{"id":12854,"date":"2005-05-25T00:00:42","date_gmt":"2005-05-24T22:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12854"},"modified":"2022-07-26T14:24:29","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:29","slug":"kriegsdienstverweigerer-mehmet-tarhan-wurde-misshandelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/05\/kriegsdienstverweigerer-mehmet-tarhan-wurde-misshandelt\/","title":{"rendered":"Kriegsdienstverweigerer Mehmet Tarhan wurde misshandelt"},"content":{"rendered":"<p>Wir m&uuml;ssen in Sorge um die Unversehrtheit und das Leben                 des t&uuml;rkischen Kriegsdienstverweigerers Mehmet Tarhan sein.                 Er wurde misshandelt, erpresst, mit dem Tode bedroht und gezwungen,                 &uuml;ber all diese Vorkommnisse zu schweigen.<\/p>\n<p> Die Rechtsanw&auml;ltin Suna Coskun ver&ouml;ffentlichte heute                 im Rahmen einer Pressekonferenz, was sich seit der Verlegung von                 Mehmet Tarhan am 11. April ins Milit&auml;rgef&auml;ngnis von                 Sivas ereignet hat. Mehmet Tarhan ist schwuler Aktivist und Kriegsdienstverweigerer.                 Er erkl&auml;rte am 27. Oktober 2001 &ouml;ffentlich seine Kriegsdienstverweigerung.<\/p>\n<p>Der Prozess gegen Mehmet Tarhan, wegen &quot;Ungehorsam vor versammelter                 Mannschaft&quot; wird am Donnerstag, den 26.05., fortgesetzt.<\/p>\n<h3> Der Ablauf der Misshandlungen im Einzelnen<\/h3>\n<p> Seit seiner Verlegung in das Milit&auml;rgef&auml;ngnis von                 Sivas wurde Mehmet Tarhan anders als regul&auml;re Inhaftierte                 behandelt. Der Unteroffizier Mustafa Selvi drohte ihm sofort mit                 der Verlegung in die Gemeinschaftszelle Nr. 2, wo die &quot;Wildesten&quot;                 einquartiert seien. Sp&auml;ter wurde Mehmet vor die Gemeinschaftszelle                 Nr. 1 gebracht und aufgefordert, ohne Begleitung hinein zu gehen.<\/p>\n<p> Als er eintrat, war der Raum verdunkelt, die M&auml;nner darin                 waren nur schemenhaft zu erkennen. Er musste sich auf einen Stuhl                 neben der T&uuml;r setzen. Es begann ein &quot;Kreuzverh&ouml;r&quot;.                 Er wurde wiederholt gefragt, ob er ein Terrorist oder ein Landesverr&auml;ter                 sei. Die M&auml;nner drohten, ihn zu t&ouml;ten, falls er ein                 Terrorist sein sollte.<\/p>\n<p> Dann fingen die Insassen an, ihn zu verpr&uuml;geln und wegen                 seiner langen Haare zu beleidigen. Der Inhaftierte Ertan Mertoglu                 zeigte Mehmet seine Waffe und drohte ihn zu t&ouml;ten. Der Angriff                 wurde erst durch das Eingreifen anderer Inhaftierter beendet.<\/p>\n<p> Mehmet wurde in den Schlafsaal gebracht, wo eine kurze Weile                 sp&auml;ter die gleichen Inhaftierten erneut &uuml;ber ihn herfielen.                 Sie schlugen &uuml;berall auf ihn ein und zerrten ihn an den Haaren                 herum. Der Angriff drohte in Lynchjustiz zu gipfeln, bevor er                 erneut von anderen Inhaftierten nach ca. 20 Minuten beendet wurde.<\/p>\n<p> Mehmets Oberlippe und die rechte Seite seiner Unterlippe sind                 geplatzt. Er hat Prellungen und Bluterg&uuml;sse an Kinn, Hals                 und verschiedenen anderen K&ouml;rperteilen. Wegen den Schl&auml;gen                 auf seine Brust hatte er bis zum 30. April 2005 Atemprobleme.                 Ihm sind an den folgenden Tagen kontinuierlich Haare ausgefallen.                 Wegen den Schl&auml;gen auf seine Knie, Beine und F&uuml;&szlig;e                 hat er starke Bluterg&uuml;sse und Prellungen und konnte lange                 Zeit nur beschwerlich aufstehen.<\/p>\n<p> Nach dem Angriff wurden die Gl&uuml;hbirnen wieder festgedreht                 und damit die normale Beleuchtung in der Gemeinschaftszelle wieder                 hergestellt. Auch dies ein deutliches Indiz daf&uuml;r, dass die                 Misshandlungen geplant waren.<\/p>\n<p> Die Angreifer sind anschlie&szlig;end zu Mehmet Tarhan gekommen                 und haben ihm, unter dem Vorwand sich entschuldigen zu wollen,                 erz&auml;hlt, der Unteroffizier Mustafa Selvi h&auml;tte ihn als                 Terrorist bezeichnet und sie mit den Worten &quot;ihr wisst schon,                 wie ihr mit ihm umzugehen habt&quot; angestiftet. Dies sei der                 Grund, warum sie ihn verpr&uuml;gelt h&auml;tten.<\/p>\n<p> Mehmet wurde anschlie&szlig;end in eine Einzelzelle verlegt.                 Er wurde aber bei jedem Zellenausgang von den Inhaftierten Ertan                 Mertoglu, Hakki Din&ccedil;el, Ersoy &Ouml;zbulduk und Ercan Kizilboga                 mit den Worten &quot;H&auml;tten wir gewollt, h&auml;tten wir                 dich am ersten Tag t&ouml;ten k&ouml;nnen, aber wir k&ouml;nnen                 das immer noch&quot; bedroht.<\/p>\n<p> Aus Sorge um sein Leben hat Mehmet Tarhan die Misshandlungen                 und Drohungen f&uuml;r sich behalten. Sp&auml;ter forderten die                 Angreifer zuerst Geld, anschlie&szlig;end Kleidung (Hemden, Krawatten,                 Schuhe) und Telefonkarten.<\/p>\n<p> Die Inhaftierten Hakki Din&ccedil;el, Ersoy &Ouml;zbulduk und                 Ertan Mertoglu verlangten am 29. April 2005 w&auml;hrend des Hofgangs                 500 YTL (ca. 290 Euro) und drohten, dass er ja wisse, was ihn                 erwarten w&uuml;rde, falls er nicht zahle. Mehmet Tarhan erwiderte,                 dass er einen so hohen Betrag nicht zahlen k&ouml;nne. Eine Woche                 sp&auml;ter gab er den Drohungen nach und gab den Erpressern Ercan                 Kizilboga und Ertan Mertoglu 300 YTL, die ihm seine Schwester                 f&uuml;r seine privaten Gebrauch im Gef&auml;ngnis gegeben hatte.<\/p>\n<p> Darauf forderten die Erpresser am 9. Mai 2005 drei schwarze                 Anz&uuml;ge. Um zu garantieren, dass er ihrem Wunsch nachkommt,                 zwangen sie ihn, seine Schwester anzurufen und h&ouml;rten w&auml;hrend                 des Anrufes zu.<\/p>\n<p> Emine Tarhan brachte am 11. Mai 2005 zwei schwarze Anz&uuml;ge,                 Schuhe, Krawatten und Hemden mit, die &uuml;ber die Gef&auml;ngnisleitung                 Ertan Mertoglu ausgeliefert wurden.<\/p>\n<p> Mehmet Tarhan hat die Gef&auml;ngnisleitung gleich am ersten                 Tag &uuml;ber den Angriff und die bewaffnete Drohung informiert.                 Aus Sorge um seine Unversehrtheit und sein Leben hat er sich nicht                 an die &Ouml;ffentlichkeit und seine Anw&auml;lte gewandt. Seine                 Schwester hat dann die Anw&auml;lte informiert, die am 19. Mai                 mit Mehmet die Situation detailliert besprechen konnten.<\/p>\n<p> Die Anw&auml;lte haben die Gef&auml;ngnisleitung mit der Situation                 konfrontiert und konnten zumindest eine teilweise Sicherheit herstellen.                 Das Geschehene wurde am 20. Mai 2005 im Gef&auml;ngnis protokolliert.                 Die Anw&auml;lte haben bei der Milit&auml;rstaatsanwaltschaft                 Sivas Anklage erhoben.<\/p>\n<p> Es bleibt festzuhalten: Die Inhaftierten wurden in ihren Taten                 von der Gef&auml;ngnisleitung angestiftet. Wir sind weiterhin                 um die Sicherheit Mehmet Tarhans besorgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir m&uuml;ssen in Sorge um die Unversehrtheit und das Leben des t&uuml;rkischen Kriegsdienstverweigerers Mehmet Tarhan sein. Er wurde misshandelt, erpresst, mit dem Tode bedroht und gezwungen, &uuml;ber all diese Vorkommnisse zu schweigen. Die Rechtsanw&auml;ltin Suna Coskun ver&ouml;ffentlichte heute im Rahmen einer Pressekonferenz, was sich seit der Verlegung von Mehmet Tarhan am 11. 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