{"id":12939,"date":"2006-07-20T00:00:51","date_gmt":"2006-07-19T22:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12939"},"modified":"2022-07-26T13:56:47","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:47","slug":"kein-rudolf-hess-gedenkmarsch-in-wunsiedel-oder-anderswo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/07\/kein-rudolf-hess-gedenkmarsch-in-wunsiedel-oder-anderswo\/","title":{"rendered":"Kein Rudolf-Hess-Gedenkmarsch in Wunsiedel oder anderswo"},"content":{"rendered":"<p>Wunsiedel &#8211; f&uuml;r viele mittlerweile Synonym f&uuml;r den                 hier allj&auml;hrlich geplanten Rudolf-Hess-Gedenkmarsch. 2000                 AntifaschistInnen kamen im letzten Jahr zu einem Antifaschistischen                 Aktionstag zusammen &#8211; den Nazis war der Aufmarsch wenige Tage                 zuvor verboten worden. Sie irrten an diesem Tag haupts&auml;chlich                 auf verschiedenen Autobahnen umher, marschierten jeweils mit einigen                 hundert Leuten in verschiedenen Orten, wie z.B. N&uuml;rnberg,                 Peine oder Berlin. Einen zentralen Rudolf-Hess-Marsch wie in den                 Jahren zuvor mit bis zu 4800 Alt- und Neonazis hat es im letzten                 Jahr nicht gegeben.<\/p>\n<p>Nun r&uuml;ckt der Sommer wieder n&auml;her und es stellt sich                 die Frage, was nun ist mit Hess und Wunsiedel und den Nazis. Eins                 ist klar: Rudolf Hess liegt noch immer in Wunsiedel begraben,                 die Nazis wollen ihm dort auch in diesem Jahr gedenken und wir                 werden alles tun, um diesen Plan zu vereiteln. Unklarheiten gibt                 es indes auf rechtlicher Ebene: Das Bundesverfassungsgericht best&auml;tigte                 im letzten Jahr das Verbot, gab aber zu bedenken, dass dies auf                 recht wackeligen F&uuml;&szlig;en st&uuml;nde. Ein Hauptsacheverfahren                 soll nun kl&auml;ren, ob der Rudolf-Hess-Marsch grunds&auml;tzlich                 stattfinden darf &#8211; angemeldet hat ihn der Nazianwalt J&uuml;rgen                 Rieger bereits im Jahr 2001 vorsorglich f&uuml;r die darauf folgenden                 zehn Jahre. Solange dieses Verfahren l&auml;uft herrscht Ungewissheit                 &#8211; und das vor allem auf Seiten der Nazis.<\/p>\n<p>Wir, die Kampagne NS-Verherrlichung stoppen!, werden auch in                 diesem Jahr einen Antifaschistischen Aktionstag mit Kundgebung                 und Demonstration veranstalten, sollte es einen zentralen Rudolf-Hess-Gedenkmarsch                 geben.<\/p>\n<p>Es gibt vor Ort sowohl einen NPD-Ableger als auch die so genannte                 Freie Kameradschaft Wunsiedel. Diese trifft sich seit dem vergangenen                 Jahr regelm&auml;&szlig;ig in der Kneipe &quot;Lokalbahn&quot;                 mitten in der Stadt. Dort finden regelm&auml;&szlig;ig Konzerte                 statt, Vortr&auml;ge werden gehalten und einmal im Monat wird                 zur &quot;Braunen Nacht&quot; geladen. Die Kontinuit&auml;t der                 M&auml;rsche scheint ihre braunen Fr&uuml;chte zu tragen. Die                 Hess-Gedenkm&auml;rsche besa&szlig;en in den Jahren 2001 bis 2004                 Eventcharakter und stifteten international und spektren&uuml;bergreifend                 nationalsozialistische Identit&auml;t.<\/p>\n<p>Es ist die Person Rudolf Hess, an der das Gedenken der Nazis                 ankn&uuml;pft. Rudolf Hess wurde in den N&uuml;rnberger Prozessen                 als Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt und beging                 im Milit&auml;rgef&auml;ngnis Berlin-Spandau 1987 Selbstmord.                 Als Stellvertreter von Adolf Hitler und als angeblicher Friedensflieger,                 steht die Figur Rudolf Hess f&uuml;r die abstrusesten nationalsozialistischen                 Mythen und Tr&auml;ume vom &quot;guten&quot; Nationalsozialismus.<\/p>\n<h3>Fr&uuml;hling, Sommer, Herbst und Nazis<\/h3>\n<p>Nicht nur der Rudolf-Hess-Marsch ist ein festes Datum im Terminkalender                 der Alt- und Neonazis. Die Kampagne NS-Verherrlichung stoppen!                 richtet sich dar&uuml;ber hinaus gegen weitere j&auml;hrlich wiederkehrende                 Anl&auml;sse, an denen Nazis versuchen Gro&szlig;aufm&auml;rsche                 zu etablieren oder nationalsozialistisches Gedenken zu zelebrieren.<\/p>\n<p>In Dresden ziehen seit 1998 jedes Jahr im Februar Neonazis durch                 die Stadt. Anlass ist die Bombardierung durch die Alliierten.                 Hier wird ein Opfermythos gefeiert, mit dem die Deutschen als                 Opfer des Krieges dargestellt werden. Die Toten des Bombardements                 werden aufgerechnet gegen die Toten der nationalsozialistischen                 Vernichtung. Damit sollen die Verbrechen des Nationalsozialismus                 relativiert werden.<\/p>\n<p>In Mittenwald l&auml;dt der Kreis der Gebirgsj&auml;ger allj&auml;hrlich                 zum Pfingsttreffen ein. Am Ehrenmal der Gebirgsj&auml;ger wird                 der eigenen Toten aus dem Zweiten Weltkrieg gedacht. Dabei werden                 Verbrechen von Teilen der Gebirgsj&auml;ger im Nationalsozialismus                 verschwiegen und Verbindungen wie solche zur SS geleugnet. Besonders                 deutlich wird in Mittenwald, welche Kontinuit&auml;ten noch immer                 zwischen dem Nationalsozialismus und der heutigen Gesellschaft                 existieren.<\/p>\n<p>In Halbe versuchen Neonazis seit Jahren im November zum Volkstrauertag                 ihrer angeblichen Helden zu gedenken. Auf dem gr&ouml;&szlig;ten                 Soldatenfriedhof in Deutschland sind etwa 22.000 Wehrmachtssoldaten                 und Angeh&ouml;rige der Waffen-SS begraben, die im Fr&uuml;hjahr                 1945 bei einer der letzten Kesselschlachten des Zweiten Weltkrieges                 starben. Unter dem Motto &quot;Ruhm und Ehre dem deutschen Frontsoldaten&quot;                 werden sie von den Nazis zu Helden stilisiert.<\/p>\n<p>Diese Ereignisse stehen beispielhaft f&uuml;r die Verherrlichung                 des Nationalsozialismus, f&uuml;r die Verdrehung und Relativierung                 der deutschen Geschichte. Die Kampagne NS-Verherrlichung stoppen!                 hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur den Rudolf-Hess-Gedenkmarsch                 in Wunsiedel zu thematisieren, sondern die Verbindungen zwischen                 diesen Ereignissen aufzuzeigen. Neben inhaltlichen Parallelen,                 ist es die Gemeinsamkeit des Gro&szlig;ereignisses, durch die                 eine nationalsozialistische Erlebniswelt mit einer besonderen                 Anziehungskraft geschaffen werden soll.<\/p>\n<p>Dem stellen wir uns entgegen &#8211; egal ob im Fr&uuml;hjahr, Sommer,                 Herbst oder Winter!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wunsiedel &#8211; f&uuml;r viele mittlerweile Synonym f&uuml;r den hier allj&auml;hrlich geplanten Rudolf-Hess-Gedenkmarsch. 2000 AntifaschistInnen kamen im letzten Jahr zu einem Antifaschistischen Aktionstag zusammen &#8211; den Nazis war der Aufmarsch wenige Tage zuvor verboten worden. 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