{"id":13067,"date":"2013-10-01T00:00:31","date_gmt":"2013-09-30T22:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=13067"},"modified":"2022-07-26T14:22:22","modified_gmt":"2022-07-26T12:22:22","slug":"ein-anarchistischer-blick-auf-den-syrischen-widerstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/10\/ein-anarchistischer-blick-auf-den-syrischen-widerstand\/","title":{"rendered":"Ein anarchistischer Blick auf den syrischen Widerstand"},"content":{"rendered":"<p><b>Joshua Stephens (Truthout): AnarchistInnen waren von Anfang                 an in der Syrischen Revolution aktiv und haben auch dar\u00fcber geschrieben.                 Wissen Sie etwas dar\u00fcber, welche Aktivit\u00e4ten es davor gab? Gab                 es bedeutende Ereignisse, in denen sich Anarchismus in Syrien                 ge\u00e4u\u00dfert hat?<\/b><\/p>\n<p><i>Nadir Atassi: <\/i>Wegen des autorit\u00e4ren Charakters des syrischen                 Regimes gab es vor der Revolution immer sehr wenig Handlungsspielraum.                 Wenn wir jedoch vom Anarchismus im arabischen Raum sprechen, dann                 kamen bedeutende Stimmen aus Syrien. <\/p>\n<p>Obwohl es keine Organisierung gab, die explizit &#8222;anarchistisch&#8220;                 war, gewannen syrische Blogger und Autoren mit anarchistischen                 Einfl\u00fcssen in den letzten zehn Jahren immer mehr Bedeutung in                 der &#8222;Szene&#8220;. <\/p>\n<p>Mazen Kamalmaz ((3)) ist ein                 syrischer Anarchist, der in den letzten Jahren viel geschrieben                 hat. Seine Texte beinhalten viel anarchistische Theorie, die er                 auf aktuelle Anl\u00e4sse bezog. Und er war eine bedeutende Stimme                 des arabischen Anarchismus, lange bevor der Aufstand begann. Er                 hat viel auf Arabisch geschrieben und k\u00fcrzlich hielt er einen                 Vortrag in einem Caf\u00e9 in Kairo mit dem Titel: &#8222;Was ist Anarchismus?&#8220;<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Organisierung war die Situation jedoch eine andere.                 In der repressiven Landschaft eines autorit\u00e4ren Regimes mussten                 viele kreativ sein und M\u00f6glichkeiten, die sich ihnen boten, nutzen,                 um irgendeine Form von Bewegung zu organisieren. Das hat de facto                 zu einer dezentralen Art sich zu organisieren gef\u00fchrt. Zum Beispiel                 entstanden w\u00e4hrend der zweiten pal\u00e4stinensischen Intifada und                 des Irakkrieges Studierendenbewegungen an den syrischen Universit\u00e4ten.                 Das war eine Art \u00f6ffentlicher Unmuts\u00e4u\u00dferungen, die das Regime                 tolerierte. Es wurden Demonstrationen organisiert, um gegen den                 Irakkrieg zu demonstrieren, oder in Solidarit\u00e4t mit der pal\u00e4stinensischen                 Intifada. Obwohl viele Mukhabarat ((4))                 -Mitglieder diese Bewegungen infiltrierten und streng \u00fcberwachten,                 handelte es sich dabei um eine rein spontane Erhebung seitens                 der Studierenden.<\/p>\n<p>Und obwohl sich die Studierenden sehr bewusst waren, wie stark                 sie \u00fcberwacht wurden (der Mukhabarat begleitete die Demos mit                 Notizb\u00fcchern, in die sie die gerufenen und auf Transparente geschriebenen                 Parolen notierten), nutzten sie diesen kleinen politischen Handlungsspielraum,                 der ihnen gew\u00e4hrt wurde, um schrittweise auch innenpolitische                 Themen im Rahmen der vom Regime gew\u00e4hrten Proteste zu au\u00dfenpolitischen                 Themen anzusprechen.<\/p>\n<p>Eines der gewagtesten Ereignisse, von denen ich geh\u00f6rt habe,                 war, als Studierende der Aleppo-Universit\u00e4t w\u00e4hrend eines Protests                 gegen den Irakkrieg Schilder mit dem Slogan &#8222;Nein zur Notstandsgesetzgebung&#8220;                 hochhielten. [In Syrien gelten seit 1963 Notstandsgesetze]. Solche                 Aktionen hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Viele der Studierenden,                 die sich w\u00e4hrend dieser Proteste spontan als charismatische Organisatoren                 hervorgetan haben, verschwanden zu einem sehr fr\u00fchen Zeitpunkt                 der jetzigen Aufst\u00e4nde. Das Regime war misstrauisch gegen\u00fcber                 den Netzwerken der Aktivisten, die aus den vorangegangenen Bewegungen                 entstanden sind, und ist deshalb gegen diese friedlichen Aktivisten                 vorgegangen, von denen es wusste, dass sie eine Bedrohung darstellen                 k\u00f6nnten. (Und gleichzeitig wurde das Regime nachsichtiger mit                 den Netzwerken der Djihadisten und lie\u00dfs Ende 2011 hunderte von                 ihnen aus dem Gef\u00e4ngnis frei.) An der Aleppo-Universit\u00e4t gibt                 es zuf\u00e4lligerweise eine sehr bekannte Studierendenbewegung, die                 den Aufstand unterst\u00fctzt, so dass die Uni auch als &#8222;Universit\u00e4t                 der Revolution&#8220; bekannt ist. Sp\u00e4ter hat das Regime die Universit\u00e4t                 angegriffen und viele Studierende im Architekturinstitut get\u00f6tet.               <\/p>\n<p><b>Joshua Stephens (Truthout): Sie haben k\u00fcrzlich auf Ihrem Blog                 \u00fcber eine m\u00f6gliche US-Intervention als eine Art Folge einer Iranischen                 und Russischen Intervention zugunsten Assads und islamistischer                 Intervention in revolution\u00e4re Bewegungen geschrieben. Fast wie                 k\u00fcrzlich in \u00c4gypten scheinen AnarchistInnen eine herausragende                 Stimme zu sein, die sich gegen zwei unbefriedigende S\u00e4ulen in                 der Berichterstattung der Mainstream-Medien erhebt &#8211; eine Stimme,                 die von Selbstorganisierung spricht. Ist das eine zutreffende                 Interpretation?<\/b><\/p>\n<p><i>Nadir Atassi: <\/i>Ja, ich glaube, das stimmt. Aber ich w\u00fcrde                 auch ein paar Dinge klarstellen. Am Beispiel Syrien gibt es viele,                 auf die diese Beschreibung zutrifft; nicht nur auf AnarchistInnen                 sondern auch auf TrotzkistInnen, MarxistInnen, Linke und sogar                 auf einige Liberale. Der st\u00e4ndige Verweis auf Selbstbestimmung                 basiert auch auf Autonomie und Dezentralisierung und nicht auf                 der irgendwie nationalistischen, zentralisierten Selbstbestimmung                 &#8222;eines Volkes&#8220; nach Wilsons Vorstellung. Es geht darum, dass die                 SyrerInnen ihr Schicksal in die eigenen H\u00e4nde nehmen &#8211; nicht im                 nationalistischen Sinn, sondern auf mikro-politischer Ebene.<\/p>\n<p>Syrische Selbstbestimmung bedeutet zum Beispiel nicht, dass es                 eine Linie gibt, der alle SyrerInnen folgen, sondern dass jede                 Person ihre eigene Linie bestimmt, ohne dass andere Einfluss darauf                 nehmen. Syrische KurdInnen haben in dieser Konzeption zum Beispiel                 auch das Recht auf volle Selbstbestimmung, anstatt sie in eine                 beliebige syrische Identit\u00e4t zu zwingen und zu sagen, dass alle                 Menschen, denen diese Identit\u00e4t zugeschrieben wird, das gleiche                 Schicksal teilen.<\/p>\n<p>Sprechen wir \u00fcber Parteien, wie zum Beispiel das Regime, aber                 auch seine ausl\u00e4ndischen Verb\u00fcndeten und die Djihadisten, die                 gegen syrische Selbstbestimmung sind. Das sind sie aber nicht,                 weil es eine Idee syrischer Selbstbestimmung gibt, gegen die sie                 sind, sondern sie wollen ihre eigene Idee allen anderen aufzwingen.                 Das Regime ist und war immer gegen syrische Selbstbestimmung,                 weil es die gesamte politische Macht in H\u00e4nden h\u00e4lt und sich weigert,                 sie zu teilen. <\/p>\n<p>Die Islamisten sind gegen syrische Selbstbestimmung, nicht weil                 es ihnen ihre islamistische Tugend verbietet (deshalb sind auch                 viele Liberale gegen sie), sondern weil sie ein Bild vor Augen                 haben, wie eine Gesellschaft funktionieren sollte. Das wollen                 sie anderen aufzwingen. Auch das ist gegen die syrische Selbstbestimmung.               <\/p>\n<p>Die Alliierten des Assad-Regimes, Iran, Russland und verschiedene                 ausl\u00e4ndische Milizen, sind gegen syrische Selbstbestimmung, weil                 sie entschlossen sind, dieses Regime zu st\u00fctzen, weil sie sich                 entschieden haben, dass ihre geopolitischen Interessen \u00fcber denen                 der SyrerInnen stehen, ihr Schicksal in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen.<\/p>\n<p>Die Berichterstattung der Mainstreammedien versucht immer Menschen                 so darzustellen, als w\u00fcrden sie in Verh\u00e4ltnissen leben, in denen                 es nur zwei Seiten gibt. Aber die syrische Revolution brach aus,                 als die Menschen Selbstbestimmung von der einen Partei forderten,                 die sie ihnen verwehrte: dem Regime von Bashar al-Assad. Mit der                 Zeit betraten andere Akteure die B\u00fchne, die den SyrerInnen ebenfalls                 ihre Selbstbestimmung absprachen, darunter auch einige, die gegen                 das Regime k\u00e4mpfen. <\/p>\n<p>Aber die Position war es nie, einfach gegen das Regime zu sein,                 um gegen das Regime zu sein. Von unseren GenossInnen in \u00c4gypten                 vermute ich auch, dass sie gegen die Ikhwan [Muslimbruderschaft]                 sind, um gegen die Ikhwan zu sein. Das Regime nahm den Menschen                 die Selbstbestimmung. Sollte das Regime mit dem Ergebnis abgesetzt                 werden, dass andere an dessen Stelle treten, die die SyrerInnen                 dominieren, sollte das nicht als Erfolg gesehen werden. <\/p>\n<p>Als in \u00c4gypten die Ikhwan an die Macht kamen, machten diejenigen,                 die sie f\u00fcr eine Beleidigung der Revolution hielten, mit dem Slogan                 &#8222;al thawra mustamera&#8220; [&#8222;die Revolution geht weiter&#8220;] weiter. Das                 wird auch in Syrien passieren, wenn nach dem Sturz des Regimes                 eine Partei an die Macht kommt, die die SyrerInnen nicht ihr Schicksal                 in die eigenen H\u00e4nde nehmen l\u00e4sst. <\/p>\n<p><b>Joshua Stephens (Truthout): Als ich Mohammad Bamyeh ((5))<\/b>                 <b> dieses Jahr interviewte sprach er \u00fcber Syrien als ein sehr                 interessantes Beispiel daf\u00fcr, dass Anarchismus die treibende Methode                 vor Ort sei. Er hob besonders hervor, dass, wenn mensch von Organisierung                 in der syrischen Revolution h\u00f6rt, mensch dann von Komitees und                 anderen Formen h\u00f6rt, die sehr horizontal und autonom sind. Seine                 Vermutung scheint von Berichten von Menschen wie Budour Hassan                 gen\u00e4hrt zu werden, die Leben und Arbeit Omar Aziz&#8216; dokumentierten.                  ((6))<\/b> <b> Sehen Sie diesen                 Einfluss bei dem, was Ihre GenossInnen machen und berichten?<\/b><\/p>\n<p><i>Nadir Atassi: <\/i>Ja, das beschreibt Anarchismus so, wie er                 gesehen werden sollte, als eine Vielzahl bestimmter Praktiken,                 statt als Ideologie. Viele Organisierungsans\u00e4tze im syrischen                 Aufstand hatten einen anarchistischen Ansatz, wenn auch nicht                 explizit. Ein Beispiel ist die Arbeit, die der M\u00e4rtyrer Omar Aziz                 bei der Entstehung der lokalen R\u00e4te leistet, was Tahir-ICN ((7))                 und Budour Hassan sehr gut dokumentierten. Aziz betrachtete diese                 R\u00e4te im Kern als Organisationen, wo Selbstverwaltung und gegenseitige                 Hilfe gedeihen k\u00f6nnen. Ich denke, dass Omars Vision der Arbeitsweise                 der lokalen R\u00e4te Leben eingehaucht hat, auch wenn mensch erw\u00e4hnen                 muss, dass die R\u00e4te den Fokus auf Selbstverwaltung aufgegeben                 haben und sich daf\u00fcr auf Medienarbeit und auf das Beschaffen von                 Hilfe konzentrieren. Aber ihre Arbeitsweise basiert immer noch                 auf den Prinzipien der gegenseitigen Hilfe, der Kooperation und                 des Konsens.<\/p>\n<p>Die Stadt Yabroud, die zwischen Damaskus und Homs liegt, ist                 die Kommune des syrischen Aufstands. Neben dem Vorbild f\u00fcr religi\u00f6se                 Koexistenz, viele ChristInnen leben in der Stadt, wurde Yabroud                 auch Vorbild f\u00fcr Autonomie und Selbstverwaltung in Syrien. Nachdem                 sich die Sicherheitskr\u00e4fte des Regimes auf Befehl Assads aus Yabroud                 zur\u00fcckgezogen haben, um woanders eingesetzt zu werden, f\u00fcllten                 die BewohnerInnen die L\u00fccke und erkl\u00e4rten &#8222;wir organisieren jetzt                 alle Aspekte des Stadtlebens selbst [sic].&#8220; Angefangen von der                 Stadtgestaltung bis zur Umbenennung der Schule in &#8222;Freiheitsschule&#8220;                 ist Yabroud das Beispiel daf\u00fcr, wie viele SyrerInnen, mich eingeschlossen,                 hoffen, dass das Leben nach Assad aussehen wird. Andere Gegenden,                 die von reaktion\u00e4ren Djihadis kontrolliert werden, zeichnen ein                 dunkleres Bild von der Zukunft, aber nichtsdestotrotz ist es wichtig                 anzuerkennen, dass es Alternativen gibt. <\/p>\n<p>Die &#8222;Revolution\u00e4re Jugend Syriens&#8220; ist ein Netzwerk von AktivistInnen,                 das haupts\u00e4chlich in Damaskus aktiv ist, eigentlich aber \u00fcber                 das ganze Land verstreut. Sie sind eine klandestine Organisation,                 die extrem wagemutige Demonstrationen machen, oft im Herzen des                 regimekontrollierten Damaskus, vermummt und mit Symbolen und Fahnen                 der syrischen Revolution zusammen mit kurdischen Fahnen (einem                 weiteren Tabu in Syrien).<\/p>\n<p>In Darayya im Umland von Damaskus, wo es von Seiten des Regimes                 immer wieder zu schweren K\u00e4mpfen kommt, seit die Stadt im November                 2012 in die H\u00e4nde der Rebellen gefallen ist, haben sich einige                 BewohnerInnen inmitten all der K\u00e4mpfe entschieden, sich zusammenzutun                 und eine Zeitung zu gr\u00fcnden, die sie Enab Baladi (was so viel                 bedeutet wie &#8222;Trauben von hier&#8220;, da Darayya eine ber\u00fchmte Traubenstadt                 ist). <\/p>\n<p>Die Zeitung berichtet sowohl dar\u00fcber, was in Darayya vor Ort                 als auch im Rest von Syrien passiert. Sie wird gedruckt und gratis                 in der ganzen Stadt verteilt. <\/p>\n<p>Die Prinzipien Selbstverwaltung, Autonomie, gegenseitige Hilfe                 und Kooperation gibt es in vielen Organisationen innerhalb des                 Aufstands. Die Organisationen, die nach einigen dieser Prinzipien                 handeln, tragen die Totalit\u00e4t des Aufstandes nicht mit. Es gibt                 reaktion\u00e4re Elemente, sektiererische Elemente, imperialistische                 Elemente. Aber davon haben wir ja schon immer viel geh\u00f6rt, oder                 nicht? Es gibt Leute die auf Basis guter Prinzipien gro\u00dfartige                 Arbeit machen und Unterst\u00fctzung verdienen.<\/p>\n<p><b>Joshua Stephens (Truthout): Wie w\u00fcrde eine US-Intervention                 die Gestalt oder die Dynamik der Revolution ver\u00e4ndern?<\/b><\/p>\n<p><i>Nadir Atassi: <\/i>Generell denke ich, dass Interventionen                 den Aufstand sehr negativ beeinflusst haben. Eine US-Intervention                 w\u00e4re da nicht anders. Aber ich denke, wie diese spezielle Intervention                 die Gestalt und Dynamik der Revolution beeinflussen wird, h\u00e4ngt                 vom Umfang der US-Milit\u00e4rschl\u00e4ge ab. Wenn die USA so eingreifen,                 wie sie sagen, dass sie es werden, n\u00e4mlich mit &#8222;strafenden&#8220;, &#8222;beschr\u00e4nkten&#8220;,                 &#8222;chirurgischen&#8220;, &#8222;symbolischen&#8220; Schl\u00e4gen, wird das zu keinen bedeutenden                 Ver\u00e4nderungen auf dem Schlachtfeld f\u00fchren. Es k\u00f6nnte dem Assad-Regime                 jedoch einen Propagandasieg bescheren, weil es dann behaupten                 kann, es h\u00e4tte dem &#8222;US-Imperialismus standgehalten.&#8220;<\/p>\n<p>Diktatoren, die Kriege gegen sie \u00fcberlebten, tendieren dazu,                 Siege auf Basis des \u00dcberlebens auszurufen, auch wenn sie in Wirklichkeit                 verloren haben.<\/p>\n<p>Als Saddam Hussein von den USA, Saudi-Arabien und anderen aus                 Kuwait vertrieben wurde, blieb er noch f\u00fcr zw\u00f6lf Jahre an der                 Macht, zw\u00f6lf Jahre die gef\u00fcllt waren mit Propaganda dar\u00fcber, wie                 Saddam w\u00e4hrend &#8222;der Mutter aller Schlachten&#8220; standhaft blieb.<\/p>\n<p>Wenn die Milit\u00e4rschl\u00e4ge am Ende doch h\u00e4rter ausfallen sollten,                 als zur Zeit diskutiert wird, und sie die Lage auf dem Schlachtfeld                 bedeutend \u00e4ndern oder das Assad-Regime bedeutend schw\u00e4chen, dann                 denke ich, dass die m\u00f6glichen negativen Auswirkungen andere sein                 werden. Ich denke, das wird dazu f\u00fchren, dass die SyrerInnen ihre                 Zukunft nicht selbst bestimmen werden k\u00f6nnen. Auch wenn die USA                 Assad nicht m\u00f6gen, haben sie doch oft erkl\u00e4rt, dass sie denken,                 dass der institutionelle Rahmen des Regimes intakt bleiben solle,                 um die Stabilit\u00e4t des zuk\u00fcnftigen Syrien zu gew\u00e4hrleisten. <\/p>\n<p>Kurz gesagt, wie viele schon geschrieben haben, die USA wollen                 einen &#8222;Assadismus ohne Assad&#8220;. Sie wollen das Regime ohne die                 Figur Assad.<\/p>\n<p>Genauso wie sie es in \u00c4gypten erreichten, als Mubarak zur\u00fccktrat,                 aber die Macht des Milit\u00e4rs, der &#8222;deep state&#8220;, erhalten blieb.                 Genauso was im Jemen passiert ist, wo die USA aushandelten, dass                 der Pr\u00e4sident zur\u00fccktritt aber der Rest gr\u00f6\u00dftenteils unver\u00e4ndert                 blieb. Das Problem dabei liegt darin, dass die SyrerInnen riefen:                 &#8222;Das Volk fordert den Sturz des Regimes&#8220; und nicht nur Assads.                 Es gibt einen allgemeinen Konsens, der von den USA, Russland bis                 zum Iran geteilt wird, dass egal was in Syrien passiert, die Institutionen                 des Regimes intakt bleiben sollen. Diejenigen Institutionen, die                 von einer Diktatur errichtet wurden. Diejenigen Institutionen,                 die Syrien gepl\u00fcndert haben und die Unzufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung                 hervorgerufen haben, die zu diesem Aufstand f\u00fchrte. Diejenigen                 Institutionen, die nur die \u00dcberbleibsel des franz\u00f6sischen Kolonialismus                 sind.<\/p>\n<p>Jede_r in Syrien wei\u00df, dass die USA KandidatInnen f\u00fcr F\u00fchrungsrollen                 in einem zuk\u00fcnftigen Syrien bevorzugt, die erst Teil des Regimes                 waren und dann abtr\u00fcnnig wurden: Ba&#8217;athistische B\u00fcrokraten die                 zu neoliberalen Technokraten wurden, die zu &#8222;Abtr\u00fcnnigen&#8220; wurden.                 Solche Leute sollen Syrien regieren, wenn es nach den USA geht.<\/p>\n<p>Die SyrerInnen haben schon sehr viele Opfer gebracht. Sie haben                 den h\u00f6chsten Preis f\u00fcr ihre Forderungen bezahlt. Ich will nicht,                 dass das alles vergebens war. Ich hoffe, dass bei der Eile, Assad,                 das Symbol des Regimes, loszuwerden, nicht das Regime erhalten                 bleibt. <\/p>\n<p>Syrien hat mehr verdient als einen Haufen zwielichtiger Institutionen                 und eine B\u00fcrokratie, die von Diktatoren errichtet wurde, die das                 syrische Volk unter Kontrolle und befriedet halten wollte. Es                 gibt keinen Grund, Institutionen zu behalten, die an der Pl\u00fcnderung                 des Landes und der Ermordung der Menschen beteiligt waren.<\/p>\n<p>Auch weil ich wei\u00df, dass sich die USA genau das f\u00fcr Syrien w\u00fcnscht,                 lehne ich jedes direkte Eingreifen der USA ab. Wenn die USA helfen                 wollen, k\u00f6nnen sie mit diplomatischen Mitteln auf Russland und                 Iran einwirken und sie \u00fcberzeugen, den Krieg zu beenden, damit                 die SyerInnen selbst bestimmen k\u00f6nnen, was als n\u00e4chstes getan                 werden soll. <\/p>\n<p>Aber ein direktes Eingreifen der USA ist eine Fremdbestimmung                 der n\u00e4chsten Stufe f\u00fcr die SyrerInnen, was meiner Meinung nach                 abgelehnt werden sollte.<\/p>\n<p><b>Joshua Stephens (Truthout): Wie kann Syrien von au\u00dfen geholfen                 werden?<\/b><\/p>\n<p><i>Nadir Atassi: <\/i>F\u00fcr Menschen von au\u00dferhalb ist das schwierig.                 Materielle Unterst\u00fctzung kann nur sehr wenig geleistet werden.                 Das einzige, was mir in einem gr\u00f6\u00dferen Rahmen einf\u00e4llt, ist diskursive                 bzw. intellektuelle Unterst\u00fctzung. <\/p>\n<p>Die Linke stand dem syrischen Aufstand sehr ablehnend gegen\u00fcber,                 haben die schlimmsten Elemente der Aktivit\u00e4ten gegen das Regime                 als die einzigen, die es gibt, behandelt und haben Darstellungen                 des Regimes f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen. Was ich von den Menschen                 will, ist, dass sie dieses Bild gerade r\u00fccken und aufzeigen, dass                 es im syrischen Aufstand Elemente gibt, die es wert sind, unterst\u00fctzt                 zu werden.<\/p>\n<p>Helft mit, die sch\u00e4dliche Dichotomie zu brechen, dass mensch                 sich nur zwischen Assad und Al-Kaida oder Assad und US-Imperialismus                 unterscheiden kann. Seid fair zur Geschichte und den Opfern des                 syrischen Volkes, in dem ihr ihnen angemessen Rechnung tragt.<\/p>\n<p>Vielleicht ist es zu sp\u00e4t und die herrschenden Sichtweisen sind                 gegenw\u00e4rtig zu stark, um \u00fcberwunden werden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber wenn die Menschen jetzt damit anfangen, k\u00f6nnen vielleicht                 zumindest die Geschichtsb\u00fccher fair sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joshua Stephens (Truthout): AnarchistInnen waren von Anfang an in der Syrischen Revolution aktiv und haben auch dar\u00fcber geschrieben. Wissen Sie etwas dar\u00fcber, welche Aktivit\u00e4ten es davor gab? Gab es bedeutende Ereignisse, in denen sich Anarchismus in Syrien ge\u00e4u\u00dfert hat? Nadir Atassi: Wegen des autorit\u00e4ren Charakters des syrischen Regimes gab es vor der Revolution immer sehr &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2013\/10\/ein-anarchistischer-blick-auf-den-syrischen-widerstand\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Ein anarchistischer Blick auf den syrischen Widerstand - graswurzelrevolution","description":"Joshua Stephens (Truthout): AnarchistInnen waren von Anfang an in der Syrischen Revolution aktiv und haben auch dar\u00fcber geschrieben. 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