00fcr mich weniger eine Frage, ob die damalige Entscheidung richtig oder falsch war, sondern eher die Frage, wie man in Zukunft den Frieden in dieser Region dauerhaft sichern kann. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Rudolf Scharping (SPD):<\/b> -Antwort durch Mitarbeiter-<br \/>\n(&#8230;) Die in Ihrem Brief gestellten Fragen lassen sich im Zusammenhang am besten durch die Lekt\u00fcre des Buches des Bundesministers der Verteidigung mit dem Titel &#8222;Wir d\u00fcrfen nicht wegschauen&#8220; beantworten. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Rezzo Schlauch (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe bei der von Ihnen zitierten Abstimmung des Bundestages f\u00fcr eine deutsche Beteiligung an den im Rahmen der NATO geplanten Ma\u00dfnahmen zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo gestimmt. Diese Entscheidung beruhte vor allem auf zwei Erw\u00e4gungen: Zum einen bin ich der festen \u00dcberzeugung, dass die westliche Staatengemeinschaft einer moralisch-politischen Verpflichtung unterliegt, sich f\u00fcr die Achtung von als universell anerkannten Menschenrechten einzusetzen. Es w\u00e4re unvereinbar mit den Grundwerten unserer Gesellschaft, wenn die westliche Welt den Menschenrechtsverletzungen im Kosovo tatenlos zugesehen h\u00e4tte. Zwar stehe ich dem Einsatz milit\u00e4rischer Gewalt grunds\u00e4tzlich sehr kritisch gegen\u00fcber, nachdem sich aber alle nicht-milit\u00e4rischen Mittel als ungeeignet erwiesen hatten, eine merkliche Verbesserung der Lage im Kosovo zu bewirken, erscheint mir die NATO-Operation als ultima-ratio gerechtfertigt. Zum anderen war meine Entscheidung auch von \u00dcberlegungen westlicher B\u00fcndnistreue und einer gerechten Verteilung milit\u00e4rischer und finanzieller Lasten und Verantwortung gepr\u00e4gt. Stimmt man der erl\u00e4uterten grunds\u00e4tzlichen Werthaltung zu, so ist die Beteiligung auch deutscher Soldaten ein Gebot internationaler Solidarit\u00e4t. In der ver\u00e4nderten weltpolitischen Lage nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes verlangen unsere B\u00fcndnispartner, dass sich die Bundesrepublik den neuen Anforderungen der multipolaren Weltordnung stellt. Diesem Anspruch haben wir im Kosovo-Konflikt entsprochen.<\/p>\n<p>2. Auch im Nachhinein halte ich die Entscheidung der Bundesregierung und des Bundestages &#8211; bei aller Problematik im Detail &#8211; grunds\u00e4tzlich f\u00fcr richtig. Die j\u00fcngste demokratische Wende in Serbien w\u00e4re ohne die NATO-Operation in dieser Form wahrscheinlich nicht m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>3. Kaum ein Thema wurde damals in der \u00d6ffentlichkeit so intensiv diskutiert, wie das Vorgehen der NATO im Kosovo. Auch die kritischen Stimmen hinsichtlich der bundesdeutschen Beteiligung fanden meines Erachtens ausreichend Gelegenheit, ihre Argumente in der \u00f6ffentlichen Diskussion darzulegen. Ich bin somit durchaus der Meinung, dass die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung mit diesem Thema &#8211; auch im Vergleich mit anderen NATO-Staaten &#8211; relativ differenziert gef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p><b>Prof.Dr. Edzard Schmidt-Jortzig (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe an der seinerzeitigen Beschlu\u00dffassung im Bundestag extra nicht teilgenommen (und daf\u00fcr auch die betreffende Ordnungsgeldzahlung gerne in Kauf genommen). Ich war seinerzeit noch der amtierende Bundesjustizminister und hatte mich bei dem vorangegangenen Kabinettsbeschlu\u00df, der die Parlamentsvorlage lieferte, ausdr\u00fccklich gegen die in Rede stehende Einsatzentscheidung ausgesprochen. Eine entsprechende Protokollerkl\u00e4rung von mir liegt in den Kabinettsakten. Da ich mich au\u00dferhalb des Kabinetts nicht gegen die Regierungsentscheidung stellen wollte (und durfte: \u00a7 28 II GeschOBRreg), aber auch von meiner Meinung nicht abweichen wollte, kam nur eine Nichtteilnahme in Betracht. Ma\u00dfgeblich war in der Sache f\u00fcr mich vor allem das Fehlen eines entsprechenden Sicherheitsrats-Beschlusses. Denn abgesehen von der schlichten rechtlichen Notwendigkeit einer solchen Voraussetzung schien (und scheint) mir nur durch einen solchen Beschlu\u00df die Gefahr vermieden, da\u00df einzelne Staats- oder B\u00fcndnisinteressen den Ausschlag geben. Immerhin hatte man in ganz \u00e4hnlichen F\u00e4llen mit vergleichbaren humanit\u00e4ren Katastrophen eben von einer milit\u00e4rischen Intervention abgesehen, offenbar weil bestimmte Machtinteressen nicht so eindeutig daf\u00fcr stritten. Schlie\u00dflich schien mir auch die milit\u00e4rische, strategische Richtigkeit des Waffeneinsatzes nicht einleuchtend, weil durch die Luftoperationen voraussehbar die zu sch\u00fctzende Bev\u00f6lkerung selber in Mitleidenschaft gezogen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>2. Nach wie vor halte ich meine Entscheidung von damals f\u00fcr richtig und glaube auch, da\u00df es heute zu einer entsprechenden Initiative der NATO-Staaten nicht mehr kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>3. Die Diskussion seinerzeit war ausf\u00fchrlich. Wenn etwas zu kritisieren w\u00e4re, dann ist es die eskalierende Abfolge von milit\u00e4rischen Vorentscheidungen, welche den Schlu\u00dfentscheid f\u00fcr viele wohl auch unausweichlich erscheinen lie\u00df. F\u00fcr die aktuelle politische Arbeit hat sich seither aber gewi\u00df das Problembewu\u00dftsein gesch\u00e4rft. Das beispielsweise erneut ein milit\u00e4rischer Einsatz out of area ohne Sicherheitsratsbeschlu\u00df vorgenommen w\u00fcrde, halte ich heute f\u00fcr ausgeschlossen.<\/p>\n<p><b>Prof.Dr. Rupert Scholz (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe f\u00fcr die Beteiligung der Bundeswehr an der Befriedung des Kosovo gestimmt. Ich halte diese Entscheidung auch nach wie vor f\u00fcr richtig. Deutschland und unsere Bundeswehr m\u00fcssen sich beim Schutz des internationalen Friedens und der internationalen Wahrung der Menschenrechte aktiv beteiligen. Ich bin auch der Meinung, da\u00df diese Problematik durchaus deutlich in der \u00d6ffentlichkeit vermittelt worden ist, da\u00df unsere Bev\u00f6lkerung auch deutlich hinter dieser Entscheidung steht.<\/p>\n<p><b>Reinhard Freiherr von Schorlemer (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe in besagter Abstimmung f\u00fcr eine Beteiligung deutscher Bundeswehrsoldaten im Rahmen eines von der NATO geplanten milit\u00e4rischen Einsatzes zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt gestimmt. Nat\u00fcrlich habe ich &#8211; wie auch alle meine Abgeordnetenkolleginnen und -kollegen &#8211; mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Denn allen an dieser Entscheidung Beteiligten musste klar sein, dass ein solcher Einsatz Risiken f\u00fcr Leib und Leben unserer Soldaten mit sich brachte. Deshalb war es auch wichtig, die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Sicherheit f\u00fcr die Einsatztruppen zu gew\u00e4hrleisten. Selbstverst\u00e4ndlich mu\u00dfte auch bedacht werden, dass rund 55 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges wieder deutsche Soldaten an einem Kampfeinsatz im Ausland beteiligt sein w\u00fcrden. Dieses Mal jedoch mit dem moralischen Recht auf unserer Seite, f\u00fcr Freiheit und Menschenrechte einzutreten. Im \u00fcbrigen ist eine Teilnahme deutscher Streitkr\u00e4fte von Seiten unserer europ\u00e4ischen Nachbarn und B\u00fcndnispartner nicht etwa kritisch be\u00e4ugt worden; sie wurde sogar erwartet. Denn die Zeiten, in denen sich die Bundesrepublik mittels ihrer Wirtschaftskraft einer Politik des aktiven Eintretens f\u00fcr Frieden und Freiheit entziehen kann, sind vorbei. Unsere B\u00fcndnispartner erwarten von uns den gleichen Beitrag hierzu, den auch sie zu leisten bereit sind.<\/p>\n<p>2. Ich halte die Entscheidung auch heute noch f\u00fcr richtig, und w\u00fcrde mich auch aus aktueller Sicht wieder so entscheiden. Alle diplomatischen Verhandlungen, die \u00fcber Monate gef\u00fchrt worden waren, hatten letztlich nicht zum gew\u00fcnschten Ergebnis gef\u00fchrt. Die Lage f\u00fcr die fl\u00fcchtenden Menschen im Kosovo jedoch wurde immer dramatischer und duldete aufgrund des herannahenden Winters keinen Aufschub mehr. Es galt eine humanit\u00e4re Katastrophe abzuwenden. Die Staatengemeinschaft darf sich jedoch nicht mehr hinter vermeintlichen Hindernissen verstecken, wenn die nackte Existenz von etlichen tausend Menschen auf dem Spiel steht. Des weiteren mu\u00dfte auch ein f\u00fcr allemal klargestellt werden, dass wir im Europa an der Schwelle zum 21. Jahrhundert keine Despoten mehr dulden, deren willk\u00fcrliches und menschenverachtendes Verhalten nur dazu dient, ihre pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen, und die nicht davor zur\u00fcckschrecken, ganze V\u00f6lker ins Verderben zu st\u00fcrzen. Im \u00fcbrigen hat sich ja nach der Abwahl Milosevics gezeigt, dass das jugoslawische Volk l\u00e4ngst nicht so geschlossen hinter ihrem Diktator stand, wie es die Staatsmedien im Kosovo-Konflikt der Welt\u00f6ffentlichkeit klarmachen wollten. Und nachdem das Ausma\u00df der Aktionen der serbischen Sicherheitskr\u00e4fte im Kosovo nun auch in der jugoslawischen \u00d6ffentlichkeit zumindest teilweise ruchbar wird, spricht man auf den Stra\u00dfen Belgrads l\u00e4ngst nicht mehr lauthals von einer Aggression und einem unprovozierten Milit\u00e4rschlag der NATO!<\/p>\n<p>3. Ich denke schon, dass der Themenkomplex in der \u00d6ffentlichkeit ausreichend thematisiert worden ist. Alleine die Vielfalt der unterschiedlichen Medien in der Bundesrepublik hat daf\u00fcr gesorgt das sich die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger tagt\u00e4glich ausreichend informieren und auch eine Meinung bilden konnten. Und dies sowohl \u00fcber den Ernst der Lage f\u00fcr die Menschen im Kosovo, wie auch \u00fcber die Gefahren f\u00fcr die Soldaten der Bundeswehr, die diesen Einsatz bestritten haben. Trotzdem, oder gerade deshalb, war die Zustimmung zu diesem Einsatz seitens der Bev\u00f6lkerung gleichbleibend hoch &#8211; und dies \u00fcber die gesamte Dauer des Konfliktes. In meinem politischen Alltag spielt der gesamte Themenkomplex mittlerweile eine eher untergeordnete Rolle. Nat\u00fcrlich habe ich in meiner Eigenschaft als Mitglied des Ausw\u00e4rtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages mit der Thematik zu tun, wenn hier \u00fcber die Lage im Kosovo beraten wird. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Gerhard Schr\u00f6der (SPD):<\/b> -Antwort durch Mitarbeiter-<br \/>\n(&#8230;) Ich muss Sie um Verst\u00e4ndnis bitten, dass der Bundeskanzler aufgrund seiner erheblichen Arbeitsbelastung nicht in der Lage ist, Ihre an ihn gerichteten, auf seine pers\u00f6nliche Motivation abzielenden Fragen selbst zu beantworten. Ich lege Ihnen aber den Text einer Erkl\u00e4rung des Bundeskanzlers vom 3.\/4. Juni 1999 vor dem Bundestag bei, worin Sie einige Antworten auf Ihre Fragen finden k\u00f6nnen. Ich bin im \u00fcbrigen \u00fcberzeugt, dass der Abzug der serbischen Sicherheitskr\u00e4fte aus dem Kosovo im Juni 1999, auch wenn in den darauffolgenden Monaten vielen Nicht-Albanern Unrecht geschah, sowie die jetzigen Ereignisse in Belgrad eindrucksvoll bewiesen haben: Der NATO-Einsatz war gerechtfertigt. Er hat &#8211; vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen mit den Kriegen in Kroatien und Bosnien und Herzegowina &#8211; ein jahrelanges Morden und Leiden verhindern k\u00f6nnen. Und es gibt jetzt, mit der neuen Regierung in Belgrad, eine wirkliche Aussicht auf eine dauerhafte Stabilisierung und Demokratisierung in Jugoslawien und in der Region. Vor diesem Hintergrund sehe ich nicht, dass sich die Handlungstr\u00e4ger in Deutschland in Bundesregierung und Bundestag, noch einmal vor die Wahl gestellt, im Nachhinein anders als in den Jahren 1998 und 1999 entscheiden w\u00fcrden.<\/p>\n<p><b>Gustav-Adolf Schur (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Zu 1.: gegen den Krieg gestimmt<\/p>\n<ul>\n<li>habe Krieg (2 Bombenteppiche, Blut und Tote)<\/li>\n<li>Armut, Hunger und Elend nach dem II. Weltkrieg erlebt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu 2.: meine Entscheidung war richtig<\/p>\n<ul>\n<li>obzwar ich damals noch Sch\u00fcler war, plagt mich heute noch das Gewissen wegen der von Deutschen ver\u00fcbten Verbrechen und schlie\u00dflich der 55 Millionen Toten des II. Weltkrieges<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu 3.: nein, der Themenkomplex wurde nicht hinreichend behandelt<\/p>\n<ul>\n<li>sowohl das Internationale Europ\u00e4ische Tribunal \u00fcber den NATO-Krieg gegen Jugoslawien wie<\/li>\n<li>die Stellung meiner Partei und der Fraktion der PDS im Bundestag f\u00fcr die Verteidigung der Charta der Vereinten Nationen. (&#8230;)<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Dr. Angelica Schwall-D\u00fcren (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe der deutschen Beteiligung an den Luftoperationen zugestimmt, obwohl ich bei allen vorhergehenden Abstimmungen \u00fcber ein deutsches milit\u00e4risches Engagement mit Nein gestimmt habe. Zuvor schien mir die deutsche Beteiligung zu einseitig milit\u00e4risch ausgerichtet zu sein, ohne dass in ausreichendem Ma\u00dfe zivile Konfliktpr\u00e4vention eine Rolle spielte. Ich habe am 16. Oktober 1998 zugestimmt, weil mir die Zivilbev\u00f6lkerung im Kosovo in einer aussichtslosen Lage zu sein schien, Vergewaltigung, Terror, Vertreibungen und Mord ein solches Ausma\u00df angenommen hatten, dass kein anderer Ausweg zu existieren schien, als die jugoslawische Regierung mit der Androhung und Aus\u00fcbung von Gegengewalt in die Schranken zu weisen. Gleichzeitig gab es die Verabredung, so schnell wie m\u00f6glich Mittel zur Verf\u00fcgung zu stellen, um den Aufbau einer Zivilgesellschaft zu unterst\u00fctzen. Im Stabilit\u00e4tspakt f\u00fcr Osteuropa ist diese Zusage umgesetzt worden.<\/p>\n<p>2. Auch im R\u00fcckblick sehe ich keine andere Option f\u00fcr diese Entscheidung. Selbst wenn uns bekannt gewesen w\u00e4re, dass die Widerstandskraft des Milosevic-Regimes gr\u00f6\u00dfer als vermutet war, au\u00dferdem die Informationspolitik der Vereinigten Staaten und ihre Einsatz-Strategie problematisch war, sehe ich f\u00fcr den damaligen Zeitpunkt keine andere Alternative zum Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung. Allerdings sind aus diesen Erfahrungen Konsequenzen zu ziehen.<\/p>\n<p>3. Auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen, ist es unerl\u00e4sslich, dass die Diskussion und Ausarbeitung von zivilen Konfliktstrategien vorangetrieben, aber auch die Rolle einer gemeinsamen Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik der Europ\u00e4ischen Union definiert wird. Daraus sind entsprechende institutionelle, aber auch milit\u00e4rische Konsequenzen zu ziehen. Dieser Proze\u00df ist begonnen. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Hans Christian Str\u00f6bele (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Als im Oktober vor zwei Jahren im Bundestag \u00fcber die Bombardierung Serbiens abgestimmt wurde, war ich zwar schon gew\u00e4hlt, durfte aber nicht mitstimmen, weil der neue Bundestag sich noch nicht konstituiert hatte. Ich habe deshalb an der ber\u00fchmten Abstimmung nicht teilgenommen. Ihre Frage 1. kann ich daher leider nicht beantworten. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich die Entscheidung und die sp\u00e4teren von Bundestag und Regierung, an diesem Natokrieg teilzunehmen, f\u00fcr falsch und verh\u00e4ngnisvoll gehalten habe. Leider dr\u00fccken sich heute Fraktionen und Parteien vor einer ehrlichen Diskussion dieser Thematik weg. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Peter Struck, Wilhelm Schmidt, Hedi Wegner, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Peter Zumkley (SPD):<\/b> -Gemeinsame Antwort durch Mitarbeiter-<br \/>\n(&#8230;) Da es bei Ihrem Brief um eine sehr pers\u00f6nliche Fragestellung an die Gewissensentscheidung der bzw. des Abgeordneten handelt, kann meine Stellungnahme nur die fachpolitische Position der SPD-Bundestagsfraktion widerspiegeln. Die SPD-Bundestagsfraktion hat in Anbetracht der sich abzeichnenden humanit\u00e4ren Katastrophe und auf der Grundlage ihrer Parteitagsbeschl\u00fcsse den Kosovo-Einsatz bef\u00fcrwortet. Das Ausma\u00df dieser Katastrophe wird daran deutlich, dass sich bereits vor dem Eingreifen der NATO \u00fcber 300.000 M\u00e4nner, Frauen und Kinder auf der Flucht innerhalb und au\u00dferhalb des Kosovo befanden. Trotz der intensivierten Friedensbem\u00fchungen der Staaten der Kontaktgruppe, konnte die serbische F\u00fchrung nicht dazu bewegt werden, die massiven Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen einzustellen. Das uneinsichtige und brutale Vorgehen Milosevics lie\u00df keine Alternative zur Anwendung milit\u00e4rischer Mittel zu. Die SPD-Bundestagsfraktion teilt die Auffassung der Bundesregierung, dass die au\u00dfergew\u00f6hnliche Situation im Kosovo, wie sie auch in der UN-Resolution 1199 beschrieben ist, das Eingreifen der NATO rechtfertigt. Die schnelle und sichere R\u00fcckkehr der vertriebenen Kosovaren w\u00e4re ohne dieses Vorgehen der internationalen Gemeinschaft nicht m\u00f6glich gewesen. Gleichwohl mu\u00df auch erw\u00e4hnt werden, dass es nach dem Einmarsch in das Kosovo (gem. UN-Resolution 1244) auch zu Ausschreitungen gegen Serben und Roma kam. Dieser Umstand betont die Wichtigkeit des Aufbaus rechtsstaatlicher Strukturen und stabiler wirtschaftlicher Verh\u00e4ltnisse. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Dr. Gerald Thalheim (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. F\u00fcr mich war entscheidend, dass die Verhandlungsf\u00fchrer auf Seiten der NATO und der Europ\u00e4ischen Union alles versucht haben, die Milosevic-Regierung zum Einlenken zu bewegen (Verhandlungen in Rambouillet). Ich bin der \u00dcberzeugung, dass hier das Letzte versucht worden ist. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr meine Entscheidung, war dass in Srebrenica und Vukova, um diese beiden Massaker stellvertretend zu nennen, die Milosevic-Regierung zu schlimmsten Verbrechen bereit gewesen ist und aus diesem Grund milit\u00e4risches Eingreifen ausweglos geworden ist. Ich wollte nicht noch einmal, dass unter den Augen von Blauhelm-Soldaten Massenmorde stattfinden.<\/p>\n<p>2. Auch aus der heutigen Perspektive halte ich meine Entscheidung f\u00fcr richtig, auch wenn sich hinterher herausgestellt hat, dass es unter den Zivilisten mehr Tote gegeben hat als damals einger\u00e4umt wurde. Ich komme zu dieser Bewertung, da ich der Meinung bin, dass mit dem Kosovo-Krieg zum ersten Mal Menschenrechtsverletzungen einer Regierun gegen ihre eigene Bev\u00f6lkerung zum Grund f\u00fcr ein milit\u00e4risches Eingreifen geworden sind. Damit wurde f\u00fcr die internationale Politik ein Ma\u00dfstab gesetzt, an dem man weitere Handlungen in der Zukunft messen lassen muss. Man wird es nicht in jedem Fall wiederholen k\u00f6nnen, aber man wird k\u00fcnftiges Verhalten in vergleichbaren Konflikten an dem Vorgehen im Kosovo messen lassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>3. Ich bin der Auffassung, dass der Themenkomplex &#8211; gemessen an seiner Bedeutung &#8211; in der \u00d6ffentlichkeit ausreichend diskutiert wurde. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Uta Titze-Stecher (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich erinnere mich noch lebhaft an die Argumentationen der Gegner, insbesondere den Verweis auf das fehlende UN-Mandat sowie auf den Versto\u00df gegen das Grundgesetz. Nun aber zu Ihren Fragen:<\/p>\n<p>1. Ich habe damals zugestimmt. Da ich Hauptberichterstatterin f\u00fcr den Einzelplan 05 &#8211; den Etat des Ausw\u00e4rtigen Amtes &#8211; im Haushaltsausschuss bin, hatte ich die haushaltsrelevante Berichterstattung zu dieser Entscheidung (&#8222;Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe&#8220;) zu vertreten. Mit entscheidend f\u00fcr meine Zustimmung war die Tatsache, dass mich die Bilder der Fl\u00fcchtlinge an die Flucht meiner Familie aus Polen im Jahr 1945 erinnerten; au\u00dferdem war ich nach den Ereignissen von Srebrenica derma\u00dfen ersch\u00fcttert, dass ich die Vertreibung und Ermordung der Kosovaren durch serbisches Milit\u00e4r und Milizen nicht mehr hinzunehmen bereit war. Nat\u00fcrlich bin ich mir bewu\u00dft, dass jeder milit\u00e4rischen Phase eine Phase vorangeht, in der durch politisches Agieren pr\u00e4ventiv eingegriffen werden kann, um einen Waffengang zu verhindern. Das wurde hier aufgrund der unterschiedlichen Interessenlagen der EU- Mitgliedsstaaten versiebt. Auch die fr\u00fche Anerkennung Kroatiens nach dem Zerfall Jugoslawiens war sicher eine politisch fragw\u00fcrdige Entscheidung, da jegliches Konzept f\u00fcr die Balkanregion fehlte.<\/p>\n<p>2. Ich bin mit meiner Entscheidung nicht gl\u00fccklich, aber auch nicht ungl\u00fccklich: Ich habe sie aufgrund der damals vorliegenden Informationen getroffen und w\u00fcrde sie heute, trotz weitergehender Informationen, wieder treffen. Zu dem damaligen Zeitpunkt war wohl eine politische L\u00f6sung endg\u00fcltig unerreichbar &#8211; siehe Ergebnisse von Rambouillet sowie den st\u00e4ndig gebrochenen Zusagen von Milosevic.<\/p>\n<p>3. Ja &#8211; ich kann aus meinem Erfahrungsbereich (Wahlkreis 201, F\u00fcrstenfeldbruck\/Dachau) sagen, dass dort heftigst und lange diskutiert und demonstriert wurde. Es gab wochenlange Diskussionen in der \u00f6rtlichen Presse (Leserbriefe) sowie Veranstaltungen verschiedener Vereine und Parteien zur Kosovo-Entscheidung. Es gab Austritte bei den Gr\u00fcnen und dezidiert unterschiedliche Meinungen innerhalb der SPD. Meine Entscheidung wurde akzeptiert. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Arnold Vaatz (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe an der fraglichen Abstimmung mit JA gestimmt. Meine Entscheidung basierte auf der Sorge um die Lage im Kosovo und &#8211; als Mitglied des Europaausschusses des Deutschen Bundestages &#8211; auch in Europa, das zu diesem Zeitpunkt ca. 290.000 Fl\u00fcchtlinge aus dem Krisengebiet auf dem Balkan aufzunehmen und zu versorgen hatte. Die Gewalt der serbischen Sicherheitskr\u00e4fte hatte zur Folge, dass ca. 50.000 Menschen schutzlos der Witterung und dem Winter ausgesetzt waren. Um die sich anbahnende humanit\u00e4re Katastrophe einzud\u00e4mmen, musste hier von Seiten der NATO reagiert werden. Um Frieden zu erreichen, sind in manchen Situationen auch Kampfhandlungen gegen die gewaltsame Partei notwendig. Alle friedlichen Versuche der internationalen Staatengemeinschaft, zwischen den Konfliktparteien Verhandlungen herbeizuf\u00fchren, waren gescheitert; eine friedliche L\u00f6sung schien nach meiner \u00dcberzeugung nicht in Sicht. Die absehbare Versch\u00e4rfung der humanit\u00e4ren Notlage rechtfertigte f\u00fcr mich den Einsatz der NATO, wobei ich Ihnen versichere, dass die Entscheidung f\u00fcr mich nicht leicht war.<\/p>\n<p>Zur\u00fcckblickend bewerte ich die Entscheidung als richtig und ich w\u00fcrde mich auch im Nachhinein so entscheiden. Ich bin jedoch der Meinung, dass der gesamte Themenkomplex in der \u00d6ffentlichkeit nicht ausreichend thematisiert worden ist, dies lag aber meiner Ansicht nach an der Dringlichkeit der Entscheidung und in der Neuartigkeit der Situation. Es fehlte sicher ein St\u00fcck weit die Erfahrung in allen Teilen der Gesellschaft und der \u00d6ffentlichkeit, mit einer solchen Situation in Europa umzugehen. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Ute Vogt (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Sie haben Recht, ich habe mir &#8211; ebenso wie alle meine Kolleginnen und Kollegen im Bundestag und in der Bundesregierung &#8211; die Entscheidung nicht leicht gemacht. Insgesamt war die Frage der Beteiligung ein Dilemma: Wir h\u00e4tten uns in jedem Fall schuldig gemacht, entweder durch den Abwurf von Bomben oder dem Zusehen bei der Ermordung einer ganzen Bev\u00f6lkerungsgruppe. Fraglich war also, was die &#8222;kleinere Schuld&#8220; darstellt, falls es so etwas gibt. Nach sorgf\u00e4ltiger Abw\u00e4gung der Argumente und meines Gewissens habe ich bei der Abstimmung am 16. Oktober 1998, aber auch bei der darauf folgenden Abstimmung gegen den Einsatz votiert. Ausschlaggebend f\u00fcr mein Stimmverhalten war, dass es meiner Ansicht nach darum gehen muss, milit\u00e4rische Eins\u00e4tze generell zu vermeiden und sich rechtzeitig um politische L\u00f6sungen zu bem\u00fchen. Bomben haben noch nie Konflikte und Probleme gel\u00f6st, sondern in den meisten F\u00e4llen eher mehr Probleme geschaffen. Das zeigt sich auch jetzt im Kosovo. Zum anderen war der Einsatz meiner Meinung nach nicht vom V\u00f6lkerrecht gedeckt. Ich verstehe zwar die Argumente der Gegenansicht, dem Morden Einhalt zu gebieten, den Vertreibungen nicht tatenlos zuzusehen und den Menschen im Kosovo ihr Recht auf Heimat zu erhalten. Teilen kann ich diese Einsch\u00e4tzung aber nicht, denn ich denke, dieses Ergebnis h\u00e4tte man auch erreichen k\u00f6nnen, wenn man mehr Kraft f\u00fcr die Durchsetzung des \u00d6l- und Wirtschaftsembargos verwendet h\u00e4tte. Zudem w\u00e4re ein Eingreifen der UN der sinnvollere und rechtm\u00e4\u00dfige Weg gewesen, insbesondere da auch Boris Jelzin die Forderung nach einem Waffenstillstand erhoben hatte.<\/p>\n<p>Zu Ihrer zweiten Frage: Ich w\u00fcrde mich auch aus heutiger Sicht und unter Ber\u00fccksichtigung der Nachbetrachtung wieder so entscheiden. Sicherlich ist zuzugeben, dass das Morden beendet werden konnte. Die enormen Folgeprobleme des Konflikts haben mich jedoch noch nicht davon \u00fcberzeugt, dass eben durch die Bombardierung ein dauerhafter Frieden m\u00f6glich wurde. Dieser ist erst durch die demokratische Opposition und durch den Sturz des Diktators Milosevic wahrscheinlicher geworden, der -trotz der zum Teil gewaltt\u00e4tigen Unruhen- im Gro\u00dfen und Ganzen friedlich erzielt wurde.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend merke ich schon sehr deutlich, dass dieser Themenkomplex Auswirkungen auf meine aktuelle politische Arbeit hat. Es hat sich sehr deutlich gezeigt, wie wichtig und entscheidend eine rechtzeitige politische Konfliktl\u00f6sung ist, wie ernst man auch kulturelle Unterschiede nehmen sollte, selbst wenn sie vor dem eigenen kulturellen Hintergrund nur schwer verst\u00e4ndlich sind. Desweiteren wurde offenkundig, wie dringend eine Reform des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und eine Reform der NATO geboten ist, und, vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die Verwendung urangeh\u00e4rteter Munition durch das amerikanische Milit\u00e4r, welche herausragende Verpflichtung es f\u00fcr uns in Europa ist, f\u00fcr eine nichtmilit\u00e4rische Friedenspolitik in der Welt einzutreten. Meine Einstellung, dass Waffen nichts k\u00f6nnen au\u00dfer zerst\u00f6ren, hat sich gefestigt.<\/p>\n<p>Ich hatte damals wie heute den Eindruck, dass in der Bev\u00f6lkerung ausreichend und vor allem sehr intensiv zu diesem Thema diskutiert wurde. Das zeigte sich auch an den vielen Briefen von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern, die ich erhalten habe. In einigen Teilbereichen h\u00e4tte ich mir mehr Informationen gew\u00fcnscht, die nun Schritt f\u00fcr Schritt erfolgen. Aber ich denke, um in Zukunft solche Eins\u00e4tze \u00fcberfl\u00fcssig zu machen, ist es in jedem Fall erforderlich, die Diskussion und die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung nicht abflauen zu lassen. Die Erkenntnis, das Krieg und Bomben, Waffen und Gewalt wo auch immer auf der Welt keine L\u00f6sung sind, ist zeitlos und damit auch weiterhin aktuell.<\/p>\n<p><b>Dr. Antje Vollmer (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen):<\/b> -Antwort durch Mitarbeiter-<br \/>\nFrau Vizepr\u00e4sidentin Dr. Vollmer hat mich beauftragt, Ihnen f\u00fcr Ihr Schreiben vom 12. Oktober 2000 zu danken. Aus den beiliegenden Artikeln zum Thema &#8222;Kosovo&#8220; m\u00f6gen Sie die Position von Frau Vollmer erkennen.<\/p>\n<p><b>Dr. Theo Waigel (CSU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe mich im Deutschen Bundestag f\u00fcr eine Beteiligung der Bundeswehr an friedenserhaltenden und friedensschaffenden Ma\u00dfnahmen im ehemaligen Jugoslawien ausgesprochen. Alle Partner erwarten von Deutschland die \u00dcbernahme einer gr\u00f6\u00dferen Verantwortung bei der L\u00f6sung weltweiter Konflikte. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrde ich mich heute wiederum f\u00fcr eine Zustimmung entscheiden. Dieser Themenkomplex wurde \u00fcber lange Jahre hinweg intensiv innerhalb des Parlaments wie auch au\u00dferhalb diskutiert. Ich erinnere, da\u00df es bereits 1993 zu einer Diskussion \u00fcber eine Beteiligung der Bundeswehr am NATO-AWACS- Verband zur Durchsetzung des Flugverbots \u00fcber Bosnien-Herzegowina gekommen ist. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Entscheidung als grundgesetzkonform eingestuft. In den Jahren danach kam es zu mehrfachen Debatten im Deutschen Bundestag. Dabei wurde die Mehrheit f\u00fcr eine deutsche Beteiligung immer gr\u00f6\u00dfer. Selbst die Fraktion der Gr\u00fcnen hat seit dem Regierungswechsel nicht mehr den Vorwurf der Militarisierung deutscher Au\u00dfenpolitik erhoben und entsprechende Eins\u00e4tze der Bundeswehr gebilligt.<\/p>\n<p><b>Dr. Konstanze Wegner (SPD):<\/b><br \/>\n1. Pro, aber voller Zweifel.<br \/>\n2. Skeptisch, kann nicht sagen, wie ich dann entscheiden w\u00fcrde.<br \/>\n3. Nein, eine &#8222;Nachbereitung&#8220;, die sehr n\u00f6tig gewesen w\u00e4re, ist so gut wie nicht erfolgt.<\/p>\n<p><b>Reinhard Weis (SPD):<\/b> -Antwort durch Mitarbeiter-<br \/>\n(&#8230;) Die Fragen 1. und 2. stehen in so engem Zusammenhang, dass sie zusammen beantwortet werden k\u00f6nnen. Herr Weis hat dem Einsatz zugestimmt, weil auf Grund der Vorgeschichte in Rest-Jugoslawien offensichtlich alle Androhungen von Gewalt nach den diplomatischen Bem\u00fchungen nicht dazu f\u00fchrten, dass das Programm der ethnischen S\u00e4uberungen des Kosovo und die damit verbundene Destabilisierung des Balkan gestoppt werden. Diese Haltung bleibt auch unver\u00e4ndert, wenn im Nachgang erlebt werden musste, dass die Gewalttaten in die andere Richtung umgeschlagen und sich gegen die Serben richteten. Herr Weis verurteilt auch dies. Zur Frage 3, Herr Weis ist der Auffassung, dass die Bev\u00f6lkerung sehr starken Anteil an den Entwicklungen im Kosovo nahm und schon eher ein Einschreiten bef\u00fcrwortete. Allerdings haben die wenigsten mit einer deutschen Beteiligung gerechnet. Dieser Aspekt der Ver\u00e4nderung des Auftrages bzw. Der Einsatzm\u00f6glichkeiten der Bundeswehr wurde aus Sicht von Herrn Weis sehr schnell akzeptiert. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Gerald Wei\u00df (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Nach gewissenhafter Abw\u00e4gung habe ich daf\u00fcr gestimmt, um eine humanit\u00e4re Katastrophe abzuwenden.<br \/>\n2. Ja.<br \/>\n3. Grunds\u00e4tzlich ja. Bei einer CDU-gef\u00fchrten Bundesregierung w\u00e4re die Problematisierung mit Sicherheit gr\u00f6\u00dfer geworden.<\/p>\n<p><b>Guido Westerwelle (FDP):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Ich habe seinerzeit einer deutschen Beteiligung zu den NATO-Luftoperationen im Deutschen Bundestag zugestimmt. Der Themenkomplex wurde damals sowohl im Bundestag wie auch in seinen Fraktionen und Aussch\u00fcssen umfassend und ausreichend besprochen. Die F.D.P.- Bundestagsfraktion hat sich sehr ausf\u00fchrlich informiert und auf der Grundlage dieser Information eine verantwortungsvolle Entscheidung getroffen.<\/p>\n<p><b>Lydia Westrich (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ja, unter dem Eindruck der Massaker, die zuvor in Bosnien-Herzegowina passiert waren, als Blauhelmsoldaten dem entsetzlichen Geschehen zuschauten, nichts tun konnten. Im Nachhinein wussten alle, dass zu sp\u00e4t milit\u00e4risch eingegriffen wurde. Au\u00dferdem sa\u00dfen zur Zeit des Beschlusses alle Parteien noch am Verhandlungstisch. Eigentlich sollte die Entscheidung dazu beitragen, den Druck f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung zu erh\u00f6hen, von deren M\u00f6glichkeit wohl die meisten Kolleginnen und Kollegen ausgingen.<\/p>\n<p>2. Zum Zeitpunkt des Krieges war ich tief entsetzt, was ich auch mit meiner Entscheidung angerichtet habe. Ich bin auch nach vielen Informationen davon \u00fcberzeugt, dass das milit\u00e4rische Eingreifen notwendig war. Die Gefahr eines Fl\u00e4chenbrandes in der gesamten Region (Albanien, Mazedonien,&#8230;) war zu gro\u00df. Ich bedauere aber, dass unsere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr friedliche Konfliktl\u00f6sungen total unterentwickelt, bzw. in den vergangenen Jahren sehr vernachl\u00e4ssigt worden sind. Und das geh\u00f6rt dann schon zur dritten Frage.<\/p>\n<p>3. Ich bin der Meinung, dass wir in unseren zivilisierten Gesellschaften alle Instrumente weiter entwickeln m\u00fcssen, die es uns erm\u00f6glichen, Konflikte gewaltfrei zu l\u00f6sen. Leider nimmt das zur Zeit wenig Raum in der politischen Arbeit ein. Aber die Probleme holen uns schon selbst wieder ein. Man kann im eigenen Land nicht f\u00fcr ein gewaltfreies soziales Miteinander k\u00e4mpfen und gleichzeitig nach au\u00dfen mit Waffen f\u00fcr &#8222;Ruhe und Ordnung&#8220; sorgen. Das wird auf Dauer unglaubw\u00fcrdig. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Helmut Wieczorek (SPD):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Die von Ihnen angesprochene Abstimmung \u00fcber die Beteiligung an den von NATO geplanten begrenzten Luftschl\u00e4gen im Rahmen des Kosovo-Konfliktes war sicherlich einer der weitreichendsten Entscheidungen des Deutschen Bundestages der letzten Jahre. Entsprechend ernsthaft war die vorangegangene Debatte, an die ich mich noch gut erinnere. Ich selbst habe damals zugestimmt und bin auch heute noch davon \u00fcberzeugt, das richtige getan zu haben. Der Schutz der Menschen, der damals wie heute im Vordergrund stand, machte die Androhung und den Einsatz milit\u00e4rischer Mittel zur Abwendung einer humanit\u00e4ren Katastrophe erforderlich. Dabei kann man sicherlich dar\u00fcber streiten, ob der Zeitpunkt und die sp\u00e4ter gew\u00e4hlten Mittel die richtigen waren. Die Entscheidung als solche halte ich aber nach wie vor f\u00fcr richtig. (&#8230;)<\/p>\n<p><b>Klaus-Peter Willsch (CDU):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich habe f\u00fcr den Einsatz gestimmt, weil ich mir schon lange vorher ein entschlossenes Vorgehen des freien Westens gegen Milosevic gew\u00fcnscht habe.<\/p>\n<p>2. Ich stehe nach wie vor zu dieser Entscheidung. Bei aller weiteren Ungewissheit \u00fcber die Zukunft des Kosovo ist zumindestens das Ziel erreicht, Milosevic aus der Macht zu dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>3. Der Themenkomplex wurde meines Erachtens ausreichend thematisiert (&#8230;).<\/p>\n<p><b>Margarete Wolf (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen):<\/b><br \/>\n(&#8230;) Der Krieg im Kosovo war f\u00fcr die Bundesrepublik und f\u00fcr B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen ein einschneidendes Ereignis. Aus diesem Grund haben wir uns die Entscheidung bei der Abstimmung im Bundestag nicht leicht gemacht. Ich habe den Einsatz bef\u00fcrwortet, da ich der Ansicht war, dass alle Verhandlungsm\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft waren und Milosevics Absichten, den Kosovo ethnisch zu s\u00e4ubern, verhindert werden mussten. Auch im Nachhinein kann ich keine andere Handlungsm\u00f6glichkeiten sehen. Es ist uns gelungen, die Vertreibungen r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Dabei will ich nichts besch\u00f6nigen. Der Einsatz, der dem V\u00f6lkerrecht widersprochen hat, muss eine Ausnahme bleiben. (&#8230;) Ich glaube schon, da\u00df der Einsatz im Kosovo in der \u00d6ffentlichkeit gen\u00fcgend thematisiert wurde, denke aber, dass \u00fcber die Folgen zu wenig diskutiert wird. (&#8230;) Vor allem aber m\u00fcssen wir am Aufbau von Mitteln der Gewaltpr\u00e4vention und der zivilen Konfliktbearbeitung arbeiten.<\/p>\n<p><b>Winfried Wolf (PDS):<\/b><br \/>\n(&#8230;) 1. Ich war und bleibe strikter Gegner jeden Krieges (Kriege sind immer Angriffskriege; da\u00df man sich wehren darf und z.Tl. mu\u00df, ist unbestritten). In diesem Fall kam HINZU, da\u00df es ein Krieg unter offenem Bruch von Verfassung und V\u00f6lkerrecht (UN-Charta) war. (&#8230;)<\/p>\n<p>2. Ja, auch im Nachhinein w\u00fcrde ich mich so entschieden haben. Mehr noch: Im Nachhinein wurde noch deutlicher, wie sehr die \u00f6ffentliche Meinung manipuliert wurde, um ihr &#8222;plausibel&#8220; zu machen, da\u00df hier das V\u00f6lkerrecht &#8222;umgangen&#8220; werden k\u00f6nne: Der &#8222;Hufeisen-Plan&#8220; war eine glatte F\u00e4lschung; viele Kriegsdokumente waren gef\u00e4lscht; im Kosovo ist nichts besser geworden, &#8222;nur&#8220; da\u00df nun andere Ethnien vertrieben werden. Vor allem aber zeigt sich: Dies war ein Krieg gegen die zivile Bev\u00f6lkerung. Das Milit\u00e4r wurde weitgehend geschont und Einrichtungen, die prim\u00e4r der Bev\u00f6lkerung dienen, zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>3. Der Kriegs-Themenkomplex wurde in der \u00d6ffentlichkeit nicht ausreichend thematisiert. (&#8230;) Irgendwie gilt: Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Ich bef\u00fcrchte, da\u00df der n\u00e4chste Krieg bereits vorbereitet wird.<\/p>\n<p align=\"right\"><small>[ <a href=\"#top\">nach oben<\/a> ]<\/small><\/p>\n<p><a name=\"42\"><\/a><\/p>\n<h3>4.2. Telefonische Antworten<\/h3>\n<p>Neun Bundestagsabgeordnete nahmen den Brief zum Anla\u00df, in teilweise sehr ausf\u00fchrlichen Telefongespr\u00e4chen, ihre Haltung hinsichtlich ihres Abstimmungsverhaltens zur Frage der Bundeswehrbeteiligung im <i>Kosovo-Krieg<\/i> zu erl\u00e4utern und stellten sich dabei der Diskussion \u00fcber den Themenkomplex.<\/p>\n<p>Inhaltlich vergleichbar mit den schriftlichen Antworten, bekr\u00e4ftigten die Bef\u00fcrworter des Krieges auch nachtr\u00e4glich ihre damalige Haltung bzw. die Gegner die ihrige.<\/p>\n<p>Ein SPD-Bundestagsabgeordneter \u00fcberraschte mit seiner offenen Kritik an der eigenen Partei sowie dem Bundesverteidigungsminister. Er teilte mit, da\u00df er zun\u00e4chst f\u00fcr eine Beteiligung der Bundeswehr an dem Krieg gestimmt habe. Problematisch sei es dann f\u00fcr ihn geworden, als die &#8222;endlosen Bombardements&#8220; nicht enden wollten, worauf er sich in einem kleine Kreis innerhalb der SPD f\u00fcr einen Waffenstillstand sowie den Eintritt in eine neue Verhandlungsrunde engagiert habe.<\/p>\n<p>Freim\u00fctig teilte er sodann mit, da\u00df die pro-kriegerische Darstellung von Bundesverteidigungsminister Scharping zum sog. &#8222;Hufeisenplan&#8220; &#8222;nicht korrekt&#8220; gewesen sei. Dieser habe ihn und seine Kollegen &#8222;an der Nase herumgef\u00fchrt&#8220;.<\/p>\n<p align=\"right\"><small>[ <a href=\"#top\">nach oben<\/a> ]<\/small><\/p>\n<p><a name=\"5\"><\/a><\/p>\n<h3>5. Auswertung<\/h3>\n<h3>A) Antrag der Bundesregierung<\/h3>\n<p>1. Bei genauer Lekt\u00fcre des Antrages \u00fcberrascht vor allem der zeitliche Ablauf des Handlungsgeschehens: Es wird im Antrag darauf hingewiesen, da\u00df der NATO-Rat am 8. Oktober 1998 die Operationspl\u00e4ne f\u00fcr begrenzte und in Phasen durchzuf\u00fchrende Luftoperationen abschlie\u00dfend gebilligt habe und nach Zustimmung der Mitglieder der Allianz den Einsatz autorisiert habe. Sodann hei\u00dft es, da\u00df am 9. Oktober, also am darauffolgenden Tag, der NATO- Rat die Rechtsgrundlage f\u00fcr das Handeln des B\u00fcndnisses er\u00f6rtert habe. Im folgenden werden f\u00fcnf Argumente f\u00fcr ein milit\u00e4risches Eingreifen genannt.<\/p>\n<p>Bereits am 12. Oktober 1999, also lediglich drei Tage sp\u00e4ter, legte die wenige Tage zuvor gew\u00e4hlte <i>SPD-B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen-Bundesregierung<\/i> einen Antrag zur Abstimmung im Bundestag vor, \u00fcber welchen vier Tage sp\u00e4ter der alte und nicht der neu gew\u00e4hlte Bundestag (dieser konstituierte sich erst am 26. Oktober 1998) abzustimmen hatte.<\/p>\n<p>Daraus mu\u00dfte zwangsl\u00e4ufig ein ungemeiner Druck auf alle Entscheidungstr\u00e4ger (vor allem auf die Bundestagsabgeordneten) ausgehen, dem man sich wohl nur mit gro\u00dfer Anstrengung entziehen konnte. Genau dieses Problem wurde von einigen Bundestagsabgeordneten im Nachhinein genannt. Einer von ihnen brachte es folgenderma\u00dfen auf den Punkt: &#8222;Allerdings habe ich, haben wir &#8211; die l\u00e4ngst beschlossene &#8211; NATO-Strategie begrenzter Luftoperationen nicht konsequent und r\u00fccksichtslos gepr\u00fcft. Das war ein Versagen der Politik und der parlamentarischen Kontrolle.&#8220;<\/p>\n<p>2. Hauptargument der Begr\u00fcndung des Antrages ist die mehrfach wiederholte drohende <i>humanit\u00e4re Katastrophe <\/i>sowie die gesch\u00e4tzten 290.000 Fl\u00fcchtlinge und Binnenvertriebenen. Die sich mehrfach wiederholende Einsch\u00e4tzung der Notsituation zahlreicher Menschen im Kosovo und die immer wieder genannte abzuwendende &#8211; aus Sicht des NATO- Rates unweigerlich drohende &#8211; <i>humanit\u00e4re Katastrophe <\/i>machen es dem Leser schwer, sich dem appellativen Charakter dieses Handlungsauftrages zu entziehen.<\/p>\n<p>3. Offenbar in Erwartung der nicht erfolgenden Legitimation des Krieges durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird im Antrag darauf hingewiesen, da\u00df in eben dieser Situation die von der Bundesregierung bereitgestellten Kr\u00e4fte auf der Grundlage eines entsprechenden Beschlusses des NATO-Rates eingesetzt werden sollen, um die Forderungen aus den Sicherheitsrats-Resolutionen 1160 und 1199 durchzusetzen. Damit wird zum Ausdruck gebracht, da\u00df der Krieg auch ohne Legitimation durch den Sicherheitsrat der Vereinte Nationen gerechtfertigt sei und bzw. wird der Eindruck erweckt, als stelle er keinen Rechtsbruch dar.<\/p>\n<h3>B) Die Reaktionen der Bundestagsabgeordneten<\/h3>\n<p>Vor allem \u00fcberrascht die Vielzahl der R\u00fcckmeldungen: Von 669 angeschriebenen Bundestagsabgeordneten antworteten 137, neun von ihnen telefonisch.<\/p>\n<p>30 dieser Abgeordneten stimmten gegen den betreffenden Antrag, drei enthielten sich der Stimme, 20 Abgeordnete konnten an der Abstimmung nicht teilnehmen, da sie erst der 14. Legislaturperiode angeh\u00f6rten und schlie\u00dflich 84 der Abgeordneten stimmten dem Antrag zu.<\/p>\n<p>Von Bef\u00fcrworter jenes Antrages wurden folgende Argumente &#8211; sich mehrfach wiederholend &#8211; als Begr\u00fcndung genannt:<\/p>\n<ul>\n<li>Ethnische S\u00e4uberungen durch Milosevic<\/li>\n<li>Menschenverachtende Politik Milosevics<\/li>\n<li>Staatsterrorismus durch Milosevic<\/li>\n<li>den &#8222;Schl\u00e4chter Milosevic aufhalten&#8220;<\/li>\n<li>V\u00f6lkermord durch serbische Truppen<\/li>\n<li>Verhinderung einer drohenden humanit\u00e4ren Katastrophe<\/li>\n<li>stattfindende Massaker in Bosnien-Herzegowina<\/li>\n<li>Verhandlungm\u00f6glichkeiten waren ausgesch\u00f6pft<\/li>\n<li>Kosovo &#8222;w\u00e4re in einen Friedhof verwandelt worden&#8220;<\/li>\n<li>\u00dcberwindung der letzten Diktatur auf europ\u00e4ischem Boden<\/li>\n<li>B\u00fcndnispflichten als NATO-Mitglied.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zwar wurde der Einsatz von einigen (wenigen) Bef\u00fcrwortern zur\u00fcckblickend aufgrund des Kriegsverlaufs u.a. Gr\u00fcnde kritisiert, insgesamt ist jedoch festzustellen, da\u00df die Zustimmung zur Bundeswehrbeteiligung an jenem Krieg auch im Nachhinein eine ungebrochene Best\u00e4tigung findet.<\/p>\n<p>Ausschlie\u00dflich jene Abgeordnete, die gegen den Antrag stimmten, fanden eindeutig kritische Formulierungen (auch diese wiederholten sich mehrfach):<\/p>\n<ul>\n<li>Selbstmandatierung der NATO<\/li>\n<li>V\u00f6lkerrechtswidriger Angriffskrieg<\/li>\n<li>Verletzung der Bestimmungen des Grundgesetzes<\/li>\n<li>imperialistischer Angriffskrieg<\/li>\n<li>Manipulation der \u00f6ffentlichen Meinung<\/li>\n<li>hemmungslose und umfassende Gleichschaltung der Medien<\/li>\n<li>umfassender Versuch der Regierung, das Thema aus dem \u00f6ffentlichen Interesse zu dr\u00e4ngen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Bundestagsabgeordneter formuliert im Nachhinein: &#8222;Leider dr\u00fccken sich Fraktionen und Parteien vor einer ehrlichen Diskussion dieser Thematik weg.&#8220;<\/p>\n<p>Auffallend sind die vor allem von den Bef\u00fcrwortern (!) des Krieges genannten fehlenden Instrumente ziviler Konfliktl\u00f6sungen. Hierzu gibt es u.a. folgende Meinungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Rahmen f\u00fcr friedliche Konfliktl\u00f6sungen fehlen<\/li>\n<li>Forderung nach dem Aufbau von Mitteln der Gewaltpr\u00e4vention und der zivilen Konfliktbearbeitung<\/li>\n<li>zivile Konfliktbearbeitung w\u00e4re notwendig gewesen<\/li>\n<li>M\u00f6glichkeiten suchen, Frieden zu schaffen, ohne den Einsatz von Bomben<\/li>\n<li>M\u00f6glichkeiten der zivilen Konfliktl\u00f6sung sind total unterentwickelt<\/li>\n<li>Instrumente weiterentwickeln, um Konflikte gewaltfrei zu l\u00f6sen<\/li>\n<li>am Aufbau von Mitteln der Gewaltpr\u00e4vention arbeiten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hier sollte es die <i>Friedensbewegung <\/i>nicht vers\u00e4umen, die entsprechenden Parlamentarier beim Wort bzw. in ihre Verantwortung zu nehmen.<\/p>\n<p>Zur Frage der ausreichenden \u00f6ffentlichen Thematisierung jenes Konfliktgegenstandes gingen die Meinungen erwartungsgem\u00e4\u00df sehr auseinander. \u00dcberwiegend wird jedoch die Meinung vertreten, da\u00df eine ausreichende Auseinandersetzung stattgefunden habe.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist hervorzuheben, da\u00df so gut wie alle Bef\u00fcrworter jenes Krieges das Wort <i>Krieg <\/i>in ihrer Antwort vermieden und umsomehr nicht bereit waren sich mit den von Kriegsgegnern in der Nach-Kriegszeit vorgetragenen Argumenten gegen den Krieg, die sich folgenderma\u00dfen zusammenfassen lassen:<\/p>\n<ul>\n<li>Versto\u00df gegen V\u00f6lkerecht, Kriegsv\u00f6lkerrecht und Grundgesetz<\/li>\n<li>nicht erreichte Ziele<\/li>\n<li>Verselbst\u00e4ndigung des Kriegsgeschehens<\/li>\n<li>Selbstmandatierung der NATO<\/li>\n<li>nicht zu rechtfertigende Opfer innerhalb Zivilbev\u00f6lkerung<\/li>\n<li>nicht zu rechtfertigende Sch\u00e4den durch die Bombardements<\/li>\n<\/ul>\n<p>auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p align=\"right\"><small>[ <a href=\"#top\">nach oben<\/a> ]<\/small><\/p>\n<div align=\"right\"><a name=\"6\"><\/a><\/div>\n<h3>6. Ausblick<\/h3>\n<p>Die Reaktionen der Bundestagsabgeordneten machen deutlich, da\u00df der erste Kriegseinsatz von Bundeswehrsoldaten nach dem <i>Zweiten Weltkrieg <\/i>von den Parlamentariern eine Entscheidung abn\u00f6tigte, die wohl den meisten von ihnen sehr schwer gefallen ist und stark emotional gepr\u00e4gt war.<\/p>\n<p>Dies d\u00fcrfte die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr sein, da\u00df so zahlreich geantwortet wurde. Offensichtlich bewegt dieses Thema noch immer die Gem\u00fcter der Bundestagsabgeordneten.<\/p>\n<p>Entsprechend der pers\u00f6nlichen Fragestellung des Briefes an die Parlamentarier spiegeln deren Antworten die pers\u00f6nliche Meinung des jeweiligen Abgeordneten wider. Jene Meinungen gehen naturgem\u00e4\u00df sehr weit auseinander. Unabh\u00e4ngig von der jeweiligen Haltung kommt aber sowohl von den Bef\u00fcrwortern, als auch von den Gegnern des Krieges, immer wieder die au\u00dferordentliche politische Bedeutung der betreffenden Bundestagsentscheidung zum Ausdruck.<\/p>\n<p>Umso erstaunlicher ist es, da\u00df inzwischen &#8211; eineinhalb Jahre nach Kriegsende &#8211; von jener kontroversen politischen Sichtweise im aktuellen bundespolitischen Diskurs so gut wie nichts mehr zu sp\u00fcren ist.<\/p>\n<p>Gemessen an der politischen und gesellschaftlichen Bedeutung des ersten Kampfeinsatzes von Bundeswehrsoldaten in einem Krieg, w\u00e4re es mehr als notwendig, jenen notwendigen Diskurs von den politischen Mandatstr\u00e4gern einzufordern, damit die Zustimmung zur Kriegsteilnahme kein Modell k\u00fcnftiger Handlungsstrategien innerhalb der deutschen Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Vorbemerkung 2. Antrag der Bundesregierung 3. Brief an alle Bundestagsabgeordneten im Wortlaut 4. Reaktionen der Bundestagsabgeordneten 4.1. Schriftliche Antworten 4.2. Telefonische Antworten 5. Auswertung 6. Ausblick 1. Vorbemerkung Am 24. M\u00e4rz 1999 fand mit der Beteiligung der Bundeswehr am Krieg im ehemaligen Jugoslawien eine Z\u00e4sur in der Au\u00dfen- und Verteidigungspolitik der Bundesrepublik statt: Erstmals &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2001\/04\/dokumentation-einer-schriftlichen-befragung-aller-bundestagsabgeordneten-zu-ihrem-abstimmungsverhalten-hinsichtlich-der-bundeswehrbeteiligung-am-kosovo-krieg\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Dokumentation einer schriftlichen Befragung aller Bundestagsabgeordneten zu ihrem Abstimmungsverhalten hinsichtlich der Bundeswehrbeteiligung am Kosovo-Krieg - graswurzelrevolution","description":"1. Vorbemerkung 2. Antrag der Bundesregierung 3. Brief an alle Bundestagsabgeordneten im Wortlaut 4. Reaktionen der Bundestagsabgeordneten 4.1. 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