{"id":12769,"date":"2004-11-18T00:00:31","date_gmt":"2004-11-17T22:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12769"},"modified":"2022-07-26T13:11:47","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:47","slug":"erfasst-als-er-gerade-die-schienen-verliess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/11\/erfasst-als-er-gerade-die-schienen-verliess\/","title":{"rendered":"&#8222;Erfasst, als er gerade die Schienen verlie\u00df&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Atomkraft. F&uuml;r &quot;Lib&eacute;ration&quot; meldeten sich                 die Gruppenmitglieder (&quot;camarades&quot; hei&szlig;t eigentlich                 GenossInnen, MitstreiterInnen, d.&Uuml;.) von S&eacute;bastien,                 der vom Zug mit (atomaren, fehlt im Original, d.&Uuml;.) Abf&auml;llen                 get&ouml;tet wurde, zu Wort.<\/p>\n<p>&quot;Dieser Text ist weder ein Bekenntnis noch eine Anschuldigung,                 wir wollen nur die Fakten wahrheitsgetreu darlegen.&quot; F&uuml;nf                 Tage nach dem Tod von S&eacute;bastien Briat, dem 22-j&auml;hrigen                 Anti-Atom-Aktivisten, der am Sonntag nahe Avricourt im Departement                 Meurthe-et-Moselle w&auml;hrend einer Aktion gegen einen Zug mit                 atomaren Abf&auml;llen ums Leben kam, der auf dem Weg zum Zwischenlager                 Gorleben\/Deutschland war, haben sich seine MitstreiterInnen der                 Aktionsgruppe dazu entschlossen, die Umst&auml;nde des Unfalls                 zu er&ouml;rtern. &quot;Jeder Beteiligte muss seinen Teil der                 Verantwortung &uuml;bernehmen, wir eingeschlossen&quot;, schreiben                 sie in einer Erkl&auml;rung, die an &quot;Lib&eacute;ration&quot;                 &uuml;bergeben wurde. Ihre Version widerspricht der These des                 Staatsanwalts von Nancy, Michel Senthille, nach der S&eacute;bastien                 Briat sich an den Gleisen mittels eines unter den Schwellen befestigten                 Rohres angekettet h&auml;tte und sich nicht rechtzeitig habe befreien                 k&ouml;nnen, als der Zug ankam, der nach den ersten Ergebnissen                 der Untersuchung &quot;mit ungef&auml;hr 100 Stundenkilometern&quot;                 unterwegs war. &quot;S&eacute;bastien ist erfasst worden, als                 er gerade die Schienen verlie&szlig;. Sein Arm war nicht mehr                 im Innern des Rohrs gesteckt&quot;, versichern die AktivistInnen.                 &quot;Im Gegensatz zu dem, was angesichts dieses Dramas vermutet                 wird, war unsere Aktion auf keinen Fall unverantwortlich oder                 ein Akt der Verzweiflung&quot;, insistieren sie. &quot;Diese Aktion                 war gewaltfrei, wohldurchdacht und freiwillig&quot;, sowie &quot;sehr                 gut vorbereitet&quot;, indem sie &quot;die bew&auml;hrten Anhalteprozeduren&quot;                 befolgt hat.<\/p>\n<h3>Training<\/h3>\n<p> 13 Personen waren an der Aktion beteiligt, davon hatten drei                 bereits fr&uuml;her einen Zug blockiert, im November 2003, nur                 wenige Kilometer vom Unfallort entfernt. Die Gruppe hatte zwei                 &Ouml;rtlichkeiten ausgekundschaftet (in der Meuse und bei Avricourt).                 Sie hatten sich f&uuml;r die zweite &Ouml;rtlichkeit entschieden,                 nachdem sie die genaue Strecke des Zuges erfuhren, der von der                 Cogema gemietet wurde, und sie teilten sich in drei Gruppen: 3                 &quot;Beobachtungsposten&quot; 15 Kilometer von Avricourt entfernt;                 2 &quot;StopperInnen (?,d.&Uuml;.), mit Fackeln ausger&uuml;stet,                 die sich 1500 Meter vor dem Aktionsort, an dem der Zug zum Stehen                 kommen sollte, placierten; sowie 8 &quot;BlockiererInnen&quot;.                 Letztere haben sich am Rand eines Waldes versteckt, nachdem sie                 die Rohre unter dem Schotter verborgen hatten, wodurch sich vier                 von ihnen anketten konnten. Die Vorrichtung war am Ausgang einer                 Kurve mit einer auf 250 Meter reduzierten Sichtweite angebracht:                 &quot;Die Stelle war gef&auml;hrlicher als andere, aber wir hatten                 extra trainiert, uns im Notfall innerhalb von wenigen Sekunden                 loszuschlie&szlig;en.&quot;<\/p>\n<p>Wenige Minuten vor dem Unfall hatten die BeobachterInnen den                 Zug, eskortiert von einem vorausfliegenden Hubschrauber, vorbeifahren                 sehen. Aber obwohl in diesem Bereich Aktionen von AtomkraftgegnerInnen                 immer wieder vorkommen, hat der Hubschrauber, der gerade zwei                 Stunden lang eine erfolgreiche und den Zug aufhaltende Blockade                 in Laneuveville-devant-Nancy &uuml;berwacht hatte, seinen Beobachtungsflug                 abgebrochen, um Treibstoff zu tanken. Die StopperInnen, die jedoch                 auf den Hubschrauber als Signal f&uuml;r das N&auml;hern des Zuges                 z&auml;hlten, wurden &uuml;berrascht und haben, &quot;wie wir                 das vorher als M&ouml;glichkeit ins Auge gefasst hatten, darauf                 verzichtet, den Zug anzuhalten, weil er von zwei Fahrzeugen der                 Gendarmerie begleitet wurde, die mit gro&szlig;er Geschwindigkeit                 auf dem Weg neben den Gleisen vorausfuhren.&quot; Da der Zugf&uuml;hrer                 &quot;weder von den AktivistInnen aufgehalten noch vom Hubschrauber                 gewarnt wurde&quot;, entdeckte er die DemonstrantInnen erst im                 letzten Moment.<\/p>\n<h3>Dementierung<\/h3>\n<p> Nach den Angaben seiner Gruppenmitglieder war es S&eacute;bastien                 Briat, der in der Mitte der Gleise gelegen war, gelungen, aufzustehen,                 bevor er von der Lokomotive erfasst wurde. &quot;Wir hatten uns                 nicht mit Vorh&auml;ngeschl&ouml;ssern angekettet und wir hatten                 die M&ouml;glichkeit, uns aus den Rohren schnell zu befreien.                 S&eacute;bastien hat sich losschlie&szlig;en k&ouml;nnen. Es gibt                 eine offene Untersuchung, sie wird die Wahrheit ans Licht bringen&quot;,                 sagen die AktivistInnen, die von der Gendarmerie noch einmal verh&ouml;rt                 werden. Der Staatsanwalt, der am Freitag unerreichbar blieb, hat                 diese Version am Dienstag dementiert: &quot;Alles deutet darauf                 hin, dass er sich nicht hat aus der Vorrichtung befreien k&ouml;nnen.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Wir haben uns nicht aus Naivit&auml;t oder Abenteuerlust                 dazu entschieden, diesen Zug aufzuhalten&quot;, schlie&szlig;en                 die AktivistInnen ihre Erkl&auml;rung. &quot;S&eacute;bastien                 ist nicht &uuml;berfahren worden, weil er besoffen von einer Discothek                 nach Hause wollte, sondern als er seinen &Uuml;berzeugungen gem&auml;&szlig;                 gehandelt hat. Und deshalb wird f&uuml;r uns sein Sterben ganz                 ohne Zweifel niemals zur Nebens&auml;chlichkeit werden.&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Atomkraft. F&uuml;r &quot;Lib&eacute;ration&quot; meldeten sich die Gruppenmitglieder (&quot;camarades&quot; hei&szlig;t eigentlich GenossInnen, MitstreiterInnen, d.&Uuml;.) von S&eacute;bastien, der vom Zug mit (atomaren, fehlt im Original, d.&Uuml;.) Abf&auml;llen get&ouml;tet wurde, zu Wort. &quot;Dieser Text ist weder ein Bekenntnis noch eine Anschuldigung, wir wollen nur die Fakten wahrheitsgetreu darlegen.&quot; F&uuml;nf Tage nach dem Tod von S&eacute;bastien Briat, dem 22-j&auml;hrigen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/11\/erfasst-als-er-gerade-die-schienen-verliess\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\"Erfasst, als er gerade die Schienen verlie\u00df\" - graswurzelrevolution","description":"Atomkraft. 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