{"id":12887,"date":"1996-11-19T00:00:59","date_gmt":"1996-11-18T22:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12887"},"modified":"2022-07-26T14:26:36","modified_gmt":"2022-07-26T12:26:36","slug":"kriegsdienstverweigerer-osman-murat-uelke-nach-freilassung-aus-dem-militaergefaengnis-zum-militaerdienst-gebracht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/1996\/11\/kriegsdienstverweigerer-osman-murat-uelke-nach-freilassung-aus-dem-militaergefaengnis-zum-militaerdienst-gebracht\/","title":{"rendered":"Kriegsdienstverweigerer Osman Murat \u00dclke nach Freilassung aus dem Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis zum Milit\u00e4rdienst gebracht"},"content":{"rendered":"<h3>Ankara, 19.11.1996<\/h3>\n<p>               Der t&uuml;rkische Kriegsdienstverweigerer (KDVer) Osman Murat &Uuml;lke               (26) wurde heute aus dem Mamak Milit&auml;rgef&auml;ngnis beim Milit&auml;rgericht               des Gro&szlig;en Generalstabs in Ankara, T&uuml;rkei, entlassen.               Sofort nach seiner Entlassung wird er zu seiner Milit&auml;reinheit               &#8211; das ist in Bile&ccedil;ik, Provinz Bursa &#8211; gebracht.               <\/p>\n<p> Die t&uuml;rkische Kriegsdienstverweigererbewegung &#8211; und auch                 die internationale Delegation, die am Proze&szlig; teilnahm &#8211;                 f&uuml;rchtet jetzt, da&szlig; Osman, als eine Person, die das                 Milit&auml;r kritisiert, in den H&auml;nden des Milit&auml;rs                 selbst nicht sicher sein wird. Die Bewegung plant neue Aktivit&auml;ten                 zur Unterst&uuml;tzung Osmans und die Anw&auml;ltInnen und die                 Delegation &uuml;berlegen nach Bile&ccedil;ik zu fahren um die                 anhaltende nationale und internationale Aufmerksamkeit f&uuml;r                 den Kriegsdienstverweigerer Osman Murat &Uuml;lke zu zeigen.               <\/p>\n<p> Wenn Osman sich auch in der Milit&auml;reinheit dem Milit&auml;rdienst                 verweigert &#8211; und dar&uuml;ber gibt es keinen Zweifel &#8211; wird er                 m&ouml;glicherweise nach einem einw&ouml;chigen Disziplinararrest                 und im Falle anhaltendem Ungehorsams &#8211; entsprechend dem t&uuml;rkischen                 Milit&auml;rstrafgesetz &#8211; zu mindestens drei Jahren verurteilt                 werden. Und er k&ouml;nnte au&szlig;erdem mehrfach verurteilt                 werden.               <\/p>\n<p> Der heutige Proze&szlig; war der erste Proze&szlig; in der T&uuml;rkei                 der mit Kriegsdienstverweigerung zu tun hatte. Osman Murat &Uuml;lke                 erhielt seine Einberufungspapiere am 31. August letzten Jahres.                 Er ging nicht zu seiner Einheit. Am 1. September erkl&auml;rte                 er sich als Kriegsdienstverweigerer und verbrannte seine Milit&auml;rpapiere.                 Er erkl&auml;rte: &#8222;Ich bin kein Soldat und werde keiner werden.                 Und wenn ich zur Kaserne gebracht werde, werde ich Widerstand                 leisten &#8211; bis zum Ende.&#8220; Er erkl&auml;rte der Armee, da&szlig;                 er kein Wehrfl&uuml;chtiger ist. Er werde sich nicht verstecken.                 Die Armee k&ouml;nnte ihn jeden Tag im B&uuml;ro des Izmir Savas                 Karsitlari Dernegi &#8211; Verein der KriegsgegnerInnen Izmir &#8211; finden.               <\/p>\n<p> Beim heutigen Proze&szlig; ging es um das Verbrennen der Milit&auml;rpapiere                 und damit der &#8222;Distanzierung des Volkes vom Milit&auml;r&#8220; (Artikel                 155 t&uuml;rkisches Strafgesetzbuch). 15 Anw&auml;ltInnen waren                 anwesend, um Osman zu verteidigen. Der Milit&auml;rstaatsanwalt                 war nicht allein &#8211; er wurde von 6 anderen begleitet. Als Osman                 &#8211; von vier Soldaten, die offen ihre Waffen trugen, bewacht &#8211; den                 Raum betrat, standen ungef&auml;hr 35 BesucherInnen im &ouml;ffentlichen                 Bereich &#8211; darunter die drei internationalen Beobachter der War                 Resisters&#8216; International (Internationale der KriegsdienstgegnerInnen,                 WRI) &#8211; auf, um ihre Achtung vor und Solidarit&auml;t mit Osman                 zu zeigen.               <\/p>\n<p> W&auml;hrend des Prozesses machten die Presse und einige Fernsehkameras,                 darunter das deutsche Fernsehen ARD, Aufnahmen. Das zeigt, da&szlig;                 die Frage der Kriegsdienstverweigerung in der T&uuml;rkei auf                 der &ouml;ffentlichen Tagesordnung steht als Teil einer Bewegung                 f&uuml;r Menschenrechte und Gedankenfreiheit.               <\/p>\n<p> Der Proze&szlig; begann mit dem Versuch des ersten Milit&auml;rrichter,                 die Anzahl der Anw&auml;ltInnen zu reduzieren. Schlie&szlig;lich                 akzeptierte er sie alle. Dann brachten die Anw&auml;ltInnen eine                 Verfahrensfragen vor: einer der drei Richter war kein ausgebildeter                 Richter sondern lediglich Offizier (die anderen beiden Richter                 waren sowohl ausgebildete Richter als auch Offiziere der t&uuml;rkischen                 Armee); der Proze&szlig; sollte in der Stadt stattfinden, in der                 das &#8222;Verbrechen&#8220; begangen wurde; Osman ist kein Soldat sondern                 Zivilist, daher m&uuml;sste vor einem zivilen Gericht verhandelt                 werden. Die Richter akzeptierten diese Antr&auml;ge nicht.               <\/p>\n<p> F&uuml;r die internationale Delegation zeigte das einige der                 Probleme, die mit der Existenz sowohl ziviler als auch Milit&auml;rischer                 Gerichte in der T&uuml;rkei verbunden sind. Heute scheint es so,                 da&szlig; das Milit&auml;r selbst &uuml;ber die Zust&auml;ndigkeit                 seiner Gerichte entscheidet. In Fragen der Menschenrechte ist                 es mehr als zweifelhaft, ob ein unabh&auml;ngiges Verfahren garantiert                 werden kann.               <\/p>\n<p> Dann gab es einige Fragen an Osman dazu, was er erkl&auml;rt                 und getan hat. Erneut erkl&auml;rte er sich als Kriegsdienstverweigerer.                 Der Milit&auml;rrichter sagte ihm, da&szlig; es in der T&uuml;rkei                 kein entsprechendes Gesetz g&auml;be. Osman antwortete darauf:                 &#8222;Das k&ouml;nnte ein Problem des t&uuml;rkischen Staates und ein                 Problem des Milit&auml;rgerichtes sein. Doch es ist nicht mein                 Problem.&#8220;               <\/p>\n<p> Nach der Befragung von Osman brachten die Anw&auml;ltInnen einige                 internationalen Erkl&auml;rungen f&uuml;r das Recht auf Kriegsdienstverweigerung                 ein, wie z.B. die Europ&auml;ische Menschenrechtskonvention. Danach                 endete der erste Verhandlungstag ohne ein Urteil. Die Verhandlung                 wurde vertagt, um den Anw&auml;ltInnen mehr Zeit zu geben und                 &#8211; wie wir denken &#8211; um den Milit&auml;rrichtern einige Zeit zu                 geben, Gegenargumente zu finden. Osman Murat &Uuml;lke wurde aus                 dem Milit&auml;rgef&auml;ngnis entlassen, aber sofort zu seiner                 Milit&auml;reinheit gebracht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ankara, 19.11.1996 Der t&uuml;rkische Kriegsdienstverweigerer (KDVer) Osman Murat &Uuml;lke (26) wurde heute aus dem Mamak Milit&auml;rgef&auml;ngnis beim Milit&auml;rgericht des Gro&szlig;en Generalstabs in Ankara, T&uuml;rkei, entlassen. Sofort nach seiner Entlassung wird er zu seiner Milit&auml;reinheit &#8211; das ist in Bile&ccedil;ik, Provinz Bursa &#8211; gebracht. 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