{"id":12686,"date":"2002-10-14T00:00:01","date_gmt":"2002-10-13T22:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12686"},"modified":"2018-08-05T14:41:26","modified_gmt":"2018-08-05T12:41:26","slug":"otkoekue-als-zweisprachiges-printmedium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2002\/10\/otkoekue-als-zweisprachiges-printmedium\/","title":{"rendered":"Otk\u00f6k\u00fc als zweisprachiges Printmedium"},"content":{"rendered":"<p>(&#8230;)<\/p>\n<h3>8. Empirisches Untersuchungsdesign f\u00fcr deutsch-und t\u00fcrkischsprachige Print- und H\u00f6rfunkmedien<\/h3>\n<p>&#8222;Wie positionieren sich bilinguale, deutsch- und t\u00fcrkischsprachige Print- und H\u00f6rfunkmedien? Brechen sie bestehende ethnische Dispositionen auf, wie sie im vorangegangenen Kapitel beschrieben wurden? Um diese Fragen beantworten zu k\u00f6nnen, wurden insgesamt zehn Medien ausgew\u00e4hlt und in Form von Interviews mit ihren MacherInnen erfasst. Im Printbereich sind es die Zeitungen <i>Persemb<\/i>e, <i>otk\u00f6k<\/i>\u00fc, <i>H\u00fcrriyet<\/i>, <i>D\u00fcny<\/i>a, <i>Arkadas <\/i>und <i>Evrensel<\/i>, im H\u00f6rfunksektor <i>Cafe Alaturka<\/i>, <i>Cilgin <\/i>(beide <i>WDR-Funkhaus Europa<\/i>), <i>Radio MunihFM <\/i>und <i>Radio Kaktus<\/i>.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Interviews wurde folgendes empirisches Design gew\u00e4hlt:<\/p>\n<p><i>1. Erhebung der Basisdaten<\/i><\/p>\n<ul>\n<li>Geschichte des Mediums?<\/li>\n<li>Erscheinungsweise (t\u00e4glich\/ w\u00f6chentlich&#8230;)?<\/li>\n<li>Umfang des deutschsprachigen Teils?<\/li>\n<li>Umfang des t\u00fcrkischsprachigen Teils?<\/li>\n<li>Welche Beziehung haben die deutsch- und t\u00fcrkischsprachigen Anteile, finden sich \u00dcbersetzungen?<\/li>\n<li>H\u00f6he der durchschnittlichen verkauften Auflage\/H\u00f6rerInnenzahl?<\/li>\n<li>Eigentumsverh\u00e4ltnisse am Medium?<\/li>\n<li>H\u00f6he der Anzeigenerl\u00f6se, des Umsatzes und des Gewinns?<\/li>\n<\/ul>\n<p><i>2. Meinungs-\/ Einstellungsfragen <\/i><\/p>\n<ul>\n<li>Halten Sie eine multikulturelle Gesellschaft\/kulturelle Vielfalt\/Transkulturalismus in der Bundesrepublik f\u00fcr erstrebenswert?<\/li>\n<li>Wenn ja, sind zweisprachige Medien ein wichtiger Baustein dazu?<\/li>\n<li>Wenn nein, warum produzieren Sie dann ein zweisprachiges Medium?<\/li>\n<li>Ist Sprache f\u00fcr Sie ein bedeutendes kulturelles Merkmal?<\/li>\n<li>Wenden Sie Sprache pragmatisch an?<\/li>\n<li>Ist Zweisprachigkeit medialer Ausdruck einer eigenst\u00e4ndigen Kultur der &#8218;Deutsch-T\u00fcrken&#8216;?<\/li>\n<li>Sehen Sie einen Markt f\u00fcr bilinguale, deutsch- und t\u00fcrkischsprachige Medien in der Bundesrepublik?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Auswertung der Interviews wurde erg\u00e4nzt durch eine diskursanalytische Betrachtung der Medien. Die zentrale Fragen waren hierbei:<\/p>\n<ul>\n<li>Welche Themen aus welchem Diskurs nimmt das Medium auf?<\/li>\n<li>Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte des Mediums?<\/li>\n<\/ul>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<h3>9.3.<i> otk\u00f6k\u00fc<\/i><\/h3>\n<figure id=\"attachment_12688\" aria-describedby=\"caption-attachment-12688\" style=\"width: 420px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12688 \" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl1.gif\" alt=\"Otk\u00f6k\u00fc-Titelschriftzug\" width=\"420\" height=\"100\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12688\" class=\"wp-caption-text\">Otk\u00f6k\u00fc-Titelschriftzug<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als vierseitige Beilage der Monatszeitung <i>Graswurzelrevolution <\/i>erscheint seit M\u00e4rz 2001 die deutsch- und t\u00fcrkischsprachige Zeitung <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>(&#8222;Graswurzel&#8220;). Entgegen dem monatlichen Erscheinungsrhythmus der <i>Graswurzelrevolution <\/i>kommt sie allerdings nur alle drei Monate heraus. Anders als <i>Persemb<\/i>e, die als eigenst\u00e4ndige Zeitung mit eigener Redaktion und Verantwortlichkeit die <i>TAZ <\/i>lediglich als Tr\u00e4germedium nutzte, ist <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>eng mit der Zeitung <i>Graswurzelrevolution <\/i>verbunden. Bereits seit 1972 erscheint die Abonnementzeitung <i>Graswurzelrevolutio<\/i>n, die f\u00fcr eine Welt eintritt, in &#8222;der die Menschen nicht l\u00e4nger wegen ihres Geschlechtes oder ihrer geschlechtlichen Orientierung, ihrer Sprache, Herkunft, \u00dcberzeugung, wegen einer Behinderung, aufgrund rassistischer oder antisemitischer Vorurteile diskriminiert werden. Wir streben an, dass Hierarchie und Kapitalismus durch eine selbstorganisierte, sozialistische Wirtschaftsordnung und der Staat durch eine f\u00f6deralistische, basisdemokratische Gesellschaft ersetzt werden.&#8220; ((34)) <i>Graswurzelrevolution <\/i>ist als anarchistische und damit verbunden antimilitaristische Zeitung einzuordnen.<\/p>\n<p>Innerhalb der Struktur von <i>Graswurzelrevolution <\/i>spricht <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>deutschlandst\u00e4mmige und t\u00fcrkeist\u00e4mmige Menschen an. Dabei wird <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>in der Regel als Einlage der <i>Graswurzelrevolution <\/i>in einer Auflage von 4.000 St\u00fcck vertrieben, sie kann allerdings auch in gr\u00f6\u00dferen St\u00fcckzahlen separat bestellt werden. Derzeit werden auf diesem Weg 2.000 Exemplare verkauft. Themensetzung und Verfassen der Artikel finden in der T\u00fcrkei statt, Layout und Verkauf organisiert das Redaktionsb\u00fcro in Deutschland. Wirtschaftlich ist <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>Bestandteil der <i>Graswurzelrevolution<\/i>. Herausgeber ist der Verlag Graswurzelrevolution e.V. mit Sitz in Heidelberg. Die Zeitung sichert ihre Existenz durch Abonnements, Spenden und in geringem Umfang durch Anzeigenerl\u00f6se (300 Euro im Monat).<\/p>\n<p>Zur Zeit ist Bernd Dr\u00fccke Koordinationsredakteur. Da <i>Graswurzelrevolution <\/i>basisdemokratisch organisiert ist, wird Dr\u00fccke vom 20-k\u00f6pfigen HerausgeberInnenkreis in diese Position gew\u00e4hlt und stimmt die Themen der Zeitung mit dem HerausgeberInnenkreis ab. Dr\u00fccke arbeitet in einer Art virtueller Redaktion, er sitzt zwar in einem B\u00fcro, die Diskussion mit den HerausgeberInnen l\u00e4uft aber \u00fcber eine Mailing-Plattform. Als Bewegungsblatt verf\u00fcgt <i>Graswurzelrevolution <\/i>\u00fcber geringe finanzielle Mittel. Dr\u00fccke erh\u00e4lt lediglich 700 Euro im Monat, und das bei Wochenarbeitszeiten von im Schnitt 60 Stunden.<\/p>\n<p>Die redaktionelle Arbeit von <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>leistet vor allem Osman Murat \u00dclke. Er koordiniert, schreibt und \u00fcbersetzt <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>von Izmir aus, mit 250 Euro bezahlt vom Verlag Graswurzelrevolution in der Bundesrepublik. Ihm wiederum arbeiten anarchistisch und antimilitaristisch Bewegte zu, sie alle sind keine professionellen JournalistInnen. \u00dclke \u00fcberarbeitet deren Texte und \u00fcbersetzt sie ins Deutsche. \u00dclke verbrachte seine ersten 15 Lebensjahre in Deutschland, inzwischen lebt er seit 18 Jahren in der T\u00fcrkei. &#8222;Dort ist er durch seine \u00f6ffentliche Kriegsdienstverweigerung bekannt geworden&#8220;, sagt Koordinationsredakteur Dr\u00fccke. ((35)) In der T\u00fcrkei gibt es anders als in Deutschland kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Auf Grund seiner Kriegsdienstverweigerung war er bis 1999 \u00fcber zwei Jahre im Gef\u00e4ngnis &#8211; weltweit protestierte die antimilitaristische Bewegung gegen seine Haft. Zur Zeit ist er semilegal, weil die Bedingung f\u00fcr seine Freilassung war, seinen Wehrdienst anzutreten. Dem ist \u00dclke bis heute nicht gefolgt: Im Gegenteil, als Redakteur von <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>tritt er verst\u00e4rkt in die \u00d6ffentlichkeit, um gegen Militarismus anzuschreiben.<\/p>\n<p>Die Idee f\u00fcr die Zeitung entstand, als Dr\u00fccke im Sommer 2000 \u00dclke in der T\u00fcrkei besuchte. Nach dem urspr\u00fcnglichen Konzept sollte <i>otk\u00f6ku <\/i>in der T\u00fcrkei, Deutschland, Schweiz und \u00d6sterreich vertrieben werden. Doch die Verteilung der ersten Ausgabe vom M\u00e4rz 2001 in der T\u00fcrkei erwies sich als unm\u00f6glich. Der t\u00fcrkische Zoll beschlagnahmte einen gro\u00dfen Teil der f\u00fcr die T\u00fcrkei bestimmten Exemplare. Das Paket wurde vom Zoll direkt an das Innenministerium geschickt und ein Ermittlungsverfahren er\u00f6ffnet. Daraufhin musste <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>das Konzept \u00e4ndern. &#8222;Das wurde zu gef\u00e4hrlich f\u00fcr unsere Mitarbeiter in der T\u00fcrkei. Wir liefern die Zeitung nur noch in begrenztem Umfang \u00fcber einzelne Abonnements in die T\u00fcrkei, aber nicht mehr als Massenzeitung&#8220;, erkl\u00e4rt Dr\u00fccke. Damit reduzieren sich die Zielgruppen geographisch auf deutsch- und t\u00fcrkischlesende Menschen in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz. Besonders werden t\u00fcrkei- und kurdistanst\u00e4mmige Menschen als politische Zielgruppen angenommen. Doch die lesen nur sehr begrenzt die Zeitung <i>Graswurzelrevolution <\/i>und haben somit kaum eine Chance, <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>zu entdecken. Deswegen wurde <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>parallel als Aktions- oder Massenzeitung konzipiert, die beim Verlag separat in gr\u00f6\u00dferer Zahl bestellt werden kann und dann beispielsweise in Universit\u00e4ten und Internationalen Begegnungszentren, in den sich h\u00e4ufig t\u00fcrkei- und kurdistanst\u00e4mmige Menschen treffen, ausgelegt wird.<\/p>\n<p>Die Zielgruppe der t\u00fcrkeist\u00e4mmigen Menschen kann jedoch nicht nur infrastrukturell nur begrenzt erreicht werden, sie ist auch ideologisch f\u00fcr eine antimilitaristisch ausgerichtete Zeitung schwierig. Am ehesten noch sollte Potenzial bei der t\u00fcrkischen und kurdischen Linken angenommen werden. Doch: &#8222;90 Prozent der Linken in der T\u00fcrkei sind Apoisten ((36)) oder marxistisch-leninistisch bis stalinistisch orientiert, von daher kann man sagen, ein gro\u00dfer Teil ist autorit\u00e4r&#8220;, bedauert Dr\u00fccke. Insgesamt fallen die Bem\u00fchungen um die t\u00fcrkische und kurdische Linke in den deutschsprachigen L\u00e4ndern bisher auf Grund politischer Differenzen kaum auf fruchtbaren Boden. Andere Teile der t\u00fcrkeist\u00e4mmigen Bev\u00f6lkerungen in Deutschland, Schweiz und \u00d6sterreich k\u00f6nnen gar nicht erst erreicht werden, weil sie unpolitisch, nationalistisch oder religi\u00f6s orientiert sind.<\/p>\n<p>Neben der t\u00fcrkeist\u00e4mmigen Zielgruppe soll auch deutschland- beziehungsweise \u00f6sterreich- und schweizst\u00e4mmigen Zielgruppen die Verh\u00e4ltnisse in der T\u00fcrkei n\u00e4her gebracht werden. Hier werden vor allem anarchistische, gesellschaftskritische Personen angesprochen. &#8222;In der T\u00fcrkei gibt es eine kleine anarchistische Bewegung, die sehr aktiv ist, in Deutschland aber nicht wahrgenommen wird. Ein Ansatz von <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>ist, in den deutschsprachigen L\u00e4ndern bekannter zu machen, dass es auch noch etwas anderes gibt als PKK oder stalinistische Gruppen.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft planen die HerausgeberInnen von <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>eine konzeptionelle \u00c4nderung. <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>als Teil der Zeitung <i>Graswurzelrevolution <\/i>soll auf zwei Seiten reduziert nur noch in deutscher Sprache erscheinen, die t\u00fcrkischsprachigen Text\u00e4quivalente in der Zeitung <i>Antimilitarist B\u00fcletin<\/i>, die dann einen entsprechend gr\u00f6\u00dferen Umfang erhalten wird. ((37)) Daf\u00fcr aber soll der Erscheinungsrhythmus <i>otk\u00f6k\u00fcs<\/i> von drei Monaten auf einen Monat verk\u00fcrzt werden, um an Aktualit\u00e4t zu gewinnen. Als Massenzeitung zum Auslegen sei <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>dann nicht mehr geeignet, diese Funktion soll zuk\u00fcnftig <i>Antimilitarist B\u00fcletin <\/i>\u00fcbernehmen. Dr\u00fccke stellt fest: &#8222;Das urspr\u00fcngliche Konzept der Verbreitung auch in der T\u00fcrkei ist gescheitert. Es macht keinen Sinn, eine zweisprachige Zeitung herauszubringen, wenn die Leute, die sie beziehen, in der Regel auch deutsch lesen k\u00f6nnen&#8220;. Diejenigen T\u00fcrkeist\u00e4mmigen, die der deutschen Schriftsprache nicht m\u00e4chtig sind, sollen zuk\u00fcnftig mit <i>Antimiltarist B\u00fcletin <\/i>angesprochen werden, die neben den Beitr\u00e4gen von <i>otk\u00f6k\u00fc<\/i>-Redakteur \u00dclke auch Beitr\u00e4ge der jetzigen <i>Antimilitarist B\u00fcletin <\/i>Redaktion in Berlin enthalten wird.<\/p>\n<p>Sprache hat f\u00fcr den Koordinationsredakteur Dr\u00fccke einen &#8222;gro\u00dfen Symbolcharakter&#8220;. Aber f\u00fcr die praktische redaktionelle Arbeit spiele das nur am Rande eine Rolle, sagt er. Im Vordergrund stehe der Versuch, die Menschen in ihrer Sprache anzusprechen. Er handhabe Sprache pragmatisch und an der Zielgruppe orientiert. Zweisprachige Medien findet Dr\u00fccke &#8222;eine tolle Sache, weil sie die Sprachenvielfalt, die es in der Bundesrepublik gibt, ausschnitthaft wiederspiegeln&#8220;. Doch die Bedeutung bilingualer, deutsch- und t\u00fcrkischsprachiger Medien werde abnehmen, da die meisten t\u00fcrkeist\u00e4mmigen Menschen deutsch sprechen und lesen k\u00f6nnen. Einen Markt f\u00fcr bilinguale, deutsch- und t\u00fcrkischsprachige Medien sieht er noch f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf bis zehn Jahre. Langfristig werde sich die deutsche Sprache auch bei den Medien f\u00fcr t\u00fcrkeist\u00e4mmige Menschen durchsetzen. ((38))<\/p>\n<h3>Analyse <i>otk\u00f6k\u00fc<\/i><\/h3>\n<p><b> <i><\/i><\/b>Die ersten f\u00fcnf Ausgaben von <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>erschienen in klassischem Zeitungsformat und -layout, bis auf die zweifarbige Titelseite einfarbig gedruckt. Auf der ersten Seite finden sich in einer Spalte ein Editorial und ein gr\u00f6\u00dferer Artikel. Auf Grund des auf vier Seiten begrenzten Umfangs ist die Zeitung textlastig, Bilder werden nur vereinzelt eingesetzt. Konsequent ist die zweisprachige Umsetzung der Zeitung: Jeder Artikel hat seine sprachliche \u00dcbersetzung &#8211; je nach Perspektive Deutsch oder T\u00fcrkisch &#8211; womit die beiden Sprachen zu jeweils 50 Prozent Verwendung finden. Eine in der ersten Ausgabe als M\u00f6glichkeit formulierte \u00dcbersetzung in die kurdische Sprache hingegen wurde nicht umgesetzt.<\/p>\n<p>Dr\u00fccke sieht in <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>eine &#8222;klassische Bewegungszeitung&#8220;, sie berichte &#8222;von Bewegungen \u00fcber Bewegungen und meistens \u00fcber in der T\u00fcrkei tabuisierte Themen&#8220;. Als Beispiele nennt er den &#8222;V\u00f6lkermord an Armeniern 1915&#8220; oder &#8222;die Vergewaltigung von Gefangenen durch t\u00fcrkische Polizei und Milit\u00e4rangeh\u00f6rige&#8220;. Aber auch &#8222;Tabuthemen der t\u00fcrkischen Linken&#8220; wie gleichgeschlechtliche Liebe will <i>otk\u00f6ku <\/i>aufgreifen.<\/p>\n<p>Auf Grund der zur Zeit nur dreimonatigen Erscheinungsweise und des begrenzten Umfangs an Seiten kann <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>seine Anspr\u00fcche nur bedingt umsetzen und muss sich auf wenige Themen konzentrieren. Dabei bilden Analyse und Berichte \u00fcber alternative Projekte und Bewegungsformen die Schwerpunkte der eindeutig politischen Zeitung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12689\" aria-describedby=\"caption-attachment-12689\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12689 \" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl2.jpg\" alt=\"Titelseite der otk\u00f6k\u00fc-Ausgabe vom M\u00e4rz 2002\" width=\"450\" height=\"570\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl2.jpg 450w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl2-300x380.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl2-236x300.jpg 236w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl2-157x200.jpg 157w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl2-24x31.jpg 24w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl2-30x38.jpg 30w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl2-169x215.jpg 169w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12689\" class=\"wp-caption-text\">Titelseite der otk\u00f6k\u00fc-Ausgabe vom M\u00e4rz 2002<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"left\">Zentrales Thema von <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>ist die Kriegsdienstverweigerung von T\u00fcrken und Kurden. Dazu finden sich Berichte \u00fcber die Situation dieser nach Deutschland oder den Niederlanden gefl\u00fcchteten Personen. Das logische Pendant zum Thema Kriegsdienstverweigerung bildet das Thema t\u00fcrkisches Milit\u00e4r, dem sich die Kriegsdienstverweigerer entziehen. W\u00e4hrend die Artikel \u00fcber t\u00fcrkisch-kurdische Kriegsdienstverweigerer als lokalen Bezugspunkt \u00fcberwiegend die Fluchtl\u00e4nder Deutschland und Niederlande haben, fokussieren sich nahezu alle anderen Artikel auf Ereignisse in der T\u00fcrkei. Im diskursiven Netz zentral ist dabei das t\u00fcrkische Milit\u00e4r beziehungsweise als ideologische Folie der Militarismus in der T\u00fcrkei. H\u00e4ufig damit verkn\u00fcpft ist das Thema der Menschenrechte &#8211; in Form der Beschreibung von Menschenrechtsverletzungen &#8211; wie auch antagonistisch dazu die Beschreibung von Aktivit\u00e4ten von Menschenrechtsorganisationen in der T\u00fcrkei. Dem von Dr\u00fccke formulierten Anspruch, &#8222;unterdr\u00fcckte Themen zu beleuchten&#8220;, wird <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>gerecht, wenn die Zeitung \u00fcber sexuellen Missbrauch und Vergewaltigungen durch t\u00fcrkisches Milit\u00e4r und Polizei, \u00fcber die Er\u00f6ffnung eines schwul-lesbischen Kulturzentrums oder \u00fcber Anarchismus in der T\u00fcrkei berichtet. Auch der Monate andauernde Hungerstreik linker politischer Gefangener in der T\u00fcrkei gegen isoliertere Haftbedingungen ist Thema &#8211; ganz entgegen der &#8218;deutschen&#8216; und &#8218;t\u00fcrkischen&#8216; Massenmedien, die sich dazu ausschweigen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12690\" aria-describedby=\"caption-attachment-12690\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12690 \" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl3.gif\" alt=\"Tab.2 ((33)) Die sechs h\u00e4ufigsten Themen von otk\u00f6k\u00fc. Der Bezug zur Gesellschaft in der T\u00fcrkei ist deutlich,meistens durch Verkn\u00fcpfungen mit den Themen Kriegsdienstverweigerung und Milit\u00e4r.\" width=\"400\" height=\"295\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12690\" class=\"wp-caption-text\">Tab.2 ((33)) Die sechs h\u00e4ufigsten Themen von otk\u00f6k\u00fc. Der Bezug zur Gesellschaft in der T\u00fcrkei ist deutlich,meistens durch Verkn\u00fcpfungen mit den Themen Kriegsdienstverweigerung und Milit\u00e4r.<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00c4hnlich wie <i>Persembe <\/i>kommt <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>bei einigen Themen nicht umhin, mit ethnischen Kategorien zu arbeiten. Der Massenmord an ArmenierInnen 1915 oder die Vertreibungspolitik gegen KurdInnen lassen sich ohne diese Kategorien nicht beschreiben. Hier muss <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>dem Diskurs folgen, um verst\u00e4ndlich zu bleiben. Die Selbstzuschreibung &#8218;Kurde&#8216; und die Fremdzuschreibung als &#8218;potentieller Terrorist&#8216; und &#8218;Bergt\u00fcrke&#8216; seitens des t\u00fcrkischen Staates macht ethnische Konfrontationslinien auf. Die Alternative, diesen ethnischen und nationalistischen Konflikt zu ignorieren, beispielsweise mit der Argumentation, dass der Konflikt beiderseitig nationalistisch und nicht sozial begr\u00fcndet werde, w\u00e4hlt <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>nicht. Wohl aber versucht die Zeitung, andere Organisations- und antimilitaristische Denkformen jenseits der dominanten kurdischen Arbeiterpartei PKK in die \u00d6ffentlichkeit zu bringen. Dr\u00fccke beschreibt die Schwierigkeit am Beispiel kurdischer Kriegsdienstverweigerer: &#8222;Sie sind nicht antimilitaristisch orientiert, sondern sie wollen nicht mit der Waffe gegen ihre eigenen Leute k\u00e4mpfen&#8220;.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12691\" aria-describedby=\"caption-attachment-12691\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12691 \" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/otkoku-dipl4.gif\" alt=\"Das diskursive Themennetz von otk\u00f6k\u00fc.\" width=\"400\" height=\"159\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12691\" class=\"wp-caption-text\">Das diskursive Themennetz von otk\u00f6k\u00fc.<\/figcaption><\/figure>\n<p><i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>ist eine thematisch eng begrenzte Zeitung, die \u00fcber Bewegungen berichtet, die in ihre ideologische Vorstellung von emanzipatorischen Bewegungen von unten passen. Aus Marktperspektive ist sie eine Special-Interest-Zeitung. Das Interesse an der Zeitung bleibt so auf einen kleinen Kreis politisch gebildeter, mit offenem linken politischem Bewusstsein ausgestatteter Einzelpersonen und Gruppen von Deutschlandst\u00e4mmigen, T\u00fcrkeist\u00e4mmigen und Kurdistanst\u00e4mmigen beschr\u00e4nkt. Indem <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>\u00fcber Bewegungen berichtet, versucht die Zeitung gleichzeitig Anregungen zur Entstehung weiterer Bewegungen zu geben. Derartige Agitation kann allerdings nur erfolgreich sein, wenn die Sprache der Zeitung im Diskurs mitschwimmt und f\u00fcr eine breite Ver\u00f6ffentlichung gesorgt ist. 2.000 ausgelegte Exemplare in Universit\u00e4ten und internationalen Zentren sind daf\u00fcr zu wenig.<\/p>\n<p>Die konsequente Zweisprachigkeit seitens <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>ist ein statisch eingesetztes Mittel zur Kommunikation mit den LeserInnen. Die Trennung in eine deutschsprachige Beilage <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>in der Zeitung <i>Graswurzelrevolution <\/i>und einen t\u00fcrkischsprachigen Teil in <i>Antimilitarist B\u00fcletin <\/i>sind sprachlich bereits zukunftsorientiert und dem Umstand geschuldet, dass die Verbreitung der Zeitung in der T\u00fcrkei auf Grund staatlicher Repression scheiterte. <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>bewegt sich au\u00dferhalb des Mulitkulturalismusdiskurses, vielmehr orientieren sich ihre MacherInnen an Effizienz: Welche Sprache setze ich ein, wenn nur begrenzt Platz vorhanden ist, weil die finanziellen Mittel f\u00fcr eine umfangreichere Zeitung nicht reichen?<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<h3>11. Deutsch-und t\u00fcrkischsprachige Printmedien im Vergleich<\/h3>\n<p>Ein erheblich unterschiedliches Profil weisen die sechs untersuchten Printmedien auf. St\u00e4rker als bei den untersuchten Radioformaten spielen f\u00fcr die Printmedien zielgruppenspezifische Ansprachen eine entscheidende Rolle. W\u00e4hrend die untersuchten Radioformate entweder im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk oder im nicht-kommerziellen Radio stattfinden und damit nicht in eine unmittelbare Konkurrenz mit \u00f6konomischen Folgen verwickelt sind, k\u00e4mpfen alle sechs Zeitungen um ihr \u00dcberleben auf dem Zeitungsmarkt. Dieser ist in Deutschland, vor allem bei \u00fcberregionalen Zeitungen, stark ausdifferenziert und ideologisch partitioniert.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass auch in der T\u00fcrkei, mit der die meisten der Verlage, die die untersuchten Zeitungen herausgeben, verbunden sind, eine ideologisch stark gezeichnete Printmedienlandschaft existiert. Eine allgemeine, klassen- und statusunspezifische Ansprache durch die untersuchten Printmedien an die t\u00fcrkeist\u00e4mmige und\/ oder deutschlandst\u00e4mmige Bev\u00f6lkerung ist so kaum m\u00f6glich. Die bilingualen, deutsch- und t\u00fcrkisch-sprachigen Zeitungen ordnen sich in einem ideologischen Feld, bestehend aus konservativen, nationalistischen und populistischen Positionen <i>(H\u00fcrriyet<\/i>), liberalen und staatsbejahenden Ideen <i>(D\u00fcnya-Deutschland<\/i>), sozialistischem Gedankengut <i>(Evrensel<\/i>) und anarchistischem, staatskritischen Profil <i>(otk\u00f6k\u00fc<\/i>) ein.<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Anders als bei zwei der untersuchten Radioformate vollzieht sich Zweisprachigkeit bei den Printmedien nicht spontan, sondern geplant. Innerhalb der Palette der untersuchten Zeitungen finden sich keine zwei Sprachen innerhalb eines Artikels, vielmehr sind die Artikel sprachlich voneinander getrennt. Dabei gehen die Redaktionen unterschiedlich mit den deutsch- und t\u00fcrkischsprachigen Texten um: <i>H\u00fcrriyet <\/i>positioniert zwei deutschsprachigen Seiten im Europa-Teil der Mittwochsausgabe, <i>Evrensel<\/i>konzentriert die deutschsprachigen Artikel in der Samstagsausgabe und ver\u00f6ffentlicht sporadisch einzelne deutschsprachige Artikel an anderen Tagen, <i>Arkadas <\/i>als Monatszeitung bringt in jeder Ausgabe eine deutschsprachige Seite. <i>D\u00fcnya <\/i>trennt das Gesamtprodukt in zwei einzelne Zeitungen, die aber nicht einzeln gekauft werden k\u00f6nnen. <i>D\u00fcnya-Hafta <\/i>benutzt nur die t\u00fcrkische Sprache, w\u00e4hrend <i>D\u00fcnya-Deutschland <\/i>ausschlie\u00dflich mit der deutschen Sprache arbeitet. Simultan ist die Sprachsetzung bei <i>otk\u00f6k\u00fc<\/i>: Jeder Artikel erscheint doppelt, jeweils in deutscher und t\u00fcrkischer Sprache. <i>Persembe <\/i>arbeitete zwar mit beiden Sprachen auf allen Seiten, lieferte aber keine \u00dcbersetzungen. Lediglich die t\u00fcrkischsprachigen Artikel wurden teilweise mit einer kurzen Inhaltsangabe in deutscher Sprache versehen.<\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Varianten machen die Unsicherheit der Verlage deutlich, wie viel von welcher Sprache sie ihren LeserInnen zumuten k\u00f6nnen. Klare Seiten-Trennungen mit jeweils einer f\u00fcr diese Seite g\u00fcltige Sprache ist aber trotz der unterschiedlichen Konzeptionen ein hervorstechender Trend. Er zeigt sich bei den Zeitungen, die sich prim\u00e4r an der t\u00fcrkeist\u00e4mmigen Community als Zielgruppe orientieren.<\/p>\n<p>Lediglich <i>otk\u00f6ku <\/i>und <i>Persembe <\/i>platzieren verschiedensprachige Artikel auf einer Seite. Diese Zeitungen richten sich jedoch in der Zielgruppenorientierung nicht so deutlich an T\u00fcrkeist\u00e4mmige wie beispielsweise <i>H\u00fcrriyet<\/i>. T\u00fcrkeist\u00e4mmige sind zwar eine wesentliche Zielgruppe, werden aber durch Deutschlandst\u00e4mmige als zweite Zielgruppe erg\u00e4nzt. Doch <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>plant eine konzeptionelle \u00c4nderung, so dass die Zeitung in Zukunft komplett in deutscher Sprache erscheinen soll, w\u00e4hrend parallel die gleichen Artikel in t\u00fcrkischer Sprache in die Zeitung <i>Antimilitarist B\u00fcletin<\/i>eingebaut werden. Die Zeitung <i>Persembe <\/i>konnte sich mit ihrem Konzept nicht durchsetzen, sie erscheint seit Juli 2001 nicht mehr.<\/p>\n<p>Keine der untersuchten Zeitungen legt im redaktionellen Teil einen deutlichen Schwerpunkt auf Unterhaltung. Im Gegensatz zum Radio, welches Musik und damit eine universelle Sprache von Rhythmus und Klang einsetzen kann, bei der nicht der Text, sondern die Stimme und Stimmung im Vordergrund stehen, sind Printmedien in ihrer Mehrzahl informationsorientiert. Dieses gilt insbesondere f\u00fcr Zeitungen, die schon auf Grund der m\u00e4\u00dfigen Papierqualit\u00e4t daf\u00fcr pr\u00e4destiniert sind, vor allem Informationen durch Text zu vermitteln. Texte sind eindeutig sprachlich kodiert, die simultane \u00dcbersetzung von Text, wie von <i>otk\u00f6k\u00fc <\/i>angewandt, f\u00fchrt vor allem dazu, dass sich der Umfang der Zeitung verdoppelt und l\u00e4sst die berechtigte Frage aufkommen, warum nicht gleich zwei sprachlich getrennte Zeitungen gleichen Inhalts auf den Markt gebracht werden.<\/p>\n<p>Hochglanz-Zeitschriften hingegen k\u00f6nnen wesentlich st\u00e4rker auf die Bildsprache setzen. Damit besitzen sie ein Instrument, die harte Trennung zwischen zwei Sprachen als unabh\u00e4ngige, f\u00fcr andere Personen unverst\u00e4ndliche, intellektuelle Zeichensysteme, aufzuheben. Bilder verf\u00fcgen \u00fcber eine emotionale, verbindende Potenz, die bei textlich bilingual aufgebauten Printmedien quasi eine dritte Sprache bilden kann. Doch gegenw\u00e4rtig findet sich in Deutschland keine derartige, deutsch- und t\u00fcrkischsprachige Zeitung. Das Life-Style-Magazin <i>Etap <\/i>stellt bisher den einzigen Versuch da, der in diese Richtung zielte. Doch ist die Zeitschrift <i>Etap <\/i>seit April 2000 mangels kommerziellem Erfolg nicht mehr auf dem Markt.<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<h3>15. Szenarien der Entwicklung deutsch- und t\u00fcrkischsprachiger Medien<\/h3>\n<p>Wie entwickeln sich bilinguale, deutsch- und t\u00fcrkischsprachige Medien in den n\u00e4chsten Jahren? Die Prognosen der MacherInnen der untersuchten Medien gehen auseinander:<\/p>\n<p>Alper \u00d6ktem, Herausgeber von <i>Persembe <\/i>sieht in deutsch- und t\u00fcrkischsprachigen Medien eine Zwischenphase. Sie seien ein Integrationszwischenschritt, der mit den Abgrenzungen seitens der T\u00fcrkeist\u00e4mmigen und der Mehrheitsgesellschaft zu k\u00e4mpfen habe. Viele der T\u00fcrkeist\u00e4mmigen h\u00e4tten sich nach dem Integrationsbruch in den 1990er Jahren auf die T\u00fcrkei r\u00fcckbesinnt.<\/p>\n<p>Bernd Dr\u00fccke, Koordinierungsredakteur von <i>otk\u00f6k<\/i>\u00fc, sieht die Bedeutung von deutsch- und t\u00fcrkischsprachigen Medien in den n\u00e4chsten Jahren zur\u00fcckgehen, da bereits heute die meisten t\u00fcrkeist\u00e4mmigen Menschen deutsch sprechen und lesen w\u00fcrden. Einen Markt f\u00fcr diese Medien sieht er nur noch in den n\u00e4chsten f\u00fcnf bis zehn Jahren. Langfristig setze sich die deutsche Sprache durch.<\/p>\n<p>Ismail Eren, <i>H\u00fcrriyet<\/i>-Redakteur best\u00e4tigt die Zweisprachigkeit gerade von Jugendlichen der t\u00fcrkeist\u00e4mmigen Community, zieht aber mittelfristig andere Schl\u00fcsse. Er sieht in den n\u00e4chsten Jahren eine Zukunft f\u00fcr deutsch- und t\u00fcrkischsprachige Medien.<\/p>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(&#8230;) 8. 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