{"id":12609,"date":"2009-12-30T00:00:13","date_gmt":"2009-12-29T22:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12609"},"modified":"2022-07-26T14:14:39","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:39","slug":"vom-gerichtssaal-auf-die-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/12\/vom-gerichtssaal-auf-die-strasse\/","title":{"rendered":"&#8222;Vom Gerichtssaal auf die Stra\u00dfe&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Das Haus in der Liebigstra\u00dfe 14 wurde 1990 nach Leerstand besetzt                 und erlangte 1992 durch die Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain                 (WBF) Einzelmietvertr\u00e4ge. Seit der Besetzung bietet das Projekt                 gemeinschaftlich verwalteten Wohnraum f\u00fcr Menschen verschiedenster                 Altersgruppen und Herkunft sowie Platz f\u00fcr kulturelle Veranstaltungen                 und politisch- emanzipatorische Arbeit. Im Jahr 1999 wurde das                 Haus an die LiLa GbR verkauft, bestehend aus den Gesellschaftern                 Suitbert Beulker und Edwin Th\u00f6ne. Mit dem Eigent\u00fcmerwechsel begann                 eine Reihe von aggressiven Ma\u00dfnahmen gegen die BewohnerInnen und                 die kollektive Wohnform. Wie z.B. die R\u00e4umung der Gemeinschaftsr\u00e4ume                 im Erdgeschoss 2007 und dem Abbau einer Zwischent\u00fcr im Treppenhaus,                 welche von den BewohnerInnen notwendigerweise anstelle der einzelnen                 Wohnungst\u00fcren eingesetzt worden war. Diese musste letztendlich                 auch als K\u00fcndigungsgrund herhalten. <\/p>\n<p> Die Liebig 14 positioniert sich gegen gesellschaftliche Ausgrenzung                 und Unterdr\u00fcckung jeglicher Art und bietet kollektiven Wohnraum                 f\u00fcr politisch Interresierte und vom profitorientierten Wohnungsmarkt                 Ausgeschlossene. Die selbstorganisierte Hausgemeinschaft erm\u00f6glicht                 zudem ein solidarisches und selbstbewusstes Auftreten im Umgang                 mit &#8222;Hauseigent\u00fcmern&#8220; und drohender Verdr\u00e4ngung. <\/p>\n<p>Die Verdr\u00e4ngung unkommerzieller Projekte ist mit eine Folge der                 umfassenden Aufwertung der Innenstadtgebieten (Gentrifizierung).                 Die Modernisierung von g\u00fcnstigem Wohnraum und die dadurch steigenden                 Mieten sind eine folge kapitalistischer Verwertungslogik. Dadurch                 findet vor allem eine Verdr\u00e4ngung einkommensschwacher Menschen                 statt.<\/p>\n<p>Organisierte Hausgemeinschaften, wie sie in Hausprojekten existieren,                 erm\u00f6glichen von Gentrifizierung betroffenen MieterInnen, sich                 gegen drohende Verdr\u00e4ngung effektiv zur Wehr zu setzen. Daher                 ist der Kampf f\u00fcr den Erhalt eines Autonomen Hausprojektes ist                 als exemplarisch f\u00fcr den Widerstand gegen Gentrification zu begreifen.               <\/p>\n<h3>&#8222;Wenn sie sich mit eineR von uns anlegen, legen sie sich mit                 uns allen an.&#8220;<\/h3>\n<p>Die Liebig 14 ist in Berlin Teil einer Struktur linksradikaler                 Freir\u00e4ume, in denen versucht wird, die Einfl\u00fcsse gesellschaftlicher                 Ausgrenzungs- und Unterdr\u00fcckungsmechanismen wie z.B. Rassismus,                 Sexismus, Homophobie m\u00f6glichst gering zu halten. Doch geht es                 nicht darum, sich die eigene sch\u00f6ne Welt zu schaffen sondern um                 den Anspruch, mit den Ideen einer Gesellschaft ohne Kapitalismus,                 Hierarchien und Unterdr\u00fcckung in die Gesellschaft zu intervenieren.                 Der Verlust eines Raumes, in dem dies erprobt und f\u00fcr einige Menschen                 lebbar gemacht wird, ist nicht hinzunehmen. Das Vorgehen gegen                 eines unserer Kultur- und Wohnprojekte ist ein Angriff auf alle,                 die dieses und \u00e4hnliche Projekte nutzen aber auch auf alle, die                 mit den Ideen und Anspr\u00fcchen des Projektes die Gesellschaft erreichen                 wollen. Darum seid solidarisch und unterst\u00fctzt den Kampf um den                 Erhalt der Liebigstra\u00dfe 14.<\/p>\n<p>Gerade in letzter Zeit kam es in Berlin zu einem Schlag der staatlichen                 Repressionsorgane gegen Einzelpersonen sowie linksradikale Strukturen.                 Menschen wurden festgenommen, Hausprojekte gerazzt, keine 2 Wochen                 sp\u00e4ter wird das Wohnprojekt in der Brunnenstra&szlig;e 183 ger\u00e4umt                 und kurz darauf ein Jugendlicher in einem Park von Zivilpolizisten                 angeschossen. Darauf gab es bereits viele Antworten, jedoch gilt                 es auch nach vorne zu blicken und sich auf kommende Ereignisse                 vorzubereiten um nicht weiter in die Defensive zu geraten. Eine                 R\u00e4umung der Liebig 14 kommt f\u00fcr uns nicht in Frage. Zeigen wir                 gemeinsam, dass wir keinen Bock haben auf diesen Staat und seine                 Repression, dass wir keinen Bock haben auf Fremdbestimmung und                 dass wir keinen Bock haben auf kapitalistische Verwertungslogik.                 Wir wollen das sch\u00f6ne Leben &#8211; nicht \u00fcbermorgen, nicht morgen sondern                 jetzt!<\/p>\n<p>Kapitalistischen Normalbetrieb stilllegen! Wir bleiben alle! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Haus in der Liebigstra\u00dfe 14 wurde 1990 nach Leerstand besetzt und erlangte 1992 durch die Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain (WBF) Einzelmietvertr\u00e4ge. Seit der Besetzung bietet das Projekt gemeinschaftlich verwalteten Wohnraum f\u00fcr Menschen verschiedenster Altersgruppen und Herkunft sowie Platz f\u00fcr kulturelle Veranstaltungen und politisch- emanzipatorische Arbeit. 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