{"id":12941,"date":"2005-04-23T00:00:45","date_gmt":"2005-04-22T22:00:45","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=12941"},"modified":"2022-07-26T14:15:04","modified_gmt":"2022-07-26T12:15:04","slug":"sind-wir-nicht-alle-ein-bisschen-yorck59","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2005\/04\/sind-wir-nicht-alle-ein-bisschen-yorck59\/","title":{"rendered":"Sind wir nicht alle ein bisschen yorck59?"},"content":{"rendered":"<p>Die yorck59 ist seit 16 Jahren ein selbstverwaltetes Hausprojekt                 in Berlin-Kreuzberg. Zur Zeit wohnen dort etwa 60 Menschen (zwischen                 0 und 43) und es gibt viel Raum f&uuml;r politische und kulturelle                 Veranstaltungen. Auch vorhandene B&uuml;ror&auml;ume werden von                 verschiedenen politischen Initiativen wie z.B. der AntiRassistischen                 Initiative Berlin (ARI), dem Anti-Hartz-B&uuml;ndnis, internationalistischen                 Gruppen, etc. genutzt. Auch Sport- und Theatergruppen treffen                 sich dort.<\/p>\n<p>Seit Januar 2004 gibt es einen neuen Hauseigent&uuml;mer: die                 Yorckstr.59 GbR (Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer: Marc Walter; Hausverwalter:                 Boris Marweld) kaufte das Haus von der Zwangsverwaltung. Das Kaufangebot                 der BewohnerInnen wurde &uuml;bergangen. Der Gewerbemietvertrag                 mit dem Hausverein F&auml;rbung e.V. endete im September 04. Die                 BewohnerInnen wollten ihr Optionsrecht auf eine Verl&auml;ngerung                 des Vertrags aus&uuml;ben, was aber von Seiten des Eigent&uuml;mers                 unm&ouml;glich gemacht wurde. Schikanen seitens der neuen Hausverwaltung                 geh&ouml;ren zum Alltag. Weihnachten 2004 hatte Marweld in einer                 Nacht- und Nebelaktion die Zug&auml;nge zur 2. und 3. Etage, in                 denen sich B&uuml;ror&auml;ume befinden, zumauern lassen. Gleichzeitig                 war er durch k&ouml;rperliche Gewalt gegen HausbewohnerInnen aufgefallen.                 Nachdem die BewohnerInnen die Mauern wieder entfernt hatten, lie&szlig;                 Marweld die Schl&ouml;sser austauschen. Seitdem h&auml;ufen sich                 auch Vorf&auml;lle wie durchschnittene Telefonleitungen, aufgebrochene                 Briefk&auml;sten und aufgeschlitzte Fahrradreifen.<\/p>\n<p>Der neue Hausbesitzer legte R&auml;umungsklage gegen den Hausverein                 F&auml;rbung e.V. ein. Diese ist seit dem 23.12.04 in erster Instanz                 entschieden. Eine R&auml;umung ist nun faktisch jederzeit m&ouml;glich.                 <b>Nur &uuml;ber st&auml;ndige Pr&auml;senz in der &Ouml;ffentlichkeit                 und politischen Druck kann die R&auml;umung verhindert werden.<\/b><\/p>\n<p>Es geht um mehr als Wohnraum. Es geht um ein nicht ersetzbares                 politisches Projekt und den Erhalt linker Freir&auml;ume. Deshalb                 ist der Hauskampf um die yorck59 auch mit anderen (bedrohten)                 linken Projekten vernetzt, wie z.B. den Wagenpl&auml;tzen Schwarzer                 Kanal und Laster und H&auml;nger, dem Hausprojekt Brunnenstr.183,                 der Voigtstr., der Rigaer94, der Offenen Uni BerlinS und dem Hausprojekt                 EHK in Wien. Die Solidarit&auml;t gilt allen Initiativen f&uuml;r                 linke soziale, politische und kulturelle R&auml;ume. Ausdr&uuml;cklich                 richtet sich der Kampf der BewohnerInnen auch gegen die Stadtumstrukturierung                 in Berlin und anderswo, im Zuge derer H&auml;user in der Innenstadt                 teuer saniert werden, so dass sich die vorherigen MieterInnen                 die Wohnungen danach nicht mehr leisten k&ouml;nnen. Sie fordern                 bezahlbare Mieten f&uuml;r alle!<\/p>\n<p>In der yorck59 wollte der neue Hausbesitzer zun&auml;chst eine                 Mietsteigerung von 100%, dann immer noch 50% und nun die R&auml;umung                 &#8211; ihm geht es &quot;ums Prinzip&quot; (taz Berlin 6.1.05). Die                 BewohnerInnen fordern den Erhalt des Projektes und wollen das                 Haus kaufen &#8211; zu einem angemessenen Preis. K&uuml;rzlich wurde                 ermittelt, dass Marc Walter im Dezember 2003 das Grundst&uuml;ck                 Yorckstr. 59 f&uuml;r nur 1,45 Mio Euro kaufte. Dies steht im                 eklatanten Kontrast zu den 2,5 Mio Euro, die er den BewohnerInnen                 der yorck59 als Kaufpreis &quot;anbietet&quot; bzw. ein Ersatzobjekt                 des Liegenschaftsfonds zu diesem Wert erwartet.<\/p>\n<h3>R&auml;umung ist keine Privatsache &#8211; her mit der politischen                 L&ouml;sung!<\/h3>\n<p>Der Konflikt um das Hausprojekt ist eskaliert und derzeit Thema                 auf allen politischen Ebenen. Einzig gangbare politische L&ouml;sung,                 die zu einem Projekterhalt f&uuml;hrt, ist das seitens der Politik                 vorgeschlagene Tauschobjekt f&uuml;r den Hauseigent&uuml;mer Marc                 Walter aus dem Berliner Liegenschaftsfonds. Bei diesem Dreiecksgesch&auml;ft                 w&uuml;rde Walter das Objekt yorck59 gegen eine gleichwertige                 Immobilie aus dem Fundus des Liegenschaftsfonds eintauschen. Die                 BewohnerInnen und Initiativen des Hausprojektes k&ouml;nnten danach                 das Hinterhaus vom Liegenschaftsfonds kaufen. Ein Finanzierungskonzept                 f&uuml;r einen solchen Kauf in Zusammenarbeit mit dem Mietsh&auml;usersyndikat                 besteht seit &uuml;ber einem Jahr.<br \/>                 Nun ist die Politik gefordert, Walter dazu zu bewegen, sich auf                 diese einzige M&ouml;glichkeit der Konfliktbeilegung einzulassen.                 Die Berliner Landesregierung und das Abgeordnetenhaus m&uuml;ssen                 sich nun der &Ouml;ffentlichkeit und Walter gegen&uuml;ber mit                 Nachdruck f&uuml;r eine solche L&ouml;sung einsetzen. Das in diesem                 Sinne bekundete Engagement der SenatorInnen K&ouml;rting, Wolf                 und Junge-Reyer, des Bundestagsabgeordneten Str&ouml;bele, mehrerer                 Landesabgeordneter und der Bezirkspolitik ist noch lange nicht                 ausgesch&ouml;pft. Klare &ouml;ffentliche &Auml;u&szlig;erungen                 sind nun gefragt, dass Investoren wie Walter, die ihr einzelwirtschafliches                 Profitinteresse durch die Verdr&auml;ngung von alteingesessenen                 BewohnerInnen zu erzielen versuchen, unerw&uuml;nscht sind.<\/p>\n<h3>Solidarit&auml;t ist eine Waffe<\/h3>\n<p>Der Konflikt mit der Yorck59 wirkt sich bereits auf Marc Walters                 Immobiliengesch&auml;fte aus. Marc Walter arbeitet mit der IHZ                 GmbH (Sitz: Friedrichstr. 95) zusammen. Sie ist einer der gr&ouml;&szlig;ten                 Immobiliendienstleister Berlins, die im Auftrag der ehemals gemeinn&uuml;tzigen                 Wohnungsbaugesellschaft Mitte WBM deren Objekte ver&auml;u&szlig;ert                 und somit die Verdr&auml;ngung von MieterInnen, z.B. im Kreuzberger                 Waldekiez, betreibt. Zusammen mit Marweld kaufte Walter im Sommer                 2004 das Objekt Friedrichstr. 129\/Claire Waldoff Str.2-12 zu einem                 sehr g&uuml;nstigen Preis &uuml;ber die IHZ. Er verf&uuml;gt &uuml;ber                 gute Kontakte zur WBM, u.a. durch seine jahrelange T&auml;tigkeit                 als Filialleiter bei der Deutschen Hypothekenbank am Gendarmenmarkt,                 bei der er die Finanzierung von Immobiliengesch&auml;ften betreute.                 J&uuml;ngst versuchte er, ein weiteres Filetgrundst&uuml;ck in                 der Friedrichstra&szlig;e zu erwerben. Es handelt sich um die                 &quot;Spreeterrassen&quot;, den Wohn- und Hotelkomplex (Hotel                 Riverside) an der Spree, Friedrichstr.105-6\/Ziegelstr.2-3. Den                 beinahe abgeschlossenen Verkauf der Immobilie machte die IHZ jedoch                 r&uuml;ckg&auml;ngig &#8211; Marc Walter konnte die vereinbarte Kaufsumme                 nicht aufbringen und musste eine Vertragsstrafe zahlen. Hintergrund                 des gescheiterten Verkaufs sind auch Proteste betroffener MieterInnen                 der Friedrichstr. 129 und die Furcht der IHZ, in den Konflikt                 um die Yorck59 einbezogen zu werden. Die IHZ versuchte wohl auch                 den Verkauf des Objekts Friedrichstr. 129, vor dem schon Protestaktionen                 der yorck59 stattfanden, r&uuml;ckabzuwickeln. Dies scheiterte                 jedoch, da der Verkaufsprozess schon zu weit voran geschritten                 war. <\/p>\n<p>Wir begr&uuml;&szlig;en es, dass auf diese Weise Immobilienspekulanten                 wie Walter Grenzen aufgezeigt werden, und sind uns sicher, dass                 dies dazu beitragen wird, dass Walter auf das Angebot des Liegenschaftsfonds                 eingehen wird.<\/p>\n<p>Der Druck von den BewohnerInnen und Unterst&uuml;tzerInnen der                 yorck59 in den letzten Monaten war und ist vielf&auml;ltig und                 kreativ, wie bspw. die Besetzung vom Rathaus Kreuzberg, Kundgebungen                 vor dem Wohnsitz des Hausverwalters, eine Radrallye mit anderen                 bedrohten Projekten gegen die Stadtumstrukturierung, das Anbringen                 eines 30m-Transpis an der Siegess&auml;ule, eine Kinderdemo, solidarische                 Scheinbesetzungen in Berlin und anderswo, internationale Solidarit&auml;t                 durch gesammelte Unterschriften gegen die R&auml;umung, die in                 verschiedenen L&auml;ndern deutschen Botschaften &uuml;bergeben                 wurden. <\/p>\n<p>Da sich die Situation zuspitzt, ist es grade jetzt wichtig, den                 Druck aufrecht zu erhalten und aktiv zu werden. In diesem Sinne:                 <b>seid kreativ und habt Spass dabei!<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die yorck59 ist seit 16 Jahren ein selbstverwaltetes Hausprojekt in Berlin-Kreuzberg. Zur Zeit wohnen dort etwa 60 Menschen (zwischen 0 und 43) und es gibt viel Raum f&uuml;r politische und kulturelle Veranstaltungen. Auch vorhandene B&uuml;ror&auml;ume werden von verschiedenen politischen Initiativen wie z.B. der AntiRassistischen Initiative Berlin (ARI), dem Anti-Hartz-B&uuml;ndnis, internationalistischen Gruppen, etc. genutzt. 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