{"id":12773,"date":"1999-10-09T00:00:23","date_gmt":"1999-10-08T22:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12773"},"modified":"2022-07-26T12:59:13","modified_gmt":"2022-07-26T10:59:13","slug":"die-schlampagne-widerstaendig-liebende-lesben-kommen-raus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1999\/10\/die-schlampagne-widerstaendig-liebende-lesben-kommen-raus\/","title":{"rendered":"Die Schlampagne &#8211; Widerst\u00e4ndig l(i)ebende Lesben kommen raus!"},"content":{"rendered":"<p>Ausgerufen als ein erstes Treffen aller Lesben, die Interesse haben,               aktive &Ouml;ffentlichkeitsarbeit gegen die Homoehe und f&uuml;r               eine Gleichstellung <em>aller<\/em> Lebensweisen zu machen, entwickelte               sich das von zwei engagierten Lesben privat organisierte &#8222;Erste               Koordinierungstreffen f&uuml;r Lesben&#8220; vom 10.-12. September 99               im Frauenzentrum Regensburg zur Geburtsstunde der <cite>Schlampagne<\/cite>               &#8211; und damit eines neuen Selbstbewu&szlig;tseins widerst&auml;ndig               l(i)ebender Lesben.               <\/p>\n<p> Einladung war an alle Lesben ergangen, die &#8222;von der Debatte                 um die Homoehe angenervt sind, die mit ihrer eigenen, anderen                 Lebensweise sichtbar werden wollen und Lust haben, ein deutliches                 politisches Gegengewicht zu setzen&#8220;. Die Frage ist: wie sehen                 sie eigentlich genau aus, diese &#8222;anderen&#8220; Lebensweisen, die bei                 der Ausdehnung einiger Eheprivilegien auf die begrenzte Gruppe                 heiratswilliger und -f&auml;higer Schwuler und Lesben leer ausgehen                 werden? Was sind das f&uuml;r Menschen, die &#8211; aus Not, aus guten                 Gr&uuml;nden oder aus bewu&szlig;tem politischen Widerstand &#8211;                 in sozialen Beziehungsnetzen jenseits von Ehe und Zweierkiste                 leben und lieben?               <\/p>\n<p> Beim Versuch, diese Lebensweisen zu benennen, tut sich ein Abgrund                 an Sprachlosigkeit, Totschweigen, Verfemung und Tabuisierung auf.                 Ohne Sprache keine Sichtbarkeit, keine &Ouml;ffentlichkeit, keine                 Einflu&szlig;m&ouml;glichkeit. So wurde die Namens- und Sprachfindung                 zum ersten und vordringlichsten Arbeitsschwerpunkt des Treffens.                 Unter Anspielung auf die gesellschaftliche &Auml;chtung selbstbestimmter                 Lebensweisen von Frauen und auf das Widerstandspotential von Beziehungsformen,                 die der herrschenden Ordnung entgegengesetzt sind, entschieden                 sich die Teilnehmerinnen des Treffens f&uuml;r die <cite>Schlampe<\/cite>                 als passendste Bezeichnung. &Auml;hnlich wie die Lesbenbewegung                 in ihren Anf&auml;ngen ein Schimpfwort &uuml;bernahm und es f&uuml;r                 sich selbst neu und positiv besetzte, soll mit der Selbstbezeichnung                 Schlampe die Abwertung vielf&auml;ltiger Beziehungsnetze karikiert                 und letztlich aufgel&ouml;st werden.               <\/p>\n<p> Die <cite>Schlampagne<\/cite> als &#8222;Schlamping-Out&#8220;-Kampagne f&uuml;r                 Lesben ruht auf drei Beinen: der Selbsthilfe (Vernetzung und Kontakt                 untereinander, Treffen, Erfahrungsaustausch, Unterst&uuml;tzung,                 Identit&auml;tsfindung); der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit nach au&szlig;en,                 und zwar sowohl in Lesbenzusammenh&auml;ngen als auch in der gesamten                 Gesellschaft; und der politischen Einflu&szlig;nahme in Gestalt                 von Lobbyarbeit und Vernetzung mit solidarischen Organisationen.               <\/p>\n<p> Um eine solide Basis f&uuml;r weitergehende Aktionen aufzubauen,                 wird sich die <cite>Schlampagne<\/cite> zun&auml;chst auf die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit                 in der Lesbenszene und auf die Vernetzung vereinzelter Schlampen                 konzentrieren, ohne da&szlig; deswegen eine l&auml;ngerfristige                 Ausweitung auf &#8222;undefinierte&#8220; Singles, Heteras, bi-, trans-, inter-                 oder a-sexuelle Frauen und ihre Zusammenh&auml;nge ausgeschlossen                 w&auml;re. In (monogamen) Zweierbeziehungen lebende Lesben, die                 aus politischen Gr&uuml;nden gegen die Eingetragene PartnerInnenschaft                 und f&uuml;r eine Abschaffung der Eheprivilegien sind, geh&ouml;ren                 ebenfalls zu den potentiellen Verb&uuml;ndeten der Schlampagne.                 Auch gibt es eine lange Tradition von &auml;hnlichen Vorstellungen                 zu widerst&auml;ndigen Lebensweisen in der linken Kommunenszene,                 bei HausbesetzerInnen, Bauwagenleuten und anderen gemischten Zusammenh&auml;ngen,                 die als B&uuml;ndnispartnerInnen mit &auml;hnlichem gesellschaftspolitischem                 Interesse ebenfalls willkommen sind. Gleiches gilt f&uuml;r die                 emanzipatorischen Forderungen bestimmter Schwulengruppen (z.B.                 whk Berlin oder Rosa L&uuml;ste Wiesbaden).               <\/p>\n<p> Als unterst&uuml;tzende B&uuml;ndnispartnerInnen beteiligen                 sich bereits jetzt der <strong>Lesbenring<\/strong> e.V. (der bundesweite                 Zusammenschlu&szlig; feministischer Lesben), <strong>Furien und                 Companjeras<\/strong> e.V. (Verein von Lesben, die mit Kindern                 leben) und die FrauenLesbenredaktion der anarchistischen Zeitung                 <strong>Graswurzelrevolution<\/strong> (GWR) an der Schlampagne.                 An einer Zusammenarbeit interessierte Organisationen werden gebeten,                 sich mit einer der Ansprechschlampen in Verbindung zu setzten.                 Es ist angestrebt, eine m&ouml;glichst breite Vernetzung aller                 Gruppen aufzubauen, die sich aus emanzipatorischen Gr&uuml;nden                 f&uuml;r eine Abschaffung der Eheprivilegien einsetzen, um im                 Falle einer Gesetzesvorlage zur Homoehe reagieren zu k&ouml;nnen.               <\/p>\n<p> Das n&auml;chste Schlampentreffen f&uuml;r Lesben findet am                 Wochenende 5.\/6. Februar 2000 im Frauencaf&eacute; Heidelberg,                 Blumenstr. 43 statt und wird von der dortigen Regionalgruppe des                 Lesbenrings organisiert und finanziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgerufen als ein erstes Treffen aller Lesben, die Interesse haben, aktive &Ouml;ffentlichkeitsarbeit gegen die Homoehe und f&uuml;r eine Gleichstellung aller Lebensweisen zu machen, entwickelte sich das von zwei engagierten Lesben privat organisierte &#8222;Erste Koordinierungstreffen f&uuml;r Lesben&#8220; vom 10.-12. 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