{"id":12795,"date":"2004-05-27T00:00:30","date_gmt":"2004-05-26T22:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12795"},"modified":"2022-07-26T14:24:34","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:34","slug":"nichts-neues-in-der-deutschen-nahost-debatte-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2004\/05\/nichts-neues-in-der-deutschen-nahost-debatte-2\/","title":{"rendered":"(Nichts) Neues in der deutschen Nahost-Debatte?"},"content":{"rendered":"<p>Die der Konferenz zu Grunde liegende &#8222;K\u00f6lner Erkl\u00e4rung&#8220; unterscheidet                 sich zwar wohltuend vom alten Anttiimp-Antizionismus der deutschen                 Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t, ist aber durch verd\u00e4chtige Asymmetrien                 gekennzeichnet (II.). Mag man versucht sein, beim Lesen des Textes                 wohlwollend \u00fcber sie hinweg zu sehen, zeigt ein Blick auf einen                 Teil der Konferenz-Veranstalter, Unterst\u00fctzer und Podiumsteilnehmer,                 dass die Konferenz ernsthaft Gefahr l\u00e4uft, die eine Position der                 bin\u00e4r-reduktionistischen Konstellation doch zu reproduzieren (III.).                 Die andere Position, die ihrem Gegenpart an Stupidit\u00e4t in nichts                 nachsteht, hat bereits Gegenaktivit\u00e4ten angek\u00fcndigt (IV.).<\/p>\n<h3>I.<\/h3>\n<p>\u00dcberdruss an deutschen Nahost-Debatten d\u00fcrften viele versp\u00fcren.                 Nicht zuletzt diejenigen, die den eskalierenden Konflikt nicht                 simpel nach &#8218;gut&#8216; und &#8218;b\u00f6se&#8216; sortieren. Die also nicht <\/p>\n<ul>\n<li>\n<p> entweder als lebende Fossile des Antiimperialismus &#8218;den                     guten Pal\u00e4stinensern&#8216; als Opfer (und <i>nur<\/i> als Opfer)                     &#8218;das b\u00f6se Israel&#8216; als staatsterroristische Besatzungsmacht                     und &#8218;die Zionisten&#8216; als Rassisten und somit als T\u00e4ter gegen\u00fcberstellen,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p> oder in einer neuen Variante des Philosemitismus als &#8222;Antideutsche&#8220;                     &#8218;das gute Israel&#8216; im \u00dcberlebenskampf gegen &#8218;die terroristischen                     Pal\u00e4stinenser&#8216;, verstanden als einheitliches v\u00f6lkisches (und                     somit antisemitisches) Kollektiv und fester Bestandteil des                     islamistischen Megaterrors, halluzinieren.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit dem, was in Israel und in den besetzten Gebieten geschieht,                 haben diese Bilder und (Wahn-)Vorstellungen wenig bis gar nichts                 zu tun. Impulse zur Entspannung der Lage und f\u00fcr Schritte aus                 der bisweilen ausweglos scheinenden Situation, soweit sie \u00fcberhaupt                 aus Deutschland oder Europa kommen k\u00f6nnen, sind von dieser Debatte,                 in der zwei gleicherma\u00dfen realit\u00e4tsferne, in der Hauptsache auf                 Wahrung der eigenen Identit\u00e4t bedachte Positionen ineinander verkrallt                 und aufeinander angewiesen sind, nicht zu erwarten. <i>Solche<\/i>                 Nahost-Debatten, die auf dem stupiden Betriebssystem der bin\u00e4ren                 Reduktion laufen, sind g\u00fcnstigstenfalls nutzlos. Zumeist zeitigen                 sie fatale Effekte f\u00fcr die politische Kultur, ein Begriff der                 Politologie, der hier Gefahr l\u00e4uft, als Euphemismus zu funktionieren:                 Sie sind Teil der N\u00e4hrl\u00f6sung, in der einerseits anti-antisemitisch                 artikulierter antiislamischer Rassismus, andererseits &#8211; bisweilen                 antirassistisch verpackter &#8211; Antisemitismus &#8218;von links&#8216; gedeihen                 (daher ist es sinnvoll, es sich gelegentlich zuzumuten, diese                 Debatten zu beobachten). &#8222;Es gibt keinen Grund, zwischen gutem                 Rassismus und schlechtem Antisemitismus zu unterscheiden&#8220;, schreibt                 Esther Benbassa, beide &#8222;bezeichnen dasselbe Elend&#8220;. ((1))<\/p>\n<p>Nicht zuletzt f\u00fchrt diese Art Nahost-Debatte dazu, dass innerhalb                 dessen, was &#8222;die Linke&#8220; oder die &#8222;(neuen) sozialen Bewegungen&#8220;                 genannt wird, eine hinreichend gr\u00fcndliche Diskussion des vielf\u00e4ltig,                 in Deutschland insbesondere historisch (vom Nazismus bis zu den                 Irrwegen des bewaffneten Kampfes mancher Ausl\u00e4ufer der &#8222;Neuen                 Linken&#8220;, nicht zu vergessen den staatlichen Antizionismus der                 DDR) \u00fcberdeterminierten Themas kaum stattfindet. Stattdessen werden                 konfrontativ Glaubensbekenntnisse ausgetauscht. Jede Position                 verf\u00fcgt dabei \u00fcber &#8218;ihre Juden&#8216; bzw. &#8218;ihre Israelis&#8216;, die &#8211; ob                 ihnen dies bewusst ist und ob sie dies wollen oder nicht &#8211; wie                 religi\u00f6se Autorit\u00e4ten (selektiv) zitiert und pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zum Glaubenskrieg ist man in den letzten Monaten                 einige Schritte voran gekommen. Wer sich dies antun wollte, konnte                 nach dem Fiasko der Antifa-Demonstration in Hamm am 17. Januar,                 der Hamburger Demonstration gegen den Nazi-Aufmarsch am 31. Januar                 und der &#8222;antideutschen&#8220; Strafexpedition nach Hamburg am 24. April                 auf den diversen Geblubber-Seiten der Antiimps und der Antideutschen                 heroische Darstellungen und Interpretationen aus dem Glaubensstra\u00dfenkampf                 nachlesen. Wer da als erstes wem die F\u00f6rmchen geklaut und wer                 als erster dem anderen aufs Maul gegeben hat, ist im Gewimmel                 der einander widersprechenden Erz\u00e4hlungen kaum zu rekonstruieren.                 Ob&#8217;s \u00fcberhaupt der M\u00fche wert ist? Nun ist der n\u00e4chste &#8222;Feldzug&#8220;                 der &#8222;Antideutschen&#8220; angek\u00fcndigt, sein Ziel ist die K\u00f6lner Konferenz.<\/p>\n<h3>II.<\/h3>\n<p>Die Konferenz-Grundlage, die am 17. Januar 2004 verabschiedete                 &#8222;K\u00f6lner Erkl\u00e4rung: Den Mauerbau in Pal\u00e4stina unverz\u00fcglich stoppen!&#8220;,                 unterscheidet sich wohltuend von den gewohnten antiimperialistischen                 Kampftexten der deutschen Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t. Doch das hei\u00dft                 ja auch nicht sehr viel.<\/p>\n<p>So vermeidet die Erkl\u00e4rung, den Terror auf pal\u00e4stinensischer                 Seite beim Namen zu nennen und ihn zu verurteilen; stattdessen                 spricht man blo\u00df von &#8222;Gegengewalt&#8220;. Auch dr\u00fcckt man sich um die                 ausdr\u00fcckliche Forderung nach einem Ende dieses Terrors, w\u00e4hrend                 man bez\u00fcglich eines Endes der israelischen Besatzung Klartext                 redet: &#8222;F\u00fcr einen solchen Frieden ist ein Ende der israelischen                 Besetzung und Besiedlung die unabdingbare Voraussetzung&#8220;, hei\u00dft                 es im Aufruf. Der pal\u00e4stinensische Terror ist wohl, wie man das                 von Orwell kennt, irgendwie &#8218;gleicher als gleich&#8216;, wenn er kurz                 zuvor in der Rede von &#8222;verbrecherischen Angriffen auf unschuldige                 Zivilisten beider Seiten&#8220; mit den Aktionen der Besatzungstruppen                 auf eine Ebene gestellt wird.<\/p>\n<p>In resolution\u00e4rer Hochstimmung verk\u00fcndet man mit allergr\u00f6\u00dfter                 Gewissheit: &#8222;Nur ein Ende der Besatzung, ein rascher und endg\u00fcltiger                 R\u00fcckzug Israels aus den besetzten Gebieten und eine faire L\u00f6sung                 des Fl\u00fcchtlingsproblems <i>werden<\/i> auch zu einem Ende der Gewalt                 f\u00fchren&#8220; (Hrvh. v. A.S.). Dass &#8222;faire L\u00f6sung des Fl\u00fcchtlingsproblems&#8220;                 ein arg interpretationsoffener Formelkompromiss ist, der auch                 f\u00fcr eine pal\u00e4stinensische Maximalforderung stehen kann, sei nur                 am Rande erw\u00e4hnt. ((2)) Grob                 fahrl\u00e4ssig ist die wie eine Garantie pr\u00e4sentierte Behauptung,                 ein Ende der Besatzung und die nebul\u00f6s bleibende &#8222;faire L\u00f6sung                 des Fl\u00fcchtlingsproblems&#8220; w\u00fcrden quasi automatisch &#8222;zu einem Ende                 der Gewalt f\u00fchren&#8220;. Sollten sich die islamistischen pal\u00e4stinensischen                 Terrorgruppen, die Israel zerschlagen wollen, nicht an die weissagende                 Direktive aus K\u00f6ln halten, w\u00fcrde man daf\u00fcr nicht in K\u00f6ln, sondern                 in Tel Aviv oder anderswo in Israel bluten.<\/p>\n<p>Das Vertrackte nach Jahrzehnten der Besatzung und der davon beg\u00fcnstigten                 (nicht hingegen durch sie verursachten) zunehmenden militanten                 Islamisierung relevanter Teile der pal\u00e4stinensischen Gesellschaft                 ist doch, dass sich die so formierten Subjektivit\u00e4ten und Assoziationen                 nicht mit einem Mal aufl\u00f6sen, sondern fortzudauern drohen, selbst                 wenn einige bedeutende Umst\u00e4nde ihrer Entstehung historisch erledigt                 w\u00e4ren. Ein Ende der Besatzung ist eben keine Garantie f\u00fcr ein                 Ende des Terrors; sie w\u00fcrde allerdings <i>die Chance <\/i>(nicht                 mehr, nicht weniger) er\u00f6ffnen, den Zulauf zu den terroristischen                 Gruppen zu verringern und diesen Terror mittelfristig auszutrocknen,                 effektive, also vor allem unzweideutige \u00c4chtung des Terrors und                 seine tats\u00e4chliche, d.h. unter den gegebenen zivilisatorischen                 Standards: rechtsstaatlich begrenzte, polizeiliche Bek\u00e4mpfung                 vorausgesetzt. Dass die Aktivit\u00e4ten der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde                 diesbez\u00fcglich bisher weit hinter dem Erforderlichen zur\u00fcck bleiben,                 l\u00e4sst sich nicht allein damit entschuldigen, dass die Besatzungstruppen                 erhebliche Teile ihrer Infrastruktur zerschlagen haben.<\/p>\n<h3>III.<\/h3>\n<p>Die eine oder der andere mag diese Lekt\u00fcre der K\u00f6lner Erkl\u00e4rung                 vielleicht f\u00fcr haarspalterisch halten und einwenden, manches,                 dessen Fehlen in der Erkl\u00e4rung kritisiert wurde, so eine Verurteilung                 des Terrors, verstehe sich doch von selbst. Schaut man sich Veranstalter,                 Unterst\u00fctzer und Konferenz-Teilnehmer genauer an ((3)),                 entdeckt man doch wieder lebende Fossile des dumpfen Antiimperialismus                 und Antizionismus in relevanter Zahl, so dass manch als selbstverst\u00e4ndlich                 Geltendes alles andere als selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p>Das gilt nicht nur f\u00fcr die als Unterst\u00fctzer genannte &#8222;Redaktion                 der kommunistischen Internet-Zeitung&#8220; <i>kommunisten-online.de<\/i>.                 Deren Anfang Mai 2004 verschickter Newsletter enthielt nicht nur                 den Aufruf zur K\u00f6lner Konferenz, sondern neben einer Verbeugung                 vor Stalin (&#8222;prophetische Voraussage&#8220;) mehrere Links zu Texten,                 an denen sich das erb\u00e4rmliche Niveau des Antiimp-Antizionismus                 einmal mehr studieren l\u00e4sst: Das K-Gr\u00fcppchen deckt das Spektrum                 von Dummheiten (an M\u00f6llemanns antisemitischem Wahlkampf-Flyer                 lasse sich nichts Verwerfliches erkennen) \u00fcber faktenresistenten                 Hass auf Israel und den Zionismus bis zu antisemitischer Paranoia                 (eine kritische Studie des DISS zur Nahost-Berichterstattung deutscher                 Medien wird als durch Geld vom israelischen Geheimdienst Mossad                 finanzierte Arbeit von &#8222;Diversanten&#8220; entlarvt) ab. ((4))               <\/p>\n<p>Unter den Unterst\u00fctzern und Veranstaltern der Konferenz finden                 sich mehrere Unterst\u00fctzer der Kampagne &#8222;10 Euro f\u00fcr das irakische                 Volk im Widerstand&#8220;, die vom Campo antiimperialista und der Wiener                 AIK gestartet wurde. Da diese Kampagne bereits mehrfach Thema                 in dieser Zeitung war (GWR <a href=\"\/285\/panorama.shtml\">285<\/a>                 u. <a href=\"\/289\/irak.shtml\">289<\/a>), sei an dieser Stelle lediglich                 auf ein Interview der Wiener AIK mit Jabbar Al Kubaya verwiesen.                 Der Anf\u00fchrer der Irakischen Patriotischen Allianz, derjenigen                 irakischen Gruppe, der die Kampagne zugute kommen soll, deutet                 an, wen er gemeuchelt sehen will; verpackt in eine Prognose sieht                 der gro\u00dfe F\u00fchrer des Volkes im Widerstand schon das Blut &#8218;linker                 Verr\u00e4ter&#8216;, n\u00e4mlich der irakischen Kommunisten, flie\u00dfen: &#8222;In einem                 gewissen Sinn sind sie [die irakischen Kommunisten] sogar schlimmer                 als die Besatzer. [&#8230;] Sp\u00e4ter werden sie vom siegreichen Volk                 ausgemerzt werden. Niemand wird weinen, wenn ein Kollaborateur                 get\u00f6tet wird, selbst wenn er sich selbst als kommunistisch bezeichnet.&#8220;                  ((5))<\/p>\n<p>Unter den Veranstaltern findet sich der Verband Deutsche Freidenker,                 deren Vorsitzender in seiner Verbandsfunktion seine Unterst\u00fctzung                 der Kampagne &#8222;10 Euro&#8220; per Presseerkl\u00e4rung rechtfertigte. ((6))                 Die deutsche Zentrale der Kampagne, Initiativ e.V. (Duisburg),                 z\u00e4hlt zu den Unterst\u00fctzern der Konferenz.<\/p>\n<p>Als Moderator des erstens Konferenz-Panels vorgesehenist Ludwig                 Watzal, der in der Zeitschrift <i>Intifada<\/i> des Campo antiimperialista<i>                 <\/i>publiziert (wird). ((7))<\/p>\n<p>Ein Konferenz-Moderator, R\u00fcdiger G\u00f6bel, hat sich neben seiner                 Unterschrift auch publizistisch f\u00fcr diese Kampagne stark gemacht,                 als devoter Interviewer des Kampagnen-Initiators Langthaler und                 zuvor im kumpanenhaften Interview mit dem Kampagnen-Unterst\u00fctzer                 Joachim Guilliard (vom Heidelberger Antikriegs-Forum, Unterst\u00fctzer                 der K\u00f6lner Konferenz). ((8))                 Diese Texte G\u00f6bels m\u00fcssen im Kontext der Blattlinie der <i>jungen                 Welt<\/i> betrachtet werden (so wie G\u00f6bels T\u00e4tigkeit f\u00fcr das Bl\u00e4ttchen                 im Konferenz-Programm als Qualifikation des Moderators benannt                 wird). Werner Pirker, Leitartikler der <i>jungen Welt<\/i> (und                 Unterst\u00fctzer der Kampagne) hat in der <i>jungen Welt<\/i> Terror                 legitimiert. ((9)) In dem gemeinsam                 mit Langthaler verfassten Antiamerikaner-Katechismus liefert Pirker                 die Hintergrundargumentation f\u00fcr den &#8222;Solidarit\u00e4ts&#8220;-Einsatz der                 AIK zugunsten der Hamas. ((10))                 G\u00f6bel arbeitet dieser Blatt-Linie zu, wenn er sich journalistisch                 f\u00fcr die von der AIK lancierte Kampagne engagiert. Und das hat                 nicht nur prinzipiell mit der Gewaltfrage, sondern ganz spezifisch                 mit dem Konferenz-Thema zu tun. Der Anf\u00fchrer der durch die Kampagne                 gef\u00f6rderten Irakischen Patriotischen Allianz, Jabbar Al Kubaya,                 stellt den Zusammenhang her: &#8222;Die amerikanische Besatzung des                 Irak ist unleugbar mit der zionistischen Besatzung in Pal\u00e4stina                 verbunden. Das Projekt dieser Besatzungen muss von der arabischen                 Nation gemeinsam bek\u00e4mpft werden.&#8220; ((11))<\/p>\n<p>Durch die starke Pr\u00e4senz von Unterst\u00fctzern der Kampagne zugunsten                 dieser irakischen &#8222;Widerstands-&#8222;Kr\u00e4fte bei der K\u00f6lner Konferenz                 verliert der in der K\u00f6lner Erkl\u00e4rung formulierte Anspruch, &#8222;Kr\u00e4fte                 in Israel und Pal\u00e4stina, die f\u00fcr ein gleichberechtigtes, friedliches                 Zusammenleben beider V\u00f6lker eintreten&#8220;, und &#8222;gewaltlose Kampagnen                 israelischer und pal\u00e4stinensischer Aktivistinnen und Aktivisten&#8220;                 zu &#8222;unterst\u00fctzen&#8220;, massiv an Glaubw\u00fcrdigkeit.<\/p>\n<h3>IV.<\/h3>\n<p>Gegen die K\u00f6lner Konferenz richten sich Aktivit\u00e4ten antideutscher                 Gruppen. Sie &#8222;rufen dazu auf, das Recht auf Selbstverteidigung                 des Staates Israel gegen die TeilnehmerInnen und BesucherInnen                 der Konferenz &#8218;Stop the wall!&#8216; zu verteidigen und vor Ort die                 Solidarit\u00e4t mit dem Land praktisch werden zu lassen, das gegr\u00fcndet                 wurde, um all jenen, die von Antisemiten verfolgt werden, Schutz                 zu bieten.&#8220; ((12)) Was darf                 man sich nach den vorangegangenen Schl\u00e4gereien unter der Ank\u00fcndigung,                 &#8222;Solidarit\u00e4t [&#8230;] praktisch werden zu lassen&#8220; und &#8222;das Recht                 auf Selbstverteidigung des Staates Israel gegen die TeilnehmerInnen                 und BesucherInnen der Konferenz [&#8230;] zu verteidigen&#8220; vorstellen,                 wenn der Guru dieser Sektierer zuvor ein Loblied auf den franz\u00f6sischen                 BETAR anstimmte, da dieser &#8222;manchmal auch militant gegen antisemitische                 Manifestationen&#8220; (bzw. was man daf\u00fcr h\u00e4lt) vorgehe, und sogar                 der Ligue de D\u00e9fense Juive (J\u00fcdische Verteidigungsliga) gute Seiten                 abgewann, da sie &#8222;zu militanten Aktionen gegen arabische und linke                 Antizionisten und andere Antisemiten \u00fcbergegangen&#8220; sei? ((13))<\/p>\n<p>Mit pr\u00e4ziser Kritik an der Konferenz halten sich die Antideutschen                 nicht lange auf. Ihre Texte vermitteln den Eindruck, dass es ihnen                 darum geht, andere Rechnungen zu begleichen. Ihr Hauptfeind hei\u00dft                 Moshe Zuckermann. Ihn hassen sie, und zwar nicht obwohl, sondern                 <i>weil<\/i> dieser Kritiker der israelischen Regierungspolitik                 zugleich ein in der Tradition der Kritischen Theorie stehender                 kompetenter und scharfer Kritiker deutscher Normalit\u00e4t ((14))                 ist und das Ineinandergreifen hiesiger antisemitischer Ausf\u00e4lle                 mit israelischer Regierungspropaganda benennt. ((15))                 Damit zerst\u00f6rt Zuckermann die Gesch\u00e4ftsgrundlage der <i>Bahamas<\/i>                 und ihrer \u00fcbers Land verstreuten Kinder- und Jugendgruppen, die                 gerne einen Monopolanspruch auf (die wahre und einzige) Kritische                 Theorie behaupten &#8211; daher ist Zuckermann in ihren Augen viel schlimmer                 als beispielsweise Uri Avnery und Moshe Zimmermann, die in deutschen                 Medien zum Thema Israel \u00e4hnlich pr\u00e4sent sind.<\/p>\n<p>So hei\u00dft es am Schluss eines R\u00fcckblicks auf die antideutsche                 Strafexpedition nach Hamburg: &#8222;Die linke Kumpanei der vorgeblichen                 Antisemitismus-Kritiker mit den tats\u00e4chlichen Antisemiten gilt                 es auch weiterhin zu st\u00f6ren. Der n\u00e4chste &#8218;Feldzug&#8216; (Kirsche) wird                 in K\u00f6ln am 5. Juni 2004 durchgef\u00fchrt, wenn, wie angek\u00fcndigt, der                 Doyen des Postzionismus, Moshe Zuckermann, mit den Saddamiten                 von der <i>jungen Welt<\/i> und den Westentaschen-Goebbels des                 pal\u00e4stinensischen &#8218;Widerstandes&#8216; den Schulterschlu\u00df \u00fcbt&#8220;. ((16))<\/p>\n<p>Wenn Zuckermann als Teil einer &#8222;linke[n] Kumpanei der vorgeblichen                 Antisemitismus-Kritiker mit den tats\u00e4chlichen Antisemiten&#8220; namentlich                 denunziert ausgemacht wird, l\u00e4sst das immerhin noch offen, ob                 die einzigen wahren Antisemitismus-Kritiker ihn zu den &#8222;tats\u00e4chlichen                 Antisemiten&#8220; oder zu den &#8222;vorgeblichen Antisemitismus-Kritikern&#8220;                 z\u00e4hlen. Diese Gro\u00dfz\u00fcgigkeit hat freilich sogleich ein Ende, wenn                 Zuckermann zum Nazi-Kollaborateur erkl\u00e4rt wird, indem man ihn                 im &#8222;Schulterschlu\u00df&#8220; &#8222;mit den Saddamiten von der <i>jungen Welt<\/i>                 und den Westentaschen-<i>Goebbels<\/i> [Hrvh. v. A.S.] des pal\u00e4stinensischen                 &#8218;Widerstandes'&#8220; sieht. ((17))                 Dass Zuckermann ganz nebenbei zum &#8222;Doyen des Postzionismus&#8220; ernannt                 wird, beweist die komplette Ahnungslosigkeit des <i>Bahamas<\/i>-Autors.                 Zuckermann hat sich nie zum Postzionismus bekannt, sondern definiert                 sich als &#8222;Nichtzionist&#8220; ((18))                 und hat &#8211; wie auch der K\u00f6lner Konferenz-Teilnehmer Amnon Raz-Krakotzkin,                 der auch in seri\u00f6ser Literatur gelegentlich vage dem Postzionismus                 zugerechnet wird &#8211; dieses Etikett kritisiert. ((19))                 Doch von Sachkenntnis l\u00e4sst sich antideutsche Gesinnungsst\u00e4rke                 nicht tr\u00fcben, und so wetteifert diese Str\u00f6mung mit ihrem Antiimp-Gegenpart                 auf der nach oben offenen Inkompetenz-Skala.<\/p>\n<p>Bei dieser Ausgangslage steht zu bef\u00fcrchten, dass sich in K\u00f6ln                 die bin\u00e4r-reduktionistische Konstellation, in der eine informierte                 und verantwortliche Nahost-Debatte unm\u00f6glich ist, nur erneut &#8211;                 und wom\u00f6glich eskalierend &#8211; reproduziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die der Konferenz zu Grunde liegende &#8222;K\u00f6lner Erkl\u00e4rung&#8220; unterscheidet sich zwar wohltuend vom alten Anttiimp-Antizionismus der deutschen Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t, ist aber durch verd\u00e4chtige Asymmetrien gekennzeichnet (II.). 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