{"id":12649,"date":"1997-09-16T00:00:10","date_gmt":"1997-09-15T22:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12649"},"modified":"2022-07-26T13:11:57","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:57","slug":"mal-richtig-abschalten-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/09\/mal-richtig-abschalten-2\/","title":{"rendered":"Mal richtig abschalten"},"content":{"rendered":"<h3>Teil der Kampagne &#8222;NiX mehr&#8220; &#8211; Kampagne gegen Atomtransporte <\/h3>\n<p> Regelm&auml;&szlig;ig finden Castortransporte von deutschen                 Atomkraftwerken zu den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague und                 Sellafield statt. Um diese zu stoppen hat sich die bundesweite                 Kampagne gegen Atomtransporte &#8222;NiX mehr&#8220; gegr&uuml;ndet. Erster                 Schwerpunkt ist das AKW Kr&uuml;mmel. Am 20.\/21. September 1997                 wird ein gro&szlig;es Aktionswochenende der Anti-AKW- Bewegung                 in unmittelbarer N&auml;he des AKW in Kr&uuml;mmel stattfinden.                 Wir werden diese Tage nutzen, um unsere St&auml;rke, die Vielfalt                 und Kraft der Bewegung zu zeigen. Neben Ortsbesichtigungen besteht                 die M&ouml;glichkeit, sich an Diskussionen, gewaltfreiem Training,                 Camporganisation, Kulturprogramm, Sitzblockade und einer Demontage                 der Schienen vor dem AKW zu beteiligen oder sich &uuml;ber SprecherInnenrat,                 Bezugsgruppenfindung und Streckenkonzept zu informieren. Weiterhin                 werden Aktionen f&uuml;r einen Transporttag (Tag X) und das Wochenende                 vorher (X-Minus) geplant.               <\/p>\n<p><h3>Festgesetzt + Ausrangiert<\/h3>\n<p>               Im Rahmen der Kampagne &#8222;NiX mehr&#8220; organisiert <cite>Mal richtig               abschalten<\/cite> zwei Aktionen zivilen Ungehorsams. Die &ouml;ffentlich               angek&uuml;ndigte Demontage des Kr&uuml;mmeler Castorgleises &#8222;Ausrangiert&#8220;               an dem Aktionswochenende und am Tag des Transports die gro&szlig;e               Sitzblockade &#8222;Festgesetzt&#8220; auf dem Castorgleis, innerhalb derer               sich Menschen am Gleis festschlie&szlig;en werden.               <\/p>\n<p><h3>Mal richtig abschalten &#8211; Atomm&uuml;lltransporte stoppen<br \/>                 Teil der Kampagne &#8222;NiX mehr&#8220; &#8211; Kampagne gegen Atomtransporte<\/h3>\n<p>               Atomm&uuml;lltransporte sind gegenw&auml;rtig Dreh- und Angelpunkte               der Auseinandersetzungen um die Energiepolitik in der Bundesrepublik               Deutschland. Vorrangiges Ziel der Anti-AKW-Bewegung ist die sofortige               Abschaltung der Atomkraftwerke. Um dieses Ziel zu erreichen, greift               die Anti-AKW-Bewegung u.a. durch direkte Aktionen in das politische               Geschehen ein. Bisher haben sich vor allem bei den Atomm&uuml;lltransporten               in das Zwischenlager Gorleben tausende Menschen auf und an der Transportstrecke               versammelt, um sich quer zu stellen.               <\/p>\n<p><h3>Giro-Blau bis H&uuml;ttenbau<\/h3>\n<p>               Seit Anfang der Proteste gegen die zivile Nutzung der Atomkraft               dr&uuml;ckte sichder Widerstand in vielf&auml;ltigen Aktionen aus:               Vortr&auml;ge, juristische Einwendungen, Gro&szlig;demonstrationen,               Stromzahlungsboykott, Treckerparaden, Giro-Blau, Demontage, Ausrangiert-Aktionen,               Material- und Sitzblockaden auf den Transportstrecken und H&uuml;ttend&ouml;rfer.               Dabei entwickelten sich in der Bewegung die unterschiedlichsten               Strukturen, Ideen und Aktionsformen, um den Widerstand zu organisieren,               flexibel zu agieren und zu reagieren. Diese Vielfalt ist die St&auml;rke               der Anti-AKW-Bewegung. Sie lebte von Beginn an mit inneren Widerspr&uuml;chen,               verschiedenen Aktions- und Veranstaltungsformen und Menschen. Gerade               die Unterschiede und die Komplexit&auml;t beinhalten die Chance               der Anti-AKW- Bewegung.               <\/p>\n<p><h3>Gorleben jetzt in Kr&uuml;mmel<\/h3>\n<p>               Massenhafte Proteste gegen die Atompolitik fanden bisher am Zwischenlager               bzw. am geplanten Endlager in Gorleben statt. Atomm&uuml;ll wird               in der BRD, nicht nur zur Zwischenlagerung transportiert. Regelm&auml;&szlig;ig               werden stark strahlende Abf&auml;lle zur Wiederaufbereitung ins               Ausland gebracht. Dort wird der radioaktive Abfall nach den Gesetzen               des jeweiligen Landes gelagert und gesichert. Es gelten andere,               oft h&ouml;here Grenzwerte f&uuml;r die zul&auml;ssige Strahlung.               In La Hague\/Frankreich wird der Atomm&uuml;ll zum Beispiel unter               freiem Himmel zwischengelagert.               <\/p>\n<p> Ein Zweck der Transporte ist Zeitgewinn. Solange der radioaktive                 M&uuml;ll auf Achse ist, braucht er nicht endgelagert zu werden.                 Das Ergebnis ist, da&szlig; die AKWs, die nur begrenzt radioaktive                 Abf&auml;lle zwischenlagern k&ouml;nnen, entm&uuml;llt werden,                 um neuen M&uuml;ll produzieren zu k&ouml;nnen. Durch die Wiederaufarbeitung                 werden weite Landstriche radioaktiv verseucht. Die britische Wiederaufarbeitungsanlage                 &#8222;Winscale&#8220; wurde nach andauernden St&ouml;rf&auml;llen und der                 Kontamination der benachbarten Str&auml;nde in &#8222;Sellafield&#8220; umbenannt.               <\/p>\n<p><h3>Transporttag X im Herbst<\/h3>\n<p>               Wenn der Atomm&uuml;ll im Kraftwerk bleibt, mu&szlig; beim Erreichen               der Grenze der Lagerkapazit&auml;t das AKW abgeschaltet werden.               <\/p>\n<p> In diesem Sommer erreicht das AKW Kr&uuml;mmel die Grenze der                 internen Lagerkapazit&auml;t. Kr&uuml;mmel mu&szlig; vor der Revision                 im Sommer 98 mindestens vier Transporte durchf&uuml;hren. Vermutlich                 wird im August und September 97 der radioaktive M&uuml;ll aus                 dem Abklingbecken herausgeholt und in Castorbeh&auml;lter gef&uuml;llt,                 um seinen Weg ins Ausland zu nehmen.               <\/p>\n<p><h3>M&ouml;gliche Rechtsfolgen<\/h3>\n<p>               Das Unterzeichnen der Selbstverpflichtungen und der Solidarit&auml;tserkl&auml;rung               ist keine eindeutige Aufforderung zu Straftaten (&sect;111 StGB)               sondern nur eine &ouml;ffentliche Absichtserkl&auml;rung. Das Verteilen               dieses Aufrufes kann unter Umst&auml;nden nach &sect; 111 bestraft               werden.               <\/p>\n<ul>\n<li> <strong>Festgesetzt<\/strong><br \/>                   Reine Sitzblockaden sind, so hat das BverfG in einem Urteil                   festgestellt, keine N&ouml;tigung. Daher ist die Teilnahme an                   Festgesetzt keine Straftat sondern allenfalls eine Ordnungswidrigkeit                   gegen ein unter Umst&auml;nden verh&auml;ngtes Versammlungsverbot                   und das Verbot, Gleisanlagen zu betreten. Als solches kann sie                   wie Falschparken mit einem Bu&szlig;geld geahndet werden. F&uuml;r                   Menschen, die sich an den Schienen festschlie&szlig;en, ist                   eine Festnahme wahrscheinlich. Das Festschlie&szlig;en an den                   Schienen wurde bis jetzt nur mit Bu&szlig;geldern geahndet.\n<li> <strong>Ausrangiert<\/strong><br \/>                   Unserer Ansicht nach stellt die Schienendemontage Ausrangiert                   keine Gef&auml;hrdung des Schienenverkehrs nach &sect;&sect;                   315, 315a StGB dar. Da einige Paragraphen des Strafgesetzbuches                   diese Aktion verbieten, ist nach den bisherigen Erfahrungen                   mit Ausrangiert-Verfahren mit Geldstrafen zu rechnen. Ob es                   letztendlich zur Strafverfolgung kommt und welches Strafma&szlig;                   festgesetzt wird, h&auml;ngt stark von der politischen Gesamtlage                   ab.\n<p> Bei den beiden Ausrangiert-Aktionen, die 1995 und 1996 in                     Dannenberg stattgefunden haben, sind TeilnehmerInnen aufgrund                     folgender Paragraphen verurteilt worden: &sect; 316 StGB St&ouml;rung                     &ouml;ffentlicher Betriebe, &sect; 303 StGB Sachbesch&auml;digung,                     &sect; 111 StGB &ouml;ffentliche Aufforderung zu Straftaten                     sowie Versto&szlig; gegen das Versammlungsverbot.                   <\/p>\n<\/ul>\n<p>               Wir scheuen die Auseinandersetzung mit der Justiz nicht, sondern               begreifen sie als Teil der Aktion und f&uuml;hren sie &ouml;ffentlich               und offensiv. Dabei werden wir diejenigen, die vor Gericht gestellt               werden, nicht allein lassen, sondern sie gemeinsam unterst&uuml;tzen.               <\/p>\n<p><h3>Konfrontation mit der Polizei<\/h3>\n<p>               Wir werden versuchen, das Verhalten der PolizistInnen zu beeinflussen.               Auf Provokationsversuche der Polizei gehen wir nicht ein. Eine Eskalation               der Gewalt von Seiten der Polizei werden wir &ouml;ffentlich benennen               und sichtbar machen. Unser eigenes Verhalten ist keine Garantie               gegen Polizeigewalt. Nicht erst seit den Erfahrungen bei &#8222;X-tausend               mal quer&#8220; ist bekannt, da&szlig; die Polizei mit Wasserwerfern und               Kn&uuml;ppeln gegen eindeutig friedliche SitzblockiererInnen vorgeht.               Wir sollten uns dessen bewu&szlig;t sein, uns aber nicht davon abschrecken               lassen.               <\/p>\n<p><h3>Ziviler Ungehorsam<\/h3>\n<p>               Ziviler Ungehorsam ist eine Form gewaltfreier Aktion. Neben dem               konkreten Anliegen ist es immer Ziel gewaltfreier Aktionen, einen               Beitrag zur Schaffung einer gewaltfreien und herrschaftslosen Gesellschaft               zu leisten. Das hei&szlig;t unter anderem, da&szlig; sie das Gewaltmonopol               des Staates in Frage stellen und sich auf allgemeine Menschenrechte               berufen. Daher gibt es Prinzipien, die f&uuml;r alle gewaltfreien               Aktionsformen gelten. Das sind neben dem Ausschlu&szlig; von direkter               Gewalt und der Bedrohung von Menschen z.B. eine basisdemokratische               Organisation der Aktion selbst.               <\/p>\n<p> Aktionen zvilien Ungehorsams unterscheiden sich von anderen                 gewaltfreien Aktionsformen dadurch, da&szlig; bewu&szlig;t Gesetze                 &uuml;bertreten werden und die Beteiligten &ouml;ffentlich zu                 ihrem Gesetzesbruch stehen.               <\/p>\n<p><h3>Vereinbarung<\/h3>\n<p>               Wir, die an <cite>Mal richtig abschalten<\/cite> Beteiligten, vereinbaren               f&uuml;r die Aktionen &#8222;Ausrangiert&#8220; und &#8222;Festgesetzt&#8220; folgendes:               Innerhalb der Aktion werden wir strukturelle Gewalt weitgehend vermeiden               und so gut wie m&ouml;glich aufeinander acht geben. Konkret hei&szlig;t               das, da&szlig; wir uns in Bezugsgruppen zusammenschlie&szlig;en,               in SprecherInnenr&auml;ten organisieren und Entscheidungen im Konsens               f&auml;llen.               <\/p>\n<p> Von uns wird weder direkte Gewalt noch die Bedrohung von Menschen                 ausgehen. Provokationen der Polizei werden wir ruhig und besonnen                 ignorieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil der Kampagne &#8222;NiX mehr&#8220; &#8211; Kampagne gegen Atomtransporte Regelm&auml;&szlig;ig finden Castortransporte von deutschen Atomkraftwerken zu den Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague und Sellafield statt. Um diese zu stoppen hat sich die bundesweite Kampagne gegen Atomtransporte &#8222;NiX mehr&#8220; gegr&uuml;ndet. Erster Schwerpunkt ist das AKW Kr&uuml;mmel. Am 20.\/21. 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