{"id":13014,"date":"2013-09-01T00:00:26","date_gmt":"2013-08-31T22:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13014"},"modified":"2022-07-26T14:12:11","modified_gmt":"2022-07-26T12:12:11","slug":"auf-der-seite-der-revolte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/09\/auf-der-seite-der-revolte\/","title":{"rendered":"&#8222;Auf der Seite der Revolte&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Am 7. Juni 2013 hat Dich die Erich-M\u00fchsam-Gesellschaft                 in L\u00fcbeck mit dem Erich-M\u00fchsam-Preis geehrt, zusammen mit Andreas                 W. Hohmann, dem Verleger der anarchistischen <i>Edition AV<\/i>                 aus Lich. <\/b><\/p>\n<p><b>Herzlichen Gl\u00fcckwunsch. <\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Herzlichen Dank zum Gl\u00fcckwunsch.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Erich M\u00fchsam ist eine bekannte Pers\u00f6nlichkeit                 des Anarchismus. Kannst Du etwas \u00fcber ihn erz\u00e4hlen?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Er ist einer der bekanntesten anarchistischen                 Dichter und politischen Publizisten, der vor allem in der Zeit                 des Kaiserreiches und der Weimarer Republik gewirkt hat. M\u00fchsam                 hat eine wichtige Rolle innerhalb der anarchistischen Bewegung                 gespielt, war auch ma\u00dfgeblich an der M\u00fcnchner R\u00e4terepublik beteiligt,                 wof\u00fcr er mit 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde.<\/p>\n<p>Er wurde dann nach der Machtergreifung der Nazis am 10. Juli                 1934 im KZ Oranienburg von der SS-Wachmannschaft ermordet.<\/p>\n<p>Die Preisverleihung hat mich \u00fcberrascht. Andreas W. Hohmann und                 ich wurden zusammen wegen unserer Verlagst\u00e4tigkeit gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Wen ehrt die Erich-M\u00fchsam-Gesellschaft mit dem                 Preis?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Sie vergibt ihn alle zwei Jahre an Menschen,                 die Leben und Werk Erich M\u00fchsams wissenschaftlich aufarbeiten                 oder die \u00e4hnlich wie er Zivilcourage gezeigt haben und sich f\u00fcr                 soziale Gerechtigkeit und verfolgte Minderheiten einsetzen. Bisher                 haben unterschiedliche Personen oder Gruppen den Preis erhalten,                 u.a. die Graswurzelwerkstatt in K\u00f6ln 1993, der bekannte US-amerikanische                 Inhaftierte Mumia Abu-Jamal, die Tageszeitung <i>junge Welt<\/i>,                 das Komitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie. Das kann man auf der                 Homepage der Erich-M\u00fchsam-Gesellschaft ((3))                 nachlesen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens mit Altanarchisten, die das Dritte Reich \u00fcberlebt                 hatten, habe ich Kontakte zu Zeitzeugen bekommen, die Erich M\u00fchsam                 kannten. Er hat mich fr\u00fch beeindruckt. In den sp\u00e4ter im <i>Libertad                 Verlag<\/i> erschienenen Schriften haben wir ihm auch ein Heft                 gewidmet. <\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Begreifst Du Dich als Anarchist? Was bedeuten                 Anarchie und Anarchismus f\u00fcr Dich?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Als Anarchist sehe mich gar nicht mehr                 so. Seit meinem 15. Lebensjahr habe ich mich als Anarchist verstanden.                 Bis ich 50 wurde. Ich sehe mich jetzt eher als Anarcho, weil f\u00fcr                 mich die Anarchie wichtiger geworden ist als der Anarchismus.                 Ich unterscheide zwischen Anarchie und Anarchismus, weil die Anarchie                 die gelebte Herrschaftslosigkeit und Anarchismus das politisch-philosophische                 Streben nach dieser Herrschaftslosigkeit ist.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Wie wurdest Du Anarcho?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Mich hat 1968 die Revolte als 15-J\u00e4hriger                 gepackt. Nach dem Anschlag auf Rudi Dutschke in Berlin gab es                 die Osterunruhen. Ich bin da eher per Zufall hineingeraten, direkt                 in den Polizeikessel in der Meinecke-Stra\u00dfe. Der war damals ber\u00fcchtigt.                 Der Gag daran war, dass alle Passanten, die sich damals in der                 Meinecke-Stra\u00dfe aufhielten, ob zuf\u00e4llig oder nicht, verhaftet                 worden sind. Das waren \u00fcber 250 Leute, u.a. auch ich. Wir sind                 dann mit Lastwagen weggekarrt und auf verschiedene provisorische                 Haftanstalten verteilt worden. Ich bin in der Polizeischule Spandau                 gelandet. Das war eindrucksvoll.<\/p>\n<p>Nicht dass ich apolitisch war, das war wohl kaum einer in meinem                 Alter in Berlin. Allein durch diese Frontstadtstellung war Politik                 immer ein Thema in Berlin, da war das Aufwachsen als Jugendlicher                 vielleicht deutlich politischer als in anderen Orten der Bundesrepublik.                 Aber die Erfahrung hat mir einen Kick gegeben, ich habe da die                 Nacht verbringen m\u00fcssen und nachher ziemlichen Stress mit meinen                 Eltern bekommen, die nat\u00fcrlich nicht wussten, was los war. Der                 Junge ist nicht nach Hause gekommen.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Gab es 1968 weitere Erlebnisse, die Dich gepr\u00e4gt                 haben?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Das zweite Schl\u00fcsselerlebnis 1968 war                 f\u00fcr mich der Einmarsch der Warschauer Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei,                 da bin ich zuf\u00e4lligerweise mit meinem Vater hineingekommen. Wir                 hatten Urlaub in der Tschechoslowakei gemacht, und wir waren auf                 der R\u00fcckreise. Ich kann mich noch erinnern: Da waren pl\u00f6tzlich                 morgens, das muss gegen 5 Uhr gewesen sein, absolute Unruhe und                 Tumult im Zug. Einige Leute fluchten, andere heulten. Ich habe                 aus dem Fenster geguckt, und der ganze Himmel war voll mit Flugzeugen                 in unterschiedlichen Schichten, oben D\u00fcsenj\u00e4ger, darunter Transportflugzeuge,                 Hubschrauber. Dann haben wir an Bahn\u00fcberg\u00e4ngen Panzer gesehen.                 Und als wir in Prag ankamen, h\u00f6rten wir Sch\u00fcsse. Da hat der &#8222;Prager                 Fr\u00fchling&#8220; schon sein blutiges Ende gefunden. Wir sind noch auf                 dem Bahnhof von sowjetischen Milit\u00e4rpolizisten verhaftet, dann                 mit anderen Ausl\u00e4ndern mit Bussen in die DDR gebracht worden.                 Da sind wir in einer umfunktionierten Berufsschule ein paar Tage                 inhaftiert gewesen, wo wir jeden Tag, damit wir dir richtige Sichtweise                 kriegten, Karl-Eduard von Schnitzler gucken mussten.<\/p>\n<p>Das hat mich gepr\u00e4gt. Ich wusste auch, wo ich stehe, n\u00e4mlich                 auf Seiten der Revolte. Und zwar sowohl gegen das System des Westens                 als auch gegen das System des Ostens.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Siehst Du bei dem, was jetzt, im Sommer 2013,                 z.B. in der T\u00fcrkei passiert, gewisse Parallelen, dass da Neue                 Soziale Bewegungen, vielleicht sogar ein neuer Anarchismus entstehen                 k\u00f6nnten, \u00e4hnlich wie 1968 in West-Berlin?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Ja und nein. Ich sehe inzwischen eine                 neue Qualit\u00e4t von Revolten und Revolutionen.<\/p>\n<p>Die 68er Revolte hatte die traditionellen Konzepte der sozialen                 Revolutionen wieder aufgebracht, sowohl was die marxistische als                 auch die anarchistische Variante angeht.<\/p>\n<p>Eigentlich erst seit der friedlichen Revolution in der DDR 1989\/90                 gibt es eine neue Art der Revolte, die weniger einen Klassenkampfcharakter                 hat.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sagen, dass es b\u00fcrgerliche Revolutionen seien, die                 stattfinden, aber in einem aus meiner Sicht positiven Sinne. Das                 Konzept hat sich gewandelt. Es sind eher friedliche Revolten.                 Jetzt gerade auch in der T\u00fcrkei sieht man, mit welcher Fantasie                 die Proteste ablaufen. Da denke ich nur an diesen einen Menschen,                 ein Choreograf soll das sein, der angefangen hat, still zu protestieren.                 Inzwischen sind es Hunderte, vielleicht sogar Tausende.<\/p>\n<p>Auch in anderen L\u00e4ndern gibt es Leute, die still protestieren.                 Da merkt man, was f\u00fcr eine Kreativit\u00e4t da ist. Man merkt auch,                 dass sich die Medien der Revolution ge\u00e4ndert haben und Informationen                 erm\u00f6glichen, was fr\u00fcher nicht m\u00f6glich gewesen ist. Jetzt werden                 die sozialen Netze genutzt, das hat sich schon in \u00c4gypten gezeigt,                 das zeigt sich auch wieder in der T\u00fcrkei. Die sozialen Netze erm\u00f6glichen                 andere Formen der kollektiven Kommunikation. Das war 1968 nicht                 m\u00f6glich.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Wie war denn 1968 f\u00fcr Dich?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Ich bin 1968 nicht gleich beim Anarchismus                 gelandet, nachdem ich von den 68er Erlebnissen sowohl in West-Berlin                 als auch in Prag erfasst worden bin. Das Jahr 68 war gerade in                 West-Berlin gepr\u00e4gt durch viele Demonstrationen. Mir hat damals                 die Rote Garde gefallen. Ich war eine Zeit lang Maoist gewesen,                 weil ich die Militanz und das geschlossene Auftreten sehr imponierend                 fand. Die Berliner haben damals gesagt, ich war Hertie-Chinese.                 Die Maoisten wurden Hertie-Chinesen genannt, weil sie vor dem                 Kaufhaus Flugbl\u00e4tter verteilten. Da wurde ich aber noch einmal                 ern\u00fcchtert, weil das zum Teil absolut l\u00e4cherlich war, was sich                 bei der Roten Garde abgespielt hat. Zum Beispiel haben wir uns                 jeden Sonntag am S-Bahnhof Nikolaussee getroffen, um im Grunewald                 das Marschieren zu \u00fcben, ebenso das Singen von Arbeiterliedern.                 Das muss man sich so vorstellen, da marschieren jeden Sonntag                 dort, wo das eher b\u00fcrgerliche Publikum mit seinen Hunden spazieren                 geht, so etwa 200 Rotgardisten durch den Wald in ihrer blauen                 Kluft, singen, \u00fcben Karate. Das war schon l\u00e4cherlich. Aber noch                 unangenehmer waren solche Geschichten, wo es um diese Selbstkritik                 ging, die man in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden wiederholen musste. Diese                 politische Selbstkritik war schon sehr befremdend gewesen. Ich                 bin letztendlich unsanft aus der Roten Garde herausgeflogen, weil                 ich in meiner Schule einen wilden Streik angezettelt hatte, der                 mit der Roten Garde nicht abgestimmt war, und das war&#8217;s dann gewesen.<\/p>\n<p>Nachdem ich die Hauptschule beendet hatte, habe ich die Lehre                 als Kupferdrucker begonnen, da habe ich mich ziemlich geknechtet                 gef\u00fchlt, habe dann ab und zu auch so anarchistische Bl\u00e4tter wie                 die <i>agit 883<\/i> oder die <i>linkeck <\/i>in die Hand gekriegt.                 Durch einen Aufkleber, den ich irgendwo auf einem Laternenpfahl                 auf dem Weg zur Berufsschule gesehen habe, habe ich einen Hinweis                 auf den AAB, also den Anarchistischen Arbeiter-Bund, erhalten.                 Das war damals die gr\u00f6\u00dfte anarchistische Gruppierung in West-Berlin.                 Da bin ich dann beim Anarchismus gelandet, war zusammen mit meinen                 Br\u00fcdern und meinem damaligen und heutigen Kumpel Rolf Raasch im                 AAB aktiv.<\/p>\n<p>Der AAB war insofern bemerkenswert, als er sogar eine betriebliche                 Verankerung bei der Deutschen Reichsbahn hatte, und das hie\u00df eben                 in einem DDR-Betrieb. Die hatten da auch die Zeitschrift <i>Der                 Drachen<\/i> herausgegeben, sich f\u00fcr Lohnforderungen eingesetzt                 und f\u00fcr Unruhe gesorgt. Das war so extrem, dass sogar die Stasi,                 wie wir erst nach der Wende erfahren haben, auch einen Spitzel                 bei uns eingeschleust hatte, der aus West-Berlin berichtet hat.<\/p>\n<p>Da sind vielleicht im AAB auch die Anf\u00e4nge zu sehen f\u00fcr das,                 was ich dann sp\u00e4ter gemacht habe, eben den Verlag. Beim AAB gab                 es eine Brosch\u00fcrenreihe. Als ich den <i>Libertad Verlag<\/i> mit                 meinen Br\u00fcdern, Rolf und einigen anderen Ex-AABlern gegr\u00fcndet                 habe, haben wir auch wieder mit Brosch\u00fcren angefangen, n\u00e4mlich                 den ziemlich popul\u00e4ren <i>Anarchistischen Texten<\/i>, die zum                 Teil in einer hohen Auflage erschienen sind, also in 3, 4, 5 Auflagen                 bis zu 8.000 Exemplare.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Den Verlag machst Du seit 1976. Zwanzig Jahre                 sp\u00e4ter hast Du mit G\u00fcnter Hoerig das Projekt <i>DadA &#8211; Datenbank                 des deutschsprachigen Anarchismus<\/i> gegr\u00fcndet. Kannst Du dazu                 etwas erz\u00e4hlen?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Das DadA-Projekt ist eigentlich ein Nebenprodukt                 meines Studiums gewesen. Nachdem ich die Lehre beendet hatte,                 durch die Welt gereist bin und Anarchisten besucht habe, habe                 ich meine Mittlere Reife und dann das Abi auf dem Zweiten Bildungsweg                 nachgemacht, dann angefangen zu studieren: Publizistik, Kommunikationswissenschaften,                 Geschichte und Politologie an der FU Berlin. In meinem Studium                 habe ich auch versucht, gerade weil ich den Verlag hatte, ein                 paar Themen abzudecken, die f\u00fcr den Verlag interessant sein konnten                 und die mich pers\u00f6nlich interessiert haben. Ich habe mich mit                 der anarchistischen Presse besch\u00e4ftigt, von ihren Anf\u00e4ngen um                 1790 in Deutschland bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, und                 habe eine Magisterarbeit zum Thema geschrieben. <\/p>\n<p>Darin war auch eine Bibliografie der anarchistischen Presse,                 die war das Fundament f\u00fcr die um 1986 entstehende Datenbank des                 deutschsprachigen Anarchismus.<\/p>\n<p>Ich habe G\u00fcnter Hoerig kennengelernt. Er lebte in K\u00f6ln, kam aber                 urspr\u00fcnglich aus Leipzig. Er hatte sich auf einer anderen Ebene                 auch mit der anarchistischen Presse besch\u00e4ftigt, aber eher mit                 der der Gegenwart. Weil er Bibliothekar war, hatte er von den                 bibliografischen Methoden mehr Ahnung als ich. Ich war auf der                 historischen Schiene besser bewandert. Dann haben wir uns zusammengetan                 und zun\u00e4chst offline das Projekt entwickelt. Wenn man etwas \u00fcber                 die Datenbank wissen wollte, musste man uns anschreiben oder anrufen.<\/p>\n<p>Dann kam das Internet immer st\u00e4rker auf, und DadA war fr\u00fch online,                 weil mich auch das Internet sehr fr\u00fch als anarchisches Medium                 interessiert hat. Um 1996 sind wir online mit unserer Datenbank                 gegangen.<\/p>\n<p>Wenn man heute etwas zu anarchistischen Themen im Internet sucht,                 landet man fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf irgendeiner Seite der DadA-Dokumentation.                 Dazu ist noch eine Literaturdokumentation gekommen. Vor etwa 10,                 12 Jahren hat sich das Ganze noch einmal erweitert, das Projekt                 <i>DadAWeb <\/i>ist da entstanden, in dem Sinne, dass wir auch                 das <i>Lexikon der Anarchie<\/i> mit aufgenommen haben. Das war                 zuerst ein Print-Projekt, eine gr\u00f6\u00dfere Blattsammlung, die Hans-J\u00fcrgen                 Degen entwickelt hatte, mit renommierten Autoren. Viele, die von                 bestimmten Themen Ahnung hatten, haben beim <i>Lexikon der Anarchie<\/i>                 mitgearbeitet, und arbeiten heute noch mit. Diese lose Blattsammlung                 lie\u00df sich aber schlecht realisieren, war sehr arbeitsaufwendig,                 weil immer, wenn \u00c4nderungen auftauchten, Erg\u00e4nzungslieferungen                 zu bestehenden Beitr\u00e4gen verschickt werden mussten. Jeder, der                 mal so eine lose Blattsammlung erarbeitet hat und das Einsortieren                 von Updates kennt, wei\u00df, wie \u00e4tzend das ist. Da hat sich das Internet                 angeboten, und das <i>DadAWeb <\/i>existierte schon als Projekt.                 Seither ist es um diesen Bereich erweitert.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Und das nennt sich dann <i>DadAWeb 3.0<\/i>?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Ne, <i>DadAWeb 3.0<\/i> ist eher noch geplant.                 In dem Sinne, dass wir es schaffen wollen, dass aus der Datenbank                 des deutschsprachigen Anarchismus eine Datenbank wird, die wirklich                 jeder auch aktiv nutzen kann. Bisher sind wir allerdings immer                 an der technischen Realisierung gescheitert. Es soll aber mal                 in die Richtung gehen, dass auch die User selbst Daten eingeben                 und pflegen. Meine Vorstellung ist, dass jeder Titel quasi eine                 Homepage zu dem Titel ist, auf der sich die Leute \u00fcber die Inhalte                 des Titels austauschen k\u00f6nnen, auf der aber auch Angebote gemacht                 werden k\u00f6nnen, also ein Marktplatz existiert, wo Leute ihre gebrauchten                 B\u00fccher verkaufen k\u00f6nnen, dass da Interaktion angesagt ist, \u00fcber                 die reinen Daten hinaus.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Das <i>DadAWeb <\/i>ist in erster Linie<i> <\/i>ein                 Projekt, das den historischen Anarchismus beleuchtet. Wie w\u00fcrdest                 Du den Gegenwartsanarchismus einsch\u00e4tzen oder beschreiben?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Differenziert. Es gibt im Gegenwartsanarchismus                 Str\u00f6mungen, die ich sehr sympathisch finde, weil sie offen sind                 und auch neue gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen aufnehmen. Es gibt                 aber auch einen Bereich des Anarchismus, der mich eher abt\u00f6rnt,                 der schon zu einer Art politischer Sekte verkommen ist, der aus                 sich selbst zitiert, der an den alten traditionellen klassenk\u00e4mpferischen                 Konzepten festh\u00e4lt und sich eigentlich ein Getto eingerichtet                 hat, sich teilweise darin ersch\u00f6pft, dass sich die Leute gegenseitig                 fertig machen. Das ist h\u00e4ufig eben nicht sympathisch, wenn man                 sich bestimmte anarchistische Foren anschaut\u2026<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Du meinst jetzt <i>Anarchopedia<\/i> und <i>Syndikalismus.tk<\/i>?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Ja, genau. Das kann man beim Namen nennen.                 Ich denke, das t\u00f6rnt Leute eher ab, die sich noch nicht so eingehend                 mit Anarchismus besch\u00e4ftigt haben. Wenn ich jung und unbescholten                 w\u00e4re und noch keine Ahnung vom Anarchismus h\u00e4tte, spr\u00e4che mich                 so etwas nicht an. Und schon gar nicht den \u00fcbrigen Teil der Bev\u00f6lkerung.                 Da geht es mir \u00e4hnlich wie Horst Stowasser, der sp\u00e4testens seit                 dem Projekt A, das er initiiert hat, immer wieder versucht hat,                 aus diesem anarchistischen Getto auszubrechen und Fu\u00df zu fassen                 in der Wirklichkeit. Seine Einsch\u00e4tzung teile ich.<\/p>\n<p>Ich kann nicht behaupten, dass mich der Anarchismus noch so vom                 Hocker haut, wie damals, als ich jung und rebellisch und selber                 revolutionshungrig war, als ich es noch toll fand, als Streetfighter                 durch Berlin zu laufen. Irgendwann ist man \u00e4lter. Ich bin inzwischen                 60, da taugt man nicht mehr als Streetfighter. Mir geht es eher                 um die gelebte Anarchie. Vor ungef\u00e4hr 10 Jahren hatte ich mich                 im Zuge des Konfliktes mit <i>Anarchopedia<\/i> zunehmend mit der                 gelebten Anarchie besch\u00e4ftigt. Da ist die Idee entstanden mit                 <i>Anarchie 3.0<\/i>. Das ist quasi mein Lieblingsprojekt, weil                 mir aufgefallen ist, dass es \u00fcber den politischen Anarchismus                 hinaus viele Beispiele f\u00fcr gelebte Anarchie gibt. Als ich damals                 damit angefangen habe, f\u00fcr mich den Anarchismus zu hinterfragen,                 bin ich erst einmal bei den Konzepten der Nachkriegsanarchisten                 gelandet, also Rudolf Rocker oder Helmut R\u00fcdiger, die aus den                 Lehren der Spanischen Revolution und auch der Russischen Revolution                 so etwas wie eine Revision der Ideen der anarchistischen Konzepte                 entwickeln wollten und einen libert\u00e4ren Revisionismus entwickelt                 haben. <\/p>\n<p>Das war eine ganze Zeit lang f\u00fcr mich attraktiv, weil das klassenk\u00e4mpferische                 Modell aus meiner Sicht nicht mehr Erfolg versprechend war. Die                 Ideen der libert\u00e4ren Revisionisten basierten darauf, dass man                 irgendwo irgendwann mal ja sagt zu der Gesellschaft, in der man                 lebt, und versucht, diese zu ver\u00e4ndern, nicht nur \u00fcber eine Revolution,                 die man ansteuert und wo man alles in die Zukunft verlagert, sondern                 dass man schon im Hier und Jetzt aktiv wird.<\/p>\n<p>Dabei habe ich entdeckt, dass es viel mehr Beispiele f\u00fcr praktizierte                 Herrschaftslosigkeit au\u00dferhalb des Anarchismus gibt. Deswegen                 habe ich auch vorhin zwischen Anarchie und Anarchismus getrennt.<\/p>\n<p>Ich bin in meinem Revisionismus immer weiter gegangen und habe                 mich gefragt, welche Beispiele es denn f\u00fcr gelebte Anarchie gibt.                 Da entdeckt man bald, wenn man sich mit anthropologischen und                 ethnologischen Fragestellungen besch\u00e4ftigt, dass Anarchie das                 \u00e4lteste und erfolgreichste Gesellschaftsmodell der Menschheit                 ist. Den Staat gibt es noch nicht so lange, h\u00f6chstens seit 6.000                 Jahren; davor gab es die gelebte Anarchie. Wenn man sich anschaut,                 dass es noch wenige \u00fcberlebende staatenlose V\u00f6lker gibt, als Beispiel                 k\u00f6nnte man die Pygm\u00e4en erw\u00e4hnen, merkt man, dass gelebte Anarchie                 nicht nur m\u00f6glich ist, sondern auch ein sehr attraktives, realisierbares                 Lebensmodell ist, in dem die Leute gl\u00fccklich sind, in dem sie                 frei sind, individualistisch, ich rede jetzt speziell von den                 Pygm\u00e4en. Das haut einen vom Hocker, wenn man merkt, welche Methoden                 der Konfliktl\u00f6sung sie haben. Das sind funktionierende Modelle.<\/p>\n<p>Darauf basierend bin ich dazu gekommen, dass es Anarchie schon                 immer gegeben hat. Sie steckt in jedem von uns, jeder ist, wenn                 man so will, von seinem menschlichen Erbe her, im Grunde Anarchist.                 Gerade, wenn man sich Krisenzeiten anschaut, nehmen wir mal die                 Krise des DDR-Regimes im Zuge der friedlichen Revolution, da hat                 man schnell gemerkt, wenn das nicht mehr mit Herrschaft und Autorit\u00e4t                 und Bossen klappt, dann gehen die Menschen zu anarchischen Systemen                 \u00fcber. Das war gerade damals in diesem &#8222;wunderbaren Jahr der Anarchie&#8220;                 in der DDR so. Da gab es 1989\/90 zwischen dem Fall des DDR-Systems                 und der Wiedervereinigung und \u00dcbernahme durch das BRD-System dieses                 politische Vakuum, in dem sich die Leute teilweise gezwungenerma\u00dfen,                 weil die Dinge ja irgendwie weitergehen mussten, selbst organisiert                 haben. Es gibt Aussagen von ehemaligen DDR-Oppositionellen, die                 r\u00fcckblickend sagen, dass alle ausgesprochen machtmuffelig gewesen                 seien. Keiner h\u00e4tte Lust gehabt, Macht auszu\u00fcben, irgendwie den                 Chef zu spielen. Das ging bis hin zur herrschenden Klasse, die                 sich einfach verkr\u00fcmelt hat und auch keine Verantwortung mehr                 \u00fcbernehmen wollte. Das war zum Teil erstaunlich, was sich da in                 der DDR an Selbstorganisation getan hat. F\u00fcr mich ein Beispiel,                 dass das Anarchische im Menschen drinsteckt und immer wieder zum                 Vorschein kommt.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel sind Naturkatastrophen, wo sich Menschen                 immer wieder selbst organisieren. Da ist man schnell beim Modell                 der Herrschaftslosigkeit, weil das eben auch ganz gut funktioniert.<\/p>\n<p>Das geht auch dar\u00fcber hinaus. Ich habe bereits die Neuen Medien                 angesprochen, dass das Internet per se ein anarchisches Medium                 ist. Wenn man jetzt z.B. das Modell des Wikis nimmt. Bekannt ist                 vor allem <i>Wikipedia<\/i>, aber <i>Wikipedia<\/i> ist nicht das                 Wiki-Modell, es gibt eine Menge Wikis, das <i>DadAWeb <\/i>ist                 auch ein Wiki. Es ist f\u00fcr Wikis typisch, dass es keine festen                 Herrschaftsfunktionen gibt, sondern eher kollektive Abstimmungen.                 Texte werden gemeinsam erarbeitet. Wichtig sind die Methoden der                 Konfliktl\u00f6sung, die in Wikis gut geregelt sind. Da kommen Modelle                 zum Greifen, die man von den fr\u00fchen staatenlosen V\u00f6lkern kennt,                 eher soziale \u00c4chtung und solche Geschichten, weil eine reale Macht                 ja gar nicht existiert. Die meisten Wikis arbeiten auf freiwilliger                 Basis. Da m\u00fcssen sich die Menschen miteinander arrangieren. Da                 kommen die klassischen Modelle der staatenlosen V\u00f6lker zum Tragen.                 Das fand ich verbl\u00fcffend.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: In den letzten Jahren hat sich viel ins Internet                 verlagert. Fr\u00fcher gab es viele anarchistische Printmedien, heute                 nur noch wenige. Wie siehst Du die Perspektiven anarchistischer                 Zeitschriften? Z.B. der anarchosyndikalistischen <i>Direkten Aktion<\/i>                 oder der <i>Graswurzelrevolution<\/i>? Siehst Du da eine Zukunft,                 oder eher die Gefahr, dass die Printmedien verschwinden werden?<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Ich bin gelernter Kupferdrucker und damit                 jemand aus der Schwarzen Zunft. Und irgendwie h\u00e4ngt mein Herz                 an den gedruckten Werken. Aber ich muss zugeben, dass ich da skeptisch                 bin. Man merkt, dass die eBook-Reader immer perfekter werden.                 Das wei\u00dft Du ja sicher am besten, wie aufwendig es ist, eine gedruckte                 Zeitung zu machen, auch kostenaufwendig. Es ist auch nicht sehr                 \u00f6kologisch, soviel Papier zu verbraten. Von daher denke ich, dass                 sich das sehr \u00e4ndern wird. Digitale Produkte bieten mehr M\u00f6glichkeiten.                 Allein, wenn Du \u00fcberlegst, dass es im Internet die Links gibt,                 auch beim <i>DadAWeb<\/i>. Wir k\u00f6nnen auch im <i>Lexikon der Anarchie<\/i>                 Sachen machen, die in dem Printprodukt nicht m\u00f6glich w\u00e4ren. Da                 gab es dann in der gedruckten Version immer so kleine Pfeile,                 wenn z.B. in einem Beitrag \u00fcber Pjotr Kropotkin Michail Bakunin                 auftauchte, dann war da so ein Pfeil, und dann wusste man, aha,                 schau nach bei Bakunin, dann hat man gebl\u00e4ttert. In der digitalen                 Ausgabe klickt man darauf und ist, zack, bei Bakunin.<\/p>\n<p>Ein bisschen was weint in mir, wenn ich sehe, wie diese alte                 Buchkultur untergeht. Ich kann mich noch daran erinnern, mit welcher                 Liebe die Altanarchisten an ihren B\u00fcchern gehangen haben. Um ein                 Beispiel zu nehmen: Ich kannte in meiner Jugend ziemlich gut Fritz                 Scherer. Er war ein alter Anarchosyndikalist und kannte Erich                 M\u00fchsam noch pers\u00f6nlich. Er hatte mir vermittelt, was f\u00fcr eine                 Buchkultur diese alte anarchistische Bewegung hatte. Die haben                 sich das zum Teil vom Munde abgespart. <\/p>\n<p>Beim <i>Libertad Verlag<\/i> habe ich auch versucht, das, was                 eigentlich anachronistisch war, wiederzubeleben. Die Buchreihe                 <i>Archiv f\u00fcr Sozial- und Kulturgeschichte <\/i>ist in Hardcover                 eingebunden und damit deutlich haltbarer als diese Paperback-B\u00fccher.                 Das habe ich auch gemacht, weil ich an dieser Buchkultur h\u00e4nge.                 Realistischer weise denke ich, dass es ein Auslaufmodell ist.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Es ist sch\u00f6n, wenn man ein gutes Buch in der                 Hand hat oder eine Zeitung; das ist anders, als wenn du alles                 am Computer oder auf dem I-Phone liest. Ich hoffe, dass sich die                 Print-Lesekultur noch lange halten wird. Aber die Perspektiven                 sind ung\u00fcnstig. Das Zeitungssterben ist ein schlechtes Omen. Auch                 die Auflagenr\u00fcckg\u00e4nge vieler Zeitungen. Bei der <i>Graswurzelrevolution                 <\/i>ist das noch ein bisschen anders. Der GWR-Handverkauf ist                 zwar deutlich zur\u00fcckgegangen, aber die Zahl der Abos steigt. Das                 l\u00e4uft gegen den Trend und h\u00e4ngt sicher damit zusammen, dass es                 nicht mehr so viele Alternativen gibt. Es gibt eben nur noch wenige                 anarchistische Zeitschriften.<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Das stimmt.<\/p>\n<p><b>Bernd Dr\u00fccke: Dann konzentriert sich das auf die noch existenten,                 die vielleicht qualitativ ein relativ hohes Niveau haben. Aber                 die vergleichsweise positive Aboentwicklung der GWR oder auch                 die Bestseller des US-Anarchisten David Graeber, sind auch Indikatoren                 daf\u00fcr, dass anarchistisches Gedankengut attraktiv ist. Auch in                 der Blockupy- und Occupy-Bewegung, da gibt es viele libert\u00e4re                 Ideen, die sich in Handlungsweisen widerspiegeln k\u00f6nnen.<\/b><\/p>\n<p><i>Jochen Schm\u00fcck:<\/i> Das sehe ich genauso. Das ist der springende                 Punkt, dass der Anarchismus gar nicht so erfolglos gewesen ist.                 Realpolitisch betrachtet war er vielleicht nicht so erfolgreich.                 Aber erstens waren die Anarchisten sowieso nie realpolitisch ausgerichtet.                 Und zweitens stand schon bei den alten Anarchisten die Aufkl\u00e4rung                 im Vordergrund.<\/p>\n<p>Ich finde es schade, dass so wenig in der anarchistischen Bewegung                 wahrgenommen wird, wie erfolgreich sie kulturell war, wie sehr                 libert\u00e4res Ideengut in alle m\u00f6glichen Bereiche eingesickert ist,                 sei es die Psychologie, sei es die P\u00e4dagogik. Jetzt nicht im politischen                 Sinne, dass man sagen kann, hier haben wir eine gro\u00dfe Revolution                 gemacht, und hier haben wir irgendwie die herrschende Klasse beseitigt,                 und das war jetzt unser Erfolg, sondern es war ein stilles Aufnehmen                 in der Gesellschaft. Da denke ich, dass der Anarchismus recht                 erfolgreich gewesen ist.<\/p>\n<p>Du erw\u00e4hntest die Occupy-Bewegung, das konnte man in den USA                 gut beobachten, wie so fr\u00fchere anarchistische Tendenzen als Methoden                 aufgenommen worden sind, ohne dass es sich anarchistisch genannt                 hat, ohne dass es als anarchistisch deklariert wurde, aber einen                 anarchistischen Charakter hatte.<\/p>\n<p>Das meinte ich auch, als ich sagte, dass es viel mehr gelebte                 Anarchie gibt, als man denkt.<\/p>\n<p>Das ist das, was mich weiterhin besch\u00e4ftigt, worauf ich mich                 neben meiner Verlagsarbeit konzentriere. Ich betreibe noch <i>alibro<\/i>                 als Spezialbuchhandlung f\u00fcr Anarchie und Anarchismus. Ich muss                 auch von irgendetwas leben, weil ich von all diesen Projekten                 noch nie gelebt habe, weder vom <i>Libertad Verlag<\/i> noch von                 <i>alibro<\/i>. Ich habe diese politische Arbeit immer quasi ehrenamtlich                 gemacht, wollte davon auch nie leben, um nicht Marktzw\u00e4ngen ausgesetzt                 zu sein. Beruflich betreibe ich heute eine Internetagentur. Das                 l\u00e4sst mir leider nicht so viel Zeit, wie ich gerne h\u00e4tte, um mich                 mehr in mein Projekt <i>Anarchie 3.0<\/i> hineinknien zu k\u00f6nnen.                 Aber ich habe da einen Blog. Wer <i>Anarchie 3.0 <\/i>((4))                 im Internet sucht, findet das auch, und dann kann man sehen, womit                 ich mich besch\u00e4ftige.<\/p>\n<p>Da habe ich auch so witzige Sachen entdeckt wie dieses Orpheus                 Orchester in den USA, die aus der dortigen Studentenbewegung kommen                 und das Anarchistische aufgenommen haben in dem Sinne, dass sie                 den Dirigenten abgeschafft haben, was f\u00fcr ein Kammerorchester                 eigentlich unvorstellbar war. Die z\u00e4hlen inzwischen zu den bekanntesten,                 weil auch qualitativ besten Kammerorchestern der Welt. Sie haben                 direkt eine ausgefeilte Methode entwickelt, wie sie nicht nur                 ein Konzert gestalten, sondern auch mit Konflikten umgehen. Letztlich                 geht es ja immer darum, wenn man nicht so ein herk\u00f6mmliches Machtsystem                 hat, wo einer das Sagen hat, wie man auf herrschaftslose Art und                 Weise Konflikte l\u00f6st.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd Dr\u00fccke: Am 7. Juni 2013 hat Dich die Erich-M\u00fchsam-Gesellschaft in L\u00fcbeck mit dem Erich-M\u00fchsam-Preis geehrt, zusammen mit Andreas W. Hohmann, dem Verleger der anarchistischen Edition AV aus Lich. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch. Jochen Schm\u00fcck: Herzlichen Dank zum Gl\u00fcckwunsch. Bernd Dr\u00fccke: Erich M\u00fchsam ist eine bekannte Pers\u00f6nlichkeit des Anarchismus. Kannst Du etwas \u00fcber ihn erz\u00e4hlen? Jochen Schm\u00fcck: &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/09\/auf-der-seite-der-revolte\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\"Auf der Seite der Revolte\" - graswurzelrevolution","description":"Bernd Dr\u00fccke: Am 7. Juni 2013 hat Dich die Erich-M\u00fchsam-Gesellschaft in L\u00fcbeck mit dem Erich-M\u00fchsam-Preis geehrt, zusammen mit Andreas W. 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