{"id":13065,"date":"2013-10-01T00:00:07","date_gmt":"2013-09-30T22:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13065"},"modified":"2022-07-26T14:22:23","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:23","slug":"fluechtlinge-aufnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/10\/fluechtlinge-aufnehmen\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge aufnehmen!"},"content":{"rendered":"<p>Um die Verh\u00e4ltnisse deutlich zu machen: 5.000 ist die Gr\u00f6\u00dfenordnung,                 in der die Menschen derzeit t\u00e4glich aus Syrien fliehen. Nach UN-Angaben                 sind insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen geflohen, \u00fcber                 vier Millionen innerhalb Syriens vertrieben. Mehr als 97% der                 Fl\u00fcchtlinge haben Zuflucht in den Nachbarsstaaten gefunden. Doch                 dort wird die Situation immer prek\u00e4rer. Konflikte um Ressourcen                 drohen zu eskalieren. Kinder, die die H\u00e4lfte der Fl\u00fcchtlinge ausmachen,                 drohen neben traumatischen Gewalterfahrungen nun auch noch Opfer                 von Menschenhandel, Kinderarbeit und sexueller Ausbeutung zu werden.               <\/p>\n<h3>Grenzen \u00f6ffnen &#8211; Menschenrechte einhalten!<\/h3>\n<p>Die europ\u00e4ischen Staaten sollten, wie UN-Fl\u00fcchtlingskommissar                 Ant\u00f3nio Guterres fordert, unbegrenzt syrische Fl\u00fcchtlinge aufnehmen.                 Ein gro\u00dfz\u00fcgiges europ\u00e4isches Aufnahmeprogramm, das Fl\u00fcchtlinge                 evakuiert und sie menschenw\u00fcrdig aufnimmt, muss jetzt aufgelegt                 werden. Zur Erinnerung: Im Kosovokrieg 1999 haben die EU-Staaten                 in einer konzertierten Aktion 90.000 Fl\u00fcchtlinge aufgenommen.                 W\u00e4hrend des Bosnien-Kriegs fanden allein in Deutschland knapp                 330.000 Menschen Zuflucht, weil die Einreisebedingungen vergleichsweise                 gro\u00dfz\u00fcgig gestaltet waren. Aber Europa hat im dritten Kriegsjahr                 in Syrien nicht mal einen Plan A, geschweige denn einen Plan B,                 sondern sitzt diese humanit\u00e4re Katastrophe aus, die sich unmittelbar                 vor ihrer Grenze abspielt. Es sind nur einige Kilometer von Zypern                 bis zur syrischen K\u00fcste. Diese Unt\u00e4tigkeit ist zutiefst besch\u00e4mend.               <\/p>\n<p>Die EU ist zwar bereit, humanit\u00e4re Hilfe vor Ort zu gew\u00e4hrleisten                 und appelliert st\u00e4ndig an Syriens Nachbarstaaten: Haltet eure                 Grenzen auf, er\u00f6ffnet den syrischen Fl\u00fcchtlingen einen Fluchtweg.                 Aber zugleich hat die EU gigantische Summen investiert, um die                 europ\u00e4ische Au\u00dfengrenze gegen\u00fcber Schutzsuchenden zu verschlie\u00dfen.                 Europa l\u00e4sst die syrischen Fl\u00fcchtlinge im Stich. Schutzsuchende                 aus dem B\u00fcrgerkriegsland sterben in der \u00c4g\u00e4is und im Mittelmeer                 oder sie werden in lebensgef\u00e4hrdender Weise von der griechischen                 K\u00fcstenwache wieder in t\u00fcrkische Gew\u00e4sser zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. <\/p>\n<p>Dies ist ein glatter V\u00f6lkerrechtsbruch. F\u00fcr diese schweren Menschenrechtsverletzungen                 tr\u00e4gt Europa die Mitverantwortung. <\/p>\n<p>Der Staatenverbund finanziert diese menschenverachtende Politik                 Griechenlands und schweigt zu den t\u00e4glichen Zur\u00fcckweisungen. Ein                 europ\u00e4isches Rettungsprogramm f\u00fcr syrische Fl\u00fcchtlinge muss einhergehen                 mit einer Politik der Einhaltung der Menschenrechte an den EU-Au\u00dfengrenzen.                 Anstatt Fl\u00fcchtlinge menschenrechtswidrig abzuwehren, muss Europa                 endlich seine Grenzen \u00f6ffnen.<\/p>\n<h3>Deutschland muss mehr tun <\/h3>\n<p>Das bislang beschlossene deutsche Kontingent von 5.000 ist besch\u00e4mend                 gering. Die Bundesregierung muss die Initiative f\u00fcr ein gro\u00dfz\u00fcgiges,                 gemeinsames EU-Aufnahmeprogramm ergreifen und das deutsche Kontingent                 deutlich zu erh\u00f6hen. <\/p>\n<p>Beendet werden muss auch die unw\u00fcrdige Praxis der Nichtzust\u00e4ndigkeitserkl\u00e4rungen                 f\u00fcr Asylsuchende im Dublin-System. Wenn syrische Fl\u00fcchtlinge Verwandte                 oder Bekannte in einem bestimmten EU-Staat haben, sollen sie dorthin                 weiterreisen und dort Schutz finden. Bislang sitzen zahlreiche                 syrische Fl\u00fcchtlinge &#8211; auch solche mit Ankn\u00fcpfungspunkten nach                 Deutschland &#8211; oft unter katastrophalen Bedingungen in EU-Randstaaten                 wie Griechenland fest. <\/p>\n<h3>Von wegen &#8222;unb\u00fcrokratische Hilfe&#8220; <\/h3>\n<p>In Deutschland leben rund 40.000 syrische Staatsangeh\u00f6rige mit                 Aufenthaltserlaubnis. Viele von Ihnen versuchen h\u00e4nderingend Angeh\u00f6rige                 aus der Krisenregion zu sich zu holen. Doch der Familiennachzug                 scheitert in vielen F\u00e4llen an hohen b\u00fcrokratischen H\u00fcrden.<\/p>\n<p>Bislang haben zwar die meisten Bundesl\u00e4nder Aufnahmeanordnungen                 erlassen oder angek\u00fcndigt, nach denen Angeh\u00f6rige hier lebender                 Syrerinnen und Syrer unter bestimmten Bedingungen ein Visum f\u00fcr                 Deutschland erhalten. Als H\u00fcrde k\u00f6nnte sich jedoch schon allein                 der Zugang zum Visumverfahren bei den deutschen Botschaften erweisen,                 die in der Vergangenheit h\u00e4ufig auf Monate hinaus keine Termine                 mehr frei hatten. Zudem hat Baden-W\u00fcrttemberg die Zahl der aufzunehmenden                 Personen von vornherein auf magere 500 begrenzt und das bev\u00f6lkerungsreiche                 Nordrhein-Westfalen sogar nur auf 1.000. Dort leben 12.700 syrische                 Staatsangeh\u00f6rige. Bayern \u00e4u\u00dfert sich noch zur\u00fcckhaltender und                 spricht explizit von &#8222;Einzelf\u00e4llen&#8220;.<\/p>\n<\/p>\n<h3>Der Schutz von Angeh\u00f6rigen darf nicht am Geldbeutel scheitern               <\/h3>\n<p>Der Wortlaut der bislang beschlossenen Aufnahmeanordnungen der                 L\u00e4nder l\u00e4sst bef\u00fcrchten, dass es sich ohnehin nur wohlhabende                 Familien leisten k\u00f6nnten, Angeh\u00f6rige nach Deutschland zu holen.                 Grund daf\u00fcr ist die obligatorisch verlangte Verpflichtungserkl\u00e4rung.               <\/p>\n<p>Ein Beispiel: Welche Familie kann auf unbestimmte Zeit monatlich                 1.300 Euro Unterhalt, davon allein 680 Euro Kranken- und Pflegeversicherungsschutz,                 f\u00fcr die beiden Gro\u00dfeltern zahlen? Dabei sind Kosten f\u00fcr eine zus\u00e4tzliche                 Unterkunft noch nicht einmal eingerechnet. Als einziges Bundesland                 hat Niedersachsen niedrigere Ma\u00dfst\u00e4be an das verf\u00fcgbare Einkommen                 angelegt. F\u00fcr viele d\u00fcrfte es dennoch nur schwer m\u00f6glich sein,                 mit dem Familiennettogehalt auch nur die Pf\u00e4ndungsfreigrenze zu                 \u00fcberschreiten. <\/p>\n<p>Bund und L\u00e4nder sind gefordert, die Regelungen praktikabel zu                 machen. Insbesondere muss der Krankenversicherungsschutz der Angeh\u00f6rigen                 \u00fcber eine pauschale Regelung sichergestellt werden. Die Anforderungen                 an den materiellen Beitrag der hier lebenden Familienteile muss                 abgesenkt und zeitlich befristet werden. Auch darf der Nachweis                 einer nahen Verwandtschaft die Betroffenen nicht vor unn\u00f6tige                 b\u00fcrokratische Probleme stellen. Werden diese b\u00fcrokratischen H\u00fcrden                 nicht abgebaut, werden weiterhin zahlreiche in Deutschland lebende                 Syrerinnen und Syrer ihre Angeh\u00f6rigen nicht aus dem Krisengebiet                 zu sich holen k\u00f6nnen. <\/p>\n<h3>Schutzsuchenden das Recht auf Familiennachzug gew\u00e4hren <\/h3>\n<p>Seit Beginn des Krieges 2011 haben etwas \u00fcber 15.000 syrische                 Fl\u00fcchtlinge, die sich auf eigene Faust nach Deutschland durchgeschlagen                 haben, hierzulande Asyl beantragt. Zwar erhalten fast alle von                 ihnen, bei denen Deutschland seine Zust\u00e4ndigkeit anerkennt, einen                 Schutzstatus, doch 80 Prozent von Ihnen erhalten nur einen Aufenthaltstitel                 als subsidi\u00e4re Schutzberechtigte. Damit stehen die Betroffenen                 &#8211; im Unterschied zu nach der Genfer Konvention anerkannten Fl\u00fcchtlingen                 &#8211; beim Familiennachzug vor hohen H\u00fcrden: In der Praxis wird es                 f\u00fcr die Betroffenen sehr schwer, ihre Familien zu sich zu holen.               <\/p>\n<p>Schweden hat es bereits vorgemacht und spricht rund 8.000 syrischen                 Staatsb\u00fcrgerinnen und -b\u00fcrgern, die bislang nur ein befristetes                 Aufenthaltsrecht hatten, und allen k\u00fcnftig ankommenden syrischen                 Asylsuchenden einen dauerhaften Status mit dem Recht auf Familiennachzug                 zu. Deutschland sollte diesem Beispiel folgen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Verh\u00e4ltnisse deutlich zu machen: 5.000 ist die Gr\u00f6\u00dfenordnung, in der die Menschen derzeit t\u00e4glich aus Syrien fliehen. 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