{"id":1285,"date":"1997-09-01T00:00:00","date_gmt":"1997-08-31T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=1285"},"modified":"2022-07-26T13:11:57","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:57","slug":"waa-transporte-stoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1997\/09\/waa-transporte-stoppen\/","title":{"rendered":"WAA-Transporte stoppen!"},"content":{"rendered":"<p>Nach Gorleben kommt Ahaus, das wei\u00df inzwischen jedeR. Die Bewegung hat durch die Auseinandersetzung um die Gorleben-Transporte und den Erfolg, da\u00df sie zumindest vorl\u00e4ufig ausgesetzt werden einen enormen Schwung gekriegt. Es ist sinnvoll, diesen zu nutzen, um nun auch in Ahaus einen breiten Widerstand aufzubauen. Zumal durch die Fernsehbilder von den Auseinandersetzungen im Wendland, die jahrelange Arbeit der BI-Ahaus und die auch im weiteren Umfeld von Ahaus neu entstandenen Anti-Atom-Gruppen die Bedingungen f\u00fcr den Versuch eine Massenbewegung zu starten reif sind.<\/p>\n<h3>WAA-Transporte<\/h3>\n<p>Aber es reicht nicht, den Widerstand allein auf die Zwischenlager zu beschr\u00e4nken. Zum einen l\u00e4\u00dft sich, solange es nur in Gorleben und Ahaus einen \u00f6ffentlich sichtbaren Widerstand gibt, den Anti-Castor-AktivistInnen immer leicht vorwerfen Sankt-Florians-Politik zu betreiben, da sie ja nichts dagegen tun, wenn der strahlende M\u00fcll ins Ausland verfrachtet wird. Zum anderen ist es f\u00fcr die AKW-BetreiberInnen relativ einfach m\u00f6glich, dem Widerstand zumindest zeitweise zu entgehen, indem sie ihre abgebrannten Brennelemente in die Wiederaufarbeitungsanlagen bringen. Da\u00df der M\u00fcll irgendwann wieder zur\u00fcckgenommen werden mu\u00df, ist erst in ein paar Jahren oder Jahrzehnten ihr Problem. Oder das ihrer NachfolgerInnen. Die Frage der Entsorgung und damit auch die nach dem Weiterbetrieb der Atomanlagen l\u00e4\u00dft sich auf diese Weise nur bedingt auf die Spitze treiben. Nicht zuletzt bleibt die Anti-Atom-Bewegung zumindest in der Frage der Transport-, also der wesentlichen Aktionszeitpunkte, weitgehend von der Gegenseite abh\u00e4ngig. Ohne Transporte in die Zwischenlager g\u00e4be es auch keine gro\u00dfen Aktionsanl\u00e4\u00dfe. Die Bewegung w\u00fcrde an Schwung verlieren und viele neue Gruppen sich aufl\u00f6sen. Das Thema w\u00e4re erstmal wieder weitgehend vom Tisch.<\/p>\n<p>Da\u00df die Betreiber zumindest derzeit nicht auf Zwischenlager-Transporte verzichten wollen ist eindeutig. Aber mit einer unangek\u00fcndigten und offiziell nicht so genannten Transportaussetzung von z.B. zwei Jahren wegen Bundestagswahlen oder EXPO 2000 in Hannover mu\u00df die Bewegung jederzeit rechnen.<\/p>\n<p>Es macht also Sinn, den Castor-Widerstand auf die Transporte zu den WAAs auszuweiten. Zumal die Auseinandersetzungen um Gorleben auch dort dazu gef\u00fchrt haben, da\u00df die Bedingungen f\u00fcr eine solche Kampagne herangereift sind.<\/p>\n<h3>Kr\u00fcmmel<\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es nicht erst seit &#8222;NiX mehr!&#8220; Aktionen und Blockaden gegen WAA-Transporte. Immer wieder wird versucht, einzelne Transporte \u00f6ffentlich zu machen und zu blockieren. Doch meist nehmen an solchen Aktionen nur zehn bis f\u00fcnfzig Menschen teil. Selten sind es mal \u00fcber hundert. Daher nimmt meist auch nur die lokale Presse Notiz von ihnen. &#8222;Jeweils hundert Menschen blockieren Castor-Transporte an 20 verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten!&#8220;, ist keine Nachricht, die \u00fcberregionale Medien aufnehmen. Aber, &#8222;Zweitausend Menschen blockieren in Gorleben!&#8220;, ist eine Nachricht. Und zwar eine, die \u00f6ffentliche Debatten \u00fcber die Durchf\u00fchrbarkeit der entsprechenden Transporte ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Es macht also Sinn, sich auf einen Kristallisationspunkt zu beschr\u00e4nken, und dort ein Ereignis zu schaffen, da\u00df mobilisierend wirkt und somit Auftakt und Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine Bewegung &#8222;Stoppt-die-WAA- Transporte!&#8220; ist. Als dieser Kristallisationspunkt ist das AKW-Kr\u00fcmmel ausgesucht worden, da es gegen\u00fcber anderen AKWs ein paar entscheidende Vorteile hat.<\/p>\n<ul>\n<li><cite>Erstens<\/cite> ist seine internen Brennelementelagerkapazit\u00e4t ausgesch\u00f6pft. Bis zur n\u00e4chsten Revision im Sp\u00e4tsommer 98 mu\u00df es mindestens zwei Castor-Transporte durchf\u00fchren. Sonst kann der Brennelementwechsel nicht durchgef\u00fchrt werden, und das Kraftwerk kann nach der Revision nicht wieder ans Netz gehen. Ab 98 m\u00fcssen dann jedes Jahr mindestens f\u00fcnf Transporte durchgef\u00fchrt werden. Es ist also nicht m\u00f6glich, den Widerstand auszuhungern, indem die Transporte ein Jahr lang ausgesetzt werden. Die Verbindung zwischen dem Stopp der Castor-Transporte und dem Abschalten der AKWs ist hier offensichtlicher als bei den meisten anderen Standorten.<br clear=\"none\" \/><br clear=\"none\" \/><\/li>\n<li><cite>Zweitens <\/cite>hat es den kaputtesten Ruf von allen Kraftwerken, vor allem durch die H\u00e4ufung von Leuk\u00e4mief\u00e4llen in seiner Umgebung, aber auch wegen seiner st\u00e4ndigen Pannen und St\u00f6rf\u00e4lle. So ist zum Beispiel im Winter 96\/97 tats\u00e4chlich ein leerer Castor direkt vorm AKW entgleist.<br clear=\"none\" \/><br clear=\"none\" \/><\/li>\n<li><cite>Drittens <\/cite>liegt Kr\u00fcmmel direkt zwischen Hamburg und dem Wendland. Von Dannenberg sind es ca. 50 km zum AKW-Tor. Und einige wendl\u00e4ndische Castor-Ortsgruppen liegen n\u00e4her an Kr\u00fcmmel, als an Gorleben. Sich am Widerstand in Kr\u00fcmmel zu beteiligen ist f\u00fcr viele Wendl\u00e4nderInnen also im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend. Und die HamburgerInnen brauchen nicht einmal ihre Stadt zu verlassen, um sich dem Castor in den Weg zu stellen. Der 20 km lange Gleiszubringer des AKWs m\u00fcndet im Hamburger Stadtteil Bergedorf ins Netz der Bundesbahn.<br clear=\"none\" \/><br clear=\"none\" \/><\/li>\n<li>Und <cite>viertens<\/cite> gibt es um Kr\u00fcmmel und am Gleiszubringer drei Anti-Atom-Gruppen. Die sind zwar alle relativ klein, aber trotzdem ist das mehr Vor-Ort-Struktur als bei den meisten anderen AKWs.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Der Auftakt<\/h3>\n<p>Der Auftakt zu Kr\u00fcmmel wird das Aktionswochenende vom 20.\/21. September sein. Und der erste Castor-Transport nach diesem Wochenende wird im gro\u00dfen Ma\u00dfstab blockiert werden.<\/p>\n<p>Das Aktionswochenende beginnt am Freitag mit der Errichtung des Camps direkt am AKW. Am Samstag dem 20.9. um 12 Uhr gibt es dann eine Auftaktkundgebung im Zentrum von Geesthacht, der Kleinstadt, zu der Kr\u00fcmmel geh\u00f6rt. Danach geht es an und auf die Schiene, wo bis 19 Uhr die verschiedensten Aktionen geplant sind, die zum einen die Bereitschaft, dem n\u00e4chsten Castor-Transport aus Kr\u00fcmmel mit handfestem Widerstand zu begegnen, zum anderen aber Lebensfreude, die die Bewegung dem Atomstaat entgegenzusetzen hat, demonstrieren sollen. Letzteres zum Beispiel durch den Bau eines Spielplatzes direkt neben dem Gleis. Ab 16 Uhr werden verschiedene Arbeitskreise angeboten. Um 19 Uhr gibt es ein Kundgebung vorm AKW, und danach ein Open-Air-Konzert beim Camp, das am Sonntag Nachmittag fortgesetzt wird. Die Abschlu\u00dfkundgebung findet am Sonntag um 15 Uhr statt.<\/p>\n<h3>Grafenrheinfeld<\/h3>\n<p>Da das Aktionswochenende in Kr\u00fcmmel f\u00fcr die s\u00fcddeutschen Initiativen aufgrund der Entfernung nicht sehr interessant ist, hat sich dort eine eigenst\u00e4ndige Kampagne gebildet: &#8222;NiX mehr! &#8211; S\u00fcd&#8220;. Diese hat sich als Auftakt eine Gro\u00dfdemonstration in Schweinfurt beim AKW Grafenrheinfeld am Samstag den 13. September um 12 Uhr, also am Wochenende vor Kr\u00fcmmel, ausgesucht. Am Dienstag darauf, dem 16. September, soll von dort ein Castor-Transport nach La Hague abfahren, f\u00fcr den Blockadeaktionen geplant sind. Aufgrund der zeitlichen N\u00e4he zum Kr\u00fcmmel-Wochenende l\u00e4\u00dft sich der \u00d6ffentlichkeit das Bild eines gemeinsamen Vorgehens gegen WAA-Transporte vermitteln.<\/p>\n<h3>Der Transport<\/h3>\n<p>Der Tag des ersten Kr\u00fcmmel-Transports nach dem Aktionswochenende wird zum Tag-X. In Kr\u00fcmmel selbst wird nach dem Motto &#8222;den Castor stoppen bevor er losf\u00e4hrt&#8220; versucht werden den Transport schon durch massenhafte Pr\u00e4senz und vielf\u00e4ltige Aktionen am Wochenende vorher zu verhindern. Auftakt dazu wird eine Kundgebung in Geesthacht am Samstag vor dem Transport (X-Minus) sein.<\/p>\n<p>Auch sonst wird dieser WAA-Transport nicht so unauff\u00e4llig und reibungslos durch die BRD kommen wie die meisten anderen. Mehrere Gruppen an den Strecken bereiten sich darauf vor, den Castor bei ihrer Stadt zu stoppen oder ihm doch wenigstens die geb\u00fchrende Aufmerksamkeit zu verschaffen. Denn der Transport mu\u00df von Kr\u00fcmmel quer durch die BRD, \u00fcber Hamburg, Bremen und K\u00f6ln (oder den Raum Hannover) bis fast nach Saarbr\u00fccken fahren, wo er Deutschland \u00fcber die Grenze nach Frankreich verlassen soll. Selbst die s\u00fcddeutschen Initiativen m\u00fcssen nicht weit fahren, um ihn zu blockieren. Und sie haben eine Blockade genau auf der Grenze angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Kr\u00fcmmel-Castor, nur auf geringen Widerstand zu sto\u00dfen, ist es zeitgleich mit einem Gorleben- oder Ahaus-Tranport abgewickelt zu werden. Ahaus und Gorleben haben Priorit\u00e4t. Dann werden sich (fast) alle an &#8222;NiX mehr!&#8220; beteiligten Gruppen dort einklinken.<\/p>\n<h3>Die GraswurzlerInnen<\/h3>\n<p>Die Kampagne &#8222;NiX mehr!&#8220; ist so breit wie die Anti-Atom-Bewegung. F\u00fcr Gewaltfreie-Aktions- und Graswurzelgruppen stellt sich da die Frage, ob und wie sie sich da einbringen k\u00f6nnen und wollen.<\/p>\n<p>Gegen eine Aufgabe der eigenen Strukturen und dem Aufgehen in einer gemeinsamen Kampagne spricht, da\u00df GraswurzlerInnen eine andere Analyse der Verh\u00e4ltnisse in der BRD haben als z.B. b\u00fcrgerliche oder autonome Gruppen, die diesen Staat sehr oft entweder f\u00fcr demokratisch oder gleich f\u00fcr vollst\u00e4ndig faschistoid halten. Auch haben GraswurzlerInnen andere Ziele als andere Str\u00f6mungen innerhalb der Anti-Atom-Bewegung. Sie haben eine viel grundlegendere Kritik an dieser Gesellschaft als normale B\u00fcrgerInnen, die nur gegen Umweltzerst\u00f6rung und Atomkraft sind. Und auch die Zielsetzungen von Teilen der Autonomen unterscheidet sich von graswurzlerischen Vorstellungen von einer gewaltfreien und herrschaftslosen Gesellschaft mehr als mensch auf den ersten Blick meint.<\/p>\n<p>Aus diesen Unterschieden folgen nicht nur verschiedene Aktionsans\u00e4tze, sondern auch v\u00f6llig unterschiedliche Erfolgsma\u00dfst\u00e4be. Aus einer autonomen Weltsicht heraus ist oft einfach nicht verstehbar, wie mensch sich \u00f6ffentlich zu Straftaten bekennen oder sich Gedanken dar\u00fcber machen kann, ob die Menschenw\u00fcrde einer\/s PolizistIn bei einer Aktion gewahrt bleibt.<\/p>\n<p>Auch an die Organisationsweise stellen GraswurzlerInnen ganz eigene Anspr\u00fcche, da ein Grundsatz von gewaltfreien Aktionen ist, da\u00df auch die Strukturen der Aktion selbst gewaltfrei und herrschaftslos sein sollen. Daher wird oft sehr viel Wert auf die Art der Entscheidungsfindung, auf SprecherInnenr\u00e4te, Bezugsgruppen und den gegenseitigen Umgang gelegt. Diesen Anspr\u00fcchen auf gelebte Utopie werden die Vorstandshierarchie vieler B\u00fcrgerInneninitiativen und das Chaos und Recht des\/der St\u00e4rkeren\/Lauteren auf eher autonom dominierten Delegiertentreffen meistens nicht gerecht.<\/p>\n<p>Andererseits besteht die St\u00e4rke der Anti-Atom-Bewegung auch in ihrer Breite und darin, da\u00df sie es immer wieder schafft, die verschiedenen Konzepte und Ans\u00e4tze zusammen zu bringen, oder wenigstens nebeneinander stehen zu lassen. Innerhalb des allgemeinen Konsenses der Anti-Atom-Bewegung, da\u00df keine Menschen gef\u00e4hrdet werden d\u00fcrfen, ist es immer wieder m\u00f6glich und n\u00f6tig, die Bandbreite der m\u00f6glichen Aktionsformen f\u00fcr bestimmte Zeiten und Orte auszuhandeln.<\/p>\n<p>Wenn jedes Spektrum sich seinen eigenen Schwerpunkt suchen w\u00fcrde, ohne darauf zu achten, was die anderen machen, w\u00e4ren erfolgreiche gro\u00dfe Kampagnen und gezielte Schwerpunktsetzungen nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig kommen verschiedene Spektren trotz ihrer unterschiedlichen Grundans\u00e4tzen zu gemeinsamen oder sich gegenseitig erg\u00e4nzenden Aktionsformen. Hier sind B\u00fcndnispolitik und gemeinsame Kampagnen oder Aktionen sinnvoll. Zumal mit den anderen Str\u00f6mungen der Anti-Atom-Bewegung zu gro\u00dfen Teilen gemeinsame Mittel- und Fernziele \u00fcber die Abschaltung aller Atomanlagen hinaus bestehen, wie zum Beispiel die Durchsetzung von mehr Demokratie und allgemeiner Menschenrechte.<\/p>\n<h3>Mal richtig abschalten<\/h3>\n<p>Beim Widerstand gegen die WAA-Transporte haben sich die meisten beteiligten GraswurzlerInnen dazu entschlossen, sich einerseits selbst zu organisieren, also die Kampagne &#8222;Mal richtig abschalten&#8220; zu gr\u00fcnden, diese aber andererseits fest in eine B\u00fcndniskampagne, also &#8222;NiX mehr!&#8220;, einzubinden, an deren Zustandekommen sie ma\u00dfgeblich beteiligt waren.<\/p>\n<p>Im Rahmen der B\u00fcndniskampagne tragen sie gemeinsame Aufrufe, Schwerpunktsetzungen und Aktionstage mit. So werden der Aufruf und die drei zentralen Kundgebungen am Aktionswochenende in Kr\u00fcmmel oder die Auftaktdemonstration am X-Minus-Samstag von ihnen aktiv mitgetragen und organisiert. Im Rahmen dieser Schwerpunkte und Aktionstage organisieren sie eigene Aktionen. Haupts\u00e4chlich solche klassischen zivilen Ungehorsams, die vorher angek\u00fcndigt sind, und f\u00fcr die breit und \u00f6ffentlich mobilisiert wird.<\/p>\n<h3>Ausrangiert<\/h3>\n<p>Auf dem Aktionswochenende vom 20.\/21.9. in Kr\u00fcmmel organisiert &#8222;Mal richtig abschalten&#8220; die schon aus dem Wendland bekannte Schienendemontage &#8222;Ausrangiert&#8220;. Daf\u00fcr gibt es am Samstag um 17 Uhr und um 20 Uhr jeweils ein vorbereitendes Aktionstraining. Am Sonntag um 11 Uhr dann eine Kundgebung direkt am AKW und im Anschlu\u00df daran gehen alle, die dies wollen, gemeinsam auf das Gleis und es wird begonnen, die Schiene zu demontieren. F\u00fcr die Polizei ist es in solchen Situationen erfahrungsgem\u00e4\u00df selbst mit einem Gro\u00dfaufgebot nicht m\u00f6glich, die Demontagen vollst\u00e4ndig zu verhindern. Denn die TeilnehmerInnen der Aktion sind zwar freundlich gegen\u00fcber der Polizei, ignorieren aber einfach deren Anordnungen. Und auch die Drohung mit Festnahmen wirkt nicht, wenn gen\u00fcgend Menschen den Entschlu\u00df gefa\u00dft haben, diese in Kauf zu nehmen. 1996 konnten etwa 3 000 PolizistInnen die nur einen Kilometer lange Schiene beim Dannenberger Verladekran trotz Wasserwerfern und Absperrgittern nicht vollst\u00e4ndig vor der Demontage durch ca. 2 000 Ausrangiert-AktivistInnen sch\u00fctzen. Auf der ungleich l\u00e4ngeren Schiene in Kr\u00fcmmel wird ihnen das g\u00e4nzlich mi\u00dflingen, wenn sich nur halb so viele Menschen finden, die entschlossen sind, an der Schiene zu demonstrieren, die Schiene zu betreten oder diese gar zu demontieren.<\/p>\n<h3>Festgesetzt<\/h3>\n<p>Am Tag des gro\u00dfen Kr\u00fcmmel-Transports und am Wochenende davor gibt es die Aktion &#8222;Festgesetzt&#8220;. Eine gro\u00dfe Sitzblockade auf der Kr\u00fcmmel-Schiene, die genau wie &#8222;X-tausend mal quer&#8220; darauf setzt, da\u00df nicht erst am Morgen des Transports versucht wird auf die Schiene zu gelangen, wenn die Polizei diese schon relativ gut abgesichert hat, sondern vor der Polizei da zu sein, den Blockadeort also sp\u00e4testens im laufe des Sonntags einzunehmen. Ebenfalls wie bei &#8222;X-tausend mal quer&#8220; wird versucht den Beteiligten einen festen Rahmen zu geben, und der Polizei die Eskalation zu erschweren, indem bewu\u00dft darauf verzichtet wird die Schiene unter der Blockade zu demontieren. Dies ist auch deswegen n\u00f6tig, weil versucht wird, es m\u00f6glichst vielen Menschen zu erm\u00f6glichen sich im Rahmen von &#8222;Festgesetzt&#8220; an der Schiene festzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Problem dabei ist jedoch, da\u00df diese Blockade, anders als in Dannenberg, nicht am Ende sondern am Anfang der Transportstrecke liegt. Daher ist es den Betreibern m\u00f6glich eine reine Sitzblockade auszuhungern, indem sie den Transport um zwei bis drei Tage verschieben.<\/p>\n<p>Es ist also n\u00f6tig sie zu zwingen, schon ab dem Wochenende vorher m\u00f6glichst viel Polizei in und um Kr\u00fcmmel aufzufahren, so da\u00df es sich f\u00fcr sie nicht lohnt, den Transport zu verz\u00f6gern. Dies l\u00e4\u00dft sich am besten durch die Drohung erreichen, da\u00df sie, wenn sie am Wochenende nicht genug Polizei da haben, in der Woche nicht transportieren k\u00f6nnen, weil die Schiene demontiert ist. Daher wird \u00fcberlegt, auch am X-Minus-Wochenende eine Ausrangiert-Aktion durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wobei es \u00fcbrigens nicht zwingend ist, da\u00df gewaltfreie Schienendemontagen vorher angek\u00fcndigt sind, und alle beteiligten hinterher vor Gericht dazu stehen. Die Gewaltfreien-Aktions- und Graswurzelgruppen m\u00fcssen die Schienendemontagen auch ohne Ausrangiert nicht anderen Gruppen \u00fcberlassen. Aber daf\u00fcr ist dann die offene auf zivilen Ungehorsam ausgerichtete Struktur von &#8222;Mal richtig abschalten&#8220; wahrscheinlich ungeeignet und auch nicht zust\u00e4ndig.<\/p>\n<h3>An der Transportstrecke<\/h3>\n<p>An der Transportstrecke des Kr\u00fcmmel-Castors durch die BRD \u00fcbernehmen in &#8222;Mal richtig abschalten&#8220; eingebundene Gruppen Aufgaben bei der Strecken\u00fcberwachung. Auch auf Festschlie\u00df- und Blockadeaktionen entlang der Transportstrecke bereiten sich schon Gruppen vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Gorleben kommt Ahaus, das wei\u00df inzwischen jedeR. Die Bewegung hat durch die Auseinandersetzung um die Gorleben-Transporte und den Erfolg, da\u00df sie zumindest vorl\u00e4ufig ausgesetzt werden einen enormen Schwung gekriegt. Es ist sinnvoll, diesen zu nutzen, um nun auch in Ahaus einen breiten Widerstand aufzubauen. 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