{"id":12891,"date":"2005-06-02T00:00:28","date_gmt":"2005-06-01T22:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12891"},"modified":"2022-07-26T13:11:46","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:46","slug":"dortmund-die-renaissance-der-atomkraft-hat-bereits-begonnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/06\/dortmund-die-renaissance-der-atomkraft-hat-bereits-begonnen\/","title":{"rendered":"Dortmund: Die Renaissance der Atomkraft hat bereits begonnen!"},"content":{"rendered":"<p>Eben diese tennisballgro\u00dfen Brennelemente haben im 1989 stillgelegten Thorium Hochtemperaturreaktor (THTR) zu massiven Problemen gef\u00fchrt, weil sie teilweise in den Zu- und abf\u00fchrungsrohren steckenblieben oder von den einfahrenden Abschaltst\u00e4ben im Reaktorkern zersto\u00dfen wurden.<\/p>\n<p>Seit Anfang Mai 2005 wurde in verschiedenen Zeitschriften in Dortmund, im Fernsehen und auch \u00fcberregional \u00fcber das Dortmunder HTR-Gesch\u00e4ft berichtet und Uhde versuchte, sich herauszureden. Angeblich seien es nur &#8222;Hilfs- und Nebenanlagen&#8220;, ein paar &#8222;Dampf- und Druckluftsysteme&#8220;, ein K\u00fchlturm, sowie &#8222;Planungs-, Einkaufs-, Bau- und Montage- und Inbetriebnahmeleistungen&#8220;, die die Dortmunder Firma in S\u00fcdafrika erbringen w\u00fcrde. Was genau in Betrieb gehen soll, dar\u00fcber spricht Uhde nicht so gerne.<\/p>\n<p>Es ist die nuklare Brennelementefabrik f\u00fcr den geplanten Hochtemperaturreaktor in S\u00fcdafrika. F\u00fcr die in Deutschland kl\u00e4glich gescheiterte Atomkraftvariante werden zwei Komponenten ben\u00f6tigt. Einerseits der Reaktor selbst und andererseits seine Brennstofffabrik. Nur beides zusammen ergibt einen Sinn; es sind zwei Seiten derselben Medaille. Da kann man sich nicht mit ein paar Hinweisen auf erstklassige Rohre &#8222;Made in Germany&#8220; herausreden. Oder damit, dass es selbstverst\u00e4ndlich in S\u00fcdafrika noch andere Vertragspartner geben muss, um das nukleare Projekt in diesem Land realisieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch der THTR in Hamm-Uentrop war w\u00e4hrend seiner langen Bauzeit von 1971 bis 1983 nur ein &#8222;ungef\u00e4hrlicher&#8220; Anlagenkomplex mit vielen Rohrsystemen und einem K\u00fchlturm, bis es dann zu der Beladung mit den radioaktiven Kugelbrennelementen gekommen ist. Von diesem Zeitpunkt an wurde es allerdings richtig gef\u00e4hrlich!<\/p>\n<h3>Uhde unterl\u00e4uft bestehende Gerichtsentscheidungen in S\u00fcdafrika!<\/h3>\n<p>Der Hochtemperaturreaktor \u2013 in S\u00fcdafrika Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) genannt \u2013 ist hier \u00e4u\u00dferst umstritten. Die Umweltschutzbewegung Earthlife Africa hat vor dem obersten Gerichtshof geklagt, weil die Betreiber nicht alle relevanten Fakten der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht hatten und kein ordnungsgem\u00e4\u00dfes Anh\u00f6rungsverfahren stattgefunden hat. Earthlife hat Recht bekommen und das Verfahren muss neu aufgerollt werden. Eine Verz\u00f6gerung von einem Jahr ist im Gespr\u00e4ch. Um diese s\u00fcdafrikanische Rechtslage k\u00fcmmert sich Uhde allerdings nicht. Im Gegenteil: Diese Firma versucht zusammen mit der Atomindustrie vollendete Tatsachen zu schaffen und bestehende Rechtsnormen zu unterlaufen.<\/p>\n<p>Auf ihrer Homepage br\u00fcstete sich Uhde noch am 2. Dezember 2004 damit, den Innovationspreis der Europ\u00e4ischen Umweltpresse (EEP Award) erhalten zu haben. Sich an dem Bau einer \u00e4u\u00dferst umstittenen Reaktorlinie zu beteiligen und gleichzeitig einen Innovationspreis f\u00fcr Umweltschutz in Empfang zu nehmen, passt nicht zusammen. Uhde sollte diesen Preis wieder zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p>Der Bau von nuklearen Anlagen durch deutsche Firmen im Ausland widerspricht der &#8222;inneren Logik&#8220; des Ausstiegsbeschlusses der Deutschen Bundesregierung. Atomanlagen im eigenen Land werden als so gef\u00e4hrlich angesehen, dass sie stillgelegt werden sollen, w\u00e4hrend im Ausland weiterhin mit deutscher Hilfe solche Anlagen gebaut werden.<\/p>\n<h3>Milit\u00e4rische Nutzung ist m\u00f6glich!<\/h3>\n<p>In S\u00fcdafrika ist der HTR explizit f\u00fcr den Export in L\u00e4nder der dritten Welt vorgesehen. Er birgt ein hohes Risiko in sich, auch milit\u00e4risch genutzt zu werden. S\u00fcdafrika war bis vor 11 Jahren im Besitz von Atomwaffen und einige deutsche und schweizer Ingenieure haben sich dort seitdem mit dem Islamisten und &#8222;Vater der pakistanische Atombombe&#8220; Abdul Qudeer Khan an dem weltweiten Handel mit Nuklear-Technologie beteiligt und sind erst vor wenigen Monaten in S\u00fcdafrika festgenommen worden (siehe auch THTR-Rundbrief Nr.93, 95 und 99 unter <a href=\"http:\/\/www.thtr-a.de\">www.thtr-a.de<\/a>).<\/p>\n<p>Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Reaktorsicherheitskommission, Lothar Hahn, hat als Wissenschaftler beim \u00d6ko-Institut das Proliferationsrisiko beim HTR detailliert nachgewiesen. In seinem 223 Seiten umfassenden Gutachten (im Auftrag von Greenpeace) &#8222;Beurteilung der in- und ausl\u00e4ndischen Konzepte f\u00fcr kleine Hochtemperaturreaktoren&#8220; betonte er schon im Jahre 1990, dass sich eine Sicherheitsanalyse nicht nur auf den Betrieb des Reaktors selbst beschr\u00e4nken d\u00fcrfe, sondern auch die Brennstoffversorgung und den radioaktiven Abfall ber\u00fccksichtigen muss. Er weist (unter Punkt 5-8) insbesondere auf den Schwachpunkt eben jener Kugelbrennelemente hin, wie sie in der Uhde-Fabrik produziert werden sollen:<\/p>\n<p>&#8222;Bei ihm (dem HTR) k\u00f6nnen die kugelf\u00f6rmigen Elemente ohne Unterbrechung des kontinuierlichen Betriebes entnommen werden; die Elemente mit einem Durchmesser von 6 cm und einem Gewicht von 200g sind sehr handlich. Zudem liegen sie im Reaktor in gro\u00dfer Zahl (mehrere hunderttausende) unmarkiert vor, so da\u00df eine Entnahme leicht durch Zuf\u00fcgen von Blindelementen getarnt werden kann oder durch h\u00e4ufiges Auftreten von Kugelbruch gar nicht erst auff\u00e4llt.<\/p>\n<p>Auch der Umbau eines zivilen HTR f\u00fcr rein milit\u00e4rische Zwecke oder auch f\u00fcr gleichzeitige milit\u00e4rische und zivile Nutzung ist recht einfach und vor allem unauff\u00e4llig. Ein anderes Me\u00dfger\u00e4t in der Abbrandme\u00dfanlage, eine \u00c4nderung des Programms des dortigen Rechners und der Einbau einer weiteren Entnahmestrecke in der Kugelbeschickkungsanlage w\u00e4ren die einzig erforderlichen Umbauten.(&#8230;)<\/p>\n<p>Prinzipiell m\u00f6glich w\u00e4re auch die Erzeugung von waffenf\u00e4higem Plutonium mit Hilfe des HTR. Dazu k\u00f6nnten ganz normale Brennelemente mit niedrig angereichertem Uran dienen, die nur fr\u00fcher als normale Brennelemente dem Brennstoffzyklus entnommen werden m\u00fc\u00dften, um waffenf\u00e4higes Plutonium zu erhalten.&#8220;<\/p>\n<p>Bereits in seinem Gutachten &#8222;Der kleine Hochtemperaturreaktor \u2013 letzter Strohhalm der Atomindustrie?&#8220; (dokumentiert auf unserer Homepage <a href=\"http:\/\/www.thtr-a.de\">www.thtr-a.de<\/a>) hat Lothar Hahn im Jahre 1988 die oben genannte M\u00f6glichkeit konkret durchgerechnet:<\/p>\n<p>&#8222;Ein abgebranntes Brennelement aus niedrig angereichertem Uran 235 enth\u00e4lt ca. 0,1 g Plutonium. Folglich k\u00f6nnte das Material f\u00fcr eine Atombombe theoretisch durch Aufarbeitung von 50.000 abgebrannten Brennelementekugeln gewonnen werden, d. h. bei einem Durchsatz von 1000 Kugeln pro Tag in weniger als zwei Monaten.&#8220;<\/p>\n<h3>Eine Export-Genehmigung darf nicht erteilt werden!<\/h3>\n<p>Diese Fakten zeigen deutlich, dass die milit\u00e4rische Nutzung des HTR\u00b4s und der von Uhde zu bauenden nuklearen Brennelementefabrik mit sehr einfachen und unauff\u00e4lligen Mitteln m\u00f6glich w\u00e4re und der geplante weitere Export dieser Anlagen durch S\u00fcdafrika eine ungehemmte Weiterverbreitung hochgef\u00e4hrlicher, milit\u00e4risch nutzbarer Nukleartechnologie zur Folge haben w\u00fcrde. Die Bundesrepublik Deutschland kann nicht im Fall Iran auf die Schlie\u00dfung von milit\u00e4risch nutzbaren Atomanlagen dr\u00e4ngen, aber selbst von Dortmund aus den Bau solchen Anlagen betreiben.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang werden das Bundeswirtschaftsministerium in Absprache mit dem Au\u00dfenministerium zu pr\u00fcfen haben, ob bei dem geplanten Export der nuklearen Brennelementefabrik von Uhde gegen Au\u00dfenhandelsbestimmungen versto\u00dfen wird.<\/p>\n<p>Und noch eines d\u00fcrfte klar sein: Ein wirklich innovatives Unternehmen w\u00fcrde nicht die Lebensgrundlagen zuk\u00fcnftiger Generationen in unverantwortlicher Weise durch den Bau von sogar milit\u00e4risch nutzbaren nuklearen Anlagen aufs Spiel setzen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eben diese tennisballgro\u00dfen Brennelemente haben im 1989 stillgelegten Thorium Hochtemperaturreaktor (THTR) zu massiven Problemen gef\u00fchrt, weil sie teilweise in den Zu- und abf\u00fchrungsrohren steckenblieben oder von den einfahrenden Abschaltst\u00e4ben im Reaktorkern zersto\u00dfen wurden. 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