{"id":12923,"date":"2012-07-01T00:00:06","date_gmt":"2012-06-30T22:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12923"},"modified":"2022-07-26T13:31:06","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:06","slug":"das-camp-war-starts-here","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2012\/07\/das-camp-war-starts-here\/","title":{"rendered":"Das Camp &#8211; war starts here"},"content":{"rendered":"<p>Das G&Uuml;Z ist f&uuml;r Bundeswehr, NATO und EU ein zentraler                 Ort. Hier beginnt der Krieg, der weltweit gef&uuml;hrt wird. Wir                 wollen das Camp zu einem zentralen Ort der B&uuml;ndelung antimilitaristischer                 K&auml;mpfe machen. Eingeladen sind alle, die der zunehmenden                 Militarisierung entgegentreten wollen. Wir werden unsere unterschiedlichen                 Analysen und Zug&auml;nge diskutieren und gemeinsam praktische                 Erfahrung im sabotieren des Krieges machen.<\/p>\n<h3>Krieg beginnt hier, wir wollen ihn hier markieren, blockieren,                 sabotieren!<\/h3>\n<p>Das G&Uuml;Z Altmark bei Hillersleben\/Magdeburg ist der modernste                 Truppen&uuml;bungsplatz Europas. Von K&auml;mpfen in St&auml;dten                 bis zum Gefecht von Panzergruppen werden hier milit&auml;rische                 Interventionen von Luft- und Bodenmilit&auml;rtrupps simuliert.                 Der Betreiber &quot;Rheinmetall Dienstleistungszentrum Altmark&quot;                 vermietet das Gel&auml;nde an die Bundeswehr und andere europ&auml;ische                 Armeen, ist Dienstleisterin der gesamten Technik und Logistik                 und leistet die Vorarbeit f&uuml;r die milit&auml;rischen Analysen.                 Hier wird Krieg ge&uuml;bt, ausprobiert, vorbereitet.<\/p>\n<h3>Krieg &uuml;ben ist ein Teil von Krieg f&uuml;hren<\/h3>\n<p>Alle Bundeswehr-Soldat_innen, die in einen Auslandseinsatz geschickt                 werden, m&uuml;ssen sich im G&Uuml;Z einem in der Regel zweiw&ouml;chigen                 Kampftraining unterziehen. Samt Ausr&uuml;stung werden sie zum                 G&Uuml;Z verfrachtet, hier &uuml;ben sie mit Laserwaffen, Rauchbomben                 und Kunstblut Krieg. Inmitten der riesigen Heidelandschaft des                 G&Uuml;Z wird ab 2012 eine moderne Gro&szlig;stadt nachgebaut:                 Schn&ouml;ggersburg hat eine U-Bahn, einen Flughafen, eine Innen-                 und Altstadt, Plattenbauten, Wohnh&auml;user, Industrie- und Elendsviertel.                 &quot;Diese Stadt k&ouml;nnte &uuml;berall auf der Welt stehen&quot;                 (Oberst Michael Matz, Leiter des G&Uuml;Z)<\/p>\n<h3>Zivil-milit&auml;rische Normalit&auml;t<\/h3>\n<p>Nicht erst seit der Aussetzung der Wehrpflicht versucht eine                 immense Rekrutierungs- und Werbeoffensive der Bundeswehr in Schulen,                 Unis und Jobcentern eine milit&auml;rische Durchdringung des &quot;Zivilen&quot;                 und den gesellschaftlichen R&uuml;ckhalt der &quot;Heimatfront&quot;                 abzusichern. Derzeit erleben wir, wie auf allen Ebenen daran gearbeitet                 wird, Krieg zum Alltag zu machen. Unterschiede zwischen Innen                 und Au&szlig;en, milit&auml;risch und zivil, Polizei und Milit&auml;r,                 Krieg und Frieden, verschwinden zunehmend. Immer mehr gesellschaftliche                 Bereiche werden durch die zivilmilit&auml;rische Zusammenarbeit                 (ZMZ) vereinnahmt: an der Uni durch die Drittmittelfinanzierung,                 bei der Post durch &Uuml;bernahme von Logistikleistungen und bei                 der so genannten Entwicklungshilfe durch die Kooperation mit Milit&auml;rs.                 Dem Konzept der Vernetzten Sicherheit folgend sollen alle Bereiche                 des gesellschaftlichen Lebens ihren Beitrag zur Schaffung und                 Aufrechterhaltung &quot;&ouml;ffentlicher Ordnung&quot; leisten.                 Polizeiliche Aufgaben werden zunehmend durch das Milit&auml;r                 &uuml;bernommen. In der EU werden Gesetze und Verfahren harmonisiert,                 aber noch sind sich die Staaten in Vielem nicht einig. Die Militarisierung                 ist noch nicht &uuml;berall so fortgeschritten wie z.B. im italienischen                 Val di Susa, wo aus Afghanistan kommende Fallschirmj&auml;ger                 gegen Demos eingesetzt werden. Allerdings erzwang das Milit&auml;r                 auch in Spanien schon den Abbruch eines Streiks. In Deutschland                 tun viele immer noch so, als w&auml;re gar nicht &quot;richtig&quot;                 Krieg. Dabei sind es nicht zuletzt deutsche Kriegstreiber_innen,                 die die Umsetzung der &quot;vernetzten&quot; Kriegsf&uuml;hrung                 international nach Kr&auml;ften forcieren.<\/p>\n<h3>Aufstandsbek&auml;mpfung &#8211; St&auml;dte als Kriegsgebiet<\/h3>\n<p>Das Nato-Strategiepapier &quot;Urban Operations in the Year 2020&quot;                 konstatiert, dass weltweit mehr und mehr Menschen in St&auml;dten                 leben und dort verarmen. Daher sei es n&ouml;tig, Defizite der                 Einsatzf&auml;higkeiten der Milit&auml;rs im urbanen Raum zu beheben.                 Unruhen werden schlicht als erwartbare Herausforderungen kalkuliert,                 die bek&auml;mpft werden m&uuml;ssen. Neben baulichen Besonderheiten                 stellt vor allem das Operieren in bewohntem Gebieten die Armee                 vor Probleme: Wo K&auml;mpfer_innen von der Bev&ouml;lkerung kaum                 zu unterscheiden sind, gibt es angesichts ziviler Opfer schnell                 Proteste. Deshalb will das Milit&auml;r n&auml;her ran und rein                 in die Gesellschaft, mit wissenschaftlichen Sozialstudien, Spionen,                 Aufkl&auml;rungskompetenzen, Medienregulierungen, Zersetzungsstrategien.                 Ob mit &quot;robusten&quot; oder &quot;Crowd-Control&quot; Einheiten,                 ausger&uuml;stet mit &quot;weniger t&ouml;dlichen&quot; Waffen,                 ist nur eine Frage der Intensit&auml;t der Auseinandersetzung                 . Die Aufrechterhaltung einer Wirtschaftsordnung, die f&uuml;r                 die meisten Menschen keinerlei Perspektive bereith&auml;lt, erfordert                 ein dauerhaft milit&auml;risches Krisenmanagement. Dabei ist offene                 Repression bei Weitem nicht immer Mittel der Wahl. Im Vordergrund                 stehen stattdessen Pr&auml;vention, Umstrukturierung von Stadtteilen,                 die Einsch&uuml;chterung von Sympathisierenden, die Schaffung                 von Feindbildern, auf dass die Bev&ouml;lkerung sich distanziert                 und selbst diszipliniert. Aufstandsbek&auml;mpfung, Counter-Insurgency                 im Nato-Sprech, will eine entpolitisierte passive &Ouml;ffentlichkeit                 pr&auml;gen und bleibt zugleich als Strategie des Machterhalts                 so t&ouml;dlich und reaktion&auml;r wie die Kolonialkriege, in                 denen sie entwickelt wurde. Was &uuml;blicherweise als Synonym                 f&uuml;r &quot;Riot-Control&quot; gilt, k&ouml;nnte ein weitreichenderes                 Konzept des Regierens sein, in dem es nicht um das Beilegen von                 Konflikten geht, sondern darum, einen einmal erreichten Ausnahmezustand                 langfristig beizubehalten. Die Destabilisierung einer Gesellschaft                 schafft auch die Legitimation f&uuml;r andauernde polizeilich-milit&auml;rische                 Kontrolle ohne politisch verhandelbare Alternativen pr&auml;sentieren                 zu m&uuml;ssen. Was im Irak oder in Afghanistan als Mangel an                 Pl&auml;nen f&uuml;r eine Nachkriegsordnung oder als Unverm&ouml;gen                 der Durchsetzung erscheint, k&ouml;nnte der Kern der Sache selbst                 sein: Aufstandsbek&auml;mpfung als ewiges Krisenmanagement. Denn                 solange die Krise andauert, l&auml;sst sich leichter Akzeptanz                 schaffen f&uuml;r Einschr&auml;nkungen der Bewegungsfreiheit,                 f&uuml;r Bevormundung und Unterdr&uuml;ckung.<\/p>\n<h3>Krieg &#8211; NATO &#8211; Neokolonialismus<\/h3>\n<p>Die aktuellen Kriegseins&auml;tze werden unter anderem mit der                 Verbreitung von Demokratie, Frauen- und Menschenrechten legitimiert.                 Diese Begr&uuml;ndungen sind nicht nur als reiner Vorwand zu verstehen,                 um &ouml;konomische Interessen durchzusetzen, sie sind auch immer                 Ausdruck einer postkolonialistischen Weltsicht, die die eigenen                 Werte f&uuml;r &uuml;berlegen h&auml;lt. Eine Gesellschaft, die                 zum Krieg bereit sein soll, muss darauf eingestimmt werden, dass                 die Anwendung von milit&auml;rischer Gewalt nicht nur unvermeidbar,                 sondern sogar w&uuml;nschenswert bzw. heldenhaft sei &#8211; sofern                 sie von &quot;Sicherheitskr&auml;ften&quot; ausge&uuml;bt wird.                 Zu ihrer Rechtfertigung ist es immer wieder n&ouml;tig, abweichende                 Standpunkte, L&ouml;sungsans&auml;tze und Probleme auszublenden.                 Komplexe Strukturen m&uuml;ssen als einfache Widerspr&uuml;che                 wahrgenommen werden, damit am Ende einer &Uuml;berlegung nur eine                 L&ouml;sung m&ouml;glich ist: Krieg. Es bedarf einer einfach gestrickten                 bipolaren Weltsicht, um milit&auml;rische Gewalt als Mittel zur                 &quot;Bew&auml;ltigung&quot; sozialer Konflikte erscheinen zu                 lassen. Es gibt nur Frau oder Mann, Demokratie oder islamistische                 Diktatur, die Wilden oder der Westen, Zivilisation oder Barbarei,                 Ordnung oder Chaos. Sexualisierte Gewalt und Krieg gehen immer                 Hand in Hand. Dem Milit&auml;r kommt durch die Legalisierung und                 Legitimierung von Gewalt als Form der Auseinandersetzung ein enormer                 Teil der Bildung und Aufrechterhaltung einer Gewalt aus&uuml;benden                 M&auml;nnerrolle zu. Einerseits verst&auml;rkt Militarisierung                 eine patriarchale und bipolare Geschlechterordnung, andererseits                 wird diese auch angef&uuml;hrt um Kriege zu rechtfertigen. Militarisierte                 Aufstandsbek&auml;mpfung bildet da keine Ausnahme. Auch hier sind                 es bewaffnete M&auml;nnerhorden, die k&auml;mpfen, um den Besitz-                 und Herrschaftsanspruch der jeweilig anderen M&auml;nner zu brechen.                 Weil dieser Besitzanspruch sowohl die Verf&uuml;gungsgewalt als                 auch eine Schutzanma&szlig;ung &uuml;ber die &quot;eigenen Frauen&quot;                 beinhaltet, sind sexualisierte Erniedrigungen und Vergewaltigungen                 von Zivilist_innen und Soldat_innen, aber auch sexualisierte Gewalt                 gegen m&auml;nnliche Gefangene in allen Kriegsgebieten an der                 Tagesordnung. Die der bipolaren Geschlechterordnung innewohnenden                 Gewaltverh&auml;ltnisse und ihr direkter Bezug zum Militarismus                 lassen nur einen Schluss zu: Geschlechterrollen und Milit&auml;r                 angreifen, aufweichen, aufl&ouml;sen! Sicher ist, wir bewegen                 uns auf widerspr&uuml;chlichem Terrain &#8211; einerseits sind                 wir weltweit den gleichen kriegerischen Prinzipien unterworfen,                 andererseits bedeutet Krieg f&uuml;r viele Menschen Tod, Folter,                 Vergewaltigung und Erniedrigung. Jedoch ist bei allen Unterschiedlichkeiten                 der gesellschaftlichen Realit&auml;ten und der Betroffenheit von                 Gewalt den verschiedenen Facetten der Militarisierung eines gemein:                 Jegliche Perspektive auf Selbstbestimmung und Emanzipation wird                 verunm&ouml;glicht.<\/p>\n<h3>Krieg beginnt hier &#8211; stoppen wir ihn hier!<\/h3>\n<p>Wo alles Front werden soll, darf die Auflehnung gegen Militarisierung                 und Krieg nicht l&auml;nger alleinige Zust&auml;ndigkeit von Friedensbewegung                 und Antimilitarist_innen sein. Militarisierung, &quot;vernetzte                 Sicherheit&quot;, Aufstandsbek&auml;mpfung und letztlich Krieg                 sind immer auch ein Angriff auf alle sozialen, emanzipatorischen                 Bewegungen und somit gegen alle Menschen, die f&uuml;r eine befreite                 Gesellschaft k&auml;mpfen. Wir w&uuml;nschen uns ein offenes und                 selbstorganisiertes Camp verschiedener emanzipatorischer Str&ouml;mungen.                 Also vernetzen wir uns international, um zusammen Strategien und                 Konzepte zu entwickeln und zu diskutieren, Aktionen zu rei&szlig;en                 und dem milit&auml;rischen Treiben vielf&auml;ltigen Widerstand                 entgegen zu setzen.<\/p>\n<h3>Schmei&szlig;en wir unsere Fragen und die Erfahrungen unserer                 K&auml;mpfe zusammen!<\/h3>\n<p>Wir werden &#8211; in Anerkennung all unserer Unterschiede &#8211;                 ein gemeinsames internationales Camp gegen das Gefechts&uuml;bungszentrum                 Altmark aufbauen. In Diskussionen und Aktionen wollen wir von                 der Bandbreite unserer K&auml;mpfe profitieren. Machen wir der                 militarisierten Zurichtung der Welt ein Ende! Um effektiven Widerstand                 aufzubauen, gilt es zun&auml;chst zu verstehen, womit wir es bei                 &quot;neuen&quot; Kriegen zu tun haben. Nicht in Form von Expertisen,                 die keiner liest, sondern als geteiltes Wissen. Was hat sich seit                 dem Kalten Krieg ver&auml;ndert? Wie positionieren wir uns in                 gegenw&auml;rtigen und zuk&uuml;nftigen Kriegen? Welche Unterschiede                 zwischen Piratenjagd und Intervention in sogenannte Schurkenstaaten                 sind bedeutsam oder ist beides nur Ausdruck eines permanenten                 Kriegszustandes? Finden wir es wichtig, ob dem Konzept der Aufstandsbek&auml;mpfung                 tats&auml;chlich kommende Aufst&auml;nde zu Grunde liegen? Wie                 kommt die Nato-Strategie der &quot;Vernetzten Sicherheit&quot;,                 der &quot;Comprehensive Approach&quot;, weltweit zum Tragen? Ebenso                 wollen wir praktisch vor Ort beweisen, dass wir den Krieg dort                 wo er beginnt auch aufhalten k&ouml;nnen. Uns sind in diesem Sinne                 alle Aktionsformen willkommen, die den laufenden Milit&auml;rbetrieb                 markieren, blockieren, sabotieren! Man&ouml;ver finden hier fast                 t&auml;glich statt, das Gel&auml;nde ist nur teilweise eingez&auml;unt                 und riesengro&szlig;. So bieten sich vielf&auml;ltige Aktionsfelder:                 zum Beispiel Schienen, Stra&szlig;en, Z&auml;une, Geb&auml;ude,                 Wege, Lagerhallen, &Uuml;berwachungsinfrastruktur, Fahrzeuge,                 Flugmaschinen, Kommunikationsnetze, Zulieferer, R&uuml;stungsbetriebe                 &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das G&Uuml;Z ist f&uuml;r Bundeswehr, NATO und EU ein zentraler Ort. Hier beginnt der Krieg, der weltweit gef&uuml;hrt wird. Wir wollen das Camp zu einem zentralen Ort der B&uuml;ndelung antimilitaristischer K&auml;mpfe machen. Eingeladen sind alle, die der zunehmenden Militarisierung entgegentreten wollen. 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