{"id":12779,"date":"2004-11-08T00:00:43","date_gmt":"2004-11-07T22:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12779"},"modified":"2022-07-26T14:24:32","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:32","slug":"antiatomaktivismus-traegt-trauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/11\/antiatomaktivismus-traegt-trauer\/","title":{"rendered":"Antiatomaktivismus tr\u00e4gt Trauer"},"content":{"rendered":"<p>Die Atomkraft hat get&ouml;tet, gestern auf den Eisenbahnschienen                 nahe Avricourt (Departement Meurthe-et-Moselle), 40 Kilometer                 &ouml;stlich von Nancy. Ungef&auml;hr um 14 Uhr 30 hat der 2000                 Tonnen schwere und 400 Meter lange Zug, der 12 Container mit in                 Glaskokillen eingefassten Brennst&auml;ben aus La Hague in Richtung                 Gorleben\/Deutschland transportierte, einen Anti-Atom-Aktivisten                 im Alter von 21 Jahren verletzt, der sich am Gleis angekettet                 hatte. Dem Jugendlichen, der aus dem Departement Meuse stammt,                 wurde ein Bein abgetrennt. Er ist seinen Verletzungen erlegen.                 &quot;Bei diesem Unfall gab es eine Ansammlung von Problemen&quot;,                 meinte w&auml;hrend einer Pressekonferenz der Staatsanwalt aus                 Nancy, Michel Senthille. Der get&ouml;tete Jugendliche war Mitglied                 einer Gruppe von acht AktivistInnen, alle vollj&auml;hrig, die                 versuchten, den Transport mit (Atom-, der Begriff fehlt im Franz&ouml;sischen,                 d.&Uuml;.) Abf&auml;llen mittels unter den Gleisen versteckter                 Rohre, an denen sich vier von ihnen anketten konnten, zu blockieren.                 Sie haben sich am Ende einer Kurve niedergelassen (installiert,                 d.&Uuml;.), wo die Sichtweite nicht mehr als 200 Meter betr&auml;gt.                 Die Gruppe ist nach der Vorbeifahrt eines Motorradfahrers der                 Gendarmerie, der dem Zug um zwei Minuten vorausfuhr und nichts                 Ungew&ouml;hnliches bemerkte, pl&ouml;tzlich aufgetaucht. Der                 Zug hat den Aktivisten trotz einer Notbremsung verletzt.<\/p>\n<h3>Geschwindigkeit<\/h3>\n<p> &quot;Wir denken, dass es dem Jugendlichen nicht gelungen ist,                 sich aus der Ankettung loszuschlie&szlig;en. Vielleicht hat er                 das Vorh&auml;ngeschloss blockiert&quot;, wodurch er einmal festgeriegelt                 (oder eingeklemmt, frz: verrouiller, d.&Uuml;.) wurde, als der                 Zug zum Halten kam, meinte Michel Senthille. Die drei anderen                 Gruppenmitglieder konnten sich rechtzeitig von den Gleisen befreien.                 &quot;Vor einer Zugblockade signalisieren die AktivistInnen ihre                 Pr&auml;senz mit Hilfe einer Lampe einige hundert Meter im Vorhinein.                 Und wenn wir sehen, dass das nicht m&ouml;glich ist, versuchen                 wir es gar nicht. Die AktivistInnen m&uuml;ssen also eine &uuml;bliche                 Sicherungspraxis vergessen haben&quot;, erkl&auml;rt Gilbert Poirot,                 els&auml;ssischer Anti-Atom-Aktivist. Gestern abend kritisierte                 er die Geschwindigkeit des Zuges, die er &quot;auf 100 Stundenkilometer&quot;                 sch&auml;tzte, wobei die Transporte mit (Atom-, d.&Uuml;.) Abf&auml;llen                 nur &quot;mit einer Maximalgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern                 fahren d&uuml;rfen.&quot; Der Zug hat seine Fahrt kurz vor 18                 Uhr wieder aufgenommen.<\/p>\n<p>Um 11 Uhr 15 hatten DemonstrantInnen den Zug bereits in Laneuveville-devant-Nancy                 blockiert. Diese Aktion war von einer &ouml;rtlichen Gruppe von                 vierzehn Personen durchgef&uuml;hrt worden, die aus dem Netzwerk                 &quot;Sortir du nucl&eacute;aire&quot; stammte und Auskunft &uuml;ber                 die Logistik solcher Aktionen gaben. &quot;Wir sind um 2 Uhr morgens                 hingegangen. Jeder wurde &uuml;ber die Risiken und den Ablauf                 der Aktion informiert. Wir haben uns die ganze Nacht &uuml;ber                 in den B&uuml;schen nahe der Gleise versteckt&quot;, erz&auml;hlt                 Michel, 26 Jahre alt. Seine Mitstreiter hatten die Aufgabe, ihre                 Anwesenheit und die Blockade einen Kilometer weiter aufw&auml;rts                 der Strecke zu signalisieren. &quot;Wir sind auf die Gleise gegangen,                 als der Hubschrauber, der die Gleise &uuml;berfliegt, uns entdeckt                 hatte. Wir waren auf einem geraden Streckenabschnitt und konnten                 gut &uuml;berblicken, wie der Zug gestoppt hat&quot;, erz&auml;hlt                 Michel weiter. Zwei Personen haben sich auf den Gleisen mit Handschellen                 festgekettet. &quot;Die Auseinandersetzung mit der CRS (franz&ouml;sische                 Bundespolizei, vergleichbar dem BGS, d.&Uuml;.) verlief sehr ruhig.                 Wir haben keinen weiteren Widerstand geleistet und wurden dann                 alle in die &ouml;rtliche Polizeistelle eingeliefert&quot;, f&auml;hrt                 Michel fort. &quot;Es ist uns gelungen, den Zug um zweieinhalb                 Stunden aufzuhalten. Wir waren euphorisch&quot;, erz&auml;hlt                 einer der beiden Festgeketteten. Die Stimmung ist dann auf brutale                 Weise umgeschlagen, als die Aktivisten die Nachricht vom Drama                 erfuhren. Die Gruppe vom Vormittag best&auml;tigte, dass sie von                 derjenigen des Nachmittags nichts wusste. Letztere muss aber &quot;Sortir                 du nucl&eacute;aire&quot; gekannt haben. Denn ein Vertreter von                 &quot;Sortir du nucl&eacute;aire&quot; wurde &quot;von einem Unbekannten                 um ungef&auml;hr 15 Uhr 10 angerufen&quot; und darum gebeten,                 &quot;einen Pressekontakt zu vermitteln&quot;, aber er konnte                 den Anrufer nicht identifizieren.<\/p>\n<h3>Widerstand<\/h3>\n<p> In Dannenberg\/Deutschland, sowie in angrenzenden St&auml;dten,                 wo der Zug am Nachmittag erwartet wurde, waren die DemonstrantInnen                 von der Nachricht sehr betroffen. Ab 18 Uhr versammelten sich                 tausende Personen spontan in Hitzacker, einer der Gemeinden, die                 der Zug durchquert, um eine Minute des Schweigens zu begehen und                 dem Opfer zu gedenken. Einige trugen Laternen mit dem Zeichen                 &quot;X&quot;, dem Symbol f&uuml;r Widerstand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Atomkraft hat get&ouml;tet, gestern auf den Eisenbahnschienen nahe Avricourt (Departement Meurthe-et-Moselle), 40 Kilometer &ouml;stlich von Nancy. Ungef&auml;hr um 14 Uhr 30 hat der 2000 Tonnen schwere und 400 Meter lange Zug, der 12 Container mit in Glaskokillen eingefassten Brennst&auml;ben aus La Hague in Richtung Gorleben\/Deutschland transportierte, einen Anti-Atom-Aktivisten im Alter von 21 Jahren verletzt, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/11\/antiatomaktivismus-traegt-trauer\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Antiatomaktivismus tr\u00e4gt Trauer - graswurzelrevolution","description":"Die Atomkraft hat get&ouml;tet, gestern auf den Eisenbahnschienen nahe Avricourt (Departement Meurthe-et-Moselle), 40 Kilometer &ouml;stlich von Nancy. Ungef&au"},"footnotes":""},"categories":[12,1039],"tags":[],"class_list":["post-12779","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-news","category-quergestellt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12779"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12779\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}